Die magischen Kurtisanen

Hans der Däumeling

Ein Reform-Märchen

von Ullrich F.J. Mies 

Fachkompetenz und seine über die Jahre erprobte Haltung hatten Hans den Aufstieg ins Leitungsgefüge des „Ministeriums für Steuersenkungen“ ermöglicht. Auf Grund seines Beamteneides, den er vor 25 Jahren geleistet hatte, fühlte er sich immer noch dem Gemeinwohl verpflichtet. 
Mehrere Kollegen im Ministerium hatten ihn in letzter Zeit auf seinen rechten Daumen angesprochen und gefragt: „Wie sieht denn Dein Daumen aus?“ Auf die Fragen wusste Hans keine Antwort. Er machte sich aber ernsthaft Gedanken über den Zustand des Daumens: Dieser wies weiße Längsfalten und Schrunzeln auf, ganz wie nach einem langen Bad.  Um weiteren neugierigen Blicken und kritischen Fragen zu entgehen, ballte er die Hand zur Faust und umschloss seinen rechten Daumen mit den Fingern. 
Eines Nachts träumte Hans ganz fürchterlich:
Im Türrahmen seines Büros im Ministerium für Steuersenkungen stand der Chef und sagte: „Dir fehlt der ausreichende Steuersenkungseifer. Du zeigst ungenügenden Reformwillen. Ich sage es ungern, aber du bist reformmüde." 
„Mir kommen da gewisse Zweifel, Chef", entgegnete Hans kleinlaut. „Was machen denn die ständigen Steuersenkungs-Reformen für einen Sinn? Geht noch alles mit rechten Dingen zu? Wird denn auf die fünfte noch eine sechste und auf die sechste noch eine siebte Reform folgen?“ 
Da ging der Chef auf Hans los, ergriff dessen linkes Ohr und zog ihn hinter seinem Schreibtisch hervor: „Jetzt ist aber Schluss mit deinen Reformbedenken, du kommst jetzt mit zum Steuersenkungs-Sekretär.“ Dieser belehrte Hans in einem Personalgespräch: "Solche Fragen gehen dich nichts an. Über Reformen wird grundsätzlich höheren Ortes entschieden. Als Beamter bist du ausführende Kraft und deinem Dienstherrn zur Loyalität verpflichtet.  Darüber hinaus hast du die Klappe zu halten."  

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Auftrittsmöglichkeiten gesucht:

TAM TAM TUT
Ein russisch-deutsches Minen Spiel.
TATJANA FRIEBUS & LOTTE LLACHT
„Einfache Bühne“ & „Theaterhof Priessenthal“


TamTamTut ist russisch und heißt soviel wie DaDa Hier. Die Frage nach dem WO liegt dieser Komödie zugrunde, wo fühlen sich die Menschen zuhause? Die zwei Schauspielerinnen aus München und Moskau gehen den Missverständnissen zwischen Inländern und Ausländern, Deutschen und Russen, Männern und Frauen auf den Grund. Im (etwas zu groß geratenen) Restaurant des Hotel Europa treffen sich die (etwas zu klein geratenen) Menschen in Erwartung eines glücklichen Zufalls. Er kommt nicht, Godot lässt grüßen - aber sie kommen richtig in Fahrt, tanzen auf den Tellern, spielen mit Messern und Gabeln, rasten aus und lenken ein, graben das Kriegsbeil aus um kurz darauf wieder Frieden zu schließen. Ein vergnüglicher Abend voller Missverständnisse. (Auf deutsch - mit russischen Einsprengseln)
                                                                
Am Sa. 4.3.2006 im Haus Drei, Hospitalstr.107 um 20.00 (Tel. Vorbest. 040/388998) und am 30./31.3.2006 im MonsunTheater, Altona. 20.00 Im Siemerschen Hof zu sehen am 10.6.2006 um 20.00 (Tel.Vorbest.040/6780040)

Büro: THEATERHOF PRIESSENTHAL, Hamburg 040/43254835 lottellacht@web.de
Zielpublikum: Erwachsene, einheimische und auswärtige. Schulklassen.
Spieldauer: 1 Std. 40 mit Pause
Technische Bedingungen: Bühne 4 x 6 m, Licht- und Tonanlage erforderlich.

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Morgen kommt
der Weihnachtsmann

von   Dieter Süverkrüp

Morgen kommt der Weihnachtsmann,
kommt mit seinen Gaben:
Goldnes Armband, goldne Clips,
Socken, Oberhemden, Schlips,
Schnäpschen, Bierchen, Weihnachtsschwips –
Will man schließlich haben. 

Drum erhöht der Weihnachtsmann
Heute schon die Preise.
Ist ihm selbst nicht angenehm.
Doch in unserem System
Kann man sonst nichts unternehm’
Allbekannterweise. 

Denn der flinke Weihnachtsmann
Denkt auch ans Verdienen.
Gehen unsre Löhne rauf,
schlägt er’s auf die Kosten drauf.
Er frisst unsren Vorrat auf –
Wir sind seine Bienen.

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Buchbesprechung


Von Orten und Regionen,
dem Leben und Leiden
und dem Kampf um Freiheit


Egon Günther "Bayerische Enziane"
Ein Heimatbuch


von Dieter Braeg

Es beginnt:

"Nicht jeder hat Enziane im Haus
im weichen September, Am stillen, traurigen Michaelitag.
Bayerische Enziane groß und dunkel, dunkel vor allem,
sie verdunkeln den Tag wie Fackeln mit dem qualmenden
Blau auf Plutos Glut, gerippte, aufrechte Höllenblumen
mit ihren Dunkelflammen aus Blau,
zu flachen Spitzen gebogen vom
schweren weißen Lufthauch des Tages..."

