Die wild wuchernde amerikanische SelbstgefälligkeitSelten ist die amerikanische Selbstgefälligkeit
grösser gewesen. Der Chicagoer VIX-Index
(Volatilitätsindex/Kursschwankungsindex) für den US-Aktienmarkt ist so
niedrig wie seit 13 Jahren nicht mehr; gleichzeitig sind auch
Kreditausfallversicherungen so billig wie nie!
Dies nach einem Jahr
(2006), das neue Rekorde an globalen Fusionen und Firmenkäufen brachte,
die das Rekordjahr 2000 übertrafen. Kreditfinanzierte Übernahmen
beliefen sich auf 3,8 Billionen US-Dollar im Vergleich zu 3,4 Billionen
im Jahr 2000.
Der Tanz der Pinguine auf der Eisscholle
Aber unter der gegenwärtigen ruhigen Oberfläche des
ökonomischen Geschehens sammelt sich eine enorme ökonomische Kraft. Der
US-Dollar verliert seine Position, die er seit dem Zweiten Weltkrieg
hatte - er wird durch den Euro ersetzt.
Märkte folgen immer dem Geld
Der Euro hat den US-Dollar als die wichtigste
Währung an den internationalen Anleihemärkten abgelöst. Dies
unterstreicht die Meldung des letzten Monats, dass der Wert der im
Umlauf befindlichen Euronoten den Wert der Dollarnoten übertraf. Wie
die International Capital Market Association berichtete, hatten die
ausstehenden Schulden in Euro Ende 2006 einen Wert von 4,836 Billionen
US-Dollar, die Dollarschulden lagen bei 3,892 Billionen US-Dollar.
Eurokredite
stellen jetzt 45% des globalen Marktes dar, verglichen mit 37% für den
US-Dollar. Die US-Anleihemärkte stellten noch 2002 ihre europäischen
Rivalen in den Schatten. Damals betrug die Emission von Krediten in
Euro noch 27% der globalen Kreditemissionen; 51% der Emissionen wurden
in US-Dollars ausgegeben. Die USA sind auf dem grössten Markt der Welt,
dem internationalen Markt für Kreditanleihen, verdrängt worden.
Wirtschaftlich gesehen folgen solchen Verdrängungen immer deutliche
Einbrüche am Markt.
Gerüchte von weiteren Kriegen
Mohsen Rezaei, früherer Chef der Iranischen
Revolutionären Garden, sagte im Staatsfernsehen, dass die Amerikaner
«ihre Entscheidung, den Iran anzugreifen, getroffen haben»,
möglicherweise Ende Februar oder Anfang März.
Das iranische Militär
ist in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden, um auf die
Möglichkeit eines US-Angriffs reagieren zu können, sagte ein hoher
iranischer Militär der Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Der
Bankbereich der ING-Gruppe gab am 9. Januar ein Memo mit folgendem
Titel heraus: «Angriff auf den Iran: Auswirkung eines israelischen
Überraschungsangriffs gegen die nuklearen Anlagen Irans auf die
Märkte.»
Die ING-Bank vermutet einen Zeitrahmen im Februar oder
März, falls Israel und/oder die USA den Iran angreifen. Ein hoher
iranischer Militär hat erklärt: «Falls Amerika den Iran angreift,
werden seine 200 000 Soldaten und 33 Basen in der Region äusserst
verletzlich sein, dessen sind sich sowohl die amerikanischen Politiker
als auch die Militärkommandeure bewusst.»
Die doppelte Verdrängung der USA und die Folgen
Die erste Verdrängung ist, dass der US-Dollar vom
Euro in bezug auf den Geldumlauf überholt worden ist. Die zweite
besteht darin, dass der US-Dollar als führende Ausgabewährung im
weltweiten Obligationenmarkt seine Position verloren hat. Verblüffend
ist die Tatsache, dass dies nur innerhalb von sechs Jahren geschehen
ist. Vorher gab es den Euro nicht einmal als Bargeld. Dieser Aufstieg
des Euros aus dem Nichts zeigt die inhärente Schwäche des US-Dollars
als internationale Währung.
