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Überflüssige stören Novartis Tagung PDF Drucken E-Mail
11.10.2007 - bisherige Aufrufe: 1616

Rund 15 Personen haben am Donnerstag im Bildungszentrum der Stadt Nürnberg einen internen Kongress des Pharmakonzerns Novartis besucht, und dabei massiv gestört. Dabei wurden auch im Umfeld Flugblätter verteilt und Parolen gerufen, um auf die Rolle des Konzerns im Patentstreit um Medikamente aufmerksam zu machen.

„Die Überflüssigen“ verteilten zunächst in einigen gerade im Bildungszentrum statt findenden Kursen so wie auf den Gängen Flugblätter, um dann den im größten Saal des Bildungszentrums tagenden Vertreterinnen und Vertretern des Konzerns einen Besuch ab zu statten. Mit Parolen wie „Alles für alle und zwar umsonst – her mit der Gesundheit auch für uns“ stürmten die maskierten Überflüssigen in den Saal, warfen Flugblätter und unterbrachen somit die Veranstaltung. Anschließend verließen die an der Aktion beteiligten Menschen das Bildungszentrum wieder.

Mit der Aktion wollen die „Überflüssigen“ auf den Konzern und seine unmenschlichen Handlungsweisen im Bezug auf die Patentierung von Medikamenten insbesondere in Indien hin weisen. Die Patentregelungen in Indien ermöglichen es, bereits durch kleine Veränderungen patentierte Medikamente nach machen zu können. Dadurch ist Indien eines der wichtigsten Länder für die Versorgung von Entwicklungsländern mit günstigen Arzneipräperaten.
Novartis hatte im vergangenen Jahr eine Klage an gestrebt, um diese Umgehung des Patentschutzes auf zu heben. Dadurch wäre es nicht mehr möglich gewesen billige Produkte mit der gleichen Wirkungsweise qwie teure patentierte Präperate auf den Markt zu bringen. Ein Großteil der Menschen weltweit wäre somit nicht mehr in der Lage auf die billigen Ersatzprodukte zu zu greifen.

Die „Überflüssigen“ kündigten an, in Zukunft mehrere ähnliche Aktionen in Nürnberg machen zu wollen. Denn: „Wir sind die Überflüssigen, wir sind all diejenigen, die in der kapitalistischen Verwertungslogik außen vor bleiben, alle die ausgegrenzt, unterdrückt und vergessen werden. Und wir werden täglich mehr.“

Hier noch der Text des Flugblatts, das die Überflüssigen verteilten...

WIR SIND DIE ÜBERFLÜSSIGEN!

Die Überflüssigen setzen sich, wie viele kämpfende AktivistInnen weltweit, weiße Masken auf. Sie greifen die Barbarei des Kapitalismus an, in der Menschen nicht als Menschen, sondern als gesichtsloser auszubeutender Rohstoff vorkommen.
Die Überflüssigen lassen sich nicht mehr abspeisen mit dem abgeschmackten Versprechen künftiger Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum. Sie sind zuversichtlich, sich diesen Reichtum bald gänzlich anzueignen, denn mit jedem Prozentpunkt Wirtschaftswachstum werden sie mehr. Die Überflüssigen sind diejenigen die im Moment noch unterdrückt sind und unter Ausbeutung zu leiden haben.

Was wollen die Überflüssigen heute hier?

Heute und morgen tagt die Firma Novartis hier im Bildungszentrum der Stadt Nürnberg. Eine Firma wie Novartis sorgt dafür, dass es Überflüssige gibt.

Novartis hatte im vergangenen Jahr gegen ein indisches Gesetz geklagt, auf dessen Basis Patente auf Medikamente, die nur geringfügig weiterentwickelt wurden, abgelehnt werden können.
Indien ist durch seine Patentrechtregelung, die beispielsweise bei nur geringfügig veränderter Wirkstoffzusammensetzung keinen Patentschutz vorsieht, zum wichtigsten Ursprungsland erschwinglicher Medikamente für arme Menschen in Entwicklungsländern geworden. Diese können sich häufig eine Behandlung mit Originalpräparaten nicht leisten, was besonders im Falle von Medikamenten gegen Tuberkulose oder HIV/AIDS schweres Leiden mit sich zieht.
Die Klage wurde am 7. August 2007 glücklicherweise abgewiesen, da sich das indische Gericht für unzuständig erklärte und Novartis an das Schlichtungstribunal der WTO verwies.
Das Vorgehen des Konzerns zog weltweiten Protest und Aktionen nach sich. Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ kritisierten die Novartis; hier in Nürnberg gab es einen Farbanschlag auf den Firmensitz; in der gesamten Lokalpresse wurde daraufhin auf das menschenverachtende Verhalten des Konzerns hingewiesen.
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