So fängt das Gedicht an das der vom Tod gezeichnete D.H. Lawrence im September 1929 in Rottach am Tegernsee schrieb. So beginnt das von Egon Günther herausgegebene, recherchierte und geschriebene Heimatbuch. Im Buch wird nicht gejodelt und auch die trachtigen Heimatvereine samt krachlederner Hollahieholdrihomusik finden nicht statt. Kein Kufsteinlied weit und breit. Dafür trifft man zum Beispiel auf Erich Mühsam. Diesen kompromisslosen Anarchisten den die Staatsanwälte des Wilhelminischen Kaiserreiches genau so haßten, wie die der ersten deutschen Republik. Aber auch kommunistische Parteifunktionäre, Burschenschafter und Antisemiten, dazu Sozialdemokraten und Gewerkschafter waren nicht seine Freunde. Mühsams kompromisslose Kritik gehört genau so in dieses Heimatbuch, wie all das was in Jahrzehnten verdrängt wurde, weil Geschichte "aufbereitet" wird, zu jenen öffentlich rechtlichen Fernsehstückchen, die das Hirn erweichen.
Die einem vorsagen, dass man von nichts gewusst hat und Hitler an allem schuld ist.
Das Volk nicht, zumindest wenn es ein deutsches ist.

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Der Kampf bei Opel Bochum

„Sechs Tage der Selbstermächtigung“
Der Streik bei Opel in Bochum im Oktober 2004

Herausgegeben von Jochen Gester und Willi Hajek

Mehr als eine Buchbesprechung von
Dieter Braeg

Gurkentruppler  Marxismusfraktion

Opel Bochum und die GoG (Gegenwehr ohne Grenzen), das ist eine lange Geschichte. Sie begann so um 1970 herum, als in vielen größeren  Industriebetrieben ein Teil der studentischen Linken Bekanntschaft mit der Fabrikarbeit machte. Herr Fischer, ja der,   blieb bei Opel in Rüsselsheim nur ganz kurz, ihm lag diese Arbeit nicht. Obwohl er damals ja Mitglied der Gruppe „Revolutionärer Kampf“ war, die gab auch eine Zeitung heraus. Titel: „WIR WOLLEN ALLES“. Nun , Herr Fischer hat ja fast alles bekommen, einige seiner Wegbegleiterinnen und Begleiter eher nicht. Nicht nur bei Opel Bochum gab es um 1970 herum Betriebsratsmehrheiten die damals schon „große Koalition“ spielten. Eine Einheit aus SPD und CDU Betriebsräten regelte was es zu regeln gab. Etwa Placierungen auf den Wahllisten zur Betriebsratswahl. Als 1971 das neue Betriebsverfassungsgesetz in Kraft trat, wurde das Amt Betriebsrat noch attraktiver.
Als dann die Aktiven aus der 68er Bewegung gemeinsam mit politisch aktiven Migrantengruppen, vor allem aus  Francospanien samt kampferfahrenen Stahl- und Bergarbeitern beim Opel in Bochum zu arbeiten begannen, entwickelte sich die GoG. In dieser Zeit entstanden auch in anderen Teilen der Bundesrepublik ähnliche Gruppen. Zum Beispiel die Plakatgruppe bei Daimler in Stuttgart. Sie hinterließ in der Region bleibende Spuren. Die gleichnamige  Betriebszeitung „Plakat“  war für viele andere Betriebsgruppen in der Bundesrepublik ein gutes Vorbild wie man betriebliche Konflikte öffentlich macht und für Widerstand sorgt.

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Kultur

Nachrichten von der Kulturfront

von Dieter Braeg
Gurkentruppler  Marxismusfraktion

Im Fernsehen gibt es Formate. Die haben nichts mit Abmessungen zu tun – wie sie etwa bei Papier üblich sind. Da gibt es DIN A 5 oder DIN A 4. Format  hätte auch  Frau Merkel, wenn sie erklären würde, dass sie  geschworen habe, Schaden vom deutschen Volke zu wenden und deswegen nun sofort zurücktreten müsse, weil sonst wäre es ein Meineid.
Natürlich hat Frau Merkel und die ihr  dienende MinisterInnenriege jenes Format, das nötig wäre um  im Roman „Der Meineidbauer“ eine tragende Rolle zu übernehmen.
Genug vom formatierten Format, wenden wir uns der traurig realen Wirklichkeit zu. Es gibt immer wieder Politikerinnen und Politiker die es nicht ganz schaffen. Dann werden sie, wie etwa Frau Marie Böhme, stellvertretende Vorsitzende der CDU in Rheinland-Pfalz. Das ist nicht schlimm, schlimmer ist, dass die 55 Jahre alte Frau auch Vorsitzende im ZDF-Fernsehrat ist.

Aha, jetzt kommt die Kultur in’s Spiel!

Richtig!

Frau Böhme fordert: „Schluss mit Big Brother!“

Bei wem fordert sie es, beim abgedankten Innenminister Schily, bei seinem Nachfolger Schäuble? Mutig, mutig! Keine Überwachung mehr, Datenschutz bis zum Abwinken! Der Revoluzzer braucht kein klandestines Leben mehr zu führen. Aber Frau Böhme meint nicht den täglichen Wahnsinn neoliberaler Wohltaten und Auswirkungen.
Nix da, die ZDF-Fernsehrätin meint das Spektakel, das in RTL 2  gezeigt wird und bei Premiere 24 Stunden läuft. Da gibt es Volksunterhaltung. Die die vor der Glotze sitzen schauen einigen Kasernierten zu, was die so machen. Wie sie sich bewegen, reden (wobei ganze deutsche Sätze eher selten sind) und eben leben. Die Dialoge sind denen nicht unähnlich,  die man sonst in den vielen Talk Shows erlebt, wobei garantiert keine Politiker vorkommen, die irgendwas versprechen oder nicht.
Nun meint Frau Böhmer diese „Menschenspiele“ seien der Beweis, dass das Privatfernsehen einen neuen Tiefpunkt erreicht habe.