Wir wollen eure US-Dollars nicht mehr
Der Wettlauf zu den Ausgängen hat begonnen. Die
Opec-Nationen entledigen sich ihrer US-Schatzpapiere so schnell wie
seit drei Jahren nicht mehr. Nach Angaben des US-Finanzministeriums
verkauften Ölexporteure wie Indonesien, Saudi-Arabien und Venezuela in
den drei Monaten bis November 9,4% (10,1 Mia. US-Dollar) ihrer
US-Regierungsschuldverschreibungen. Und der Zustrom von ausländischem
Geld in die USA ebbt ab.
Der US-Dollar kann den globalen Preis nicht mehr bestimmen
Globale Ölproduzenten wie die Vereinigten
Arabischen Emirate (VAE), Iran, Venezuela und Indonesien beginnen,
einige ihrer ausländischen Währungsreserven von Dollar in Euro
umzuschichten, oder sie fangen an, ihre Ölexporte in Euro abzuwickeln.
Dieses letztere Faktum bedeutet Dynamit auf der weltweiten Bühne. Wenn
es eine Konstante seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gegeben hat,
dann ist es die Tatsache, dass der US-Dollar die vorherrschende Währung
im Ölhandel ist. Dies hat alle anderen Nationen dazu gezwungen,
US-Dollars zu erwerben, um Öl zu kaufen.
Sollte der US-Dollar von
einem grösseren Teil der globalen Öl- und Energiemärkte verdrängt
werden, würde dies die globale Nachfrage nach US-Dollars drastisch
verringern, was eine weitere Verdrängung der USA darstellen würde.
Nach
Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist der
Anteil der Dollarkonten der Opec-Ölproduzenten, einschliesslich
Saudi-Arabien und der VAE, von 67% im ersten Quartal 2006 auf ein
Zweijahrestief von 65% im zweiten Quartal des Jahres 2006 gefallen.
Der Kapitalfluss in die USA
Internationale Investitionen in langfristige
US-Anlagen liessen im November nach, als sich der US-Dollar abschwächte
und auch die Nachfrage nach US-Aktien zurückging. Ankäufe von
US-Aktien, Noten und Obligationen ins Ausland verringerten sich netto
von 85,3 Milliarden US-Dollar im Oktober auf 68,4 Milliarden im
November, gab das US-Finanzministerium am 17. Januar bekannt. Dies ist
die Zahl, auf die man achten sollte! Der anhaltende Zustrom von
ausländischen Mitteln ist mehr als kritisch für die gesamte
US-Wirtschaft, einfach weil dieser massive Zustrom sowohl die
US-Haushaltshandelsdefizite als auch die US-Staatsschulden finanziert.
Überlegen wir für einen Moment, was geschehen würde, wenn diese
Gezeitenwelle von ausländischen Anlagen in das US-Finanz- und
Geldsystem zu einem plötzlichen Ende käme.
Das US-Finanzministerium
bliebe auf Bergen von unverkauften US-Schatzpapieren, Banknoten und
sonstigen Scheinen sitzen. Um sie zu verkaufen, müssten sie mehr
Gegenwert bieten. Dazu müssten sie höhere Zinsen bieten, und die
US-Marktzinssätze würden bis über die Ertragsgrenze steigen. Die Zinsen
der US-Schatzpapiere sind der Bezugswert, gegen den alle anderen
US-Anleihen gemessen werden.
Wenn die höheren Mächte in den USA
dies vermeiden möchten, könnte das US-Finanzministerium zur
US-Notenbank hinübergehen, die die Schatzpapiere mit frisch gedruckten
US-Dollars kaufen würde. Aber dann würde das gesamte US-Finanzsystem
von einer neuen Welle der von der Notenbank erzeugten «Liquidität»
überschwemmt, und die innere Kreditausweitung würde neuen Vorschub
erhalten. Kritisch ist hier der US-Dollar. Zurzeit wird er durch den
riesigen Zustrom an Anlagen aus dem Ausland (viel) höher bewertet als
eigentlich angemessen.
Würde sich dieser Zustrom von Anlagen auch
nur verlangsamen, würde ein Grund für die immense globale Nachfrage
nach US-Dollars wegfallen. In der Folge würde der Wert des US-Dollars
fallen. Dies zeichnet sich in der Situation schon ab.
