„Die Macher hinter den Kulissen - Wie INSM, Atlantik-Brücke, Aspen-Institute und ähnliche Netzwerke Deutschland heimlich regieren"
Vorwort
Diese Studie bietet wichtigste
Befunde der letzten Jahre für Leute, die sich um den Fortbestand unserer Kultur
und Zivilisation große Sorgen machen, und die darüber nachdenken, wie man das
Solidarische Prinzip, das unserer Verfassung und unserer Gesellschaftsordnung
immer noch zugrundeliegt, nicht nur retten, sondern auch ausbauen kann. In der
Flut unserer Informationsgesellschaft stellt sich jeder interessierte Mitmensch
sein eigenes Menue von Detailinformationen zusammen, und es wird immer
schwerer, noch einen gemeinsamen Nenner zu finden.
Das ist eben
auch der Grund, warum so viel wirklich Kluges über die Anatomie unserer Misere
schon gesagt worden ist, sich aber dennoch keine konzentrierte Gegenkraft gegen
die gewollte Verwahrlosung unserer Politik, Wirtschaft, Kultur, und darauf
folgend: des menschlichen Miteinanders bildet. Obwohl die überwältigende
Mehrheit der Bevölkerung weder den Neoliberalismus/Marktradikalismus noch die
enge Zusammenschweißung mit der hochriskanten Politik der Vereinigten Staaten
von Amerika wünscht, gelingt es einer kleinen radikalen Minderheit, genau diese
verheerenden Weichenstellungen durchzusetzen.
So
niederschmetternd die zusammengeführten Befunde meiner Studie sind, so kann nur
aus der Erkenntnis der raffinierten Vernetzungen und der Tricks dieser
radikalen Minderheit zu einer erfolgreichen Gegenstrategie führen. Dann erkennt
man auch die Nacktheit des marktradikalen Kaisers. Und nur dann kann man auch
erfolgreich dagegen arbeiten. Die Marktradikalen haben schon einmal, in den
Zwanziger Jahren, den Karren in den Dreck gefahren. Die Folge war zum einen der
Faschismus, zum anderen aber auch eine Stärkung der Politik des Gemeinwohls -
durch Stärkung staatlichen, kommunalen, öffentlich-rechtlichen und
genossenschaftlichen Eigentums in der Politik des New Deal unter Franklin Delano
Roosevelt.
Lateinamerika wurde vierzig Jahre
von den Marktradikalen in den Dreck gefahren. Augenblicklich schickt
Lateinamerika die Marktradikalen nach hause und geht einen ähnlichen Weg wie
Roosevelt.
Genau das oder Ähnliches haben
wir für Europa zu leisten!
Diese
Studie geht aus einem Referat hervor. Es ist die Arbeit eines vereinzelten
besorgten Mitmenschen. Kein üppig besoldetes hochqualifiziertes Team hat hier
Korrekturarbeit und Gegenlesen übernommen. Ich bitte also um Nachsicht, daß
sich auch hier sachliche Fehler eingeschlichen haben könnten. Dieser Text soll
zur vertieften Recherche zum Thema anregen. Soll der Ausgangspunkt einer
gemeinsamen Suche nach den wirklichen Bewegungsgesetzen unserer Malaise sein
und von dort aus, das Gemeinschaftswerk für Wege aus eben dieser Krankheit
darstellen.
Von daher
bin ich jederzeit für Berichtigungen, sachliche Kritik und Ergänzungen dankbar.
Zusammenfassung
Wer verstehen will, wie politische und wirtschaftliche
Entscheidungen getroffen werden, ist zunächst auf die Spitze des Eisbergs
verwiesen: Politiker, Verbandsfunktionäre oder Gewerkschaftsführer. Die
eigentlichen Beeinflusser und Entscheider befinden sich jedoch hinter der
schützenden Fassade der Tagespolitik. Hinter der Fassade befinden sich Netzwerke,
die seit Jahrzehnten planmäßig die Eliten beeinflussen und steuern. Sie
arbeiten daran, in der Wissenschaft das Paradigma durchzusetzen, zum
Dogma des Marktradikalismus gäbe es keine Alternative. Marktradikalismus:
so wenig Staat wie möglich, so viel Markt wie möglich. Die Massenbeeinflussung
durch Medien wird zentral in diesem Sinne orchestriert.
Was Deutschland
betrifft, gibt es zwei Haupt-Stoßrichtungen: 1. die Enteignung
des Gemeineigentums, flankiert vom Marktradikalismus. 2. die Anbindung
Deutschlands und Europas an die USA.
Deutschland ist für diese Attacken eine besonders
harte Nuß. Hier gilt es, gigantisches genossenschaftliches,
öffentlich-rechtliches, kommunales und staatliches Eigentum zu enteignen und
dem Risikokapital zuzuführen.
Und das ist
noch nicht alles: das Zusammenwirken aus Marktradikalismus und US-Lobbyismus
stößt auf eine sich exponentiell entfaltende weltweite Risikokapitalszene,
die durch die Fahrzeuge: Clearingstellen, Steueroasen und Internet auf die
Dauer jede staatliche Gestaltung zunichte macht. Hedge Fonds, die sog.
„Heuschrecken" sind besonders gefährliche Parasiten.
Inhaltsverzeichnis
1.1 Demokratie,
Öffentlichkeit und halbgeheime Verbindungen ... 2
1.2 Schichtungen und Schachtelungen der diskreten Macht ...
4
2. Zum ersten Themenkomplex, der Umwälzung der
Sozialstruktur. ... 5
2.1 Marktradikalismus ... 5
2.2 Versuchslabor Chile ... 6
2.3 Harte Nuß Deutschland ... 7
2.4 Kampagnen ab 1998 ... 8
2.5 Weitgehend unbemerkt und darum so mächtig: Bertelsmann
AG/Stiftung ... 10
2.6 Öffentlich Private Partnerschaften ... 12
3. Außenpolitik und/oder Bündnispolitik ... 13
3.1 Atlantikbrücke, ACG, Aspen Institute ... 13
Themenkasten:
Beispiel Pro-USA-Rezensionskartell ... 15
3.2 German
Marshall Fund, DGAP, SWP ... 16
3.3 Die Transatlantischen Runden Tische ... 18
Themenkasten:
Elmar Brok ... 20
3.4 Zentrum der Macht: Monopole, Kartelle und Risikokapital
... 21
Themenkasten:
Hedge Fonds und Politik in den USA ... 22
3.5 Clearing, Steueroasen und andere Zivilisationskiller ...
22
4. Schlußbetrachtung ... 24
Fußnoten
... 26
Literatur
zum Thema ... 26
1.1 Demokratie,
Öffentlichkeit und halbgeheime Verbindungen
Dieser Aufsatz beschäftigt sich mit Gruppen und Netzwerken,
Ø
die entweder im Verborgenen wirken;
Ø
oder die ganz vorne auf der Bühne stehen;
und wo man sich fragt, warum in den Medien zu einem
bestimmten Themenkomplex immer nur diese wenigen auserwählten Leute als
Experten befragt werden:
„Hier ist der Biedermannfunk
mit den Informationen am Mittag. Die Beziehungen zwischen Europa und den USA
sind zur Zeit ein wenig verschnupft. Woran das liegt, und wie man die
Beziehungen wieder verbessern kann, darüber sprechen wir jetzt mit Karsten
Voigt (oder wenn der Schnupfen hat: ersatzweise mit Hans-Ulrich Klose) ... der
europäische Einigungsprozeß kommt nur schleppend voran. Woran das liegen kann,
darüber sprechen wir jetzt mit Elmar Brok ... Die demographische Krise bedroht
die gesetzlichen Rentenkassen. Was man dagegen tun kann, darüber sprechen wir
jetzt mit Herrn Prof. Raffelhüschen ... Die IG Metall fordert erneut
Lohnerhöhungen über fünf Prozent. Kann unsere Volkswirtschaft das noch
verkraften? Darüber sprechen wir jetzt mit Professor Hans Werner Sinn vom
Münchner Ifo-Institut ... usw."
Was wir wissen: Diese Leute haben einen bürgerlichen Beruf
und sie haben eine Funktion.
Was wir
aber nicht wissen:
diese Leute
gehören einem hochwirksamen Netzwerk an, von dem wir nichts erfahren,
wohl auch nichts erfahren sollen.
Diese Netzwerke oder Gruppen kann man neutral als
<<Interessengruppen>> oder neudeutsch: <<Pressure
Groups>> bezeichnen.
„Pressure"
aus dem Englischen heißt soviel wie: „Druck".
Welchen Druck
üben diese Leute aus, und auf wen, bzw. gegen wen oder was?
Diese Damen
und Herren scheuen sich, ihre Mitgliedschaft in einer Druck-Gruppe der
Öffentlichkeit zu bekennen.
Aber: Öffentlichkeit
ist das A und das O jeder demokratischen Gesellschaft.
Warum?
Weil im Gegensatz zu grauen Vorzeiten in diesem Staat
nicht ein König der oberste Souverän ist - derjenige also, der das letzte Wort
hat -, sondern wir, das Volk, sind der oberste Souverän. Wir
entscheiden nach dem Mehrheitsprinzip, was gemacht wird. Und damit sich keiner
überfahren oder ausgeschlossen fühlen muß, sind Entscheidungsprozesse
bei uns grundsätzlich öffentlich zu vollziehen; und wenn Entscheidungen
gefallen sind, dann muß jeder Bürger ungehindert nachvollziehen können, wie
Entscheidungen zustande gekommen sind.
Das
heißt:
Entscheidungsfindung
und Entscheidungen müssen öffentlich sein!
Daß
bei uns Pressure Groups an der Öffentlichkeit vorbei Entscheidungen
ausmauscheln, unterhöhlt die Demokratie nachhaltig.
Wie macht man das: Entscheidungen erzwingen, die die
Mehrheit eines Volkes nicht will?
- Man
installiert ein totalitäres Gewaltregime. Die Mächtigen und Reichen
dieser Welt haben das im 20. Jahrhundert an vielen Plätzen dieser Welt
ausprobiert. Es zeigte sich bei jenen Laborexperimenten: es ist nicht
möglich, die Widersacher restlos zu vernichten und stillzulegen. Oft
erholten sich die Widersacher und kamen gestärkt wieder. Außerdem leisten
die Menschen weniger, wenn sie mit offenem Druck gezwungen werden. Stille
Obstruktion und Sabotage brachten jedes Terrorsystem auf die Dauer zum
Systemzusammenbruch.
- Man
hat daraus gelernt und ist zu dem Schluß gelangt, daß Renditen und
sonstige Erträge wirtschaftlicher Tätigkeit in einer Offenen
Gesellschaft besser zu erlangen sind. Die Menschen sind scheinbar
frei, ihr Leben selber zu gestalten. Die Menschen sind besser motiviert,
und der Output ist entsprechend höher. Und wenn jemand strauchelt, wird er
nicht das System verantwortlich machen, sondern ausschließlich sich
selber.
Wenn nun also kein Weg an der Offenen Gesellschaft
vorbeiführt, wie erzwingt man in einer Offenen Gesellschaft Entscheidungen, die
die Mehrheit nicht will:
- Man
beeinflußt die Eliten;
- man
manipuliert die Massen durch Kampagnen.
Die Gruppen, die diese Wege beschreiten und damit die Öffentlichkeit
hintergehen, wissen aber aus leidvoller Erfahrung, was der Volksmund
folgendermaßen in Worte zu gießen weiß:
„Es ist nichts so fein
gesponnen, es kommt doch an das
Licht der Sonnen!"
Man gründet deshalb ganz offiziell Vereine, Stiftungen
und Clubs, und gibt diesen einen wohltätigen Anstrich.
Gemeinnützigkeit erleichtert zudem das Eintreiben von Spendengeldern und spart
Steuern.
1.2 Schichtungen und Schachtelungen der diskreten
Macht
Immer wieder neue Gruppen der Wohltätigkeit werden seit
vielen Jahrzehnten bereits gegründet, und es entstehen regelrechte Schichtungen
- Generationen von „wohltätigen" Pressure-Groups.
Was wir zu sehen bekommen, ist nur die oberste
Schicht einer Zwiebel oder vielleicht: die Erdkrume, unter der immer ältere Erdschichten
gelagert sind, bis man im glühenden Erdkern angelangt ist.
Erdkrume: die Gestalten, die wir in den Medien immer
wieder sehen. Prominente Politiker aus Regierung und Opposition,
Parlamentarier, Spitzenkräfte aus Verbänden, berühmte Presse- und Fernsehleute.
Darunter: das eine oder andere dringt zu uns über
parteinahe Stiftungen oder kirchliche, ökologische und soziale
Stiftungen.
Darunter: nur noch hochgradig Interessierten bekannt:
geistige Zentren, Denkfabriken, Think Tanks; aber auch Werbeagenturen,
sogenannte PR-Agenturen;
Darunter: auserlesene Runde Tische mit sehr
mächtigen Industriekapitänen und Bankdirektoren.
Darunter: große Kartelle und Konzerne
aus dem Energiebereich, sowie - mit zunehmender Tendenz - Finanzmakler
aus dem spekulativen Risikokapitalsektor - Hedge Fonds z.B. Das ist der
glühende Erdkern.
Schauen wir uns die Pressure Groups in Deutschland
an. Hier gibt es zwei ganz große Tätigkeitsbereiche:
- das
eine ist die Sozialpolitik. Von Infas bis Allensbach sind alle
Meinungsforscher in ihren Befragungen zu dem Ergebnis gelangt: die Mehrheit
der Deutschen will eine soziale Demokratie. Aus Sozialismus und
Kapitalismus sollen die Filetstücke entnommen und zu einem neuen Ganzen
zusammengefügt werden. Die kleine mächtige Minderheit der Pressure
Groups will aber eine marktradikale Gesellschaft mit so gut wie keinem
Staat und freier Fahrt für den Verdrängungswettbewerb zum optimalen
Reichtum - auf Kosten der Mehrheit.
- das
andere Gebiet umfaßt die deutsche Außenpolitik, oder auch: Bündnispolitik.
Die Mehrheit der Deutschen möchte ein unabhängiges Europa, das sich
von den „Abenteuern" der USA fernhält, und mit allen Machtblöcken gut
auskommt. Die reiche und mächtige Minderheit will jedoch die
vollständige Anbindung und unwiderrufliche Verschweißung Europas mit den
USA.
