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Die Agonie des Kapitals, Protokolle seiner Todeszuckungen PDF Drucken E-Mail
von Norbert Nelte    17.03.2008 - bisherige Aufrufe: 2004

die-agonie-des-kapitals-pr.jpgVoranstellen will ich zwei Zitate von Rosa Luxemburg:

»Je gewalttätiger das Kapital vermittelst des Militarismus draußen in der Welt wie bei sich daheim mit der Existenz nichtkapitalistischer Schichten aufräumt und die Existenzbedingungen aller arbeitenden Schichten herabdrückt, um so mehr verwandelt sich die Tagesgeschichte der Kapitalakkumulation auf der Weltbühne in eine fortlaufende Kette politischer und sozialer Katastrophen und Konvulsionen, die zusammen mit den periodischen wirtschaftlichen Katastrophen in Gestalt der Krisen die Fortsetzung der Akkumulation zur Unmöglichkeit, die Rebellion der internationalen Arbeiterklasse gegen die Kapitalsherrschaft zur Notwendigkeit machen werden, selbst ehe sie noch ökonomisch auf ihre natürliche selbstgeschaffene Schranke gestoßen ist.«

Rosa Luxemburg: „Die Akkumulation des Kapitals", S. 410,

32. Kapitel: Der Militarismus auf dem Gebiet der Kapitalakkumulation

»Der Imperialismus ist ebensosehr eine geschichtliche Methode der Existenzverlängerung des Kapitals, wie das sicherste Mittel, dessen Existenz auf kürzestem Wege objektiv ein Ziel zu setzen. Damit ist nicht gesagt, dass dieser Endpunkt pedantisch erreicht werden muss. Schon die Tendenz zu diesem Endziel der kapitalistischen Entwicklung äußert sich in Formen, die die Schlussphase des Kapitalismus zu einer Periode der Katastrophen gestalten.«.

Rosa Luxemburg: „ Antikritik", S. 361

 

Vgl. auch Rosa Luxemburg: Zum Schema der Erweiterten Reproduktion von K. Marx

Das Ende

Rosa Luxemburg hat in ihrem Buch „Die Akkumulation des Kapitals" auf der Grundlage des Wertgesetzes von Marx sehr schlüssig nachgewiesen, dass der Kapitalismus an die Grenzen des Marktes recht unsanft stoßen wird. Karl Marx dagegen ging in der Frage der erweiterten Reproduktion von einem ausgeglichen Markt aus und sah das Ende des Kapitalismus mit dem tendenziellen Fall der Profitrate nur als ein langsames Einschlummern.

Die marxistische Wissenschaft hat Rosas Thesen bisher - außer Tony Cliff - nicht ernsthaft untersucht, weil ihr einige unbedeutenden rechnerischen Fehler unterlaufen sind. Der wesentliche Hinderungsgrund ist aber ihre Behauptung, dass der Überschuss im Konsumsektor nicht in den Produktionsmittelsektor übertragen werden könne und damit suggeriert, dass der Kapitalismus von Anfang an nicht lebensfähig hätte sein können. Jeder hat aber gesehen, dass er 100 Jahre lang munter prosperierte. Damit verlor man außer Cliff auch ihren grundsätzlichen Gedankengang von der Verengung der Märkte aus dem Auge. In der Tat führt diese Verengung auch zu einem schnelleren Fall der Profitrate. Die zunehmende Binnenmarktschwäche wird von einem zusätzlichen Export kompensiert, der nur mit weiteren Rabatten erkauft wird. Lange vor dem Ende des Kapitalismus wird es zu den von ihr beschriebenen Katastrophen kommen, wir stehen schon mitten drin und sie stehen uns bis zu den Fußknöchel.

Wenn der Investitionsgütersektor weltweit schneller sinken wird als die Löhne, ergibt sich ein Überschuss im Produktionsmittelsektor I, der nicht mehr in den Konsumsektor II übertragen werden kann. Mit der Überschreitung dieses Points of no Return würde es ziemlich schnell zu einer Erodierung der Weltwirtschaft kommen. Zu dem ganzen Unheil kommt jetzt auch noch hinzu, dass China bereits angefangen hat, den Weltwirtschaftsmotor USA in der Weltherrschaftsrolle abzulösen.

Der Wirtschaftstätigkeit im Kapitalismus würde nach dem Point of no Return schlagartig zum Erliegen kommen und auf nur von den lokalen Behörden gedrucktem Notgeld oder Lebensmittelmarken zurückfallen und letztlich vor der Gesetzlosigkeit weichen, wenn nicht die Weltarbeiterklasse vorher die planvolle solidarische Produktion in Angriff nehmen und die versagenden Kapitalisten in die Wüste schicken würde. Aber da der Kapitalismus, wie 1918, nicht an seinem Anfang steht, sondern an seinem Ende, werden die Kollegen diesmal auch diesen Produktionswechsel schaffen können, dessen können wir gewiss sein. Eine planvolle Produktion können nur die Lohnabhängigen demokratisch und kollektiv selber durchführen. Das kann kein Manager oder Bürokrat stellvertretend, da diese immer wieder in die ruinöse Konkurrenzpolitik zurückfallen werden, sei es in Konkurrenz zwischen den Betrieben oder der zwischen den Staaten. Also: Alle Macht den basisdemokratischen Arbeiterräten.