Die Geopolitik der Dollarverdrängung
Die Abhängigkeit des US-Dollars vom Zustrom an
ausländischen Anlagen ist in den tonangebenden Kreisen auf der ganzen
Welt bekannt. Sie alle fürchten den Tag, an dem die
monetäre/finanzielle/ökonomische Eisscholle der USA zerbricht - und sie
sind sicher, dass er kommen wird. The Privateer hat in der zweiten
Hälfte des Jahres 2006 breit darüber berichtet und dabei zahlreiche
Offizielle und politische Stimmen aus der ganzen Welt zitiert, die
ihrer wachsenden Unruhe angesichts der Politik der USA Ausdruck
verliehen. Jetzt, im Januar 2007, kommt eine andere Charakteristik ins
Blickfeld. Plötzlich ist nichts mehr zu hören von den vielen Stimmen
auf der ganzen Welt, die letztes Jahr tiefe Besorgnis geäussert haben.
Die alten Regeln der «Verkehrszählung»
Auf dem gesamten Gebiet der Nachrichtendienste, sei
es militärisch, diplomatisch, politisch oder ökonomisch, gibt es eine
altbewährte Technik. Sie besteht darin, einfach die Qualität und den
Umfang der «Besorgnis» zu beobachten, die auf dem Rest der Welt
geäussert wird. Normalerweise kann man selbst bei verschlüsselten
Botschaften ein wellenartiges Auf- und Abschwellen des «Verkehrs»
beobachten. In gewissen Situationen bemerkt man ein beschleunigtes
Ansteigen solcher Signale im «Datenverkehr».
Dies zeigt, dass etwas
vor sich geht, das diesen erhöhten Geräuschpegel erforderlich macht.
Das ist es, was wir in der zweiten Hälfte des Jahres 2006 beobachtet
haben, obgleich die Nachrichten aus der BIZ, der OECD und anderen im
Blickfeld der Öffentlichkeit waren. Es gab keinen Zweifel, dass die
Besorgnis sich um die ökonomische und finanzielle Situation drehte.
Aber
in diesem Jahr ist plötzlich der Geräuschpegel verstummt. Gegenwärtig
wird wenig Besorgnis über die wirtschaftliche Situation der USA
geäussert. Dieses Signal bedeutet häufig, dass das tatsächliche
Ereignis bald eintreffen wird.
Wenn die Ruhe (fast) ohrenbetäubend ist
Bitte beachten Sie, dass diese Ruhe auf die globale
ökonomische/finanzielle Situation der USA beschränkt ist. Was heute als
enorme Ablenkung von den Märkten und der Wirtschaft am Werk ist, ist
die Vielzahl der Signale aus immer mehr internationalen Quellen, die
befürchten, dass entweder Israel oder die USA oder die USA und Israel
gemeinsam kurz davor stehen, einen plötzlichen Militärschlag gegen den
Iran durchzuführen! Hier funktioniert wieder die Verkehrszählung. Wenn
es (wie zu erwarten ist) um die Auseinandersetzung zwischen dem Iran
und den USA ruhig wird, dann bedeutet das nach den Regeln der
«Verkehrszählung», dass das Ereignis nahe ist. Es bedeutet nicht
notwendigerweise, dass ein Angriff von USA/Israel gegen den Iran nahe
ist. Es gibt auch falsche Signale. Es könnte auch bedeuten, dass
mindestens eine der Parteien, die sich gegenüberstehen, dabei ist, sich
zurückzuziehen.
Krieg nach aussen zum Zweck der politischen Ablenkung im Inneren
Diese politische List geht bis in prähistorische
Zeiten zurück. Der Stammeshäuptling und die Stammesältesten wissen
alle, dass sie dem Stamm mehr versprochen haben als das, was sich jetzt
in der Schatzkammer oder im Speicher befindet.
Sie haben die Wahl
zwischen zwei grundlegend verschiedenen Verfahrensweisen. Sie können
sich vor den Stamm hinstellen und zugeben, dass sie ihn falsch
informiert haben. Tatsächlich haben sie gelogen, und alle wissen es.
