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31.10.2007 - bisherige Aufrufe: 3164

1890 - An der Schwelle der Ewigkeit.jpgIm Endstadium des Kapitalismus wird durch die Globalisierung, dass der Kollege hier mit dem angeketteten Kind in Indien konkurrieren muss, die Arbeitshetze ins Unermässliche gesteigert. Die Reallöhne fallen schon seit 1982 und die Arbeitslosenzahlen erklimmen ungeahnte Höhen bei gleichzeitiger Fälschung der Statistik nach unten. Die Arbeitslosen über 58 und der „Bedarfsgemeinschaften werden ganz offen gar nicht mehr dazu gezählt und die Praktikanten sowie 1-€uro-Jobber werden als Beschäftigte gezählt.

Mit der Arbeitslosigkeit wird der Arbeitsdruck bis an die Belastungsgrenze gesteigert und der Lohn bis zum physischen absoluten Minimum gesenkt. Die Kollegen werden mit dem Hinweis auf die Arbeitslosen erpresst. Als Folge der lang andauernden Stressbelastung entwickelt sich das inzwischen zur Volkskrankheit gewordene Burn-Out-Syndrom (BOS). Nach Schätzungen ist von den Krankenschwestern und -pflegern bereits jeder zweite und bei den Lehrern jeder dritte von Burn-Out betroffen. Bei den Lehrern spielt neben der Stundenzahlerhöhung und der Lohnkürzung auch die Klassenvergrößerung eine Rolle, aber hauptsächlich, dass schon 50% aller Schüler verhaltensaufällig (Unkonzentration und Unruhe) sind. Diese Verhaltensauffälligkeit betrifft zum großen Teil wiederum die Arbeiterkinder, weil die Eltern immer mehr zu Zusatzarbeiten gepresst werden und entsprechend weniger Zeit für die Zuwendung mit den Kindern haben.

Bei mittelständischen Familien entsteht auch verschiedentlich eine Verhaltensauffälligkeit bei den Kindern, aber hier mehr durch ein zu viel an Zuwendung, ein Entwicklungszwang und damit eine Entwicklungshemmung. Aber hier wird schon oft frühzeitig mit Therapien aller Art entgegengesteuert. Auch der Manager kann zwar unter dem BOS leiden, einfach weil er von sich selber zu Gunsten der Profitrate zu viel verlangt, aber das wird beim nächsten Yoga-Kurs oder Überlebenstraining wieder weggepackt.

Für den normalen Lohnabhängigen aber scheint es ein Leiden ohne Ende. Die Backwarenverkäuferin blickt ganz bleich und steht mit letzter Kraft auf den Füßen. Der Filialleiter verlangt von ihr Überstunden, Überstunden, Überstunden. Und sie macht, was der Chef will, sie will ja nicht mit Harz IV in die Armut fallen. Die Postschalterbeamtin kann nach 12 Stunden Arbeit und Fahrtzeit nur noch ins Bett fallen. Jetzt wurde noch ein Schalter geschlossen und sie muss neben dem Einschreiben noch Zahnpasta und Schokolade verkaufen. Wenn sie aufwacht, beginnt die Arbeitshetze von neuem.

In dieser Situation entsteht das BOS. Burn-Out ist eine tiefgreifende Störung der Produktion von Stresshormonen, u.a. Cortisol, Adrenalin und von Neurotransmittern, die physiologische Regulation des Hormonhaushaltes ist zusammengebrochen und es entwickelt sich ein andauernder Entzündungszustand. Burn-out ist die Folge lang andauernder und übermäßiger Stressbelastung, ein körperlich-seelisches-geistiges Ausgebranntsein, das den Menschen in seinem innersten Wesen erschüttert und zu seiner Gesundung ein ganzheitliches multimodales Therapiekonzept erfordert. Aber dazu gehört auch die Veränderung der Arbeitssituation und dies ist heute nur noch in den seltesten Fällen möglich. Dies stärkeren Arbeiter versuchen die Überlastung des Gehirns derart hinauszuzögern, indem sie schwächere Kollegen mobben mit dem Ergebnis, dass der Gemobbte klinisch lange krank wird oder gar erwerbsunfähig. Oft sind die Mobber die Chefs selber. Die Hinauszögerung des Burn-out verhindert aber nicht den Zusammenbruch. Erst macht sich das BOS bemerkbar durch Antriebslosigkeit, Erschöpfungszustände, Motivationsverlust, Schwächung des Kurzzeitgedächtnisses, Kopfschmerzen, Migräne, anhaltende Schmerzen in den Bindegeweben (Fibromyalgie), Aufmerksamkeitsverlust, Sprach- und Koordinations-, Schlaf- und Ess-Störungen"

http://www.kath.de/lexikon/praevention_gesundheit/burn_out.php

und zum Schluss kommt der totale Zusammenbruch und die Erwerbsunfähigkeitsrente. Nicht jeder hat die genetischen Vorraussetzungen für das BOS.

