| Stoppt die antimoslemische Hetze! |
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15.04.2007
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Wir lassen uns nicht
spalten! Aufruf des
Anti-Kriegs-Komitees Kein Blut für Öl
Der Krieg der USA und ihrer Verbündeten im Irak dauert schon vier Jahre. So lange dauerte der Erste Weltkrieg. Der Krieg hat im Irak schon mehr als 650.000 Todesopfer gefordert; das heißt, etwa 2,5 % der irakischen Bevölkerung wurden bereits massakriert, weitere Hunderttausende sind auf der Flucht. Auch nimmt der Krieg der westlichen Truppen gegen Afghanistan wieder an Schärfe und Brutalität zu. Deutschland beteiligt sich nun ganz unverhüllt am Kriegseinsatz. Trotz dieser verheerenden Kriege bereiten George W. Bush und seine Verbündeten schon die nächsten Kriege vor. Mit dem Iran, Syrien, Libanon, Sudan und weiteren Ländern stehen die nächsten völkerrechtswidrigen Angriffskriege gegen moslemische Länder auf der Tagesordnung. Nimmt man die Worte von US-Vizepräsident Richard Cheney ernst, werden die USA noch weitere 20, 30 oder 40 Jahre Krieg führen. Es steht ein unbegrenzter Krieg um Profit, Öl und die imperialistische Vormachtstellung in der Welt bevor. Zudem rückt China, das die USA in wenigen Jahren wirtschaftlich überholt haben wird, immer stärker ins Visier der Kriegstreiber. Ein unverzichtbarer Baustein für die Kriegspolitik ist der Versuch, die Menschen gegeneinander aufzustacheln und aufzuhetzen. Die Formel der Herrschenden ist altbekannt: Teile und Herrsche, Divide et Impera. Im besetzen Irak und darüber hinaus versuchen die Besatzungstruppen den Hass zwischen den islamischen Konfessionen und zwischen Nationen und Kulturen zu säen. Es droht, dass der Irak nach dem Willen der USA zwischen kurdischem, schiitischem und sunitischem Teil aufgespalten wird. Aber auch hier in den westlichen Metropolen wird immer offener und aggressiver gegen Menschen aus dem islamischen Kulturkreis gehetzt. Seit Jahrhunderten schon werden auch religiöse Unterschiede als Vorwand für Kriege ausgenutzt. Unsere moslemischen Kolleginnen und Kollegen sollen gleich für zwei Dinge als Sündenbock herhalten: Einerseits dienen die Vorurteile gegen sie als Kriegsvorwand gegen die gesamte moslemische Weltgegend. Andererseits müssen sie auch noch als Sündenbock für Sozialkürzungen und Jobabbau herhalten. Wir fordern: Schluß mit der antimoslemischen Hetze! Das Magazin ‚Der Spiegel' stellte Deutschland kürzlich als „Mekka für Moslems" dar. Diese Aussage ist vollkommen falsch. Tatsächlich begegnen unsere moslemischen Kolleginnen und Kollegen überall Vorurteilen bis hin zu offenem Rassismus. In Deutschland lebende Moslems werden in fast jedem Lebensbereich benachteiligt. Bei der Berufswahl, im Betrieb, in der Uni, in der Schule, bei der Wahl der Wohnung, beim Arbeitsamt, in den Medien, bei der Bildung, im Alltag, beim Einkaufen und so weiter - überall begegnen sie Ausgrenzung und Misstrauen. Die UN kritisierte kürzlich das deutsche Schulsystem als extrem benachteiligend für Migrantenkinder. Hier sehen sich Moslems in Deutschland staatlichem Rassismus ausgeliefert. Auf dem Düsseldorfer Rosenmontagszug diesen Jahres war das rassistische Klischee das seit Jahren in den bürgerlichen Medien herrscht auf besonders widerwärtige Weise dargestellt. Wie auf dem Düsseldorfer Karnevalswagen werden Moslems immer öfter dargestellt und beschrieben: sie sind irrational (rote, unterlaufene, große Augen), laut schreiend, dreckig, arm, aggressiv, schwer bewaffnet, schlecht gekleidet, religiös aufgehetzt, undemokratisch, intolerant, gewalttätig, unberechenbar und zu allem bereit. Wir protestieren gegen diese falsche Darstellung und fordern ein Ende dieser empörenden Klischees. Diese Klischees erinnern erschreckend an die Klischees über Juden in der Nazi-Zeitung „Der Stürmer". Mit den damaligen Klischees wurde der Völkermord an den Juden Europas vorbereitet, gerechtfertigt und noch ins Lächerliche gezogen. Der Straftatbestand der Volksverhetzung wäre bei vergleichbarer Darstellung anderer Religionsgruppen schon längst von den bürgerlichen Gerichten verfolgt worden. Besonders bei den gebildeten Schichten ist die Feindschaft gegenüber dem Islam, die Islamophobie „in". Über eine Studie des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer schrieb „die tageszeitung" am 20.12.2006: ".. Gerade wies die jährliche Studie aus dem Hause Heitmeyer nach, dass die Islamophobie erschreckend ansteigt und, im Unterschied zur "normalen" Ausländerfeindlichkeit, mit höherer Bildung nicht abnimmt. Ein ganzes Autorensegment beliefert dementsprechend die literarisierten Schichten schon mit Kampfprosa. Handliche Hasspredigten wie die jüngste von Henryk M. Broder halten sich erschütternd lange auf erschütternd avancierten Plätzen der Bestsellerlisten." Henryk Broders antiislamischer Aufruf „Wider die Appeasementpolitik" endet mit einer „satirischen" Entschuldigung gegen Moslems, die