Im Folgenden stelle ich die wichtigsten Akteure der beiden
Überrumpelungsstrategien vor.
2. Zum ersten Themenkomplex, der Umwälzung der
Sozialstruktur.
2.1 Marktradikalismus
Die Gruppen, die diesen Kurs verfolgen, nennt man etwas
hilflos „Neoliberale". Ich bevorzuge den Begriff: „Marktradikale".
Der
Marktradikalismus/Neoliberalismus ist alles andere als neu.
Es gab bereits im 18. Jahrhundert
die Theorie des „laissez-faire". Das heißt: der Staat soll
die Wirtschaft mal schön in Ruhe lassen und die Geschäftsleute machen lassen.
Dann regelt sich alles von selber: Angebot kommt ganz naturwüchsig zur
Nachfrage. Und wenn jeder an sein eigenes Wohl denkt, dient er dem Gemeinwohl
(Adam Smith). Ganz automatisch. Wenn der Staat sich in das Wirtschaftsgeschehen
einmischt, dann kommt es zu Verzerrungen, und das schöne naturgewachsene
Gleichgewicht ist dahin.
An
den Grundzügen dieser Weltanschauung hat sich bis heute nicht viel geändert.
Und daß sich gerade durch die Befolgung dieser laissez-faire-Rezepte in
den USA Monopole und Kartelle ganz naturwüchsig bildeten, die erst der Staat
erneut entflechten mußte, damit sich wieder ein halbwegs fairer Wettbewerb
ergeben konnte, das hat die Marktradikalen nicht weiter beunruhigt.
Das Konzept des Marktradikalismus
verkam zur Ideologie: ungeachtet tatsächlicher Entwicklungen im immer
größer werdenden Wirtschaftsraum (Nämlich: durch eben das freie Walten und
Wirken der Konkurrenz auf dem Markt der Sieg der Stärksten und damit - immer
mehr Monopole und Kartelle) predigte man, der Staat solle sich darauf
beschränken, sichere Vertragsbedingungen und Schutz vor Diebstahl und anderen
Störfaktoren eines freien Geschäftslebens zu garantieren: der Nachtwächterstaat
wurde und wird gefordert.
Diese
Politik wurde von vielen Regierungen in den Zwanziger Jahren durchgeführt - mit
den bekannten Effekten: Börsenkrach von 1929, Massenarbeitslosigkeit und
Firmenpleiten, besonders im mittelständischen Gewerbe. Die Regierung Roosevelt
hat dann eine radikale Kehrtwende herbeigeführt und den Kapitalismus durch
Stärkung des Staates und der Genossenschaften vor sich selber gerettet.
Zum
Leidwesen der Marktradikalen war der Trend der Fünfziger und Sechziger Jahre
eindeutig: mehr Staat, mehr soziale Verantwortung; die Ausgegrenzten und
Schwachen mitnehmen und teilhaben lassen an den Errungenschaften der
Zivilisation. Sowohl die Volksmeinung in den Industriestaaten als auch die
Mehrheit in den wissenschaftlichen
Eliten waren sich einig: zur Integration und zum solidarischen Prinzip gibt
es keine Alternative. Der Präsident der USA, Lyndon Baynes Johnson, konnte
bei der Präsidentschaftswahl 1964 mit seinem Konzept der „Great Society"
beinahe zwei Drittel der Wähler hinter sich bringen.
Die Marktradikalen blieben nicht untätig.
Sie alarmierten die Eliten - die Reichen und die
Mächtigen; und sie konnten erkleckliche Summen zusammenbringen. Allein der
Milliardär Richard Mellon Scaife spendierte 600 Millionen Dollar aus seiner
Portokasse, um das Ruder herumzureißen.
Eine Unzahl
von Denkfabriken und Propagandagruppen schoß aus dem Boden. Sie
gediehen zum Teil auf dem Humus christlichen Volksglaubens, zum Teil auf der
Arroganz der Mächtigen und Reichen, die nicht mit den ärmeren
Bevölkerungsgruppen teilen wollten. Heute sind die USA flächendeckend überzogen
mit neokonservativen, marktradikalen und christlich-fundamentalistischen
Netzwerken und Pressure Groups. „Liberal" ist mittlerweile ein Schimpfwort, und
auch die gemäßigteren Demokraten müssen sich auf die Neocons berufen,
wenn sie nicht im Abseits landen wollen.
Die Marktradikalen planen und agieren weltweit.
Sie gehen strategisch vor.
Und sie arbeiten ihre Ziele Etappe für Etappe ab. Auch wenn die
Marktradikalen schlau genug sind, ihren Fahrplan nirgendwo in
vollendeter Deutlichkeit als Dokument zu hinterlassen, so ist es doch möglich,
ihren Fahrplan aufgrund der Gleichförmigkeit, mit der in unterschiedlichen
Ländern vorgegangen wird, zu rekonstruieren:
- Im
ersten Schritt muß die kulturelle und wissenschaftliche Vorherrschaft
der „Linken" und „Liberalen" gebrochen werden („Kulturelle Hegemonie").
Das heißt: es müssen eigene Denkfabriken errichtet werden, die
wissenschaftliche Ergebnisse hervorbringen, die in das marktradikale
Weltbild hineinpassen. Multiplikatoren müssen überredet werden, die
marktradikale Botschaft zu den Menschen draußen im Lande zu tragen:
Presseleute, Fernsehstars, Schauspieler, Künstler oder auch Sportler
müssen überall verkünden, daß es zum Marktradikalismus keine Alternative
gibt. Zu diesem Zweck müssen Rundfunk- und Fernsehstationen, Zeitungen und
Fachblätter aufgekauft und im Sinne des Marktradikalismus umgedreht
werden. Ausdrucksformen der 68er Bewegung werden übernommen:
Demonstrationen, lockere Netzwerke usw.
- Wenn
es gelungen ist, bei Wahlen eine Regierungsmehrheit zu erkämpfen, wird die
neue, marktradikale Regierung sofort damit beginnen, den Staat extrem zu verschulden
und damit handlungsunfähig zu machen.
- Ein
solcher hochverschuldeter Staat wird sodann den „Sachzwang"
anerkennen, daß er, um dem Staatsbankrott zu entgehen, sein durchaus
profitables Tafelsilber zu den Bedingungen eines Notverkaufs, also
für'n Appel und n' Ei, an interessierte „Investorengruppen" verkaufen muß.
Nun ist der Staat auch langfristig handlungsunfähig. Denn seine Einkommensquellen
sind verkauft.
- Jene
politischen Eliten, die von hause aus eher der genossenschaftlichen
Bewegung nahestehen, wie die Sozialdemokratie, sind von dieser
verschuldungsbedingten Enteignung überrascht worden. Sie haben kein
Konzept entwickelt, wie der solidarische Staat durch diese Stürme
hindurchnavigiert werden könnte. Dankbar nehmen überforderte Kommunal- und
Landespolitiker „Heilungsrezepte" entgegen, die wiederum von
marktradikalen Instituten mundgerecht entwickelt worden sind.
- Auch
die mittlerweile wohlhabend gewordene sozialökologische Klientel
wird von den Marktradikalen nicht links liegengelassen. Mit auch für
Alt-Ökos und Apo-Opas akzeptablen Phrasen wie: „nachhaltiges Wirtschaften"
wird der Einstieg ins marktradikale Boot leicht gemacht.
2.2. Versuchslabor Chile
Die Marktradikalen denken im weltumspannenden
Maßstab.
Bevor sie
nämlich den marktradikalen Fahrplan in den führenden Industrieländern
durchpeitschten, probierten die ihre Rezepte in kleinen Staaten aus. Wenn das
Experiment dort schiefgegangen wäre, hätte das keine Rückwirkungen auf die
große Weltwirtschaft gehabt.
Als Versuchslabor
suchte man sich Chile aus. Als am 11. September 1973 das Militär in
Chile die Macht übernahm und jene Kräfte, die die Unidad Popular unter Allende
mitgetragen hatten, in Konzentrationslagern verschwinden ließ; da glaubte man
den tieferen Grund darin gefunden zu haben, daß die USA kein sozialistisches
Land in ihrem Vorgarten Lateinamerika dulden.
Diese
Erkenntnis ist nur eine Teilwahrheit. Viel wichtiger war, daß die
Vorbereitungen für ein marktradikales Laborexperiment in Chile bereits Ende der
Fünfziger Jahre getroffen wurden. Talentierte Nachwuchsökonomen aus Chile
wurden an der Universität Chicago, der Hochburg der Marktradikalen, für die
zukünftige Tätigkeit in ihrem Heimatland zurechtgetrimmt. Kaum hatte General
Pinochet seine blutgetränkte Macht installiert, führten die sog. „Chicago
Boys" eine rabiate Privatisierung staatlicher Betriebe durch.
Und einer
dieser Chicago-Knaben geht uns in ganz besonderem Maße an: José Pinera
war zwar nur ein einziges Jahr Chiles Arbeitsminister. Er hat aber die gesetzliche
Rentenkasse, die in Chile nach dem deutschen Umlageprinzip
arbeitete, zur Strecke gebracht, und durch kapitaldeckende
Privatrenversicherungen ersetzt. Wer reguläre Arbeit hat, zahlt 12 % seines
Gehaltes in diese Rentenversicherung ein. Er hat auf diese Weise ein eigenes
Rentenkonto. Er kann dann entscheiden, wann er mit der Arbeit aufhört. Je nach
Einzahlungsdauer hat er mehr oder weniger Geld zu erwarten. Er kann sich das
Geld auszahlen lassen oder es aufzehren, bis es verbraucht ist.
Der Pferdefuß:
nur wer langfristig reguläre Arbeit hat, kann von diesem System profitieren.
Wer dauerhaft arbeitslos ist, bekommt vom Staat eine Minimalrente, die vielleicht
zum Überleben ausreicht. Die Fehler dieses Systems sind offenkundig: die
privaten Rentenkassen bekommen Geld zugespielt, das sie im Risikogeschäft für
sich arbeiten lassen. Die Solidargemeinschaft der Steuerzahler muß für alle
Bürger aufkommen, die für die privaten Rentenkassen nicht in Frage kommen.
Hier gilt
das Grundprinzip jeder marktradikalen Theorie:
Gewinne, die in der
Gesellschaft anfallen, werden privatisiert. Verluste werden sozialisiert.
Nachdem nunmehr im Labor Chile empirisch ermittelt wurde,
daß die marktradikalen Rezepte scheinbar keinen makroökonomischen Schaden
anrichten können, wurde der Marktradikalismus zur Doktrin der Regierungen Reagan
und Thatcher erhoben. Eine bislang nicht gekannte Privatisierungswelle,
gekoppelt mit einer absolut obszönen Verprassung von Steuermitteln, machten die
Nationen USA und Großbritannien handlungsunfähig. Die marktradikalen
„Therapien" hatten mächtige Staaten zu wehrlosen Geiseln des internationalen
Risikokapitals gemacht. Die Erscheinungsformen jener mutwilligen
Verwahrlosung müssen an dieser Stelle nicht mehr ausgeführt werden.
2.3 Harte Nuß Deutschland
Deutschland erwies sich als harte Nuß für die
Marktradikalen. Das liegt daran, daß in der Bundesrepublik Deutschland Genossenschaften,
Verbände, Gewerkschaften und gewerblicher Mittelstand eine relativ
starke Position innehaben. Zwei große Volksparteien prägen die
politische Landschaft. Volksparteien, die auf sehr unterschiedliche
Einzelinteressen in ihren Reihen Rücksicht nehmen müssen. Das deutsche Verhältniswahlrecht
macht es beinahe unmöglich, eine rücksichtslose Interessenpolitik für eine
kleine Einzelgruppe, wie z.B. das Finanzkapital, durchzupeitschen. Unter diesen
Umständen kann sich als Regierungschef nur behaupten, wer eine vorsichtige
Politik des Ausgleichs aller Interessen fährt. So gerne Helmut Kohl es seinen
Kollegen Thatcher und Reagan gleichgetan hätte: er mußte Kompromisse machen.
Und so verteidigte sein Arbeitsminister Norbert Blüm das deutsche Umlagesystem
(„Ei, die Rende sind sischä!").
Den
Marktradikalen wurde klar: in Deutschland würde noch ein langer, steiniger Weg
zurückzulegen sein. Die Gewißheiten und das Selbstbewußtsein des deutschen
Sozialstaats würde man nur etappenweise zerstören können, in kleinen Schritten.
Die Gewerkschaften und ihren mächtigen Apparat galt es zu zermürben. In der SPD
mußte man mühsam um Mitstreiter werben. Die Bevölkerung würde man mit einer
Kette von medial inszenierten Angstkampagnen ratenweise verunsichern
müssen, bis ihr kein Boden unter den Füßen mehr bliebe. Die Garanten der
sozialen Ausgewogenheit diffamiert man als „Besitzstandswahrer".
Die existenziell lebenslang
gesicherten Diener des Staates, die wegen ihrer existenziellen Sicherheit
natürlich nicht so leicht zu bestechen sind wie die Angestellten, die man
heuern und feuern kann, die Beamten also, werden als fette, ineffiziente
Drohnen beschimpft und die Abschaffung des Beamtentums als Leistung großer
Weitsicht in jede Agenda mit aufgenommen. Jedes Jahr brüsten sich die Bundes-
und die Landesregierungen erneut, den Bestand an Beamten weiter
heruntergefahren zu haben, und die Beamtenarbeit „outgesourceten" privaten
Drückerfirmen mit ungesicherten Niedriglohnarbeitern auf Prekariatsniveau
übergeben zu haben. Vor den Karren des „schlanken Staats" lassen sich
sogar Gegner des Marktradikalismus spannen.
2.4 Kampagnen ab 1998
1998 trat der Kampf der Marktradikalen in eine neue
Phase. Der Sieg des Rot/Grünen Projekts verunsicherte die deutschen
Unternehmer. Nun waren sie bereit, mächtig viel Geld in marktradikale
Initiativen zu stecken, um das Schreckgespenst einer sozialökologischen
Regierungspolitik zu verscheuchen.
