Konkurrenz verhindert Abschwächung
des Klimawandels
Im Auftrag
der britischen Regierung präsentierte der ehemalige Chef-Volkswirt der Weltbank,
Nicholas Stern, die sogenannte „Stern-Review zur Ökonomie des Klimawandels“.
Die Studie
sollte die wirtschaftlichen Bedrohungen des Klimawandels in den nächsten
Jahrzehnten erfassen. In den nächsten 100 Jahren wird ein globaler
Temperaturanstieg von 6 Grad Celsius erwartet. Der Klimawandel, der mit diesem
Temperaturanstieg einher geht wird weltweite Verwüstungen und unermeßlichen wirtschaftlichen
Schaden anrichten.
Die Folgen
sind seit Jahrzehnten – spätestens aber seit den 80er Jahren als Wissenschaftler
und Linke auf die Gefahren aufmerksam machten - weitgehend bekannt: Hunger,
Dürre und Verwüstung.
Anstieg des Meeresspiegels, Überschwemmungen, Aussterben
der Arten in Flora und Fauna von 40 bis 50 %. Ganze Regionen drohen durch Flutkatastrophen
unterzugehen, Flüchtlingskatastrophen mit bis zu 220 Millionen Flüchtlingen aus
den betroffenen Regionen werden erwartet und vieles mehr. Ein weiteres
Ansteigen von Krankheiten wie Erkrankungen der Atemwege oder Hautkrebs gehören ebenfalls
zu den erwarteten Problemen.
Zudem werden
extremere Wetterverhältnisse und –umschwünge erwartet. Heißere Sommer und
kältere Winter könnten eine Folge sein.
Das Kapital entdeckt das
Thema Klima
Die Studie erwartet
Verwüstungen und wirtschaftlichen Schaden in einem riesigen Ausmaß. Ein Schaden
vergleichbar mit dem durch den zweiten Weltkrieg verursachten Schaden wird
erwartet. Der Vergleich ist recht treffend, denn seit Jahrzehnten wird dem Klima
zunehmend rücksichtslos Schaden zugefügt, um die Profitinteressen des Kapitals
zu befriedigen. Der Schaden, der den Massen auf der Welt dadurch zugefügt wird,
grenzt an einen unerklärten Krieg der Profitgeier gegen die kleinen Leute.
Der Hunger
der Massen, die Flüchtlingsströme, die Verzweiflung und das Aussterben der
Arten ist den Industrie- und Wirtschaftsbossen jedoch recht egal. Was ihnen
aber Sorge bereitet ist, dass die Profite unter dem Klimawandel leiden werden.
Die Kosten
für die Wirtschaft werden von Stern bis 2050 auf etwa 5,5 Billionen Euro
beziffert. Das weltweite Bruttosozialprodukt wird um ein fünftel einbrechen. Laut
Studie droht die Weltwirtschaft in eine Depression abzugleiten, die stärker
sei, als die Depression am Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts.
Das größte Marktversagen,
das die Welt gesehen hat
Die
Stern-Studie macht einen dringenden Appell, den Klimawandel aufzuhalten.
Das Handelsblatt
vom 31.10.2006 schreibt:
„Stern
nannte den Treibhauseffekt das größte Marktversagen, das die Welt gesehen habe.
„Aber wir haben noch Zeit, die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden,
wenn wir jetzt handeln und wenn wir international handeln,“ sagte Stern dem
Handelsblatt.“
Schon
längst ist der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten. Nur die schlimmsten Folgen
können also abgewendet werden, wenn die Menschheit schnell handelt.
Der
zentrale Vorschlag der Studie sieht vor, ab sofort 1 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts
für den Klimaschutz zu verwenden. Laut Stern würde das ausreichen, um das Weltklima
bis 2050 stabil zu halten. Es gibt nur eine Perspektive laut Studie: die Emissionen
müssen schnellstens um Dreiviertel reduziert werden.
Klimaerholung im
Kapitalismus nicht möglich
Auch der
Auftraggeber der Studie, der britische Premierminister Tony Blair sagte: „Die
Klimakrise wird international gelöst, oder sie wird gar nicht gelöst.“
Genau bei
diesem Aspekt allerdings liegt das Problem. Innerhalb des Kapitalismus wird ein
Aufhalten oder sogar ein Umkehren des Klimawandels nicht möglich sein.
Das wesentliche
Merkmal des Kapitalismus ist die Konkurrenz. Wenn Umweltverschmutzung
Wettbewerbsvorteile bringt, dann nutzen die Firmen diese Möglichkeit aus.
Ansonsten werden sie möglicherweise aus dem Wettbewerb gedrängt. Auf nationaler
Ebene ist es aber möglich, dass der Staat als ideeller Gesamtkapitalist auftritt
und versucht, wenigstens die größten Umweltsauereien durch Gesetze einzudämmen.
Doch ein solcher ideeller Gesamtkapitalist ist auf internationaler Ebene
undenkbar.
Wenn sich
ein Land durch lockere Umweltgesetze einen Vorteil verschaffen kann, dann wir
es dies auch versuchen. So sieht sich beispielsweise die USA nicht an die
Vereinbarungen des Kyoto-Protokolls gebunden.
Projekte
wie das Kyoto-Protokoll sind kaum mehr als gut gemeinte Kosmetik, denn sie
können die Konkurrenz der Nationen nicht einschränken. Zudem sind solche Verträge
nicht bindend und halten für die Umweltverschmutzer so manche Hintertüre
bereit. So können sich Länder, die besonders viel Treibhausgase produzieren „Emissionsrechte“
bei Ländern kaufen, die besonders wenig Treibhausgase in die Luft schleudern.