er von einer dänischen Homepage kopiert hat und als Schlusswort so stehenlässt: „Wir bedauern, dass wir Euch nie zur Arbeit gezwungen haben, während wir alle Eure Rechnungen bezahlt haben. Wir bedauern, dass wir Euch meist freie Miete, Telefon, Internet, Autos und freien Schulbesuch für eure zehn Kinder gaben. Wir bedauern, Euch niemals gezwungen zu haben, unsere Sprache zu lernen - nach 30 Jahren Aufenthalt. Und deshalb - von allen Dänen zur gesamten muslimischen Welt, wollen wir Euch sagen: Fuck you!" Dieser Hass ist unerträglich und beängstigend. Wir müssen uns dieser Hetze entgegenstellen! Doch der Hass wird täglich in den Medien auch in subtilerer Form geschürt. So beispielsweise eröffnete der Kölner Stadt Anzeiger am 4.4.2007 ein Interview mit dem zukünftigen Vorsitzenden von Ditib, Sadi Arslan, über den Moscheebau in Köln gruß- und umstandlos mit der Frage: „Darf ein Mann seine Frau schlagen?" Mit unzähligen Klischees dieser Art wird Ausgrenzung betrieben. Gegen die etwa 2,5 Millionen Moslems in Deutschland wird eine Atmosphäre von Misstrauen und der Angst aufgebaut. Es wird versucht, alle Moslems in Deutschland unter einen Generalverdacht zu stellen. Schon gibt es an der Universität München den Aufruf von Rektoren, moslemische Mitstudenten zu bespitzeln. Besonders die Unterdrückung der Frau im Islam wird durch die antimoslemischen Hetzer ins Zentrum ihrer Kritik gerückt. Das Tragen des Kopftuches wird als Knechtung der Frau an sich gesehen. Die fortwährende Unterdrückung der Frauen in Deutschland wird von ihnen verschwiegen. Das Kopftuch ist für viele moslemische Frauen kein Symbol für ihre Unterdrückung, sondern Teil ihrer Identität in einer fremden und oft beängstigenden Welt. Zudem gibt es immer mehr selbstbewußte Frauen, die mit Kopftuch auf Demonstrationen gegen die Kriege von George W. Bush gehen. Mögen die Frauen selbst entscheiden, ob sie das Kopftuch oder einen Schleier tragen möchten oder nicht. Zusammen gegen die völkerrechtswidrigen Angriffskriege!Die Moslems auf der Welt werden den weiteren Kriegen gegen ihre Heimatländer nicht tatenlos zusehen. Die Anti-Kriegs-Proteste gegen den weltumfassenden Krieg wird die Linken, die Anti-Kriegs-Bewegung, christliche Friedensaktivisten und Moslems zusammenführen. Manche Linke übernehmen allerdings die Vorurteile gegen die Moslems, manch andere Linke versuchen sich um eine klare Stellungnahme zu drücken. Zwar haben manche von uns unter dem menschenverachtenden Regime im Iran sehr gelitten, einen Krieg gegen den Iran oder gar gegen andere islamische Länder rechtfertigen wir deshalb nicht. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Massen im Iran und anderswo ihre Macht erkennen und zusammen die alten Herrschenden stürzen werden! Zudem verurteilen die meisten Intellektuellen und Linken im Iran den angekündigten Angriff der USA. Die iranischen Mullah-Diktatoren werden diesen Krieg nur zur stärkeren Unterdrückung der Opposition nutzen. Antimoslemische Hetze und militärische Angriffe oder auch nur Ignoranz stärken die islamischen Fundamentalisten und schwächen die gemäßigte und nichtreligiöse Opposition. Auch sind wir fest davon überzeugt, dass die Massen im Kampf gegen Kriege, Kürzungen und Rassismus zu einer neuen Wirtschaftsordnung finden werden in der es heißt: zusammen, nicht gegeneinander, Solidarität statt Konkurrenz! Wir müssen ganz klar die Kriegstreiber benennen und in den Fokus unserer Proteste rücken! Westliche Truppen raus aus dem Mittleren Osten! Raus, sofort! Deutsche Truppen raus aus Afghanistan! Raus, sofort! Wir Linken sind zumeist nicht religiös und betrachten Religion als Privatsache. Aber wir stellen uns gegen Versuche, die Arbeiterinnen und Arbeiter gegeneinander auszuspielen und eine Minderheit als Sündenbock zu bestimmen. Ganz schnell kann diese Hetze umschlagen in aggressive Gewalt. In England und den Niederlanden gab es als Reaktion auf Terroranschläge einzelner bereits Pogrome gegen ganze moslemische Gemeinden. Wir müssen uns, wenn es in Deutschland so weit kommen sollte, zusammen mit den Moslems schützend vor die Moscheen stellen. Das wird eine zentrale Herausforderung an die Linke werden. Seit Jahrtausenden leisten Einwanderer einen unermeßlichen Beitrag zur kulturellen Entwicklung und Vielfalt in Deutschland. Wir alle sind Einwanderer! Wir sind dankbar für die kulturelle Bereicherung durch die moslemischen Kolleginnen und Kollegen und freuen uns auf schöne Moscheen in Köln, Duisburg und anderswo!
Die moslemischen Kolleginnen und Kollegen haben das absolute Recht, sich so zu kleiden wie sie möchten! Sie haben das Recht, auf ein Leben in Frieden und Sicherheit ohne Ausgrenzung! Der Frieden zwischen den Kulturen ist möglich! Wir fordern: Schluss mit der antimoslemischen Hetze!
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Hiermit erklären wir unsere
Solidarität mit den Menschen moslemischen Glaubens in Deutschland!



