Unternehmer
überließen die Propaganda nicht länger ihren Standesverbänden BDI und BDA. Man
stampfte kleine Initiativen aus dem Boden, die mit Anzeigenkampagnen und
„Bürgerinitiativen" für mehr Markt und weniger Staat werben sollten. Im
Mittelpunkt stand die unmittelbare Beeinflussung der Massen. Die Menschen
draußen im Lande wurden konfontiert mit dem „Bürgerkonvent" oder „Deutschland
packts an". Allerdings verbreiteten diese Gruppen einen derart elitären
Stallgeruch, daß sie die Herzen und Hirne des gemeinen Volkes glatt verfehlten
und heute auch schon längst wieder von der Bildfläche verschwunden sind.
Etwas mehr
Fleisch auf den Rippen hatte da schon die Initiative Neue Soziale
Marktwirtschaft. Diese Druck-Gruppe wurde vom Arbeitgeberverband
Gesamtmetall und der Elektroindustrie aus dem Boden gestampft und mit einem Jahresetat von 10 Millionen Euro
gar fürstlich gepolstert. Die Umsetzung dieser Idee wurde der Werbe-Agentur
Scholz & Friends anvertraut. Die INSM liefert Anzeigenkampagnen, verfaßt
pressereife Artikel mit marktradikaler Weltsicht, die von den personell
ausgedünnten Zeitungsredaktionen bereitwillig und unkommentiert als
redaktionelle Eigenleistung in die Zeitung übernommen werden; die INSM bietet
im Internet Unterrichtsmaterialien zum Herunterladen an, die von gestreßten
Lehrern auch gerne in Anspruch genommen werden.
Erkennbar
war das Ziel, mithilfe der INSM einer CDU-FDP-Koalition bei der nächsten
Bundestagswahl zum Sieg zu verhelfen. Schröders Agenda 2010 ist für die
INSM-Sponsoren nicht radikal genug. Die INSM schickte marktradikale Professoren
in alle denkbaren und undenkbaren Talkshows, Politikmagazine und andere Anlässe
öffentlich verübter Zerstreuung. Sog. „Botschafter" traten auf und
warben mit ihrem mehr oder minder guten
Namen für den schlanken Staat, weniger Löhne und weniger Steuern. Man
produzierte zur Bundestagswahlkampagne 2005 sogar einen eigenen Shooting-Star:
den Finanzprofessor und früheren Verfassungsrichter Paul Kirchhof.
Dieser dröge Zeitgenosse aus besseren Kreisen wurde von Angela Merkel als
Super-Finanzminister ausersehen. Kirchhof sollte die Massen begeistern als
neuer Hoffnungsträger, vielleicht als neuer Karl Schiller.
Kirchhof
brauchte nur den Mund aufmachen, und jeder Otto Normalverbraucher merkte
sofort: der Mann ist von einem andern Stern. Der hat gewiß noch nie in seinem
Leben selber eine Lampe repariert oder ist mit der Straßenbahn zur Arbeit
gefahren. Zudem hatten aufmerksame Mitbürger Kirchhof als marktradikalen
Extremisten und rechten Flügelmann der Katholischen Kirche geoutet.Kirchhof hat
seinen Teil zur vernichtenden Wahlniederlage der Marktradikalen im
September 2005 beigetragen.
Denn der Größte
Anzunehmende Unfall trat für die Marktradikalen ein: statt eines
Erdrutschsiegs für Schwarz-Gelb gab es eine vollkommen unübersichtliche
Situation, aus der überhaupt nur die Große Koalition heraushelfen konnte. Eine Große Koalition
zwischen zwei Volksparteien, also zweimal eine Partei, die immer nur einen Minimalkonsens
widerstreitender parteiinterner Gruppen hervorbringen kann. Die Lähmung
ist vollständig. Das Gemurkse um die „Gesundheitsreform" soll als Beispiel
genügen.
Schon schauen Kapitalistenfunktionäre nostalgisch
auf die Tage von Rot/Grün zurück. Die Koalition zwischen einer Volkspartei und
einer Klientelpartei macht es nämlich den Regierungsmitgliedern aus der
Volkspartei immer recht leicht, „unpopuläre Maßnahmen" der eigenen Gefolgschaft
zu erklären. Man sagt: „Es tut uns ja leid, daß wir gewisse Härten mittragen
müssen, aber unser kleiner Partner von der Klientelpartei kündigt sonst die
Koalition auf, und dann kommen die andern ans Ruder, und die sind noch viel
schlimmer, als wir es beim besten Willen jemals sein könnten ..."
Nun, eine
Lehre hatte man schon aus dem Wahldesaster gezogen: unter der rot/grünen
Diktatur unter Schröder hatten die diversen aus dem Boden gestampften
„Bürgerbewegungen" eine Alarmstimmung und ein Untergangsszenario unter das Volk
zu bringen versucht. Das kam nicht gut an. So hatte man bereits vor der
Bundestagswahl 2005 eine Positivkampagne kreiert. Ursprünglich sollte
die Aktion „Du bist Deutschland" jene fest einkalkulierte Regierung
Merkel/Westerwelle mit einer Woge von Euphorie umspülen. Unter der Regie des
Bertelsmann-Imperiums waren schon die Plakatwände für die gekaufte gute
Stimmung gebucht, die Werbezeiten bei Fernsehen und Kinos gemietet. Und so
flankierte eine große Einswerdung von Prominenten und einfachen Klofrauen,
Bäumen und Kohlköpfen, Einwanderern und westfälischen Langschädeln die
Flitterwochen der grauen politischen Zweckehe von Angela Merkel und Franz
Müntefering.
Die Aktion
„Du bist Deutschland" kam schon wesentlich besser an als der Jammerchor
früherer Kampagnen. 8.000 Bundesbürger haben freiwillig auf der „Du bist
Deutschland"-Webseite ihr Konterfei und ein Sprüchlein reingesetzt. Die
Fußball-WM war schon lange gebucht, und man versuchte nun, auch dieses
Sportereignis zu einem wallenden Volksvotum für den Marktradikalismus zu
machen. Oder zumindest zu einer Positivstimmung für die wenig anziehende
Bundesregierung. Wir haben es alle erlitten und überstanden. Der „Schwarz-Rot-Geile
Sommer" brachte eine positive Stimmung im deutschen Gemeinwesen.
Aber: worin
besteht der strategische Gewinn für die Marktradikalen? Man hat hier
improvisiert und man hat Kompromisse machen müssen. Sicher ist das politische
Barometer wieder ein bißchen mehr rückwärts und nach rechts gerückt. Aber heißt
das auch, daß der Deutsche aus dem Volke deswegen umso freudiger in seine
fortschreitende Enteignung und Entmündigung einwilligt?
Die
Kampagnengruppen, die blitzartig wie Champignons aus dem Boden geschossen sind,
sind ebenso blitzartig wieder abgetaucht. Und auch die INSM ist nach ihrer
großen Wahlblamage, die bei ihren Auftraggebern vom Unternehmerlager nur „reine
Verbitterung" erzeugt hat, erst einmal ganz zahm und ruhig geworden. Bis 2009
jedenfalls haben INSM-Macher Scholz&Friends eine sichere Finanzierungszusage
vom Verband Gesamtmetall ...
2.5 Unbemerkt und darum so mächtig: Bertelsmann
AG/Stiftung
Weitaus wirkmächtiger und bislang von öffentlicher Neugier
unbehelligt geblieben sind die äußerst effektiven und äußerst gefährlichen
Aktivitäten des Bertelsmann-Imperiums.
Bertelsmann
- das ist die Kraft der zwei Herzen.
Da ist auf
der einen Seite der fünftgrößte Medienkonzern der Welt: die Bertelsmann AG
mit insgesamt 600 Einzelfirmen, zusammengefaßt in den Säulen: Arvato AG, Gruner
und Jahr, dem Fernsehkonzern RTL, dem Druckhaus Bertelsmann und dem Buchclub
(der Musik-Konzern BMG wurde gerade veräußert).
Und auf der anderen Seite die Bertelsmann-Stiftung. Die
Bertelsmann-Stiftung hat wiederum zwei Aufgaben. Zum einen will der noch
lebende Alleinherrscher Reinhard Mohn mit der Stiftung die Bertelsmann AG
langfristig zusammenhalten. Deshalb hält die Stiftung ca. 60% des Aktienpakets
des Medienkonzerns. Über eine weitere Verwaltungsgesellschaft garantiert Mohn,
daß auch wirklich alle Fäden bei ihm weiterhin zusammenlaufen.
Die andere
Funktion der Stiftung besteht in der marktradikalen Umwandlung der
Bundesrepublik Deutschland, aber auch anderer Länder. Die Bertelsmann-Stiftung
vergibt keine Gelder an auswärtige Projekte, sondern plant und führt nur eigene
Vorhaben durch. Und die haben es in sich. Denn alles, was die Sozialarchitekten
der Bertelsmann-Stiftung ersinnen, kann sodann von dem Medienkonzern
Bertelsmann propagandistisch flankiert werden.
Die
Bertelsmann-Stiftung will nicht die Massen beeinflussen (das tut ja der
Konzern). Die Stiftung will als Deutschlands weitaus größte Denkfabrik
direkt Einfluß nehmen auf die Eliten. 400 Millionen Euro Stiftungskapital
ermöglichen einen Jahresetat von 64 Millionen Euro. Mit denen kann man über 300
hochqualifizierte Mitarbeiter dauerhaft beschäftigen. Bestens renommierte
Wissenschaftler entwickeln Techniken, wie sich öffentliche Dienstleistung im
Sinne betriebswirtschaftlicher Rechentechnik rentabler als bisher betreiben
läßt. Denn Reinhard Mohn ist der Ansicht, daß die Politiker und die
Beschäftigten im Öffentlichen Dienst sowieso unfähige Pfeifen sind, die vom
Einmaleins einer professionellen Haushaltsführung nicht den blassesten Schimmer
besitzen. Dafür müssen die erst einmal bei einem gestandenen Wirtschaftskapitän
wie Reinhard Mohn in die Lehre gehen ...
Nach dieser
Lehre müssen auch Krankenhäuser, Bibliotheken, Schulen und Universitäten in
selbständige Wirtschaftsunternehmen umgewandelt werden. Wenn die zopfige
zentralistische Kameralistik erst mal aus Amtsstuben und Hirnen verbannt ist,
werden diese Dienstleistungsunternehmen sich nicht nur finanziell selbst
tragen, sondern sogar Gewinn abwerfen. Und dann kann so ein
Dienstleistungsunternehmen ohne weiteres an die Börse geschickt werden ...
Und das ist
längst gelebte und gelittene Realität in Deutschland. Daß dabei bislang so
wenig Geräusch entstanden ist, liegt an einem Zweckbündnis zwischen
Sozialdemokratie und Bertelsmann. Das geht schon auf die späten Sechziger
Jahre zurück, als in den meinungsbildenden Zeitschriften des
Bertelsmann-Verlags Gruner und Jahr, besonders im allseits bekannten „Stern",
sowie im mit Bertelsmann in wechselnder Weise liierten „Spiegel", die
sozialliberale Koalition publizistisch unterstützt wurde. Auch der
demoskopische Aufstieg der beiden Emporkömmlinge Gerhard Schröder und Joschka
Fischer wurde wesentlich von den Bertelsmann-Medien bewerkstelligt.
Von daher
ist es dann auch nicht mehr ganz so verwunderlich, daß ausgerechnet das
traditionelle SPD-Land Nordrhein-Westfalen bereits unter der Regentschaft von
„Bruder Johannes" Rau die ersten Praxistests der Bertelsmann-Ideen erfuhr. Hier
wurde ja auch in Witten-Herdeke die erste Privatuni Deutschlands eröffnet.
Bertelsmann schob das Projekt „Schule & Co" an. In Zusammenarbeit
mit dem Kultusministerium werden mittlerweile etwa 400 Schulen nach
betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt. Dafür wurden aus öffentlichen
Mitteln sogar neue Lehrerplanstellen eingerichtet. Diese zusätzlichen Lehrer
unterrichten aber nicht, sondern werten die Ergebnisse der
betriebswirtschaftlichen Experimente aus. Diese Ergebnisse werden sodann an die
Bertelsmann Stiftung geschickt und dort an der demokratischen Öffentlichkeit
vorbei evaluiert
Um die
Universitäten in lukrative Rendite-Spender umzutrimmen, hat die Bertelsmann
Stiftung das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) gegründet <1>.
Die CHE hat sich frühzeitig mit der deutschen Hochschulrektorenkonferenz
kurzgeschlossen. Die HRK ist mittlerweile der eifrigste Parteigänger der
Bertelsmann-Ideen. Auch Unis sollen zu eigenständigen Wirtschaftseinheiten
werden, die mit anderen Unis als anderen Wirtschaftseinheiten in einem scharfen
Wettbewerb stehen. Alle möglichen und unmöglichen quantitativen Vergleiche
sollen angestellt werden. Nach amerikanischer Marotte sollen Rankings
Stärken noch mehr verstärken und Schwächen noch mehr verschwächen:
Bundesligatabellen zeigen unerbittlich an, welches die beste Uni ist, wer
aufgestiegen und wer abgestiegen ist. Eine Superliga von „Exzellenz-Universitäten"
soll alle Drittmittel aufsaugen und ein graues Heer von Arme-Schlucker-Unis
unter sich begraben.
Wie gesagt,
das internationale Risikokapital ist unersättlich, und läßt keine Ruhe, bis
sich auch der letzte Atemzug des letzten Mitbürgers als Shareholder Value abbilden
läßt. Damit die Unis zu Spekulationsobjekten der Börse werden können, müssen
sie natürlich erst einmal in der Lage sein, eine Rendite abzuwerfen. Zu
diesem Zweck ist die Einführung von Studiengebühren unerläßlich. Das
wird in einem internen Papier der Bertelsmann Stiftung eindeutig zum Ausdruck
gebracht.
Wer glaubt,
die deutsche Außenpolitik sei die Angelegenheit demokratisch gewählter
Politiker und der ihnen unterstellten Ministerialbürokraten, der kennt das
Bertelsmann-nahe Centrum für Auswärtige Politik noch nicht. Das CAP ist
ein Institut innerhalb der Münchner Universität. Jedoch wird es von Bertelsmann
finanziert, und sein Institutsleiter, der Professor Werner Weidenfeld, immerhin
Beamter des Freistaats Bayern, läßt sich von der Bertelsmann Stiftung 174
Arbeitstage im Jahr honorieren. Prof. Weidenfeld war enger Berater von Helmut
Kohl, und er darf auch heute bei keiner Auslandsreise im Kanzlergefolge fehlen.