Aber sie wissen auch, dass sie sich mit dem Eingeständnis vor dem Stamm
eine Blösse geben und ihre hohe Position und Macht verlieren. Also
wählen sie die Methode der Ablenkung, und im nächsten Frühling befindet
sich ihr eigener Stamm im Krieg mit dem Stamm auf der anderen Seite des
Flusses.
Sie bleiben an der Macht - nach politischen Begriffen. Wenn
manche Mitglieder des Stammes zu fragen beginnen, wo all die guten
Dinge sind, die ihnen versprochen worden sind, sagen ihnen die
Häuptlinge, dass sie bei der Verteidigung des Stammes verbraucht worden
sind. Wer kann sich beklagen? Schliesslich sind wir ja im Krieg. Und
wenn wieder Frieden ist, bleiben sie an der Macht.
Was die USA betrifft - wird es nächstes Jahr beginnen
Mit Beginn des Jahres 2008 werden die ersten von 78
Millionen Amerikanern in ihren Ruhestand treten. Was ihnen versprochen
wurde, ist aber nicht vorhanden. Das politische Establishment der USA
hat das Geld bereits ausgegeben, und alle Rentenfonds sind voll mit
Schuldscheinen des Kongresses. Dies öffentlich zugeben? Niemals! Also -
beginnt man einen Krieg.
In einem Meer globaler «Liquidität» schwimmend
Die globale Ausgabe von Schuldenanleihen sprang von
2005 auf das Jahr 2006 um 14,1% auf ein Rekordhoch von 6,948 Billionen
US-Dollar. Die gesamten Ausgaben von Schuldenanleihen der USA stiegen
2006 um 10,1% auf 4,085 Billionen US-Dollar an. Die USA tragen allein
die Verantwortung für 58,8% der gesamten Kredite, die im letzten Jahr
weltweit herausgegeben wurden. Auf das BIP (Bruttoinlandsprodukt)
bezogen trägt die Wirtschaft der USA mit 20 bis 22% zum globalen BIP
bei. Die USA nahmen in der dreifachen Höhe ihrer eigenen relativen
wirtschaftlichen Grösse Schulden auf. Die restlichen nationalen Finanz-
und Banksysteme folgten nach und nahmen weitere 2,863 Billionen
US-Dollar eigene Schulden auf.
Geld ist billig - also leih dir welches und kaufe etwas Wertbeständiges
Weltweit in ihren Auswirkungen war es diese
Flutwelle von belehnbarem Kapital, die während des letzten Jahres eine
ebenfalls gigantische globale Welle von Übernahmen und Firmenfusionen
ermöglichte. Wenn man dies alles als ein zusammenhängendes System und
nicht als zahllose einzelne Geschäfte betrachtet, wird es deutlich,
dass auf der ganzen Welt der gesamte globale Wirtschafts- und
Handelssektor «aufgebläht» wurde. Vor langer, langer Zeit, während der
70er Jahre, gab es in der Wirtschaft eine «Modeströmung», als viele
waghalsige junge Finanz- und Wirtschaftslöwen verwertbare
Gesellschaften erwarben und diese «aufblähten», indem sie im Verhältnis
50 zu 50 Anleihen auf das Stammkapital aufnahmen. Nachdem sie auf das
Stammkapital Kredite aufgenommen hatten, kauften sie damit andere
Geschäfte auf, bei denen es immer noch unberührtes Stammkapital gab.
Dies bewirkte im Gegenzug das, was man die «Giftpillenabwehr» nannte.
Jedes Geschäft mit einer starken Eigenkapitalisierung begann plötzlich
wie wild sich selber mit Schulden zu beladen, um damit die
Firmenplünderer abzuhalten.