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Weihnachtstime

For Anglizismenfriends

When the last Kalender-sheets
Flattern trough the Winterstreets
And Dezemberwind is blowing,
Then ist everyxbody knowing,
That it is  not allzuweit

Braeg  kills now the Weihnachtszeit! 

All the Menschen, Leute, people
Flippen out of ihr warm Stueble,
Run to Kaufhof, Aldi, Mess
Make Konsum and business.
Kaufen this und jene things
And the Churchtrumglocke rings 
 

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Kultur

Filmtipp

EDELWEISPIRATEN

Der Film EDELWEISPIRATEN ist ein kleines Meisterwerk, welches wirklich unter die Haut geht und ein Kapitel deutscher Geschichte beleuchtet, was über Jahrzehnte hinweg in der offiziellen Geschichtsschreibung eher ignoriert, zumindest arg beiseite geschoben wurde. Die im Film erzählte Geschichte der Kölner Edelweisspiraten ist wahr, die Bilder sind nicht schön und manchmal auch nicht leicht auszuhalten, aber immer angemessen. Schaut Euch den Film selbst an (ab 10.11. im Kino) und macht ihn vor allem bekannt, denn es ist ein kleiner, unabhängiger Verleih der über keinen großen (wenn überhaupt) Werbe-Etat verfügt. Der Regisseur bat ausdrücklich darum die Infos über den Film weiterzuverbreiten. Ein eindrucksvoller Film, der den Besuch lohnt. (Es gibt natürlich auch schon wieder viel Kritik an dem Film (NS-Zentrum Köln und diverse Filmkritiken). Trotzdem reingehen und vorher oder nachher die Kommentare dazu lesen. Rainer Bode)
Der Film, EDELWEISSPIRATEN, u.a. mit Bela B. Felsenheimer, Iwan Stebunow, Jochen Nickel, Jan Decleir, Susanne Bredehöft, Wolfgang Michael, Jean Jülich, Simon Taal, Volker Röhlich und Anna Thalbach kommt jetzt endlich ab 10. November in die Kinos!
Hier ein paar Reaktionen von Menschen, die den Film schon gesehen haben:
- "Das ist der spannendste, geilste deutsche Film, den ich je gesehen habe."(Sibylle, 15, Schülerin, Berlin)
- "Sehenswerter Film, der sicher noch ein großes Publikum finden und begeistern wird."(Jochen, 17, Schüler, Leipzig)
- "Super und ergreifend, ohne Pathos: einfach aufrüttelnd." (Thomas, Zivi, Hamburg)
- "Viel zu brutal, nicht didaktisch genug. War die Nazi-Zeit wirklich so schrecklich?" (Mathias, Jurastudent, München)
- "Endlich weiss ich was Zivilcourage heißt." (Herbert, 27, Arbeitslos)

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Buchbesprechung

Leitfaden Alg II /
Sozialhilfe von A -Z


von Heinz-Peter Fischer

Über eine Seite lang widmet sich der „Report vom Arbeitsmarkt 2005“ dem „Leitfaden Alg II / Sozialhilfe“, was uns veranlasste uns diesen nochmals genauer anzuschauen. Denn wenn die Clement-Behörde so heftig auf etwas einschlägt, dann muss für Erwerbslose was gutes dahinter stecken. Tatsächlich lohnt es sich, das Buch zu haben und wir können es nur jedem empfehlen. Was das Ministerium bemängelt, sollte uns beflügeln und das ist als erstes ein Erich Fried Zitat vom Buchumschlag:

"Was den Armen zu wünschen wäre für eine bessere Zukunft? Nur dass sie alle im Kampf gegen die Reichen so unbeirrt sein sollen so findig und so beständig wie dir Reichen im Kampf gegen die Armen sind"

Der Leitfaden beruft sich auf geltende Gesetze und zitiert Urteile von Gerichten. Er macht die Betroffenen auf ihre Rechte aufmerksam, ohne die Pflichten zu verschweigen. Eigentlich sollte er von der ARGE zusammen mit den Antragsunterlagen jedem zur Verfügung gestellt werden. Auch die Behördenmitarbeiter sollten einen bekommen. Vieles ließe sich enorm beschleunigen und Ungerechtigkeiten und Fehler von Anfang an verhindern. Der Leitfaden stellt unter 88 alphabetischen Stichworten dar, wie das gegenwärtige Leistungssystem von Alg II sowie Sozialhilfe und Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung aufgebaut ist und wie es zu bewerten ist. In 33 weiteren Stichworten wird behandelt, wie man seine Rechte durchsetzen und sich gegenüber den Behörden behaupten kann.

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Satire

Der Laden

von Dieter Braeg

Vorspann:

WASGKlausErnstKasperleTHEATER:

Grüssgodd liebe Ginda, ich bin Euer
WASGKlausErnstkasperle

Kinder: Oh wuie,  kannst zurücktreten?

WASGKlausErnstkasperle: Das geht nichd Ginda, sonst fall ich in das Parteizusammenführungsprojektloch!

Kinder: Eh wurscht, fall halt!