exporte._g-ch._250.gifWir haben mit dem Buch „Rosa Luxemburg, die Grenzen des Marktes, und die Todeszuckungen des Kapitalismus!" versucht nachzuweisen, dass in der Frage eines katastrophalen Endes der Marktes Rosa Luxemburg doch Recht hatte mit der unsanften Landung der Marktwirtschaft und ihrer Agonie als „fortlaufende Kette politischer und sozialer Katastrophen und Konvulsionen". Die imperialistischen Länder können den überschüssigen Mehrwert des Konsummittelsektors kaum mehr im Produktionsmittelsektor und immer weniger im Ausland investieren. Das letzte große bisher nichtkapitalisierte Land China exportiert inzwischen fünfmal mehr nach Amerika als umgekehrt, hat Deutschland als Exportweltmeister Mitte 2007 abgelöst und tritt auch ab End e 2007 gegenüber Deutschland in eine Exportüberschussphase (siehe Grafik). Aufgrund dieser weiteren Marktverengung wird die Aggressivität der imperialistischen Staaten wirtschaftlich mit mehr Schutzzöllen und militärisch mit stärkerer Aufrüstung verschärft.

Mit den südkoreanischen Betrieben verlassen die ersten wieder das Billiglohnland in Richtung Nordvietnam, Thailand oder Indonesien. Die Löhne der Angestellten, die Rohstoffe und die Steuern sind den südkoreanischen Managern einfach schon zu hoch geworden, aber sie hatten auch nicht nur im Billiglohnbereich dort investiert. Wenn dieses Beispiel Schule macht, wird sich die Kette der Katastrophen noch einmal verschärfen. Nachdem die südasiatischen kleinen Staaten vom ausländischen Investitionskapital im Sauseschritt durchschritten wurden, wird wohl im Imperialismus die Phase eintreten, in der die Investitionsgüter weltweit schneller sinken werden als die Löhne. Der Point of no Return würde dann, falls bis dahin die Bourgeoise noch an der Macht wäre, zu einer Erodierung der kapitalistischen Wirtschaft führen.

in_euro_anlegen_-_werbungdollareuro_mit_text._250.jpgDie Kette der Katastrophen wurde mit dem gewaltigsten Kunstwerk der Vorgeschichte der Menschheit, mit der Inszenierung am 11.9.2001 eingeläutet. Seither stehen wir in permamenten vier Kriegen (Afghanistan, Irak, Somalia und Gaza), an die die meisten Menschen sich schon mit einer großen Geduld gewöhnt haben. Der Ölpreis ist von damals 20 Dollar auf über 105 das Fass gestiegen und das Peak-Oil (Fördermaximum) wurde überschritten Die Gesamtverschuldung der Vereinigten Staaten stieg auf 50% des Weltvermögens von 86.000.000.000.000 Dollar. Dies hat die Banken und Schuldner in eine tiefe Krise gestürzt. Die steigenden Lebensmittelpreise (Burkina Faso 65%, Deu tschland auch schon 7,7%) haben bereits in Afrika zu Hungeraufständen mit weit über 100 Toten geführt. Der Dollar fiel in 12 Monaten um 20% schon auf 63 Eurocent (17.3.08 - Dollar für 1 €uro: 14.3. = 1,55$, 15.3. = 1,56$, 16.3. = 1,57$, 17.3. = 1,58$) und in Detroit kostet ein Haus in ehemals gutbürgerlicher Wohngegend 65 €uro. In den vereinigten Staaten herrscht schon eine Rezessflation (Rezession und Inflation). In allen Staaten der Welt werden massiv die Bürgerrechte abgebaut und alle Soldaten immer mehr in die Kriege hineingezogen. In Mexiko wird den Staatsbeamten für die Überwachung ein Chip tragen.

Der für die Nahostkriege zuständige Admiral Fuller ist zum 31.3. zurückgetreten worden. Er hatte sich immer gegen den Iran-Krieg ausgesprochen. Zum 31.1. läuft auch das Geschäftsjahr der Banken ab. Dann werden sie ihre Karten offen legen müssen, wie viele Milliarden Dollar von faulen Krediten sie weiter abschreiben mussten. Die Amerikaner ertrugen eine Krise immer dann bereitwilliger, wenn der Staat im Krieg gestanden hat und vorher eine Kriegsbegründungsinszenierung unter falscher Flagge produzierte. Wenn diese Fakten mal kein böses Omen sind.

luxemburg_a_-_nelte_250.jpgDas alles mag genügen für den Beweis von Rosas These. Wir legen mit dieser Schrift mehrere Aufsätze vor, die wir in der Linken Zeitung veröffentlichten und die die beschriebene Sintflut der Katastrophen im Detail beschreiben.

 

Norbert Nelte

15. März 2008

http://www.marktende.de/

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Vgl. auch Rosa Luxemburg: Zum Schema der Erweiterten Reproduktion von K. Marx

 

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