Damals, als 50 zu 50 als das Höchste
menschlichen Wagemuts angesehen wurde, erkannte man immer noch, dass
ein Geschäft, das stark mit Fremdkapital belastet war, den
Aktieninhabern bei einer Auflösung nichts mehr lassen würde. Während
der Rezession von 1980 bis 1982 starben diese hoch mit Fremdkapital
belasteten Firmen wie Fliegen im Winter. Heute liegen die Dinge
natürlich «anders»: Überall auf der Welt gibt es Firmen, die stolz ihre
«innovative» Finanzierung lobpreisen. Diese Firmen sind bis zu 80 zu 20
oder noch höher im Verhältnis zum Stammkapital mit Fremdkapital
beliehen. Heute werden solche Fremdkapitalbelastungen als das höchste
Mass finanzieller «Redlichkeit» angesehen, sogar wenn die
buchhalterischen Tatsachen so sind, dass, falls eine solche Firma
aufgelöst würde, ein grosser Teil der Anteilseigner ihr Geld im Falle
einer Abwicklung nicht erhalten würde, wenn mit nur 20% Stammkapital
80% Schulden beglichen werden müssten.
Sie sagen, dies sei heute
kein Problem. Diese Firmen haben sich gegen solche Ereignisse so
abgesichert, dass es kein Problem ist, mit einem Stammkapital von 20%
Schulden von 80% und mehr zu tragen. Die «Gegenparteien», diejenigen,
die für die andere Seite der «Absicherungen» vertraglich verpflichtet
wurden, werden zur Rettung kommen und die Schulden bezahlen.
Das Einmaleins der Versicherungen, Optionen und Risiken
Das ökonomische Grundprinzip von Versicherungen
(wie die Feuerversicherung eines Hauses) besteht darin, dass der
Versicherer hofft, dass das Ereignis, gegen das versichert wurde,
niemals eintritt. So lange wie es das auch nicht tut, hat der
Versicherer einen steten Strom an Einkünften und nur die
Verwaltungskosten. Aber manchmal brennen Häuser ab, und wenn sie dies
tun, muss der Versicherer einen grossen Scheck unterzeichnen. Das ist
auch selten ein Problem, da der Versicherer noch viele andere Häuser
hat, die nicht heruntergebrannt sind und die immer noch ihre jährlichen
Gebühren zahlen. Der unglückliche Hausbesitzer, dessen Haus abgebrannt
ist, ist auch glücklich. Er hat seinen Scheck, und sein Haus wird
wieder aufgebaut.
Anbieter von Optionen (auf Kauf und Verkauf)
hoffen alle auf das gleiche. Sie hoffen, dass ihre Optionen niemals
eingelöst werden, weil sie dann einfach die Kosten und Gebühren
einstecken können. Bei all diesen Überlegungen rechnen wir mit etwas,
das als «Ereignisrisiko» bekannt ist. Dies betrifft Ereignisse, die
prozentual gesehen sehr selten eintreten. Sie treten dennoch manchmal
ein, ebenso wie auch bereits eine halbe Stadt durch einen Unfall
abgebrannt ist.
Wenn dies geschieht, können die meisten
Versicherungsfirmen die Belastung der Auszahlungen nicht tragen. Viele
Hausbesitzer merken dann, dass ihre Versicherung, ihre «Absicherung»,
ihnen nicht helfen kann. Dies ist als «systemisches Risiko» bekannt.
Tatsache ist, dass es in der harten physischen Realität, wie auch bei
menschlichen Ereignissen, so etwas wie ein «nicht reduzierbares Risiko»
gibt. Heute gibt sich der Markt den Anschein, als gäbe es so etwas wie
«Risiko» gar nicht. Das bedeutet, dass jeder meint, die
«Sicherungsmechanismen» würden niemals versagen. Und das bedeutet, dass
das tatsächliche «systemische Risiko» ungeheuer ist.
Der Zustand der inneren US-Wirtschaft
Die Hypothekarkapitalauszahlungen in den USA werden
von 13% der «frei verfügbaren Haushaltfinanzen» im 2006 auf weniger als
7% in diesem Jahr fallen, was zur Folge hat, dass die Kaufkraft der
amerikanischen Verbraucher zum ersten Mal seit dem Zusammenbruch der
US-Aktienbörse im Jahr 2001 schrumpft. Weil die amerikanischen
Verbraucher über 70% zum amerikanischen BIP beitragen, wird der Verlust
von mehr als 6% ihrer Ausgaben in diesem Jahr das BIP der USA um 4%
seiner gegenwärtigen Grösse schrumpfen lassen. Die letzte auf
Jahresbasis umgerechnete Wachstumsrate des BIP der USA lag bei 2%.