„Das Burn-Out-Syndrom als Folge von Stress und Überforderung ist sozial ansteckend und kann ganze Abteilungen und Unternehmen erfassen. Er stelle immer häufiger ein kollektives Burn-Out-Syndrom in Betrieben fest, sagte der Kölner Psychologe Jörg Fengler dem Nachrichtenmagazin «Focus». Als eine Ursache sieht der Professor den erhöhten Druck durch Rationalisierungsmaßnahmen.

Durch den Konformitätsdruck unter Kollegen entwickle sich dann eine negative Grundstimmung. Die Folgen sind laut Fengler weitreichend: Es komme zu Feindseligkeiten und Mobbing in der Gruppe, Leistung und Selbstbewusstsein ließen nach. Einzige Freude der Mitarbeiter sei dann noch, sich sarkastisch über weitere Rückschläge zu freuen, sagte der Psychologe.

Neben einem tiefen Gefühl der Erschöpfung leiden die Patienten häufig unter Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Bluthochdruck, Schwindel oder Muskel- und Rückenschmerzen, aber auch unter erheblichen Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Burn-Out erleiden nach Expertenangaben bevorzugt Menschen, die zum Perfektionismus neigen und sich übermäßig engagieren. Das Syndrom kann in eine schwere Depression münden und sogar zum Suizid führen."

http://de.news.yahoo.com/ap/20071014/tsc-burn-out-syndrom-kann-ganze-firmen-e-95f3e9b_1.html

Man fragt sich, dass die Konzerne doch nicht so blöd sein können, dass sie alle Arbeiter arbeitsunfähig hetzen, und nachher ist niemand mehr da, der die Räder dreht. Richtig, alle Reichen wollen eine gute Gesundheit für die Arbeiter. Nur bei sich im Betrieb muss der Boss die Löhne kürzen und die Stunden heraufsetzen.

Der Kollege, bei dem sich das Burn-Out-Syndrom ankündigt, sollte unbedingt sich in fachliche Beratung begeben. Hier wird er, einzeln oder in der Gruppe es erlernen können, nicht zu viel von sich zu fordern. Aber viel wichtiger ist der Kampf gegen die teuflischen Arbeitsbedingungen. Jeden Kampf gilt es daher zu unterstützen, der den Lohnabhängigen nutzt und dem zerstörerischen Kapital schadet. Die emanzipierenden Streiks wie bei Opel sind die Festtage der Arbeiterklasse und dann wird die Krankheit in der Therapie im Schnelldurchlauf auskuriert werden.

Wir stehen jetzt mit der 2. Phase der Kreditkrise vor einschneidenden Ereignissen. Bisher waren die Verluste im Subprime-Markt (Niedrige Bonität) nur geschätzt. Im Oktober erst wurden in Amerika bei 50 Millionen Schuldnern die Zinsen wegen des knapper werdenden Dollars bei Krediten über 8 Billionen Dollar verdoppelt. Nun erst wird sich die wahre Höhe der Kreditverluste rausstellen. Die Deutsche Bank wird dann statt der bisherigen 2,4 Milliarden abschreiben müssen. Und dann kommt noch die 3. Phase, in der die Private-Equiti-Heuschrecken ihre Schulden über 40 Billionen nicht mehr zurückzahlen können, weil sie sich auch im Subprime Markt verzockt haben, und dann die 4. des totalen Zusammenbruchs und der Hyperinflation. In dieser Situation kommt noch die Verschärfung der blutigen Kämpfe im Nahen Osten hinzu.

So, wie die Alliierten dort die Bevölkerung blutig auslöscht, so lähmen die Herrschenden hier die Massen, die nur noch ihren Untergang tatenlos zuschauen können. Aber mit den kommenden Katastrophen werden die Herrschenden den Bogen so weit überspannen, dass wir solche Kämpfe wie bei Opel oder der GDL jeden Tag bekommen werden. Dann werden die Kollegen nicht mehr schauen, dass sie auch Streikgelder bekommen können, denn die Streikkasse wird alle sein. Dann bindet sie nichts mehr an die Sozialdemokratie und wir werden die Arbeiterfeiertage in Permanenz erleben. Für unsere Burn-Out-Erkrankten Kolleginnen und Kollegen sogar werden diese Feiertage wirken wie 10 Kuren mal 10 Therapien zum Quadrat.

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