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Die Arbeiter sind keine Zocker PDF Drucken E-Mail
30.11.2006 - bisherige Aufrufe: 2045

Boerse.jpgEs ist schon angesichts der Massenentlassungen zynisch von der CDU, den alten Vorschlag vom Investivlohn hervorzuholen.

Soll der Telekom-Kollege, nur, damit er 100 €uro mehr Gewinn bekommt sich noch freuen über seine Entlassung. In den USA haben schon Millionen von Rentnern ihre Rente verloren, weil ihr angespartes Aktienvermögen über Nacht auf Null fiel. Jetzt wieder sind die Aktien m mehr als 100% überzeichnet. 2000 fiel der DAX von 8.500 auf 2.200. Jetzt suchen sie noch Aktiennachfrager, damit der DAX vielleicht noch auf 9-10.000 steigen kann und die Heuschrecken dann schnell ihr Aktienpaket gewinnbringend verkaufen, während die CDU scheinbar Dumme sucht, die ire Aktienpaket auf Null fallen lässt. Der Arbeiter soll die Zeche bezahlen, damit die Reichen noch mehr einsacken können.

Zu diesem Anlass veröffentlichen wir noch einnmal den Artikel zu Horst Köhlers Vorschlag in dergleichen Sache.

Volksaktien - Aktienpakete statt Lohnerhöhung - eine bösartige Falle.

Der Vorschlag von Bundespräsident Horst Köhler - Aktienpakete statt Lohnerhöhung - ist eine bösartige Falle. 2,7% beträgt die Durchschnittsrendite nur noch in der Metallbranche, 1998 schon lag die Profitrate im gesamten verarbeitenden Gewerbe bei nur 3,5%. Die Ausschüttung liegt in der Regel nach Abzug der Kapitalerweiterungsrücklagen, etc. ein Drittel noch unter der Rendite nach Steuer und diese beträgt im Verhältnis zum Tageskurs nur noch einen verschwindenden Teil, so, dass im ersten Fall nur 1,8% Ausschüttung und weniger übrig bliebe. Besonders in der traditionellen Produktionsmittelindustrie werden kaum noch profitable Gewinne gemacht. Ganze Stahlwerke werden nach China verlegt und die Eisenbahn-, Flugzeug- und Schiffbauindustrieanteile wandern gleich hinterher.

Wer aber bringt für 1,8% sein Geld zur Bank? Damit kann man ja noch nicht einmal die Inflationsrate von 2,0% in Deutschland oder gar der 4,9% in den USA mit kompensieren..

So werden die Aktien, die unter dem Durchschnitt liegen, nur noch bei steigenden Kursen wegen des dann höheren Wiederverkaufswertes nachgefragt - dem Shareholder-Value, andernfalls nur noch kurz vor der Gewinnausschüttung wegen des Mitnahmeeffektes. Bei einer derart  niedrigen Gewinnausschüttung werden die Aktienkurse aber kaum mehr steigen.

Steigende Aktienkurse sind aber unbedingt notwendig für das Großkapital. Ihre Investitionen in dem verarbeiten Produktionsmittelgewerbe machen sie in den Industriestaaten einerseits mittels des menschenverachtenden Lohnraubs profitabel. Dieses hält aber nicht lange vor, da mit der Globalisierung auch ein Wettlauf um den Dumpinglohn losgetreten wurde.

Andererseits  erzielen sie ihre profitablen Renditen mit der Spekulation an der Börse. Hier wären noch fette Gewinne zu erwarten. Schon 1994 stellte sich dieses Ungleichgewicht ein: „Siemens kassierte aus diesen Finanzanlagen z.B. im Geschäftsjahr 93/94 Zinseinnahmen von 3Milliarden Mark - weit mehr, als der Gewinn aus dem angestammten Geschäft einbrachte". (ISW-Report Nr. 26, S. 6) Aber die Privaten Haushalte hielten 1995 nur 14,6% der Aktien in Deutschland. Damit aber die Kurse noch mehr in die Höhe gehen und die Konzerne noch fetter an dem Shareholder-Value verdienen konnten, mussten noch weitere Arbeiter zur für sie ruinösen Spekulation mit der Aktie überredet werden.