WASGKlausErnstkasperle: NeinNeinNein, dasgehtnichd, libbe Kindda, weil wenn ich ins Loch fall, dann, dann... isd die Jahrdhundattchance  gefähhdadd!

Kinder: Egal, fall halt!

WASGKlausErnstkasperle: Da wiad abba da Onggel Bisky bös wern, weil sein Fusionsfuzzyramelow, der hat dann  nix mehr zu dun. Ich muss überlehm!

Kinder: Hatt denn der Onkel Fusionsfuzzyramelow auch Fusionshilfsbeauftragde? Wir meinen wir ham keinen Zaster, nicht mal 1200 € für einen WASGNRWnachWAHLtag!

Fusionsfuzzyramelow (verkleidet als Hexe): Wo is der   WASGKlausErnstkasperle ?? Ich fress ihn auff!

Kinder: Vorrsicht  WASGKlausErnstkasperle, der Fusionsfuzzyramelow frisst Dich auf!

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Dokumentation


Horno: Videotagebuch
"Das letzte Haus" online


Showdown in Horno.
Videoblog über die letzten beiden Bewohner Hornos in den letzten 7 Tage
vor der Gerichtsverhandlung.

Horno/Brandenburg - Am 2.11.2005 entscheidet das Oberverwaltungsgericht
Berlin-Brandenburg  http://www.berlin.de/senjust/Gerichte/OVG/index.html
in Sachen Werner und Ursula Domain aus Horno. Das Ehepaar hatte seiner
Umsiedlung durch den schwedischen Energiekonzern Vattenfall nicht
zugestimmt, jetzt sollen sie für die Förderung des Braunkohlenflözes
unter Horno enteignet werden.

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Deutsches Manifest  

von Dieter Braeg

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Satire

Der Herr Müller


Das 
hier, das ist der Herr Müller.
Der Herr Müller kommt aus Aretsried,
das liegt in Bayern, also ganz im Süden.                    

Der Herr Müller ist ein Unternehmer und das,
was in den Fabriken von Herrn Müller hergestellt wird,
habt ihr sicher alle schon mal gesehen,  
wenn ihr im Supermarkt wart.
Der Herr Müller stellt nämlich lauter Sachen her,
die aus Milch gemacht werden.

Naja, eigentlich stellen  die Kühe die Milch her,
aber der Herr Müller verpackt sie schön
und sorgt dafür, daß  sie in den Supermarkt kommen,
wo ihr sie dann kaufen könnt. 

Die Sachen, die der Herr Müller herstellt sind so gut,
daß  sogar der Herr Bohlen dafür Werbung gemacht hat.                           
Weil der Herr Müller ein Unternehmer ist,
hat er sich gedacht, er  unternimmt mal was
und baut eine neue Fabrik.
Und zwar baut  er sie in  Sachsen, das ist ganz im Osten.    
 

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festivalopensystems@web.de - open systems 2005 - alle Infos jetzt auch im Internet

Am 17. November ist es soweit: open systems 2005, das Festival für aktuelle Musik, Performance und Klangkunst im Ruhrgebiet, wird in den Kammerspielen des Schauspielhauses Bochum eröffnet. Wer oder was Sie dort erwartet, wie es an den darauffolgenden Tagen in Dortmund, Essen und Herne weitergeht, wie Sie zu Ihren Tickets kommen und viel Interessantes und Informatives mehr können Sie nun auch im Internet unter www.festival-open-systems.de erfahren.

open systems e.V., Rüttenscheider Str. 166, D-45131 Essen, phone: +49(0)201-45136313, fax: +49(0)201-45136317, http://www.festival-open-systems.de

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Eröffnung der Klang- und Videoinstallation "entity Mülheim" von Marc Behrens im Kulturbunker Mülheim

Die Eröffnung findet heute am 22.10.2005 um 18.00h im Seminarraum und Cafe des Kulturbunker Mülheim, Berliner Str. 20, 51063 Köln statt. Die Installation ist vom 22.10. - 06.11. zu sehen & zu hören.

"entity Mülheim" ist eine Installationsarbeit des international renommierten Klangkünstlers Marc Behrens, für die er Bilder und Geräusche im Stadtteil gesammelt hat und diese in neuem Kontext auf die Menschen zurückprojiziert. So wird der Stadtteil neu erfahrbar.

"entity Mülheim" ist eine Auftragsarbeit im Rahmen der Projektreihe "Mülheimer Profile 2005/Mülheim klingt", veranstaltet vom Kulturbunker Mülheim e.V. Kooperationspartner: Kunstverein Köln rechtsrheinisch e.V., Kinder- und Jugendforum Köln-Mülheim.

kulturbunker muelheim e.v., berliner str. 20, 51063 koeln, germany

http://www.kulturbunker-muelheim.de

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Kultur

TATSACHEN ZU EINER LOHNRUNDE IM JAHRE 1976

Bis 2005 hat sich daran nur geändert, dass es weniger DRUCKER und mehr von den anderen wurden, mit Ausnahme der pensionierten SS Offiziere.  

DAS IST DEUTSCHLAND!