Die
Bertelsmann Stiftung betreibt mit der CAP internationale Symposien, die
beinahe bedeutender sind als regierungsoffizielle Treffen. Beim sog. Kanzlertreffen
nimmt sich der Regierungschef mal so richtig Zeit, um mit seinen Machtpartnern
aus Bund und Ländern grundsätzliche Fragen zu erörtern. Funktionäre der
Europäischen Union und nationale Regierungsmitglieder treffen sich unter dem
Bertelsmann-Dach. Bertelsmann ist so mächtig, daß Oberhäupter beitrittswilliger
Länder zu Bertelsmann pilgern, damit die Bertelsmänner für diese Kandidaten ein
gutes Wort bei der EU-Führung einlegen. Die Bertelsmann-Fürsprache zugunsten
Kroatiens brachte dem Bertelsmann-Medienkonzern die beste Sendefrequenz im
kroatischen Äther ein. Der kroatische RTL wurde so auf Anhieb Marktführer in
dem katholischen Balkanland.
Doch damit
nicht genug: es ist schon lange gang und gäbe, daß demokratisch nicht
legitimierte private Einrichtungen in Bundesministerien ein- und ausgehen und
Gesetze schreiben, die dann von den Politikern nur noch übernommen werden. Die gesamte
Agenda 2010 ist von der Bertelsmann Stiftung ersonnen und formuliert worden.
Das Konzept der Zusammenlegung von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern; das
Konzept der Personal-Agenturen - alles Schaumgeburten der Bertelsmänner und
-frauen. Ulla Schmidts Gesundheitsreform: alles schon bis ins letzte vorformuliert
im Bertelsmann-Papier: „Eigenverantwortung im Gesundheitswesen".
Was in
Deutschland noch gewöhnungsbedürftig ist, hat sich in den angelsächsischen
Ländern seit Jahrzehnten etabliert: die Public Private Partnership (PPP).
Wir erinnern uns: der Staat wird durch eine planvolle Geldverschwendung
in den Ruin getrieben, zu Notverkäufen gezwungen, und der Staat ist nach dieser
„Roßkur" nicht mehr handlungsfähig. In dieser Situation treten - ganz selbstlos
und aus Verantwortung für die Gemeinschaft - private Firmen, Agenturen und
Stiftungen auf den Plan, um dem amputierten Staat eine Aktionspartnerschaft
anzudienen, um gemeinsam kommunale und staatliche Aufgaben zu bewältigen, für
deren Bewältigung der Staat ja alleine nun zu schwach geworden ist.
2.6 Öffentlich Private Partnerschaften
Nicht nur Bertelsmann, auch viele Beraterfirmen und Wirtschaftsanwaltskanzleien
haben mittlerweile nicht nur jederzeit Zugang zu allen Ministerien. Nein. Sie
haben dort eigene Schreibtische und von ihnen bezahlte Mitarbeiter, die den
Ministerialbeamten ganz selbstlos bei der Formulierung neuer Gesetze und
Verordnungen helfen.
Ein besonders dreistes Beispiel
der kalten Machtübernahme stellt das Gesetz über Öffentlich-Private
Partnerschaften dar, das am 1. September 2005 in aller Heimlichkeit im
Windschatten des Wahlkampfs von der Allparteienkoalition durchgepeitscht wurde.
Das neue Gesetz erleichtert es öffentlichen Trägerschaften erheblich, ihre
Liegenschaften (z.B. Schulen, Krankenhäuser, Behördenhäuser, ja sogar
Parkanlagen) an private Gesellschaften zu verkaufen. Angeblich, so die
Rechtfertigung zu diesem Gesetz, würden die öffentlichen Einrichtungen Geld
sparen, wenn sie in Zukunft nur noch Mieter ihrer Gebäude und Grundstücke
wären.
Abgesehen davon, daß diese
Kalkulation wirtschaftlich gesehen eine Milchmädchenrechnung darstellt, spottet
die Entstehung des Gesetzes allen Grundsätzen demokratischer
Entscheidungsfindung. In Albrecht Müllers Buch „Machtwahn" heißt
es dazu:
„Nicht nur der gesetzliche Freibrief zum beschleunigten Verkauf des
öffentlichen Tafelsilbers ist ein Novum. Auch die Art, wie das Gesetz
zustandegekommen ist, offenbart einen, sagen wir: neuen Politikstil. War es
nämlich bislang üblich, dass Ministerialbeamte einen Gesetzentwurf formulieren
und ihn dann an Experten und Parlamentarier zur weiteren Bearbeitung übergeben,
so ist dieses ÖPP-Gesetz von der amerikanischen Anwaltssozietät Hogan &
Hartson Raue ausgearbeitet worden. Eine Arbeitsgruppe aus vierzig Ministerialen
und sechzig Privatjuristen hat diese Vorlage dann in Gesetzesform gegossen ...
Immer häufiger werden die internationalen Anwaltssozietäten als neue Mitspieler
beim Gesetzentwicklungsprozess in Berlin eingebunden. Vielmehr: Sie haben sich
selber diskret eingebunden. Oftmals formulieren sie kostenlos neue Gesetze.
‚Ihre Handschrift findet sich im Gesundheits- ebenso wie im Energie-,
Telekommunikations- oder Arbeitsrecht', schreibt Marcus Rohwetter <der in
der ZEIT darüber berichtet hatte H.P.>. Da von diesen privat
formulierten Gesetzen häufig die Großkunden ebendieser Anwaltskanzleien nicht
unerheblich profitieren, lohnt sich diese Selbstlosigkeit der Privatjuristen."
(Müller, Machtwahn, Seite 121)
Die Bertelsmann-Firma Arvato z.B. übernimmt jetzt die
komplette kommunale Verwaltungsarbeit in einem englischen Landkreis. An
die Stelle von Amtsstuben treten dann in Zukunft ganztägig begehbare Zellen,
ähnlich den Räumen für Geldautomaten. Dort kann man dann jederzeit Anträge für
KFZ-Zulassungen u.ä. über Computer beantragen. Mögen auch vielerorts real
existierende Menschen der Sorte Homo Bürocraticus in Verruf geraten sein: es
ist anzunehmen, daß jemand, der auf eine kompliziertere Eingabe an die Behörde
immer wieder die selben stupiden formalisierten Computerantworten
zurückbekommt, sich nichts so sehnlich zurückwünschen wird wie den guten alten
Homo Bürocraticus.
xxxxxxxxxxxxxx
Ich komme nunmehr zum zweiten wichtigen Angriffspunkt der
Pressure-Groups auf den demokratischen Willensbildungsprozeß, nämlich
- Außenpolitik
und/oder Bündnispolitik
Wie bereits gesagt:
die große
Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist gegen eine zu enge Anbindung an eine
Supermacht - wer immer das auch sein mag <2>.
Nun wollen
aber die Reichen und Mächtigen in den USA sicherstellen, daß die - nach außen
hin unabhängigen - Staaten dieser Erde in ihrem Sinne handeln.
3.1 Atlantikbrücke, ACG, Aspen Institute
Nachdem in den USA lange Zeit kein Interesse an engeren
Bindungen mit anderen Staaten oder Staatenblöcken bestand, wuchs im Ersten
Weltkrieg eine neue Elite in den USA heran, die große Zukunftschancen in einem
verstärkten außenpolitischen Engagement in allen Winkeln der Welt erblickten.
Diese Leute gründeten 1921 den Council on Foreign Relations. Dieser ist
- anders als viele Lexikoneinträge künden - weder staatlich noch halbstaatlich,
sondern ein Organ der US-amerikanischen Großbanken. Dem CFR haben allerdings
seither fast alle US-Außenminister angehört.
Die
Weltöffentlichkeit weiß verhältnismäßig viel über die globalen Taten des
US-Geheimdienstes CIA. Morde, Entführungen, Folterungen, angezettelte
Aufstände und Putschaktionen werden als störend empfunden, da mit Geräusch
verbunden. Diese „hard power" ist aber nur ein zahlenmäßig geringfügiger
Anteil der Beeinflussung politischer Vorgänge auf dieser Welt im Interesse der
US-Oligarchie. Viel wichtiger und nachhaltiger in der Wirkung ist das, was
US-Experten als „soft power" bezeichnen. Es macht sich eindeutig mehr
bezahlt, die nationalen Eliten zu umgarnen mit Geschenken und Vorteilen aller
Art. Sie ganz persönlich an den American Way of Life zu binden. Und genau das
ist das Arbeitsgebiet des CFR. Und der CFR unterhält zu diesem Zweck Filialen
in 171 Ländern dieser Erde.
Da gibt es
aber kein Messingschild, auf dem steht: „Filiale des CFR für Guatemala" o.ä.
Vielmehr wird der Anschein erweckt, hier handele es sich um einen biederen
Honoratiorenclub. So etwas ähnliches wie „Lions Club". So gibt es in Berlin die
Atlantikbrücke. Ein mildtätiger Verein, wie er sich da im Internet
präsentiert. Diese Vereinigung von netten Damen und Herren aus den besseren
Kreisen wurde 1952 von dem Hamburger Privatbankier Erich Warburg und der
ZEIT-Herausgeberin Gräfin von Dönhoff gegründet. Der langjährige Präsident der
Atlantikbrücke, Arend Oetker, sagte in dankenswerter Offenheit: „Die USA werden von 200 Familien kontrolliert. Wir
möchten gerne mit diesen Familien gut Freund sein."
Arend Oetker war bis 2005
Präsident der Atlantikbrücke. Abgelöst wurde Oetker durch Thomas Enders,
der kurioserweise genau zur selben Zeit auch zum Chef des europäischen
Rüstungsriesen EADS aufstieg. Ehrenpräsident ist Walter Leisler Kiep.
Die Liste der veröffentlichten Mitglieder liest sich wie ein Who's Who
der deutschen Politik: Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Kai Diekmann vom Springer
Verlag, Josef Joffe von der ZEIT, Kurt Biedenkopf, Birgit Breuel, Thomas
Middelhoff (früher Bertelsmann, jetzt Quelle Karstadt). Aber auch Leute, wo man
das nicht erwartet, wie z.B.: Norbert
Gansel, Karsten Voigt oder der Grüne Cem Özdemir. Oder der Gewerkschaftsboß
Hubertus Schmoldt. Der Europa-Politiker Elmar Brok. Der Bundestagsabgeordnete
Eckhart von Klaeden.
Die Atlantikbrücke führt junge
Führungskräfte aus Europa und USA an schönen Orten in informellem Rahmen
zusammen - das Young-Leaders Programm. Preise werden vergeben, u.a. an
George Bush den Älteren, gekrönt durch eine furchtbar unterwürfige -man kann
aber auch ohne weiteres sagen: schleimige - Lobesrede des damaligen
Außenministers Joschka Fischer. Daß die Atlantikbrücke jedoch kein harmloser
Honoratiorenklub ist, zeigt sich, wenn der Verein zu Spitzengesprächen zwischen
dem US-amerikanischen Militäroberkommando der USA in Europa und den
NATO-Spitzen einlädt. Über diese Gespräche herrscht strenges Stillschweigen.
In die Atlantikbrücke wird man nicht per
Aufnahmeantrag aufgenommen. Die Atlantiker halten Ausschau nach talentierten
Nachwuchskräften und laden diese dann ein, bei ihnen mitzumachen. Wenn in der
deutschen Presse davon die Rede ist, ein Manager oder ein Politiker sei ein „Transatlantiker",
so ist das meistens eine Chiffre dafür, daß der so Bezeichnete ein Mitglied der
Atlantikbrücke ist, und daß dieser Transatlantiker nachdrücklich die Interessen
der US-Wirtschaft und -Finanz vertritt.
Auf der US-amerikanischen Seite
gibt es noch extra ein Gegenstück zur Atlantikbrücke: der American Council
on Germany. Die einseitige Abhängigkeitsbeziehung wird schon durch diese
Namensgebung deutlich: der „Amerikanische Rat über Deutschland". Der ACG
wurde ebenfalls 1952, ebenfalls von Erich Warburg gegründet, zusammen mit dem
hochrangigen US-Wirtschaftsjuristen John McCloy, der in jenen Tagen
Hochkommissar des zur Bundesrepublik erhobenen Westdeutschland war, und der
später Präsident der Weltbank wurde. Im ACG finden sich alle wichtigen
Privatbankiers der USA, vereint mit bedeutenden Politikern wie Henry Kissinger
oder Madeleine Albright. Offiziell besteht die Arbeit dieses Rates darin,
politische Konferenzen mit bedeutenden Meinungsmachern und Politikern zu
organisieren, sowie Nachwuchskräfte in die vorhandenen Gefolgs- und Seilschaften
einzubinden. Joschka Fischer, Joseph Ackermann oder Peter Struck haben ihre
Erkenntnisse den US-Bankern in Vorträgen vermittelt.
Immer wenn eine deutsche
Regierung neu ins Amt gekommen ist, tritt sie wenige Monate nach ihrer
Inthronisierung in Washington beim ACG zum Vorsingen an, um den US-Bankiers
ihre Absichten für die nächsten Jahre zu erläutern. Am 12. und 13. Januar 2006
stellte sich die Kanzlerin Angela Merkel nebst hochrangigem Anhang den Reichen
und Mächtigen der USA vor, und hinterließ einen hervorragenden Eindruck.
Leider ist uns gewöhnlichem Volk
nur Frau Merkels Grußadresse vor dem Festbankett zugänglich. Dort erklärte die
frischgekürte Kanzlerin: „Wir müssen uns
entscheiden, ob wir uns in einem Kampf von Boeing gegen Airbus verklammern, oder
ob wir uns auf die weit bedeutendere Frage konzentrieren, wie wir alle zusammen
- mit unseren gemeinsamen Wertsystemen - mit China verfahren sollen." (rückübersetzt
aus der englischen Übertragung).
Der stellvertretende
US-Finanzminister und frühere Deutschland-Botschafter Allen beklagte sich bei
diesem Anlaß über die „gefährliche" öffentliche Debatte in Deutschland betreffs
der berüchtigten Hedge Fonds. Münteferings wahltaktisch motivierte
alttestamentarische Geißelung der „Heuschrecken" war auch jenseits des großen
Teichs von Leuten vernommen worden, die sich zu Recht angesprochen fühlten.