Die US-Verbraucher - an die Wand gedrängt
Der US-Verbraucherpreisindex stieg im Dezember um
0,5%, die höchste Zunahme seit April, während es im November keine
Änderungen gab, wie das US-Arbeitsministerium am 18. Januar in
Washington bekanntgab. Das amerikanische Zentrum für ein
verantwortungsbewusstes Kreditwesen schätzt, dass 2,2 Millionen
amerikanischer Hausbesitzer wahrscheinlich durch die Kündigung ihrer
Hypotheken ihre Häuser verlieren werden.
Die Rückstände bei den
Hypotheken steigen nun rasch an. Die Versäumnisraten sind in vielen
Regionen des Landes erschreckend hoch. Im September 2006
veröffentlichte der US-Marktbericht über Hypothekenkündigungen in einer
Stellungnahme, dass über 112 000 Haushalte sich in irgendeinem Stadium
des Hypothekenkündigungsverfahrens befanden. Das war ein Anstieg von
63% seit dem September 2005.
Die amerikanischen Immobilienkäufer
haben in den letzten 7 Jahren für 4,5 Billionen US-Dollar neue
Hypothekenanleihen aufgenommen.
Der Zustand der allgemeinen US-Wirtschaft
Das amerikanische Arbeitsministerium berichtete,
dass die Preise, die amerikanischen Produzenten bezahlt werden, im
Dezember um 0,9% angestiegen sind, das sind übers Jahr gerechnet 10,8%,
vor allem auf Grund höherer Energiekosten. Ökonomisch gesehen ist dies
der Punkt, an dem es richtig losgeht. Es wird weniger Verkäufe geben,
weil der amerikanische Verbraucher zurückgebunden wird, und
währenddessen werden die Kosten ansteigen. Ökonomisch betrachtet geht
dies klar in Richtung sinkender Einkommen.
Wenn die Waren auf der Welt mehr kosten
Die Preise der in die USA importierten Waren
stiegen im Dezember 2006 auf einen Höchststand innerhalb von sieben
Monaten, was den Anstieg der Preise für Rohöl und Gas widerspiegelte.
Der Anstieg der Importpreise während des Monats von 1,1% (auf das Jahr
umgerechnet sind das 13,2%) folgte auf einen 0,5%igen Anstieg im
November, wie das US-Arbeitsministerium in Washington bekanntgab.
Die wirtschaftliche Situation der USA im Überblick
Die amerikanische Wirtschaft befindet sich in einer
Rezession. Wenn laut Washington die amerikanischen Konsumentenpreise
mit einer jährlichen Rate von 2,6% ansteigen, während die
Wirtschaftswachstumsrate nur 2% beträgt, dann befindet sich die
amerikanische Wirtschaft im Rückschritt. Dies wird gegenwärtig durch
die Tatsache verschleiert, dass sowohl die Inlandpreise als auch die
Exportpreise ansteigen, wobei zu bemerken ist, dass dies passiert,
während die amerikanische Wirtschaft nicht nur nirgendwo hinführt,
sondern sich in Tat und Wahrheit rückwärts bewegt. Das ist auch die
Definition von «Stagflation».
Amerika hat eine stagnierende
Wirtschaft mit steigenden Preisen und einem hohen Kostendruck. Dies
allein führt die gegenwärtigen Aktienkurse ad absurdum. Der DOW-Jones
und der S&P-500-Index hängen irgendwo in der Luft, während die
wahre US-Wirtschaft sich langsam talwärts jenseits der US-Märkte
bewegt. Wenn die momentane Riesenwelle von Übernahmen und
Aktienrückkäufen abebbt, und das wird so sein, dann werden die
Aktienmärkte in den USA sich der wirtschaftlichen Realität gegenüber
sehen. Und dann haben wir das Problem, wie wir die gegenwärtigen
Höhenflüge der amerikanischen Aktienmärkte rechtfertigen. Die Gefahr,
dass die amerikanischen Märkte zusammenbrechen, steigt und steigt. Und
das wird wahrscheinlich passieren, wenn die Wall Street realisiert,
dass Firmen- und Geschäftsgewinne rasant schrumpfen.