Montags in report
Mahnte Franz Alt die Drucker
Zur Selbstbeherrschung
Sie stünden in der Lohnskala
An zweiter Stelle 

Sie stehen an zweiter Stelle
Hinter Franz Alt
Hinter Rudi Carell
Hinter dem Frühschoppen
Hinter Redakteuren der „FAZ“
Der „Welt“, der „Süddeutschen“
Der „Stuttgarter Nachrichten“
Des „Spiegel“, des „Stern!, des
„Manager-Magazin, der „Quick“
des „Schöner Wohnen und von
„Essen und Trinken“ 

Hinter Annemarie Renger
Hinter Grundstückshändlern
Hinter Starmahnequins und
Generalvertretern 

Hinter  1760 Abgeordneten
Hinter pensionierten
Abgeordneten
Hinter den Modeärzten
Hinter 679 862 Justizräten
Regierungsräten Polizeiräten
Polizeidirektoren
Staatsanwälten, Verwaltungsdirektoren
Gerichtspräsidenten,
Sparkassendirektoren
Abteilungspräsidenten,
Direktoren der Landesämter für
Verfassungsschutz
Staatssekretären
Parlamentarischen Staatssekretären 

Hinter pensionierten
SS-Offizieren
Hinter 150 000 leitenden Angestellten
Hinter Ministern
Hinter 14 000 Vorstandsmitgliedern
Und Geschäftsführern
Hinter 16 000 westdeutschen Millionären
Hinter Neckermanns
Lieblingspferden. 

DAHINTER STEHEN DIE BEGEHRLICHEN DRUCKER AN ZWEITER STELLE!


 

Satire

KAPITALISTENSEUCHE

Kapitalistenseuche: Eilverordnung tritt am Samstag in Kraft Kapitalistenhalter müssen ihre Exemplare bis zum 15. Dezember im Stall halten.
Weil nun auch in der Nähe von Moskau Fälle von Kapitalistenseuche festgestellt wurden, hat die Regierung bundesweit die Maßnahmen gegen die so genannte Kapitalistenpest verschärft. Auch in Mönchengladbach gilt jetzt eine Stallpflicht für Kapitalisten. Nicht nur gewerbliche Kapitalistenzüchter, sondern auch alle Hobbyhalter müssen ihre Kapitalisten jetzt im Stall halten.
Nach den bisher geltenden ersten Sicherheitsvorkehrungen wie Meldepflicht und Fütterungsverbot im Freien, dürfen nach der neuen, bundesweit gültigen Eilverordnung die Kapitalistenhalter ihre Kapitalisten nicht länger im Freien halten. Die Stall- beziehungsweise Käfigpflicht beginnt spätestens am Samstag, 22. Oktober, und endet erst am 15. Dezember, wenn der Kapitalpaarungsvorgang abgeschlossen ist. Wichtiger Hinweis: Alle Raubkapitalisten, sowie Wildkapitalisten sowie Geheimkapitalisten sind von der Verordnung betroffen.
Dem städtischen Kapitalistenschutz sind bisher rund 500 Mönchengladbach Kapitalistenhaltungen mit insgesamt 12.000 Klein-, 1.000 Mittel- und 600 Großkapitalisten gemeldet worden. Diese müssen jetzt, wo noch nicht geschehen, kurzfristig in Ställe untergebracht werden. "Wer seine Kapitalisten bisher nicht gemeldet hat, sollte dies unbedingt nachholen", rät Dr. Ferdinand Schmitz vom FreieSozialMarktwirtschaftsAmt.
Dort wo eine Unterbringung im Stall nicht möglich ist, hat die Regierung Ausnahmen erlassen. Wer keine Gelegenheit zur so genannten Aufstallung hat, kann die Kapitalisten auch in dunklen Kellern unterbringen. Dies muss allerdings beim FreieSozialMarktwirtschaftsAmt angezeigt werden, weil die Sicherungsmaßnahmen der Keller überprüft werden müssen und eine medizinischpekuniäre Kontrolle der gehaltenen Kapitalisten notwendig ist.
Für die Meldung von bisher noch nicht registrierten Kapitalistenbeständen, die Anzeige der Kellerhaltung und die Klärung von individuellen Fragen der Kapitalistenhalter oder von Verbrauchern stehen die Mitarbeiter des FreieSozalMarktwirtschaftsamtes unter der Rufnummer Tel 25-2830 zur Verfügung.

Revolutionsausschuss zur
Bekämpfung
Kapitalistischer Pest und ähnlicher
Umtriebe


Buchbesprechungen

Jeder erlebt im Maße der Zeit

 „Unpolitische Erinnerungen“

von Erich Mühsam

Erich Mühsam, den die SS brutal im Jahre 1934 im KZ Oranienburg, hat auch viele unpolitische Texte geschrieben. Darunter etwa eine wirklich interessante Beschreibung von Ascona zur Zeit als dort auf dem Monte Verita „gesundes Leben“ geprobt wurde, an dem Erich Mühsam zwar teilnahm, aber der Lebensweise nichts Positives abgewinnen konnte. Mal wieder muss man die Edition Nautilus loben, denn nur dort erscheinen Bücher die ich, wäre ich Verleger, selbst herausbringen würde. Erich Mühsam der zusammen mit Thomas Mann die selbe Schule besuchte und als Siebzehnjähriger wegen „sozialdemokratischer Umtriebe“ die Rote Karte gezeigt bekam, schrieb in den Jahren von 1927 bis 1929 in der Berliner Vossischen Zeitung seine „Unpolitischen Erinnerungen“. „Was zum Teufel, gehen eigentlich andere Leute meine Erlebnisse an?“ fragt Erich Mühsam, der Vagant, Bänkelsänger, Dramatiker und Anarchist. Die Antwort: „...jeder erlebt im Maße der Zeit.“

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Buchbesprechung

Trotzkismus - Überblick und Ausblick
 


„Trotzkismus - Einführung in seine Grundlagen - Fragen nach seiner Zukunft" von Manuel Kellner

 

Buchbesprechung von Edith Bartelmus-Scholich
 

 „Trotzkismus - Einführung in seine Grundlagen - Fragen nach seiner Zukunft" ist das nur ca. 170 Seiten starke Buch von Manuel Kellner betitelt. Trotz der kappen Form erfüllt es die Erwartungen der LeserInnen an einen historischen Überblick ausgehend von der politischen Person Leo Trotzkis bis in die Gegenwart mit ausreichend tiefer Klärung aller wichtigen Begriffe, die mit dem Trotzkismus verbunden werden. Dabei besticht das Werk durch eine erfrischende, gelegentlich freche Sprache und eine Struktur, die es leicht macht, das Gelesene wieder zu finden.