In einer Abschlußdebatte diskutierten auf dem Podium
Markus Ederer aus dem deutschen Auswärtigen Amt und der ehemalige CIA-Chef und
jetzige Vizepräsident der Unternehmensberatungsfirma Booz Allen Hamilton, James
Woolsey, über: „A Common Energy Strategy and its Consequences". Zugegen waren:
Europa-Abegordneter Elmar Brok, Eckart von Klaeden, Hans-Ulrich Klose, Michael
Naumann, Stefan Kornelius von der Süddeutschen Zeitung, der Nahostexperte
Volker Perthes, Alexander Graf Lambsdorff, und unter vielen anderen Celebrities
der rauschebärtige letzte DDR-Außenminister Markus Meckel.
Doch ein Pro-USA-Verein für
Deutschland ist nicht genug. Es gibt außer der Atlantik-Brücke noch das Aspen-Institute
mit einer Filiale in Berlin. Das Aspen-Institute hat insgesamt nur noch vier
weitere Dependencen außerhalb Washingtons. Das Berliner Aspen Institute
betätigt sich als Stifter von Symposien und Seminaren mit prominenten
Teilnehmern von beiden Seiten des Atlantischen Ozeans. Neben den üblichen
Verdächtigen: Karsten Voigt, Josef Joffe, Klaus Naumann, Helmut Schmidt uva.
finden wir noch: Rita Süssmuth, Olaf Henkel, Gerhard Cromme, dann den früheren
Kohl-Berater Horst Teltschik, Matthias Döpfner vom Springer Verlag, Richard von
Weizsäcker, Edzard Reuter, Lothar Späth, oder auch den in der Presse viel
gefragten Soziologieprofessor Wolf Lepenies.
Und wenn Sie ein Foto des
momentanen Direktors des Aspen Institute sehen, dann werden Sie sagen: ach der!
Den habe ich doch neulich erst wieder in einer Talkshow gesehen. Jeffrey
Gedmin heißt jener telegene Mann, von dem man immer gleich erfährt, daß er
„ein Amerikaner in Berlin, obendrein Jude und gläubiger Katholik" sei. Gedmin
hat sich in der rechtsextremen Polit-Szene der USA hochgearbeitet: zuerst beim American
Enterprise Institute. Dann nahm ihn der allseits gefürchtete Kriegsmakler
und Präsidentenberater Richard Perle unter seine großzügigen Fittiche.
Immer wieder werden seine „engen
Kontakte" zu Henry Kissinger, Benjamin Netanyahu, Maggie Thatcher oder Donald
Rumsfeld hervorgehoben. Gedmin ließ sich auch nicht lange bitten, um in
Deutschland eine Unterschriftenliste zugunsten der US-amerikanischen
Intervention im Irak herumgehen zu lassen. Der Amerikaner in Berlin hat schon
eine beachtliche Jagdstrecke an Artikeln in deutschen Zeitungen und
Nachrichtenmagazinen fabriziert. Zum Beispiel am 22. Juli 2004 in der
Springer-Zeitung DIE WELT. Titel: „Warum ich die EU für einen Irrtum halte".
Der immer noch junge Mann findet es nicht gut, wenn ein geeintes Europa etwa
auf die Idee käme, gleich stark zu werden wie die USA und dann auch noch einen
eigenen Willen entwickeln zu wollen. Wenn das mal - trotz aller Vorkehrungen -
der Fall sein sollte, könne man sich ja an das Vorgehen der USA im Irak
erinnern ...
Übrigens: bezahlt wird das
Aspen Institute vom deutschen Steuerzahler. Das Auswärtige Amt, der
Berliner Senat, das Bundesministerium für Finanzen und die Bundesregierung
durch das Transatlantik-Programm finanzieren die amerikanische Agitation gegen
ein selbständiges Europa.
Wie pro-USA-Seilschaften arbeiten.
Ein
Beispiel aus der Praxis: Das Rezensionskartell
Es gibt ja immer noch
Leute, die halten die Berliner tageszeitung (taz) für links und USA-kritisch.
Der Leiter der
taz-Inlandsredaktion heißt Ralph Bollmann. Der junge Redaktionsleiter hat 2006
ein Buch herausgebracht: „Lob des Imperiums - Der Untergang Roms und die
Zukunft des Westens". Der Klappentext des im Siedler-Verlag veröffentlichten
Buches verweist auf die erstaunlichen Parallelen zwischen der
Niedergangsgeschichte des antiken Roms und des „Westens" - soll heißen, der USA
und ihrer „Partnerstaaten": „Das Versagen der einst so erfolgreichen
Integrationspolitik, der zunehmende Druck an den Grenzen des Reiches, das
Aufkommen einer fundamentalistischen Religionsgemeinschaft und die sinkende
Geburtenrate <!> führten zu einem beispiellosen wirtschaftlichen und
kulturellen Verfall und schließlich zur Auflösung des Römischen Reichs."
Deshalb, so der Klappentext weiter, soll „der Westen" seine Integrationskräfte
stärken „und sein vitales Interesse am Erhalt des Imperium Romanum
<=USA>" erkennen. Denn, so Bollmann laut Klappentext, als das Imperium
Romanum zusammenbrach, haben alle Beteiligten nur verloren. So geht uns das
auch, so die unausgesprochene Botschaft, wenn wir uns dem Zusammenbruch der USA
nicht entgegenstemmen.
Als Erster lobt Herfried Münkler
das Buch in der ZEIT vom 28.9.2006 als „überaus anregende Lektüre". Münkler muß
man nicht erst vorstellen. Er ist im Fernsehen und im Blätterwald überall
zugegen, wenn es gilt, die Aktionen der Bush-Regierung zu preisen. Am 2.10.06
folgt Hans-Ulrich Gumbrecht in der Neuen Zürcher Zeitung. Gumbrecht hebt den
„intellektuellen Gewinn" hervor, den er aus dem Bollmann-Buch gesogen habe. Ein
Interview mit „Sepp" Gumbrecht in Telepolis vom 4.3.06 hebt das „glühende
Amerikanertum" des jetzt in Stanford lehrenden deutschen Professors hervor.
Gumbrecht ergreife leidenschaftlich Partei für das „Neue Rom".
Schließlich würdigt Burkhard
Müller-Ulrich in der Süddeutschen Zeitung Bollmanns Buch am 27.1.07 als
„anregend und geistreich". Müller-Ulrich war Ressortleiter beim Deutschlandfunk
und gehört zu einem fanatisch pro-israelischen und pro-US-amerikanischen
neoconservativen Netzwerk von Multiplikatoren mit dem beziehungsreichen Namen
„Die Achse des Guten". Weitere Mitglieder sind u.a. Henryk M. Broder, Matthias
Horx und Cora Stephan.
Daß drei gestandene Pro-US-Kämpfer
aus der ersten Reihe einem Newcomer eine solche Ehre erweisen, und daß ihre
Besprechungen alle den gleichen positiven Tenor aufweisen, wird den Kurswert
von Ralph Bollmann unstreitig anheben. Er wird sich bestimmt bei den drei
Altmeistern des medialen USA-Lobbyismus irgendwann revanchieren ...
3.2
German Marshall Fund, DGAP, SWP
Ganz wichtig ist der Pro-USA-Seilschaft die rechtzeitige
Förderung des begabten Nachwuchses. Bevor zukünftige Eliten eigene
Gedanken entwickeln können, werden sie durch Jugendwettbewerbe angelockt und
ausgelesen. Attraktive Stipendiate an US-Universitäten sollen die zukünftigen
Führer Europas mit dem amerikanischen Lebensgefühl und Denken vertraut machen.
Nicht daß noch einmal eine ganze Generation von Elite-Nachwuchs wie 1968 mühsam
eingefangen und kostspielig bestochen werden muß!
Bekannt ist das Fulbright Stipendium. Aber da gibt
es was viel Größeres. 1972 wußte der sozialdemokratische Kanzler Willy
Brandt seine Rede in Harvard mit der Ankündigung zu krönen, aus deutschen
Steuergeldern werde aufgrund tief empfundener Dankbarkeit ein stolzes Sümmchen
von 150 Millionen DM für ein Studienförderungsprogramm aufgelegt: The German
Marshall Fund of the US. 1986 und 2001 gabs noch mal deutsche Steuergelder
für die Rekrutierung US-höriger europäischer Jung-Kader. Seit dem Fall des
Eisernen Vorhanges nach 1989 wurde die proamerikanische Talentförderung auf die
Staaten des ehemaligen Ostblocks ausgedehnt.
Die proamerikanischen deutschen
Eliten brauchen eine wissenschaftlich solide Unterstützung durch saubere
Recherche. In diesem Zusammenhang ist die 1955 gegründete Deutsche
Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. ganz hilfreich. Die Amerikaner
sind so galant und übersetzen den Vereinsnamen mit: German Council on
Foreign Relations. Damit vermitteln sie den Deutschen das wohlige Gefühl,
sie hätten ein Institut auf Augenhöhe mit dem New Yorker Council on Foreign
Relations. Man definiert sich selber als „praxisorientierter Think Tank". Die
DGAP kooperiert eng mit dem Institute for International Economics. Das
ist ein Gremium aus lauter höchstrangigen Leuten der Bankenszene: David
Rockefeller, Jean Claude Trichet, Cajo Koch-Weser, Paul O'Neill, Paul Volcker,
Jacob Wallenberg, Alan Greenspan oder auch Dennis Weatherstone, seines Zeichens
CEO bei Morgan Guaranty Trust.
Unter der Präsidentschaft von
Arend Oetker gedeihen bei der DGAP drei operative Fachabteilungen, die die
Agitation deutscher Politiker seriös unterfüttern: erstens die Zeitschrift „Internationale
Politik", zweitens ein Forschungsintitut, und drittens ein Bibliotheks- und
Dokumentationszentrum. Im Präsidium sitzen der bekannte Unternehmensberater
Roland Berger, sowie Elmar Brok und Peter Ramsauer von der CSU. Im Beirat dann
die uns schon bekannten üblichen Verdächtigen aus Atlantikbrücke und Aspen
Institute, ergänzt durch die Grüne Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer.
Wenn man als transatlantischer Außenminister oder
Bundeskanzlerin sich ein bestimmtes Land zur weiteren Behandlung vorknöpft,
dann muß man gut bescheid wissen. Ideologische Sprüche und Voreingenommenheiten
könnten zu üblen Fehlgriffen mit noch übleren Folgen bis zum Rücktritt vom Amt
führen. Deswegen holt man sich für die operative Tagespolitik unabhängige
Experten, die auch ruhig links von der Mitte stehen dürfen - Hauptsache,
sie können gute Tips geben.
Unabhängige sachkundige Expertise
liefert in diesem Fall die Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik -
Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit. Die SWP hält
Kontakt zu Experten zu beinahe allen Ländern dieser Erde. Wenn es in Tonga
kracht, braucht nur ein Tonga-Experte angerufen zu werden. Der erstellt in
kürzester Zeit ein Dossier über Tonga.
Regelmäßig erscheinen zudem Arbeitspapiere,
in denen die Bundesregierung beraten wird, wie die zukünftigen
Entwicklungslinien in geopolitisch für Deutschland wichtigen Regionen verlaufen
werden. Und das erste Halbjahr 2007 ist ja für die deutsche Regierung eine
besondere Herausforderung. Denn Deutschland führt turnusmäßig den Vorsitz der
Europäischen Union. Nun muß Deutschland gleich für einen Pulk von 25 Staaten
mit denken.
Eine Vordenkerrolle, die gar
nicht ungern ausgefüllt wird.
Und - ist es Zufall? - zum ersten Mal werden drei
Halbjahrespräsidentschaften zu einem großen 18-monatigen Sinnabschnitt
zusammengefaßt. Deutschland folgen Portugal und Slowenien. In diesen anderthalb
Jahren werden die drei Staaten sich abstimmen. Es liegt nahe, daß bei den
unterschiedlichen Kräfteverhältnissen in diesem Trio Deutschland 18 Monate lang
weitgehend die Richtlinien der Politik in Europa bestimmen wird.
Da ist es ein Segen für Frau
Merkel, daß die äußerst fachkundigen und sachlichen Experten des SWP unter der
fachlichen Leitung des brillanten Nahostexperten Volker Perthes bereits
im September 2006 ihre Empfehlungen in trockenen Tüchern hatten <3>. Und,
Frau Merkel spricht die Empfehlungen des SWP recht artig nach. Da ist viel von
„Sicherheit" die Rede - und das meint immer: Aufrüstung.
Der Tenor des Papiers: Die für Deutschland
interessanten Erdregionen können nun mal ohne unsere Hilfe nicht zurechtkommen.
Der westliche Balkan muß zivilisiert werden. Auch wenn sich Serbien „mit
gewohntem Trotz" gegen die weitere Filetierung seines Staatsgebietes sträuben
sollte. Und da hinten bei der Ukraine gibt's ein Ländchen, das heißt
Transnistrien. Das will sich von Moldawien abspalten. Moldawien soll
Transnistrien aufgeben und sich uns anschließen. Wenn wir da friedlich eine
Schneise reinhauen könnten, dann wäre die Brücke zur Ukraine gegeben.
Die USA haben gerade mit Indien
ein Nuklearabkommen geschlossen, das mit einem Schlag alle Atomwaffensperrverträge
direkt in den Papierkorb befördert hat. Da sollten wir uns jetzt nicht zu
fein sein, mit Indien intensiver nukleare Geschäfte zu machen. China müssen wir
über Demokratie belehren. Der islamischen Welt gegenüber sollten wir uns etwas
verständnisvoller zeigen. Dort sind durchaus eher die gemäßigten Islamisten auf
dem Vormarsch, die von sich aus Demokratie wollen; vielleicht eine eigenwillige
arabische Demokratie, aber immerhin. Afrika und Lateinamerika gehören
offenkundig nicht zu den Interessenzonen Deutschlands.
Und bezüglich unseres Themas,
nämlich der transatlantischen Beziehungen?
Es gelten immer noch die
Leitlinien der New Transatlantic Agenda, die in einem USA-EU-Gipfel
1995 festgelegt worden sind: gemeinsame Freihandelszone und Angleichung der
wirtschaftlichen und politischen Instrumente. Nun kam es aber seit 2002 zu
einer Verstimmung zwischen Europa und USA, weil die US-Regierung nicht mehr so
viel Wert auf Europa legte, und Europa wegen des Irak-Kriegs etwas verstimmt
war.