Klimaschädliche Emissionen
steigen trotz Kyoto weiterhin an
Tatsächlich
sind die Klimawerte durch die internationale Konkurrenz der Staaten schlechter
geworden, nicht besser. Der Kölner Stadt-Anzeiger vom 31.10.2006 berichtet: “Der
weltweite Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen nimmt in den
Industrieländern seit dem Jahr 2000 wieder zu. Der positive Trend der Jahre
1990 bis 1999, als die Emissionen von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen
zum Teil drastisch sanken, hat sich damit ins Gegenteil verkehrt.“
Auch die
Internet-Enzyklopädie Wikipedia schreibt, dass der Gesamtausstoß der weltweiten
Emissionen weiter ansteigt:
„Die
Vereinten Nationen erwarten für das Jahr 2010 11% höhere Emissionen als im
Referenzjahr 1990. Die Staaten des Ostblocks konnten vor allem wegen des
Zusammenbruchs ihrer Industrien die Emissionen von 1990-2003 um 40% senken, bis
2010 wird der Ausstoß aber wieder steigen und nur noch um 18% geringer sein als
1990. Die westlichen Industriestaaten erhöhen bis 2010 ihre Emissionen
voraussichtlich um 20% zu 1990. Die größten 2003 gemessenen Zuwachsraten in den
Industrieländern haben: Spanien (+42 Prozent von 1990 bis 2003), Portugal (+
37%), Griechenland und Irland (beide + 26%), Finnland (+ 22%), Österreich (+
17%) und die USA (+ 13%). Deutschland konnte seine Emissionen um 20% senken
(Ziel bis 2010: –21%), Großbritannien –13%, Schweden –2%. Die Schweiz liegt
2004 auf dem gleichen Niveau wie 1990.“ (1)
Die EU-Länder
werden laut Kommissionspräsident Barroso die Vereinbarungen von Kyoto verfehlen,
es sei denn, die EU greife zu einschneidenden Maßnahmen. Die EU Länder hatten
in Kyoto vereinbart, bis 2012 die Emissionen um acht Prozent unter die von 1990
zu senken.
Dieses Ziel
wird nicht eingehalten werden können.
Lösungsvorschläge im
Kapitalismus
Der Klimawandel
wird vor allem durch industrielle Treibhausgase verursacht. So sind die von
manchen Umweltschützern gepriesenen Ökosteuern – die jetzt auch in
Großbritannien auf der Tagesordnung stehen - auf privaten Verbrauch absolut
untauglich. Die Ökosteuer ist nur eine weitere Steuer, um den kleinen Leuten
das Geld aus Tasche zu ziehen.
Manche Teile
des Kapitals betrachten den Klimawandel sogar als möglichen Wettbewerbsvorteil.
Das Handelsblatt vom 31.10.2006 schreibt:
„Bundesumweltminister
Sigmar Gabriel (SPD) sieht den Klimawandel auch als Chance für die deutsche
Wirtschaft. „Hier geht es nicht um Nischenmärkte. Es geht hier um viele
Milliarden Euro und um die Leitmärkte, die das 21. Jahrhundert entscheidend
prägen werden,“ sagte er gestern auf der Innovationskonferenz seines
Ministeriums in Berlin.“
Eine andere
Möglichkeit sieht der Kommentator Stephan Kosch in der Tageszeitung vom
31.10.2006. Er zeigt auf, wie stark verbunden seine Zeitung mit Konkurrenz,
Markt und Kapital sind.
„... dieser Fall zeigt, dass jede Bedrohung
auch eine Chance birgt, Gerade weil die Wirtschaft nur die Sprache von Gewinn
und Verlust versteht, reagieren die Unternehmen erst, wenn die Renditen
gefährdet sind. Oder wenn sich neue Märkte auftun. Britische Unternehmen haben
das verstanden und sehen die wirtschaftliche Chance im Klimawandel. Der Zwang
zu geringerem Ausstoß von Treibhausgasen sorgt für Innovationsdruck. Knapper
werdende Rohstoffe und entsprechende Preissteigerungen erhöhen die Bereitschaft
des Verbrauchers, für effizientere Technologien mehr Geld auszugeben.
Wenn die
Wirtschaft den Klimawandel als Markt entdeckt, mag man das zynisch finden. Es
ist aber in jedem Fall zu begrüßen. Denn der Kampf gegen die drohenden Folgen
des Klimawandels lässt sich nicht gegen den Kapitalismus gewinnen.“
Im
Gegenteil: Ernsthafter Umweltschutz muss über die engen Grenzen der
konkurrenzorientierten Gesellschaftsform Kapitalismus hinausweisen. Die Klimakatastrophe
ist nur mit einer gemeinsamen internationalen Kraftanstrengung aufzuhalten. Im
Konkurrenzsystem des Kapitalismus – wo zudem immer offensichtlicher wird, wie
aggressiv sich die Bosse um die letzten Prozentpünktchen Profit kloppen – wird es
nicht zu schaffen sein.
Die
Menschheit wird zu einer gemeinsamen solidarischen Gesellschaft finden oder sie
erstickt.
Es gibt
zwei Möglichkeiten: Entweder heißt es, der Letzte macht das Licht aus oder die
Massen finden zu einer planvollen und solidarischen Weltwirtschaft!
(1)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kyoto-Protokoll
Die zwei
Zeichnungen sind vom amerikanischen Künstler Robert Crumb.
von Francis
Byrne
|