Im biographischen Teil des Buches erweist sich der Autor als guter Kenner der Biographie Leo Trotzkis. Bemerkenswert ist, dass er die Kontinuitäten im politischen Denken und Handeln Trotzkis herausarbeitet, z.B. Textstellen aufbietet, die schon den jungen Trotzki als weit blickenden Kritiker bürokratisch-zentralistischer Parteientwürfe erkennen lassen.

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Kultur

Satire

Von Österreich lernen heißt siegen lernen...
oder
Wie ein Ministerpräsident die Welt lieber nicht sehen sollte...

von Dieter Braeg

In Wahlzeiten, da schwappt es meist über, aus den Politikermündern. Das gibt Rhetoriküberschwemmungen!  So auch beim bayerischen Landesvater Edmund Stoiber. Seine Chefin, die Dienstmagd des deutschen Volkes wird sehr böse sein, weil er wahrscheinlich für den Satz:“ Wir wollen Österreich als Maßstab nehmen“ nun eine Premierenkarte für die Premiere vom „La Traviata“ bei den Salzburger Festspielen  kriegt und die Angela nicht.

Weil in Salzburg mag man keine Achselschwitzdienstmagd im Großen Festspielhaus. Ja wer wird denn nun der Deutsche Jörgl Haider den der ÖVPler Wolfgang Schüssel brauchte, um die Macht der Sozialisten zu brechen? Wird Christian Wroch aus seiner Faschohöhle gelockt, will man gar dem verhassten Populisten Oskar L. eine Regierungsbeteiligung anbieten? Schwarz Rot, das wär doch endlich eine richtig feine Anarchokoalition.  Da wird der Müßiggang gefördert werden. Was man sonst von Österreich so übernehmen könnte? Nun, den fleißigen Finanzminister Grasser, der sich tatsächlich eine Website für 250.000.--€ schenken ließ, ganz ohne Schenkungssteuer zu zahlen.


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Kultur

Buchbesprechung 

Vom aufrechten Gang

„Ich folgte meinem Stern“
Das kämpferische Leben der Margarethe Hardegger

von

Regula Bochsler

Es war im Jahre 1978. Ich befand mich auf Spurensuche. Mich interessierte vor allem Erich Mühsam und seine Zeit in Ascona. Da gab es eine Ausstellung „Monte Verità – Die Brüste der Wahrheit“ – da begegnete mir erstmals der Name  Margarete Hardegger (1882 in Bern geboren, im Tessin1963 verstorben). Schon mit 25 Jahren gehörte sie zum  führenden Kreis Internationaler Sozialistinnen wie ein Gruppenbild aus dem Jahre 1907 (Stuttgart) mit Clara Zetkin, Lily Braun, Rosa Luxemburg und  Alexandra Kollontai beweist.
Margarethe Hardegger war in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts  die wichtigste Aktivistin  der Schweizer Frauenarbeiterinnenbewegung . Sie war die erste weibliche Gewerkschaftssekretärin die später vor allem deswegen diesen Arbeitsplatz verlor, weil sie  langjähriger Knotenpunkt eines weit verzweigten Netzes von Anarchisten und politischen Aktivisten war. Sie war in Freundschaft und Liebe nicht nur Gustav Landauer und Erich Mühsam verbunden. Es ist Regula Bosch zu danken, dass wir nun das Leben von Margarethe Hardegger kennen lernen dürfen. Wichtig war für diese kämpferisch Frau immer die persönliche Freiheit jedes Menschen, vor allem im Hinblick auf jede Art von Beziehungen inklusive der freien Liebe. Ab dem Sommer 1904 ist sie gewählte hauptamtliche  Sekretärin des Schweizer Gewerkschaftsbundes und stößt die männlichen Kollegen vor den Kopf, denn sie ist keine Bürokratin. Die männlichen Gewerkschaftssekretäre werfen ihr „mangelnde Büropräsenz“ vor.  Sie  reist durch die Lande und hält Vorträge über die Tabuthemen Verhütung und sexuelle Freiheit. Schlimmer noch: Sie knüpft Verbindungen zu militanten Anarchisten und radikalen Antimilitaristen. Das mag die Männerschweiz nicht. Sie steht mehrmals vor Gericht und wird auf unschöne Weise im April 1909 ihren Arbeitsplatz los.

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Buchbesprechung
 

Naziakademikerwäsche in Österreich
 

von Dieter Braeg


Wolfgang Neugebauer, Peter Schwarz „Der Wille zum aufrechten Gang“

60-50-10. Das ist kein Modelmaße, auch keine Telefonnummer, nein dahinter verbergen sich drei öster-reichische Feiergründe.

Ösiland hat sich 365 Tage JubelTrubelHeiterkeit verordnet. Ein wahrer Erinnerungs- und Feiertsunami überschwemmt das Land. 60 Jahre Befreiung vom Faschismus, 50 Jahre Republik und 10 Jahre EUmitgliedschaft. Der Schwarzblaubraune Kanzler Schüssel erhebt sein  Glas mit glykolfreiem Heurigen und singt „Mia wean so frei sein, dös Voik wird bled sein...“  Eine Ganzjahresjubiläumsfeier, das Volk torkelt wie immer von einem Pallawatsch zur nächsten Palatschinke, die ihm die Regierung serviert.