Beim in der Öffentlichkeit wenig
beachteten EU-USA-Gipfel 2004 im irischen Dromoland ist man sich
wieder näher gekommen. Und beim nächsten Treffen 2005 hat man sich dann
auf die „Transatlantic Economic Integration and Growth Iniative"
geeinigt. Nun ist ja gottlob mit der Regierung Merkel ein neuer Schwung in die
transatlantischen Beziehungen gekommen. Europa ist stärker, die USA dagegen
sind schwächer geworden. Die Konjunktur in Europa zieht an, während sie in den
USA als im Abschwung befindlich wahrgenommen wird.
Zudem hat die Europa-ignorante
Bush-Regierung ihren Karren im Irak in den Dreck gefahren. Und die
europäischen Atlantiker sympathisieren eindeutig mit dem Kreis um die Baker-Hamilton-Kommission:
„Auch die anwachsenden globalen und sicherheitspolitischen Herausforderungen,
bei deren Bewältigung sich die EU als unverzichtbarer Partner der USA erweist,
tragen zur veränderten Wahrnehmung Europas bei." (Perthes et al., 50).
Und was der geschwächte britische
Premier Tony Blair nicht mehr leisten kann, das vollbringt jetzt eine
aufblühende Angela Merkel: „Auch innerhalb der EU ist Deutschland derzeit gut
positioniert, um die widerstreitenden Interessen der Mitgliedstaaten in der
Perspektive einer ambitionierten transatlantischen Integrationsagenda
zusammenzuführen <Fettdruck von mir. H.P.>." (Perthes et al., 50)
Schon vorher läßt die SWP keinen
Zweifel, davon zu träumen, daß Europa und die USA, zu siamesischen Zwillingen
zusammengeschweißt, dem Rest der Welt ihre Agenda diktieren. Da ist die Chance,
„... eine neue umfassende Initiative zu vertiefter, institutionell
fundierter atlantischer Integration anzustoßen. Dies würde auch die
WTO in ihrer gegenwärtigen Krise nicht
schwächen, sondern könnte im Gegenteil die Führungsrolle von EU und USA in
der WTO stärken.<Fettdruck von mir. H.P.>" (Perthes et al. 47)
Sicherheit ist im allgemeinen nur im
Zusammenhang mit teuren Raketenabewehrsystemen denkbar. Die Möglichkeit,
die Zivilgesellschaft durch Förderung einer friedlichen Wirtschaft und
durch eine integrative Gesellschaftskonzeption zu neuem Leben zu erwecken,
kommt in den Planspielen der SWP nicht vor. Da gibt es nur das untrennbare
Worthülsengespann „freier Markt und Demokratie". Die VordenkerInnen der SWP
sind auffällig unkonkret und phantasielos, wenn es um Szenarien für sozial
gerechte und partizipative Gesellschaftsformen geht. Für die SWP scheint es
keine Alternative zur Terrorbekämpfung durch kostspielige, hochauflösende
Satellitenbeobachtung zu geben. Kostengünstige Modelle der Gemeindeentwicklung
und -vernetzung werden nicht einmal angedacht.
Ein Abschnitt ist sogar völlig unironisch: „Europas
Wille zur Weltraummacht" betitelt!
Könnte das damit zusammenhängen, daß im Vorstand der
SWP Rüstungsleute sitzen, wie z.B. der jetzige Boeing-Lobbyist Horst Teltschik?
Auch auf der Kommandobrücke der SWP treffen wir lauter alte Bekannte wieder.
Präsident ist der Aufsichtsratsvorsitzende des Energieriesen e.on, Ulrich
Hartmann. Seine Stellvertreter: Thomas de Maiziére aus dem Bundeskanzleramt und
Hans-Ulrich Klose. Im Präsidium: Markus Ederer aus dem Auswärtigen Amt, Eckart
von Klaeden, Wolfgang Gerhard, Michael Otto; aber auch: die Grüne Kerstin
Müller oder Norman Paech für die Linkspartei. Die genannten Politiker sind
aufgrund ihrer Mitgliedschaft im Auswärtigen Ausschuß des Bundestages in diesem
Beirat.
3.3 Die Transatlantischen Runden Tische
Wir steigen eine weitere Magmaschicht in die dem Volke
unsichtbare Unterwelt hinab.
Hier
beginnt die Welt der großen auserwählten Kartell- und Monopolkapitäne. Hier
finden wir die Welt der transatlantischen Runden Tische. Die Idee der
Runden Tische geht zurück auf den berühmten Round Table des Lord Kitchener und
des Lord Milner, der seine große Zeit um die Jahrhundertwende bis zum Ersten
Weltkrieg hatte, und der die Politik Großbritanniens unter der Regierung von
Lloyd George wesentlich bestimmt hat. Runde Tische sind informelle Treffpunkte,
wo die Reichen und Mächtigen sich von fähigen Analysten die weltpolitische Lage
erläutern lassen und dann allgemeine Vorgaben entwickeln, die in einem nächsten
Schritt von politischen Instanzen wie der Europäischen Union in Gesetzen und
Maßnahmen konkretisiert werden.
Da gibt es
auf dieser Seite des Atlantiks den European Round Table of Industrialists.
Dieser Runde Tisch wurde 1983 gegründet. Ein handverlesener Kreis von
Wirtschaftskapitänen aus handverlesenen europäischen Staaten. Ein bunter Strauß
von CEOs aus allen wichtigen Wirtschaftszweigen. Zum inneren Kreis gehören 45
Wirtschaftsbosse, die sich zweimal im Jahr mit ausgesuchten Experten treffen
und wichtige Fragen erörtern. Deutschland stellt fünf CEOs für den harten Kern:
Wulf Bernotat von der e.on; Gerhard Cromme, ThyssenKrupp; Henning Kagermann,
SAP; Klaus Kleinfeld, Siemens, und last but not least Manfred Schneider, Bayer.
Stolz verkündet
die Webseite, die beteiligten Konzerne repräsentierten einen Gesamtumsatz von
1.5 Billionen Euro pro Jahr.
Das genaue
Gegenstück auf amerikanischer Seite ist der Business Roundtable. 1972
aus der Fusion dreier Verbände hervorgegangen, repräsentiert er die Créme der
US-Geschäftswelt.
Und da es
ein zentrales Anliegen der der beiden transatlantischen Runden Tische ist, den
Verschmelzungsprozeß beider Wirtschaftsräume zu beschleunigen und somit
unwiderrufliche Tatbestände zu schaffen, hat man noch zwei Einrichtungen
gegründet, die in diesem Sinne noch energischer auf die Politiker einwirken
sollen.
Der Transatlantic Business
Dialogue geht auf eine Idee des ehemaligen US-Finanzministers Ron Brown und
der beiden EU-Funktionäre Martin Bangemann und Leon Brittain zurück. 1995 fand
das erste Treffen in Sevilla statt, das selbstloserweise von Rank Xerox und
Goldman Sachs finanziert wurde. Siebzig „Empfehlungen" für das Gipfeltreffen
zwischen USA und der EU im Dezember 1995 in Madrid arbeitete man aus, die dann
auch eins zu eins von den Europa-Politikern umgesetzt wurden - unter dem
Begriff „New Transatlantic Agenda". Der Fluß von Empfehlungen vom TABD
zur EU verläuft seitdem reibungslos und vor allem - von der Öffentlichkeit
gänzlich unbemerkt.
Den Vorsitz im TABD teilt sich
ein Tandem aus USA und Europa. Jürgen Strube von der BASF war schon
Vorsitzender. Augenblicklich vertritt Charles Prince, seines Zeichens CEO bei
Citigroup, die amerikanische Seite und Martin Broughton von British Airways die
europäische Seite als Vorsitzende.
Es gibt einen Executive Board mit
30 handverlesenen CEOs aus verschiedenen Branchen. Man weiß auf der Webseite
der TABD damit zu glänzen, daß man eng mit der EU-Administration und den
nationalen Regierungen zusammenzuarbeiten weiß.
Doch das
reicht noch nicht aus. Zusätzlich gibt es nämlich noch das Transatlantic
Policy Network. Das wirkt seit 1992 als Transmissionsriemen zwischen
Konzernen und Politik. Wobei man sich erkennbar auf das Europa-Parlament
konzentriert. Unter den beteiligten Konzernen befindet sich z.B. Boeing, aber
nicht EADS oder Airbus. Deutscherseits sind Siemens, SAP, Bertelsmann, Bayer,
BASF und Deutsche Bank dabei.
Im Vorstand
des TAN finden wir die deutsche Abgeordnete des Europa-Parlaments Erika Mann
von der SPD, die auf ihrer Website auch ganz stolz von ihrer Arbeit in der
tollen TAN berichtet. Wenigstens diesen Akt von Glasnost kann man der Dame
zugute halten!
Natürlich - so ist man versucht
zu sagen - ist auch der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses im Europa-Parlament
Elmar Brok von der CDU im Vorstand. Im Beirat findet sich eine bunte Palette
von Abgeordneten des Europa-Parlaments, z.B. der französische Sozialist Michel
Rocard. Für Deutschland dabei: u.v.a. der frühere Präsident des EU-Parlaments
Klaus Haensch von der SPD, Alexander Graf Lambsdorff für die FDP, Hans-Gert
Poettering (CDU), Alexander Radwan (CDU), Vural Öger (SPD) und - das wird
manchen überraschen: Jo Leinen (SPD), der ehemalige Umweltaktivist und
ex-Umweltminister unter Lafontaine im Saarland.
In diesem
Zusammenhang müssen wir auch noch zwei Lieblinge der internationalen
Verschwörungstheorie-Szene abhandeln: den Bilderberg-Kreis und die Trilateral
Commission.
Man findet im Internet jede Menge
Seiten von selbsternannten Weltdeutern, die in diesen beiden Gesprächskreisen
die heimliche Weltregierung erblicken wollen. Das ist übertrieben. Die
Phantasie wird noch dadurch angeheizt, daß mit Prinz Bernhard der Niederlande
ein echter Monarch die Bilderberg-Runde 1954 initiiert hat. Das zieht jene
Weltdeuter an, die sich auf Yellow-Press-Niveau befinden.
Andere Deuter des Internets
zählen auf, wie viele Juden sich in diesen Gremien befinden, und hegen antisemitische
Verschwörungsängste. Auch Ufologen haben sich auf die Bilderberger
gestürzt. Und sicher haben auch noch einige Köpfe aus diversen Desinformationsabteilungen
der Regierungs- und Konzerngeheimdienste ihren Beitrag geleistet, den
Themenkomplex als Ganzen ins Lächerliche zu ziehen.
Tatsächlich treffen sich in beiden Kaffeerunden
einmal im Jahr jede Menge Multimilliardäre. Der Kreis der Berater aus Politik,
Medien und Wissenschaft macht allerdings eher den Eindruck eines
Ehemaligentreffens. Lange Zeit gab der Bilderberg-Kreis überhaupt keine
Verlautbarungen an die Öffentlichkeit. Allerdings wurde das öffentliche
Gemurmel über diese konspirative Runde so laut, daß die Bilderberger seit
einigen Jahren eine allgemein gehaltene Presseerklärung im Vorab
veröffentlichen, sowie eine Teilnehmerliste.
Ob diese Liste den tatsächlichen
Teilnehmerkreis wiedergibt, wissen wir nicht. Es sind aber eine Reihe unserer
bereits aus den vorherigen Gruppen genannten Freunde mit im Boot, so daß eine
gewisse Wahrscheinlichkeit für die Echtheit der Liste spricht. Demzufolge hätte
im Jahre 2006 der ehemalige deutsche Innenminister Otto Schily am
Bilderberg-Treffen teilgenommen. Zudem der omnipräsente ZEIT-Herausgeber Josef
Joffe und sein Ressortleiter Matthias Nass. Welchen Nutzen kann Otto Schily der
Elite bieten? Was können Mitarbeiter der ZEIT, deren Leserschaft ein Durchschnittsalter
von 80 bis 100 Jahren hat, zur Beeinflussung der deutschen Bevölkerung
beitragen? Warum nicht Stefan Aust vom Spiegel?
Auch der frühere Berater von
US-Präsident Jimmy Carter, Zbigniew Brzeczinski, befindet sich im Greisenalter,
und Methusalem Kissinger kränkelt schon ganz erheblich. Auch Madeleine Albright
ist kein Backfisch mehr. Es ist anzunehmen, daß so manche Initiative mit
globaler Tiefenwirkung von diesem Kaffeekränzchen ausgeht. Aber weder ist der
Bilderberg-Kreis die heimliche Weltregierung, noch kommt ihm sonst
irgend eine Exekutivfunktion zu.
Der Bilderberg-Kreis ist beschränkt auf die Eliten
Europas und der USA. Die Japaner wollten aber auch gerne dabei sein. Das
wollten die Bilderberger wiederum nicht. Und so richtete David Rockefeller 1974
die Trilateral Commission ein. „Trilateral" heißt: dreiseitig. Mittlerweile
sind neben den europäischen, amerikanischen und japanischen Eliten auch noch
Alphatiere aus ASEAN-Staaten dabei. Sogar ein Leistungsträger aus der
Volksrepublik China wurde hier bereits gesichtet. Die selben Leute, die bei
Bilderberg und vielen der zuvor genannten Gruppen schon auftauchten, machen
sich auch noch die Mühe, die kalten Büffets der Trilateral Commission
abzugrasen.
Zur Person: Ein Mann, der Marktradikalismus und Transatlantikertum
zu verbinden weiß: Elmar
Brok
Die KanzlerInnen kommen und gehen, aber einer bleibt: Elmar Brok. Der
1946 in Verl bei Gütersloh geborene Brok arbeitet seit 1980 als
Europaabgeordneter der CDU für den Wahlkreis Ostwestfalen-Lippe. Mittlerweile
ist Brok Vorsitzender im Ausschuß für Auswärtige Beziehungen im
Europa-Parlament. Weiterhin gehört er dem Vorstand der konservativen Fraktion
EVD-ED im Parlament an. Wie wir schon wissen, ist er führendes Mitglied in den
„transatlantischen" Lobbies Atlantikbrücke, Aspen Institute, Deutsche
Gesellschaft für Auswärtige Beziehungen und im Transatlantic Policy Network.
Zudem gehört er der „Delegation für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten"
an.