Die Ignoranz (Zustand der Unwissenheit) macht nicht glückselig
In der Tat kann Ignoranz tödlich sein. Der
momentane Zustand in den USA ähnelt einer Version von «Don't worry, be
happy», während die negativen Wirtschaftsdaten von allen Seiten
hereinströmen.
Bush und Cheneys Politik der ewigen Kriege
Vizepräsident Cheney hat es verdient, in voller
Länge zitiert zu werden. Folgendes sagte er in einem Interview, das er
kürzlich Fox News gab: «Irak ist nur ein Teil eines grösseren Krieges;
es handelt sich tatsächlich um einen globalen Krieg, der sich von
Pakistan bis Nordafrika erstreckt. Wenn die USA nicht den Mumm haben,
die Aufgabe im Irak zu Ende zu bringen, dann setzen wir alles aufs
Spiel, was wir überall sonst erreicht haben.»
Dann kam Vizepräsident Cheneys grundlegende politische Aussage. Er sagte: «Dies ist ein existentieller Konflikt.»
Weiter
sagte Cheney: «Es ist jene Art von Konflikt, der unsere Politik und
unsere Regierung in den nächsten 20, 30 oder 40 Jahren beschäftigen
wird. Wir müssen dabei bleiben, und wir müssen den Mumm haben, lange zu
kämpfen.»
Hier sollte man innehalten und einmal tief durchatmen, um sich zu vergegenwärtigen was Vizepräsident Cheney meint.
Eine vertiefte Analyse der Politik, wie sie Vizepräsident Cheney ankündigt:
Zuerst
schauen wir uns Vizepräsident Cheneys grundlegendes Prinzip für die
amerikanische Politik an. Es besagt, dass sein und des Präsidenten
(Bushs) Krieg gegen die muslimische Welt - «ein existentieller
Konflikt» - ist. In der ganzen Menschheitsgeschichte, immer wenn ein
solcher Begriff benutzt wurde, um Krieg zu beschreiben, dann bedeutete
das nur eines: Es bedeutete, dass der Gegner komplett und bis zum
Äussersten eliminiert werden musste - im wahrsten Sinne des Wortes.
Nun
folgt Vizepräsident Cheneys Beschreibung der Vereinigten Staaten
selbst. Dazu sagt er: «Es ist jene Art von Konflikt, der unsere Politik
und unsere Regierung in den nächsten 20, 30 oder 40 Jahren beschäftigen
wird.» Das ist die Beschreibung einer Politik für einen
generationenübergreifenden Krieg, für Krieg als eine Konstante, die von
einer Generation an die nächste «weitergegeben wird».
Ewige menschliche Opfer
Es ist auch die Beschreibung dafür, dass zahllose
junge amerikanische Männer und Frauen mit den Gewehren in der Hand nach
Übersee reisen und dann zurückkehren - einige von ihnen in
Leichensäcken, andere als Kriegsverletzte und die meisten von ihnen
geistig verstümmelt von dem, was sie in vielen fremden Länder gesehen
und getan haben.
Die (frühe) Reaktion in der muslimischen Welt
Wir erinnern uns, dass es etwa 1,3 Milliarden
Muslime auf der Welt gibt. Obwohl The Privateer sich sehr bemüht, auch
für die muslimische Welt zu schreiben (im besten Falle werden die
Artikel in europäische Sprachen übersetzt), war die erste Reaktion nur
ein Schweigen. Kurz bevor die Aussage in den Druck ging, gab es erste
Reaktionen von Muslimen auf Cheneys Interview. Was wir bisher
beobachten konnten, ist die Reaktion von Muslimen ziemlich
vorhersehbar. Offensichtlich ging es nicht um den Tyrannen Saddam und
seine Massenvernichtungswaffen, die man nicht gefunden hat. Es ging
auch nicht um Demokratie. Es ging auch nicht um das Öl im Irak. Es ging
nicht einmal um den Terrorismus. Es ist inzwischen klar, dass das, was
die USA planten, die Auslöschung der Muslime war, um damit den
islamischen Glauben zu zerstören.