Das deutsche Kapital wünschte sich amerikanische Verhältnisse, wo viele Arbeiter ihre Rente mit Aktien ansparten. Oft schon verlor dort mancher somit sein Angespartes und landete im Alter beim Wellfare-Amt, jetzt besonders wieder nach dem Crash 2002. Das Großkapital strich mittels ihrer Insiderinfos die Gewinne ein. Die Schreibrlinge der Konzerne erfanden mal wieder die Volksaktie: »Schon mehren sich Stimmen, die im Volkskapitalismus das Modell der Zukunft sehen - und die einzige Chance, in Zeiten der Globalisierung drohende Verteilungskonfilkte zu entschärfen. Die neue Parole heißt: Aktien für alle, statt Wohlstand für wenige.« 'Der Spiegel', Nr. 27/30.6.97, S. 76)

Die Volksaktie ist also keine Erfindung von Köhler. Viel trickreicher drängte uns Schröder 2002 mit der „Riester-Rente" den Schwindel auf, indem er uns die Arbeitgeberrentenbeiträge um 2% kürzte und 4%ige eigene Ansparungen u.a. in Aktienfonds steuerlich unterstützte. Glücklicherweise ließen  sich nur weniger als 20% der Arbeitnehmer auf diesen Betrug ein, natürlich weil die meisten gar nicht mehr sparen können und hoffentlich bald in einem stabilen Wirtschaftssystem  dann ihr Altersruhegeld beziehen werden. Aber die wenigen 20% verloren bei dem Crash 2002 ihre Einlagen und die Banken strichen das ein.

Wenn die Beschäftigten nun aber selber auch Kleinaktionäre sind, dann können sie von den  Vorständen noch dazu leicht erpresst werden, Lohnkürzungen hinzunehmen, da andernfalls ihre eigenen Aktien fallen würden. Auch und gerade deshalb hatte der Unternehmerverband sofort Köhlers Vorschlag begrüßt,

Nein, sollte euer Betriebsrat oder die Gewerkschaftsführung solche dämlichen Verträge abgeschlossen haben, dann tauscht die Aktien so schnell wie möglich in festverzinsliche Anlagen um. Auch wenn die Aktien noch relativ hoch im Kurs stehen, umtauschen, denn du hast nicht die Insiderinformationen, wann die Börsenkurse wieder in den Keller fallen. Dein Bankenberater betrügt dich wie Hilmar Kopper oder ist selber von dem tiefen Irrglauben in ein ewiges Börsenhoch geleitet:

Aktie unser,

Die du bist an der höchsten der Börsen, der Wall Street,

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme,

Dein Wille geschehe,

Wie an der Wall Street

So auch an der schnöden Frankfurter Börse.

Unsere tägliche Dividende gib uns heute.

Und vergib uns unsere Hedgefondskreditschulden,

Wie auch wir

Vergeben unser'n Spekulationsschuldnern. (nachdem sie alles beglichen haben).

Und führe uns nicht in Streikversuchung
Sondern erlöse uns von den Bösen Tarifforderungen,

Denn Dein ist das Reich
Und die Kraft und die Herrlichkeit
In Ewigkeit.

Amen.

„Die da oben" wollen uns in ihre verrückte Welt der Aktien, Renditen, Expansion, Rationalisierungen, Marktanpassungen und Freisetzungen locken. Folgt ihrem Sirenengesang  auf keinen Fall. Denn ihre Welt ist eine völlig andere Welt als unsere Welt „da unten", eine ins Gegenteil verkehrte Welt zu der an den Bedürfnissen des Menschen ausgerichteten. Sie verknotet unsere Hirne und verschachtelt die Synapsen in eine nicht entwirrbare Reihenfolge, bevor sie die Gedärme von innen nach außen stülpt und die Gliedmaßen an unlogischen Punkten platziert, so dass das verwirrte traumatisierte Menschengeschöpf sich nur noch wie sein eigener Alptraum und wie sein Roboter sich fortbewegen und denken kann.