Brok war auch in jenem
Konvent, der unter Vorsitz von Valéry Giscard d' Estaing den Entwurf für die
Verfassung der Europäischen Union ausgearbeitet hat. Auf Broks energisches
Betreiben wurde in dem Entwurf unter Artikel II-14 (Recht auf Bildung) die
Möglichkeit der Regierungen, Studiengebühren zu erheben, festgeschrieben. Ist
das Broks späte Rache, weil er selber zwar kostspielig studiert, aber nie einen
Studienabschluß hinbekommen hat? Die Gründe sind handfester: Brok ist nebenbei
nämlich noch eingetragener Lobbyist für Bertelsmann als Senior Vice President
Media Development in Brüssel. Und wir lernten ja schon, daß Bertelsmanns CHE
die Unis durch Studiengebühren langfristig renditefähig für die Börse machen
willl ....
Tüchtig, tüchtig, der
Mann. Wie findet der noch Zeit, sich um seinen Wahlkreis und die Menschen
draußen im Lande zu kümmern?
3.4 Das Zentrum der Macht: Monopole, Kartelle und
Risikokapital
Kommen wir zum glühenden Erdkern, dem Zentrum, auf
das alle zuvor aufgewiesenen Strahlen hindeuten: den Bereich der Kartelle: Stahl-,
Energie-, Medienkartelle. Sowie, mit zunehmender Wucht, den Vertretern der Finanzwelt,
und hier wiederum mit tödlicher Durchschlagskraft den Vertretern des Risiko-
und Spekulationskapitals - den Herren der Hedge Fonds, flankiert von
ihren Schergen, den Consultants oder auch: Unternehmensberatern.
Was sich hier zusammenbraut, vermehrt
sich in geometrischer Progression.
Wir wollen
kurz die augenblicklich aktivsten Weltveränderer in diesem Sinne benennen. Es
handelt sich um äußerst aggressive Konsortien, die im weitesten Sinne mit Investmentfonds
handeln. Investmentfonds geben Anteilscheine aus, die durch eine breit
gestreute Palette von Wert-Titeln abgedeckt sind, und die durch eben diese
breite Streuung das Risiko von gefährlichen Wertverlusten vermindern.
Die Hedge
Fonds-Betreiber sind in der Investmentszene die Freistilringer, oder besser
noch: die Catcher. Boxen, Ringen, Spucken, unter die Gürtellinie treten - alles
ist im Nahkampf erlaubt. Der Unterschied ist nur, daß bei den Hedgern das
Publikum durchaus nicht immer vergnügt applaudiert.
Hedge Fonds machen einfach
alles zur Investmentfond-Masse: nicht nur Aktien, Rentenpapiere,
Optionsscheine; sondern auch: Währungsschwankungen, Kunstobjekte oder - im
Augenblick ganz dramatisch - Immobilien. Der Kreis der von Hedge Fonds
betroffenen Personen ist naturgemäß erheblich größer als jener Kreis der
„alten" Investmentpapiere. Wenn z.B. wirtschaftlich gesunde Firmen von Hedge
Fonds übernommen werden, nur um dann Kapital zu schöpfen, indem man die Firma
mit schweren Schulden belastet und dann als ausgelutschte Hülse zurückläßt,
dann stehen wieder hunderte geschockter „freigesetzter" Arbeitnehmer mit
Transparenten und Trillerpfeifen auf der Straße - um dann im grauen Meer der
Ausgegrenzten und Prekarisierten unterzutauchen.
Der
Gesamtumsatz der Hedge Fond-Branche hat schon lange die Billionen-Euro-Grenze
überschritten. Zu den prominentesten Hedgern gehören: Blackstone, Apax, KKR,
Morgan Chase, Man Group, Cerberus Capital Management, Superfund, TCI, Fortress,
Goldman Sachs, Soros, UBS Global Asset oder auch Crédit Agricole. Goldman Sachs
ist zwar eine traditionelle Investmentbank, steigt aber auch schon seit
geraumer Zeit voll ins Hedge-Geschäft ein. Goldman Sachs ist uns schon bei fast
allen Machern hinter den Kulissen als Organisator sowie als Geldgeber
aufgefallen, z.B. als Macher des USA-EU-Gipfels 1995.
Und Blackstone-Chef Stephen
Schwarzmann stürzt sich mit einer Einkaufsoffensive in der Größenordnung
von 16 Milliarden Euro auf Deutschlands Volksvermögen. Schwarzmann stehen alle
Regierungsbüros in Deutschland offen. Mit dem Unternehmensberater Roland
Berger sowie dem ex-Telekom-Chef Ron Sommer hat er zwei hochrangige
Lobbyisten eingekauft. Da verwundert es nicht, daß Schwarzmann mit
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück befreundet ist, und dieser die ihm
unterstellte Kreditanstalt für Wiederaufbau angewiesen hat, seinem Freund
Schwarzmann ein Telekom-Anteilspaket im Werte von 2,7 Milliarden Euro zu
verkaufen.
Den Deutschen
wird augenblicklich buchstäblich der Boden unter den Füßen weggerissen.
Zu Hunderttausenden gehen gemeinnützige Wohnungen über den Ladentisch und
landen demnächst, so haben es die neuen Besitzer aus den Hedge Fonds schon
angedroht, an der Börse. Wasserwerke, Verkehrsbetriebe,
Einkaufsgenossenschaften, Sparkassen, Raiffeisenkassen, gesetzliche Kranken-
und Rentenkassen: das ganze Vermögen, das Generationen vor uns in mühseliger
Kleinarbeit ehrlich zusammengepuckelt haben, wird aufgrund der „Sachzwänge" der
Verschuldung oder einfach aufgrund der „Erkenntnis", daß die Privatwirtschaft
eben alles besser macht, auf dem internationalen Roulettisch der
Risikokapitalbörsen verjuxt.
Der Knall wird nicht auf sich
warten lassen.
Aber, was weg ist, das ist ein
für allemal weg. Das ist wie mit dem Tropischen Regenwald.
Momentaufnahme aus den USA: Hedge Funds und Politik
Einen offenherzigen
Einblick, wie knietief die US-amerikanische Politik bereits im Morast der Hedge
Fonds drinsteckt, bietet ein Artikel in der New York Times vom 25.1.2007
(„Hedge Fund Chiefs, with Cash, Join Political Fray"). Berichtet wird, wie die
Demokratin Hillary Clinton und der Republikaner und frühere New Yorker
Bürgermeister Rudolph Giuliani bereits jetzt aufrüsten für den
Präsidentschaftswahlkampf im Jahre 2008. Beide Kandidaten werden hierbei, nach
Schätzung der New York Times, bis zum Jahreswechsel jeweils 100 Millionen
Dollar Wahlkampfgelder gesammelt haben. Und die Hedge Fond-Manager spielen als
Wahlhelfer eine immer größere Rolle, wie Byron R. Wien, Investment-Stratege
beim Hedge Fond Pequot Capital verkündet: „Wie Hollywood dereinst die Politik
überrannte, so wird das selbe jetzt mit Hedge Funds passieren." Die Beträge,
die offiziell direkt von den Hedge Fonds an die Politiker fließen, sind eher
bescheiden. Gesetze begrenzen den Zufluß von offiziellen Wahlgeldern. Aber man
kann Politiker auch im Vorfeld oder nach ihrer politischen Wirksamkeit mit
Beraterverträgen oder hemmungslos überhöhten Honoraren für Vorträge belohnen.
Da ist zum Beispiel John Edwards. Der Sproß aus
einer altehrwürdigen Ostküstendynastie trat beim Vorwahlkampf der Demokraten um
die Präsidentschaftskandidatur im Jahre 2004 als Mann der Linken auf. Bevor er
das tat, hatte er erst mal ordentlich Geld verdient. Obwohl er von hause aus
nur einfacher Rechtsanwalt ist, arbeitete Edwards 14 Monate als Berater der
„Heuschreckenfirma" Fortress Investment (29.7 Milliarden Dollar Jahresumsatz),
um sich sodann gestärkt als Linker in Stellung zu bringen. Dazu New York Times:
die Hedge Fonds „... entwickeln persönliche und berufliche Beziehungen mit
einer Generation von Politikern, die mindestens so viel Zeit aufwenden,
Spendengelder einzusammeln, wie sie aufwenden, um Gesetze auf den Weg zu
bringen."
Und so investiert Paul E. Singer, Mitbegründer von
Elliott Association, in sein Rennpferd Rudolph Giuliani. Singer unterstützt
militaristische Think Tanks und das neoconservative Manhattan Institute, das
dem damaligen New Yorker Bürgermeister Giuliani seine Sozialpolitik auf den
Leib geschneidert hat. Singer verabscheut soziale Gestaltung durch den Staat
und meint: „Keine Regierung darf dem Einen was wegnehmen und es dem Anderen
geben."
Lisa
Perry andererseits ist die Frau des Hedge Fond-Betreibers Richard Perry. Sie
sammelt Geld für Hillary Clinton, weil sie eine glühende Feministin ist und es
gut findet, daß mal eine Frau Präsidentin werden könnte. Hillarys Tochter
Chelsea Clinton hat auch schon einen Beratervertrag bei der Hedge Fond-Firma
Avenue Capital.
Übrigens:
Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement ist jetzt Berater der Citigroup ....
3.5 Clearing, Steueroasen und andere
Zivilisationskiller
Ich möchte die ganze zerstörerische, sich selbst
potenzierende Dynamik ganz kurz skizzieren.
1973 wurde der seit 1944 gültige
Vertrag von Bretton Woods aufgekündigt. Der Dollar als Leitwährung war
nicht mehr länger durch Goldvorräte in Fort Knox gedeckt. Die bis dato
festgezurrten Wechselkurse konnten nun frei „floaten".
Ein gefundenes Fressen für Währungsspekulanten. Auf dem
Humus dieser Deregulierung konnten zwei Clearingstellen gedeihen: CEDEL
und EUROCLEAR. Der Grundgedanke des Clearing ist folgender: bei den
Clearingbüros werden sämtliche Werte dieser Welt registriert und ihre reale
Existenz bescheinigt. Wenn ein Wert den Besitzer wechseln soll, dann läßt sich
das ohne großen Aufwand über dieses „Notariat" in Sekunden erledigen. Ungerührt
setzt Clearstream 9 Billionen Euro per annum um. Konkurrent Euroclear bringt 7
Billionen Euro auf die Waagschale.
Bei den Clearingbüros findet nun
die revolutionierende Abstraktionsleistung statt: Um die
Geräuschlosigkeit dieser Turbo-Verkäufe noch zu potenzieren, sind alle
Komponenten des Kaufaktes durch Zahlenreihen kodiert. Käufer, Verkäufer, Art
der Ware, Art des Kaufaktes, Zahlungsmodus etc: alles nur noch Ziffernkolonnen.
In den Clearingbüros verschieben Angestellte die ganze Zeit nur Zahlencodes,
ohne zu wissen, wer hier wem etwas veräußert: „In Clearingorganisationen haben
die meisten Menschen jeden kognitiven Bezug zum Gegenstand ihrer Arbeit
verloren", konstatieren die Insider Backes und Robert. Nur eine Handvoll Leute
an der Spitze der Firmenpyramide dürfen die Codes dechiffrieren. Technische und
logistische Voraussetzung für diese Turbo-Transaktionen war die Entwicklung der
Computer, des Internet und des weltweiten Kontennetzwerkes SWIFT.
Denn mit der weltweiten rasanten
Vernetzung der Kapaitalströme macht die Einrichtung von Steueroasen erst
so richtig Sinn. Natürlich hat es schon seit dem Zweiten Weltkrieg Enklaven wie
die Schweiz oder Liechtenstein gegeben, aber die behäbige Verfrachtung von
materiellen Werteinheiten war nur etwas für einen kleinen exklusiven Kreis.
Jedoch das weltweite Netz der Clearingstellen kombiniert mit den Oasen macht es
jedem Neueinsteiger kinderleicht, sein Geld arbeiten zu lassen. Oder es einfach
zu verbergen. Oder reinzuwaschen.
Und keiner fragt, wo das Geld
herkommt. Bankgeheimnis, Zinshöhe und Steuerfreiheit sind in
unterschiedlichen Menues erhältlich: in dem einen Zwergstaat bekommt man hohe
Zinsen, aber nur ein eingeschränktes Bankgeheimnis. In einem anderen Liliputstaat
bekommt man als Preis für umfassende Diskretion nur einen geringen Zinssatz.
Menue eins mundet dem gesellschaftlich etablierten Steuerflüchtling, während
Menue zwei eher die Herrschaften mit Sonnenbrillen und Geigenkästen anspricht.
Suchen Sie sich aus was Sie brauchen: Liechtenstein, Andorra, Monte Carlo,
Cayman-Inseln (wo die Bush-Sippe ihr Vermögen vor dem Fiskus schützt), Bahamas,
Luxemburg oder vielleicht Vanuatu?
Innnerhalb sehr kurzer Zeit kann
eine Werteinheit Ort und Gestalt so oft wechseln, daß ein Außenstehender den
Pfad nicht mehr nachvollziehen kann. Clearing verunklart Kapitalbewegungen
mit diabolischer Perfektion. Und es ist jetzt auch völlig gleich, ob das
Vermögen auf anständige oder unanständige Weise verdient worden ist. Um es deutlich
zu sagen: das Geld, womit sog. „Investorengruppen" bei uns ganze Städte
wegkaufen, ist zum bedeutenden Teil gewaschenes Geld. Ökonomie des
Terrors: Erträge aus Menschen- , Drogen- oder Waffenhandel sind ein Teil
der Wertschöpfung wie alle anderen käuflichen Dinge auch. Der IWF schätzt, daß
im Jahre 2000 für 1.2 Billionen Dollar Erträge aus Waffen-, Drogen- sowie
Menschenhandel in die offizielle Wirtschaft hineingewaschen wurden, woraus
erkleckliche 76 Milliarden Dollar Zinsertrag ersprossen sind.
Und der Schaden für die Bürger?
Die Steuereinnahmen der großen
Staaten würden unaufhaltsam auf Null zustreben, gäbe es nicht die einfachen
Arbeiter, Angestellten, Beamten und Mittelständler, die immer noch brav Steuern
zahlen. Während 1978 lediglich 5% aller Finanzflüsse dieser Welt eine sozialschädliche Erfrischungskur in Steueroasen
nahmen, sind es 2003 bereits 50% aller Finanzflüsse, die der
Solidargemeinschaft unserer Staatskassen entzogen werden. Tendenz steigend.
