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Preiserhöhung bei Lebensmitteln wird Millionen Menschen töten PDF Drucken E-Mail
von Esme Choonara    02.03.2008 - bisherige Aufrufe: 3437

prozenthunger.jpgWährend der Irrsinn der Marktwirtschaft die Armen der Welt bedroht, wirft Esme Choonara einen Blick auf Proteste und Aufstände dagegen.

Weil die Preise für Grundnahrungsmittel rapide ansteigen, müssen Millionen Menschen in der ganzen Welt eine Zukunft voller Unsicherheit, Hunger und Unterernährung befürchten. Die Preise für Mais, Weizen, Sojabohnen und Reis - die Hauptnahrungsmittel der Mehrheit der Weltbevölkerung - haben sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt.

Derzeit sterben etwa 25.000 Menschen täglich an Hunger und Armutskrankheiten. Diese Zahl wird weiter zunehmen, weil die ansteigenden Lebensmittelpreise, die Lebensgrundlage von immer mehr Menschen bedroht.

Anfang Februar berechnete der Internationale Fond für Landwirtschaftsentwicklung, dass „für jeden Prozentpunkt Teuerung bei den Grundnahrungsmitteln, die Anzahl der Menschen ohne gesicherten Zugang zu Lebensmitteln um mehr als 16 Millionen ansteigt. Dies bedeutet, dass bis zum Jahr 2025 etwa 1,2 Milliarden Menschen chronisch hungern könnten."

Das Lebensmittelprogramm der Vereinten Nationen warnte in der vergangenen Woche, dass es wegen der explodierenden Kosten gezwungen sein könnte, Lebensmittelhilfen zu rationieren.

Der wachsende Hunger hat Widerstand in der ganzen Welt provoziert. Letzte Woche gab es Hungeraufstände in Burkina Faso, Marokko und Ägypten. Anfang des Jahres gab es bereits Aufruhr im Senegal und in Mauretanien.


brotgypten.jpgDie steigenden Lebensmittelpreise werden am schmerzhaftesten auf der südlichen Erdhalbkugel gespürt. Sie haben aber auch Auswirkungen auf die Bevölkerung in Europa. Hier trifft der Preisanstieg für Brot, Eier, Milch und andere Grundnahrungsmittel die ärmsten Teile der Bevölkerung am härtesten.

Einige bürgerliche Kommentatoren versuchen, schlechte Ernten für die Preiserhöhungen verantwortlich zu machen. Tatsächlich ist es aber das vom Kapitalismus angerichtete Chaos, das für den Anstieg der Preise verantwortlich ist.

Grundnahrungsmittel unterstehen genauso wie andere Waren den Fluktuationen und den Panikkäufen des globalen Marktes. Steigende Preise erzeugen weitere Ankaufswellen, was die Preise weiter in die Höhe treiben kann. Dies führte dazu, dass die Weizenpreise an einem Tag Ende Februar um 25 Prozent anstiegen.

Zudem gibt es längerfristige Gründe für die steigenden Lebensmittelpreise. Der Wechsel zur Produktion von Biosprit ist ein Beispiel.

In den letzten fünf Jahren gab es einen massiven Umschwung bei der Produktion von Anbaupflanzen, weg von Lebensmitteln und hin zu Biosprit. So wurde beispielsweise in den USA über 40 Millionen Tonnen Mais nicht mehr für Nahrung sondern für die Destillierung von Bioethanol verwendet.

Biotreibstoffe werden als neuer, „grüner" Ersatz für fossile Brennstoffe beworben. Allerdings gibt es zunehmend Beweise dafür, dass die Herstellung und der Verbrauch von Biotreibstoffen der Umwelt immensen Schaden zufügt.

Die neuen Treibstoffe sind jedoch ein extrem lukratives Geschäft. Und der Ansturm, um in der expandierenden Branche zu investieren, hat die Getreidepreise in die Höhe schnellen lassen und hat zudem ausgedehnte Landwirtschaftsgebiete zweckentfremdet.

oaxhunger.jpgDie Auswirkungen der Preiserhöhungen werden flankiert von der wachsenden Dominanz der Agrarindustrie. Diese übersteht Preisschwankungen leicht, weil sie Lebensmittel hortet und Lebensmittelmärkte kontrolliert.

Die obszönste Tatsache am Hunger ist, dass er nicht durch einen Mangel an Lebensmitteln hervorgerufen wird. Wie die britische Financial Times in der letzten Woche schrieb: „Es gibt genug Lebensmittel auf der Welt, um alle Menschen zu ernähren - wenn es den Willen dazu gäbe."

Das Problem ist, dass die Entscheidungen darüber was produziert wird und wie es verteilt wird, in den Händen von kapitalistischen Unternehmen und Regierungen liegt. Die kapitalistische Jagd nach Profiten stürzt Millionen Menschen in Not - und wenn dies nicht gestoppt wird, dann wird das System weitere Millionen von Menschen verhungern lassen.

Lebensmittelstatistiken:

Um 400 Prozent stiegen die Preise für Sommerweizen in den letzten 12 Monaten.

Durchschnittlich stiegen die Lebensmittelpreise um 75 Prozent seit 2005.

Für jeden Prozentpunkt Teuerung bei den Grundnahrungsmitteln steigt die Anzahl der Menschen ohne gesicherten Zugang zu Lebensmitteln um mehr als 16 Millionen.

33 Prozent des in diesem Jahr in den USA geernteten Maises werden für die Produktion von Biosprit benutzt.


Orginalartikel findet sich auf:

 http://www.socialistworker.co.uk/art.php?id=14293

 

 

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