Wir wollen diesen Widerspruch am Beispiel einer Grillparty deutlich machen, weil jeder wie du und ich, schon einmal eine organisiert hat und diese Organisierung jedem geläufig ist.

Zuerst fragen die Initiatoren danach, wer alles teilnehmen will und wie viele Würstchen, Steaks, Bier, Wasser usw. verzehrt werden. Eine Gruppe kauft das alles ein und einer kassiert dann von jedem die Gesamtausgaben durch Teilnehmerzahl oder auf  welche Abrechnungsart man sich immer geeinigt hatte. Eie Gruppe kümmert sich um den Grill und andere um die Musik, alle bereden alles gemeinsam, jeder fasst mit an - und schon wird das Fass hereingerollt. Um einen Vergleich zur Wirtschaft zu bekommen, bekommt jeder noch 10 €uro pro Stunde für seine Mühe und wenn einer einen Turbogrill entwickelt, gibt's für jeden ein Tänzchen mehr.


Unter kapitalistischer Regie ist das viel komplizierter. Da treten mehrere Kapitalisten auf dem Grillpartymarkt in Konkurrenz zueinander und alle stellen, sagen wir einmal, eine Handvoll Lohnsklaven für 4 €uro ein, die restlichen 6 €uro, so sagen sie, bräuchten sie für die Grills, für die Gewinne und für ihr Risiko. Von den 12 Leuten passt einer auf die anderen auf, dass sie auch schön arbeiten, einer passt auf den Grill auf, einer hat die anderen Kapitalisten im Visier, einer sitzt im Parlament und einer denkt darüber nach, wie das alles funktioniert und weil der Rest jetzt so down ist, weil er für die alle mitarbeiten muss, spricht einer noch das Wort zum Sonntag

Nun, wenn einer einen Turbo-Grill entwickelt, wird er einen entlassen, damit der Kapitalist den Grill auch bezahlen kann. Da er aber jetzt die Wurst billiger verkauft, verlieren die anderen Marktanteile und entlassen auch Leute. Schon wird weniger Wurst verkauft und es entsteht ein heißer Kampf um die Marktanteile. Kapitalist 4 schickt seine Männer los, um Kapitalist 2 die Grillkohle zu klauen, und 3 lässt von 1 den Turbogrill klauen. Aber weil dort eine Gulaschkanone mit eingebaut war, verliert 3 seine Leute und wieder wird weniger Wurst gekauft. 4 wirft letztendlich eine Megaatombombe auf 1, um überhaupt noch was verkaufen zu können und das Fest ist aus. Die Ratten bemächtigen sich der Wurstberge und das Tonband spielt im Hintergrund noch einen fidelen Walzer, nur ist niemand mehr da, der tanzen kann.

Nur die Finger weg von der Welt der Aktien, Renditen, Expansion, Rationalisierungen, Marktanpassungen und Freisetzungen, nachher kürzt du noch selber deinen Lohn und setzt dich auf die Straße. Dass Präsident Horst Köhler mit seinem altväterlichen Blick von der Abzocke der Rentensparer wusste, liegt doch auf der Hand. Er war immerhin Weltbankpräsident. Dass diese krummen Dinger der Insiderinfos in diesen feinen Kreisen täglich laufen, wurde doch kürzlich wieder offen diskutiert, als der Fall des Exchefs der Deutschen Bank Hilmar Kopper berichtet wurde.

Nach der offiziellen Ankündigung Schrempps Ende Juli 2005, seinen Posten bei DaimlerChysler zum Januar 2006 räumen zu wollen, verkaufte die Deutsche Bank noch am gleichen Tag rund 35 Millionen DaimlerChrysler-Aktien für insgesamt 1,4 Milliarden €uro. Damit erzielte die Deutsche Bank einen Vorsteuergewinn von 300 Millionen €uro. Für so einen Deal braucht man normal einen längeren Vorlauf. Aber zufällig saß ja der Exchef der Deutschen Bank Hilmar Kopper im Aufsichtsrat von DaimlerChysler.

Es wird endlich Zeit, dass diese feine Gesellschaft endlich von der Bildfläche verschwindet.

 von Norbert Nelte

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