Die Reaktion in Amerika auf Vizepräsident Cheneys Interview
Im grossen und ganzen gab es so gut wie keine
Reaktion. Das Interview fand statt. Es wurde darüber vielerorts
berichtet. Aber Kommentare und Editorials von Herausgebern gab es
selten. Es schien, als ob das, was Cheney gesagt hatte, zu grausam und
zu weitreichend war, um eine normale Reaktion hervorzurufen.
Von
nun an ist es an der amerikanischen Öffentlichkeit, Druck auf den
Kongress auszuüben, diesen Irrsinn aufzugeben und die Tötung von
Millionen unschuldiger Menschen in den muslimischen Ländern zu beenden.
Was Cheney vorschlägt, ist eine «Neuauflage» des Dreissigjährigen
Krieges von 1618 bis 1648, einen der schlimmsten Kriege in der
Menschheitsgeschichte.
Quelle: The Privateer, Nr. 570, Ende Januar 2007
*Eike Hamer hat in der Nachfolge des im letzten
Jahr verstorbenen Walter Hirt die Herausgabe von Wirtschaft aktuell
übernommen. Allen Abonnenten von Zeit-Fragen hat Herr Hamer angeboten,
Wirtschaft aktuell statt für 500,- Euro jährlich zum Preis für die
Mitglieder des Mittelstandsinstituts Niedersachsen e.V., nämlich für
100,- Euro jährlich, zu abonnieren. Interessenten wenden sich bitte an
das Mittelstandsinstitut Niedersachsen e.V.,
Augustinerweg 20, D-30419 Hannover,
Tel/Fax: +49-511-791303
US-Vizepräsident Dick Cheney will einen Krieg für 20 oder 30 oder 40 Jahre
Chris Wallace: [...] ist den USA für einen Sieg jedes Mittel recht?
Cheney:
Ich glaube ja. Ich denke, wenn Sie sich den Konflikt, um den es hier
geht, anschauen, und sich entsinnen, dass der Irak nur Teil eines
umfassenderen Krieges ist - ist es, tatsächlich, ein globaler Krieg,
der sich von Pakistan bis nach Nordafrika erstreckt. Wir waren in
Pakistan aktiv. Wir waren in Afghanistan aktiv. Wir arbeiten ohne Frage
eng mit den Saudis, mit den Golfstaaten, mit den Ägyptern zusammen.
Wir
stiegen ein, seit 9/11 stiegen wir aggressiv ein und haben es auf
Staaten abgesehen, die den Terrorismus gefördert haben, auf solche, die
Auffangbecken für Terroristen sind, wo diese trainiert und ausgerüstet
werden, und von wo aus Anschläge auf die USA geplant und operativ
vorbereitet werden.
Und wir haben jetzt Leute wie Karzai in Afghanistan und Musharraf in Pakistan, die grosse Verbündete sind [...].
Der
gefährlichste Fehlgriff wäre tatsächlich, wenn wir in all diesen
Anstrengungen nachliessen, die wir in den globalen Krieg gegen den
Terror investiert haben, und in die grosse Arbeit, die wir in Pakistan,
Afghanistan, Saudi-Arabien und quer über den Globus geleistet haben,
und wenn wir zusehen müssten, wie sich alles auflöst, weil die USA nun
entscheiden, dass der Irak eine zu schwierige Angelegenheit ist, und
wir einpacken und nach Hause gehen müssten. [...]
Dies ist ein
existentieller Konflikt. Es ist jene Art von Konflikt, die unsere
Politik und unsere Regierung für die nächsten 20 oder 30 oder 40 Jahre
beschäftigen wird.
Wir müssen dabei bleiben, und wir müssen den Mumm haben, lange zu kämpfen. [...]
Dieses
sind harte Entscheidungen, aber der Präsident hat sie getroffen. Es ist
eine gute Entscheidung. Es ist eine gute Politik. Nach reiflicher
Überlegung glauben wir, dass dies der beste Weg für uns ist
vorwärtszuschreiten, um unsere Ziele zu erreichen [...].
Quelle: Fox News vom 14.1.2007
von William A. M. Buckler, Australien
Mit freundlicher Genehmigung von
http://www.zeit-fragen.ch
http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2007/nr5-vom-522007/die-wild-wuchernde-amerikanisch
e-selbstgefaelligkeit/
|