Kein Wunder also, wenn die reichsten 500 Einzelpersonen auf diesem Globus
genauso viel Finanzmittel zur Verfügung haben wie die ärmere Hälfte der
Menschheit, also immerhin drei Milliarden Individuen: und daß seit 1998 die
Zahl der Hungernden auf diesem Planeten wieder ansteigt.
Gelegentlich gibt es mutige
Bürger, die gegen diese größte Piraterie der Menschheitsgeschichte aufstehen.
Zum Beispiel Staatsanwälte und Richter aus europäischen Staaten, die sich 1996
in Genf getroffen haben, und in einer „Genfer Erklärung", die von den
Medien geflissentlich ignoriert wurde, Klartext gesprochen haben. Im Schatten
des zivilen, seriösen Europa mit seinen geregelten Rechtsverhältnissen und
Verträgen verberge sich ein finsteres Europa der Gangster, Geldwäscher,
Steuerflüchtlinge und Käufer von Politikern. Internet-Technik schaffe für diese
Übelmänner exterritoriale Räume des schmutzigen Geldkreislaufs, während sich
die Richter und Staatsanwälte immer noch mit Ärmelschoner-Technologie und
national beschränkten Dienstweg-Irrgärten herumschlagen müßten:
„Gewisse Personen und gewisse politische Parteien
haben selber bei diversen Gelegenheiten von diesen Kreisläufen profitiert.
Außerdem haben sich die politischen Autoritäten aller betroffenen Länder bis
heute als unfähig erwiesen, dieses Schatteneuropa klar und wirkungsvoll
anzupacken."
Das ist der Stoff,
aus dem der sagenhafte unversiegbare Reichtum der Hedge Fonds und der ominösen
„Investorengruppen" stammt. Das sind die Kräfte, die unsere Politiker, die
Medien, die Wissenschaftler und all die anderen Leistungsträger aufgekauft
haben. Das sind die Kräfte, die die öffentliche Meinung mit Zuckerbrot und
Peitsche kontrollieren; das sind die Kräfte, die das wissenschaftliche
Paradigma scheinbar unwiderruflich auf „Marktradikalismus" festgezurrt haben.
Meine Damen und Herren, wir sind am
glühendsten Erdkernpunkt angelangt. Wir sind am Ziel unserer Reise.
Ø
Die Nationalstaaten verlieren immer mehr
Gestaltungsspielraum. Zivilisiertes, friedliches Leben wird immer mehr zu einer
exklusiven Veranstaltung. Noam Chomsky ist der Meinung, daß viele
Merkmale des scheiternden Staates (failing state) bereits in den
Vereinigten Staaten von Amerika feststellbar sind <4>. Die Zustände beim
Hurrikan Katrina scheinen dafür zu sprechen.
Ø
Immer stärker wird der Trend in der Finanzwelt, nur
noch dort wirtschaftlich tätig zu werden, wo die Rendite extrem hoch ist. Gerne
wird die Frage gestellt, wie es denn möglich sein kann, daß die Superreichen
nie gesättigt sind und immer noch mehr haben wollen?
Ich muß gestehen: ich weiß es auch nicht.
Vielleicht ist es folgendermaßen: die
Geschäftstätigkeiten werden von biologisch bedingten Lebewesen der Spezies Homo
Sapiens abgewickelt. Der Mensch baut in seiner Geschäftstätigkeit Beziehungen
und Geschäftskörperschaften auf, die eine gewisse Analogie zu lebenden
Organismen haben.
In der Welt der organischen Lebewesen gilt das
Gesetz: was nicht mehr wächst, stirbt ab. Mag das jetzt auch sehr spekulativ
sein, so fällt doch auf, daß in den rasch wachsenden Konzernorganismen eine
geradezu panische Angst vor der Stagnation herrscht. Manchmal führt das
geradezu zur grotesken Fusionitis. Die Bertelsmann AG ist in den letzten Jahren mehrmals an den
Rand der Schieflage geraten durch nur noch psychologisch zu erklärende Fehler
in der Expansionspolitik.
4. Schlußbetrachtung
„Die Freiheit einer Demokratie ist nicht gesichert, wenn die Bevölkerung
das Wachstum privater Macht bis zu dem Punkt duldet, wo die private Macht
mächtiger ist als der Staat selber. Das bedeutet in seiner Essenz: Faschismus -
die Eigentümerschaft einer Regierung durch eine einzelne Person oder durch eine
(mächtige) Gruppe." Franklin Delano Roosevelt, 32. Präsident der USA
Da nunmehr kein starker
Staat mehr vorhanden ist, der den Kapitalismus vor sich selber retten kann
vermittelst wirksamer Kartellgesetze und Monopolaufsicht, besteht die Gefahr,
daß der Kapitalismus doch noch in einem totalitären Regime erstickt und
sich die offene Gesellschaft nicht mehr leisten mag. Zum anderen läßt
der Kapitalismus immer mehr Wirtschaftsbereiche wegen zu geringer Rendite
zurück, obwohl eine Nachfrage durchaus besteht.
Verschwindet der Kapitalismus im virtuellen Raum?
Verschwindet er im Bereich der Optionspapiere und
Future Bonds?
Eine verrückte Vorstellung,
zugegeben.
Meine Absicht ist es keineswegs gewesen, mit den hiermit
vollendeten Ausführungen Gefühle von Machtlosigkeit und Ausweglosigkeit zu
erzeugen.
Ganz im Gegenteil.
Aber wir können die friedliche
Zivilgesellschaft mit ihren Elementen von Aufklärung, Demokratie und sozialer
Gerechtigkeit nur dann erfolgreich verteidigen, unterstützen und weiter
aufbauen, wenn wir den Drachen vom Kopf bis zum Schwanz kennen, und nicht nur
einige Schuppenpartien.
Wir sind nicht so schwach, wie man uns immer
einhämmern will.
Allein der gigantische Aufwand an
Geld, gekaufter Wissenschaft, gekauften Medien und korrumpierter Politiker, um
uns zu täuschen, einzuschüchtern und systematisch zu verdummen, zeigt doch,
welche Großmacht wir sind;
wir, das einfache Volk.
Wie gesagt,
die „Investoren" haben bereits gigantische Wirtschaftsflächen einfach
aufgegeben, weil sie nicht mehr genug Rendite einbringen. Der Bedarf ist aber
nach wie vor da. Also übernehmen die entlassenen Arbeiter einfach die Fabriken
und führen die Produktion fort. Vielerorts mit großem Erfolg. Man besinnt sich
gerade in den Entwicklungs- und Schwellenländern auf die guten alten
Genossenschaften, mit denen unsere Vorfahren uns bereits eine hohe
Lebensqualität erarbeitet hatten. 800 Millionen Menschen arbeiten heute schon
in den neuen Genossenschaften.
Man kann hier beileibe nicht mehr
von „Nischenökonomie" sprechen.
Diese
verrückten Zeiten bringen jede Menge Tüftler hervor, die an neuen Modellen
arbeiten, wie z.B.: Bedingungsloses Grundeinkommen, New Work, Regionalgeld,
Tauschbörsen und was nicht noch alles. Ob das gangbare Wege sind, muß die
Erprobung in der Praxis zeigen.
Was im Moment allerdings ganz schmerzlich fehlt,
sind Einrichtungen, wie sie die Marktradikalen haben:
Netzwerke, in denen die
Erfahrungen über die einzelnen Segmente hinweg kommuniziert und verallgemeinert
werden. Wo der gemeinsame Nenner für ein neues wissenschaftliches Paradigma
gefunden wird. Wo die wesentlichen Grundzüge der neuen Aktivitäten von
Medienprofis so aufbereitet werden, daß man sie als praktikable Angebote den
„Menschen draußen im Lande" darbieten kann. Denkfabriken, die die
gemeinsamen Ergebnisse in mehrheitsfähige Politik übersetzen können.
Die Fühler ausstrecken nach
Bündnissen in unserer Gesellschaft.
Umfragen
zeigen immer wieder, daß die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung genau das
wünscht: ein politisch-wirtschaftliches System jenseits von Kapitalismus und
Sozialismus. Ein System, das die Vorteile von Sozialismus und Kapitalismus in
der neuen Synthese in sich birgt.
- ENDE -
Fußnoten
<1>
Eine hervorragende Darstellung und Analyse der CHE hat Wolfgang Lieb
geschrieben: http://www.nachdenkseiten.de/?p=1921
<2> Der deutschen Bevölkerung die enge Anbindung
oder gar vollständige Unterordnung unter die Interessen der USA schmackhaft zu
machen, wird immer schwieriger. Der BBC World Service ließ durch das
Umfrage-Institut GlobeScan und das Politikwissenschaftliche Institut Program on
International Policy Attitudes (Pipa) in Maryland/USA eine Umfrage in 25 Ländern mit etwa 26.000
Befragten zwischen dem 3.11.2006 und dem 9.1.2007 durchführen. Dabei ergab sich
für Deutschland folgendes Stimmungsbild: 74% der befragten Deutschen beurteilt
den weltweiten Einfluß der USA als negativ; lediglich 16% urteilten positiv.
88% der befragten Deutschen lehnen das Vorgehen der USA im Irak ab. 89%
verurteilen den Umgang mit Gefangenen in Guantanamo. 64% verurteilen die Art,
wie die USA mit dem Konflikt zwischen Hisbollah und Israel umgeht. Das Vorgehen
der USA beim Atomprogramm des Iran wird von 64% aller befragten Deutschen
mißbilligt. Die Aktionen der USA im Fall Nordkorea wird von 56% abgelehnt. 73%
aller befragten Deutschen sind der Auffassung, die USA trüge mit ihrem Vorgehen
im Mittleren Osten zur Destabilisierung der dortigen Lage bei.
So
ist denn auch zu beobachten, daß die „Transatlantiker", also die Lobbyisten der
USA in Deutschland, wie z.B. Karsten Voigt oder Hans Ulrich Klose sich kritisch
bezüglich der Politik der USA geben, um dann in rhetorischen Hakenschlägen die
enge Anbindung an die USA doch immer wieder zur unhinterfragten Grundlage zu
machen.
<3>
Volker
Perthes/Stefan Mair (Hg.): Europäische Außen- und Sicherheitspolitik - Aufgaben
und Chancen der deutschen Ratspräsidentschaft. Berlin September 2006.
<4>
nachzulesen in: http://www.democracynow.org/article.pl?sid=06/03/31/148254#transcript
Literatur zum Thema
Zur Neoconservativen/Marktradikalen Wende in den USA seit 1964
Micklethwait,
John/Wooldridge, Adrian: The Right Nation - Conservative Power in America. New
York 2004
Zum marktradikalen Laborexperiment in Chile
Müller, Albrecht: Die Reformlüge. München 2004
http://www.nachdenkseiten.de/?p=1934#more-1934
Zu Marktradikalen Netzwerken ab 1998
Rudolf Speth: Die politischen Strategien der Initiative Neue
Soziale Marktwirtschaft. Hg. Hans Böckler Stiftung August 2004. Runterzuladen
unter:
http://209.85.135.104/search?q=cache:quUzRUrrKX4J:www.boeckler.de/pdf/fof_ins
m_studie_09_2004.pdf+Rudolf+Speth+INSM&hl=de&gl=de&ct=clnk&cd=1
Rudolf Speth: Der Bürgerkonvent - Kampagnenprotest von oben
ohne Transparenz und Bürgerbeteiligung. Ohne Datum. Runterzuladen unter:
http://209.85.135.104/search?q=cache:Wn-Oj5uMRoEJ:www.rudolfspe
th.de/PDF/Buergerkonvent.pdf+Rudolf+Speth+B%C3%BCrgerkonvent&hl=
de&gl=de&ct=clnk&cd=5
Rudolf Speth: Die Zweite
Welle der Wirtschaftskampagnen. Von „Du bist Deutschland" bis zur „Stiftung
Marktwirtschaft". Hg. Hans Böckler Stiftung. Arbeitspapier 127
Zu Bertelsmann
Thomas Barth (Hg.): Bertelsmann: Ein globales Medienimperium
macht Politik. Erschienen im Anders-Verlag Hamburg 2006. Vertrieb: Book on Demand. Dieses Buch
kann man über Amazon oder jeden Buchladen bestellen. Es wird über Book on
Demand vertrieben, weil sich kein Verlag in Deutschland getraut hat, das Buch
zu veröffentlichen. Es handelt sich um die Referate auf einer bundesweiten
Konferenz in Hamburg zum Thema Bertelsmann im Jahre 2005.
Zu Bertelsmanns Expansionsdrang
Frank Böckelmann/Hersch Fischler: Bertelsmann - Hinter der
Fassade des Medienimperiums. Eichborn Frankfurt/Main Oktober 2004.
Lobbyisten schreiben Gesetze
Müller, Albrecht: Machtwahn - Wie eine mittelmäßige
Führungselite uns zugrunde richtet. München 2006. Seite 120ff
Zu Atlantikbrücke, Aspen Institute u.a.
http://www.atlantik-bruecke.org/
http://www.aspenberlin.org/
http://www.gmfus.org/template/index.cfm
http://www.cfr.org/
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http://www.swp-berlin.org/
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http://www.tpnonline.org/
Zu Bilderberg, Trilateral Commission
http://de.wikipedia.org/wiki/Bilderberg-Konferenz
http://en.wikipedia.org/wiki/Trilateral_Commission
Zu Clearing und Steueroasen
Ernest Backes/Denis Robert: Das Schweigen des Geldes. Die
Clearstream-Affäre.
Zürich 2003
Ploppa, Hermann: Verklemmte Enthüllungen. Rezension des
Backes/Robert-Buches. In: Marxistische Blätter 4/04 S.108
Zu Geldwäsche
Loretta
Napoleoni: Ökonomie des Terrors. München 2004
Zu USA als Failing State
Interview
mit Noam Chomsky von Amy Goodman im Sender Democray Now! am 31.3.2006
von Hermann Ploppa im Februar 2007 © alle Rechte beim Autor
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anderen Perspektive:
[b]War es ein Volksaufstand,...
[b]The Independent on Sunday has learned that ...
Ja,ja Mao,Trotzki,Stalin und auch
W...
vg
http://www.derisraelit.org/...
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