Wie das so war vor der Machtergreifung in Österreich die keine war, ist bei dem „Herr Karl“ von Helmut Qualtinger nachzulesen: „Bis Vieradreißig war i Sozialist. Das war aa ka Beruf, hat ma a net davon leben können...Später bin i demonstrieren gangan für die Schwarzen...Hab i fünf Schilling krieagt. Dann bin i umme zu de Nazi. Da hab i aa fünf Schiling kriegt. Naja, Österreich war immer unpolitisch, aber a bissl Geld is  z’ammkummen, net.“


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Buchbesprechung
 

Koch & Angst

von Dieter Braeg
 

Julian Barnes:

Fein gehackt und grob gewürfelt. Der Pedant in der Küche

LinkszeitungsLeserinLeser, das haben Sie sicherlich auch schon erlebt. Da jongliert im Fernsehen ein gottbegnadeter Koch. Grinsend schnetzelt er da, schiebt dort den Braten in die Röhre und am Ende kommt, meist nicht länger als zwanzig bis dreißig Minuten später gar Köstliches auf den Tisch. Dem wird dann noch mit einer überaus deutschfreundlichen Weinempfehlung der letzte Schliff gegeben. Mahlzeit!  Wie lange der Braten in die Röhre soll? Sind es nun Esslöffel, Kaffeelöffel oder Messerspitzen die als Maßeinheit eingesetzt wurden um irgendein Gewürz (das man natürlich in ganz Deutschland nirgendwo käuflich erwerben kann) beizumengen? Wie geht man mit der Maßeinheit „eine Hand voll“ um? Alles Rätsel die in den Fernsehkochsendungen nicht gelöst werden, selbst wenn unser Köchelsabbermeister Biolek noch so oft jajajaja sagt. Julian Barnes hat nun, selbst ein großer Literat und sicherlich kein unbegabter Hobbykoch, dazu nicht seinen Senf, sondern recht lesenswertes beigetragen. Er wurde diese Woche in Salzburg mit dem „Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur“ ausgezeichnet.
 

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Peter Turrini
 

Diskussionsbeitrag zur Veranstaltung 
 

„Wir die Barbaren“
bei den Salzburger Festspielen

am 21. 8. 2005
 

Geschätzte Zuhörer!

Mein Diskussionsbeitrag ist eher religiöser Natur, er handelt von einer neuen Religion, einer äußerst erfolgreichen. Die alte Religion in diesem Lande, die christlich-katholische, gerät zunehmend ins Hintertreffen. Sie muß. um im Religions-Ranking nicht völlig abzustürzen, immer neue Events, wie beispielsweise ..Die lange Nacht der Kirchen". Oder Skandale produzieren, wie jenen in St. Pölten. Wenn Manfred Deix zwei Monate lang keinen Priester beim Zungenkuß mit einem Alumnen zeichnet, gerät sie beinahe in Vergessenheit.

Nicht so die neue Religion. Ihre Geschichte gleicht in den letzten Jahren einem einzigen Triumphzug. Der Beginn dieser Entwicklung läßt sich historisch einigermaßen genau datieren: er fällt zusammen mit dem Untergang der sozialistischen Länder, des Sozialismus schlechthin. Bis zu diesem Zeitpunkt war diese neue Religion, von der ich hier rede, noch keine solche, sondern eine politische und vor allem wirtschaftliche Ideologie. Sie stand mit der sozialistischen Ideologie im Wettstreit, und es ist das Wesen eines Wettstreites, daß man Argumente vorbringen muß. Ich weine den sozialistischen Ländern hiermit eine Träne nach. denn wenn sie zu nichts anderem gut waren, dann waren sie es zu dem einen: sie zwangen die kapitalistische Ideologie zum Argument, sie hinderten sie an der unwidersprochenen Verkündigung. Seit diese Auseinandersetzung eindeutig zugunsten der kapitalistischen Ideologie ausgegangen ist, hörte diese auf, eine solche zu sein und wurde zur allein seligmachenden Religion. Sie argumentierte nicht mehr, sie dogmatisierte, sie verkündete.

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nte Verità – Die Brüste der Wahrheit“ – da begegnete mir erstmals der Name  Margarete Hardegger (1882 in Bern geboren, im Tessin1963 verstorben). Schon mit 25 Jahren gehörte sie zum  führenden Kreis Internationaler Sozialistinnen wie ein Gruppenbild aus dem Jahre 1907 (Stuttgart) mit Clara Zetkin, Lily Braun, Rosa Luxemburg und  Alexandra Kollontai beweist.
Margarethe Hardegger war in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts  die wichtigste Aktivistin  der Schweizer Frauenarbeiterinnenbewegung . Sie war die erste weibliche Gewerkschaftssekretärin die später vor allem deswegen diesen Arbeitsplatz verlor, weil sie  langjähriger Knotenpunkt eines weit verzweigten Netzes von Anarchisten und politischen Aktivisten war. Sie war in Freundschaft und Liebe nicht nur Gustav Landauer und Erich Mühsam verbunden. Es ist Regula Bosch zu danken, dass wir nun das Leben von Margarethe Hardegger kennen lernen dürfen. Wichtig war für diese kämpferisch Frau immer die persönliche Freiheit jedes Menschen, vor allem im Hinblick auf jede Art von Beziehungen inklusive der freien Liebe. Ab dem Sommer 1904 ist sie gewählte hauptamtliche  Sekretärin des Schweizer Gewerkschaftsbundes und stößt die männlichen Kollegen vor den Kopf, denn sie ist keine Bürokratin. Die männlichen Gewerkschaftssekretäre werfen ihr „mangelnde Büropräsenz“ vor.  Sie  reist durch die Lande und hält Vorträge über die Tabuthemen Verhütung und sexuelle Freiheit. Schlimmer noch: Sie knüpft Verbindungen zu militanten Anarchisten und radikalen Antimilitaristen. Das mag die Männerschweiz nicht. Sie steht mehrmals vor Gericht und wird auf unschöne Weise im April 1909 ihren Arbeitsplatz los.

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Buchbesprechung
 

Naziakademikerwäsche in Österreich
 

von Dieter Braeg


Wolfgang Neugebauer, Peter Schwarz „Der Wille zum aufrechten Gang“

60-50-10. Das ist kein Modelmaße, auch keine Telefonnummer, nein dahinter verbergen sich drei öster-reichische Feiergründe.

Ösiland hat sich 365 Tage JubelTrubelHeiterkeit verordnet. Ein wahrer Erinnerungs- und Feiertsunami überschwemmt das Land. 60 Jahre Befreiung vom Faschismus, 50 Jahre Republik und 10 Jahre EUmitgliedschaft. Der Schwarzblaubraune Kanzler Schüssel erhebt sein  Glas mit glykolfreiem Heurigen und singt „Mia wean so frei sein, dös Voik wird bled sein...“  Eine Ganzjahresjubiläumsfeier, das Volk torkelt wie immer von einem Pallawatsch zur nächsten Palatschinke, die ihm die Regierung serviert.

Wie das so war vor der Machtergreifung in Österreich die keine war, ist bei dem „Herr Karl“ von Helmut Qualtinger nachzulesen: „Bis Vieradreißig war i Sozialist. Das war aa ka Beruf, hat ma a net davon leben können...Später bin i demonstrieren gangan für die Schwarzen...Hab i fünf Schilling krieagt. Dann bin i umme zu de Nazi. Da hab i aa fünf Schiling kriegt. Naja, Österreich war immer unpolitisch, aber a bissl Geld is  z’ammkummen, net.“


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Buchbesprechung
 

Koch & Angst

von Dieter Braeg
 

Julian Barnes:

Fein gehackt und grob gewürfelt. Der Pedant in der Küche

LinkszeitungsLeserinLeser, das haben Sie sicherlich auch schon erlebt. Da jongliert im Fernsehen ein gottbegnadeter Koch. Grinsend schnetzelt er da, schiebt dort den Braten in die Röhre und am Ende kommt, meist nicht länger als zwanzig bis dreißig Minuten später gar Köstliches auf den Tisch. Dem wird dann noch mit einer überaus deutschfreundlichen Weinempfehlung der letzte Schliff gegeben. Mahlzeit!  Wie lange der Braten in die Röhre soll? Sind es nun Esslöffel, Kaffeelöffel oder Messerspitzen die als Maßeinheit eingesetzt wurden um irgendein Gewürz (das man natürlich in ganz Deutschland nirgendwo käuflich erwerben kann) beizumengen? Wie geht man mit der Maßeinheit „eine Hand voll“ um? Alles Rätsel die in den Fernsehkochsendungen nicht gelöst werden, selbst wenn unser Köchelsabbermeister Biolek noch so oft jajajaja sagt. Julian Barnes hat nun, selbst ein großer Literat und sicherlich kein unbegabter Hobbykoch, dazu nicht seinen Senf, sondern recht lesenswertes beigetragen. Er wurde diese Woche in Salzburg mit dem „Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur“ ausgezeichnet.
 

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Peter Turrini
 

Diskussionsbeitrag zur Veranstaltung 
 

„Wir die Barbaren“
bei den Salzburger Festspielen

am 21. 8. 2005
 

Geschätzte Zuhörer!

Mein Diskussionsbeitrag ist eher religiöser Natur, er handelt von einer neuen Religion, einer äußerst erfolgreichen. Die alte Religion in diesem Lande, die christlich-katholische, gerät zunehmend ins Hintertreffen. Sie muß. um im Religions-Ranking nicht völlig abzustürzen, immer neue Events, wie beispielsweise ..Die lange Nacht der Kirchen". Oder Skandale produzieren, wie jenen in St. Pölten. Wenn Manfred Deix zwei Monate lang keinen Priester beim Zungenkuß mit einem Alumnen zeichnet, gerät sie beinahe in Vergessenheit.

Nicht so die neue Religion. Ihre Geschichte gleicht in den letzten Jahren einem einzigen Triumphzug. Der Beginn dieser Entwicklung läßt sich historisch einigermaßen genau datieren: er fällt zusammen mit dem Untergang der sozialistischen Länder, des Sozialismus schlechthin. Bis zu diesem Zeitpunkt war diese neue Religion, von der ich hier rede, noch keine solche, sondern eine politische und vor allem wirtschaftliche Ideologie. Sie stand mit der sozialistischen Ideologie im Wettstreit, und es ist das Wesen eines Wettstreites, daß man Argumente vorbringen muß. Ich weine den sozialistischen Ländern hiermit eine Träne nach. denn wenn sie zu nichts anderem gut waren, dann waren sie es zu dem einen: sie zwangen die kapitalistische Ideologie zum Argument, sie hinderten sie an der unwidersprochenen Verkündigung. Seit diese Auseinandersetzung eindeutig zugunsten der kapitalistischen Ideologie ausgegangen ist, hörte diese auf, eine solche zu sein und wurde zur allein seligmachenden Religion. Sie argumentierte nicht mehr, sie dogmatisierte, sie verkündete.

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