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1. Für Fürsten und Lamas
Inmitten blutgetränkter Landschaften religiöser Konflikte gibt es die Erfahrung von innerem Frieden und Trost, die jede Religion verspricht; keine mehr als der Buddhismus. Im Gegensatz zum intoleranten Rigorismus anderer Religionen ist der Buddhismus weder fanatisch noch dogmatisch - so sagen seine Anhänger. Für viele von ihnen ist der Buddhismus weniger eine Religion, sondern mehr eine meditative und Selbsterfahrung vermittelnde Disziplin, deren Ziel die Erreichung innerer Harmonie und Erleuchtung ist und uns so auf den Pfad des richtigen Lebens führt. Generell ist der spirituelle Focus nicht auf das eigene Wohlergehen gerichtet, sondern auf das anderer Lebewesen. Man versucht, egoistische Ziele hintanzustellen und ein tieferes Verständnis der eigenen Verbindung zu allen Menschen und Dingen zu erlangen. „Sozial engagierter Buddhismus“ versucht, die individuelle Befreiung mit verantwortungsvollem sozialen Aktivitäten zu verbinden um eine erleuchtete Gesellschaft zu schaffen.
Ein Blick auf die Geschichte jedoch zeigt, daß nicht alle Spielarten des Buddhismus frei waren von dogmatischem Fanatismus, nicht frei waren von Gewalttätigkeiten und Ausbeutung wie sie für andere Religionen charakteristisch sind. In Sri Lanka gibt es die legendäre und fast für heilig erachtete Geschichte triumphaler Schlachten der buddhistischen Könige von Yore. Im 20. Jahrhundert bekriegten sich Buddhisten untereinander und führten Krieg gegen Nicht-Buddhisten in Thailand, Burma, Korea, Japan, Indien und in anderen Ländern. In Sri Lanka haben bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen buddhistischen Sinhalesen und hinduistischen Tamilen viele Menschenleben auf beiden Seiten gekostet 1998 listete das US-Außenministerium 30 der am meisten gewalttätigen und gefährlichen Extremistengruppen auf. Über die Hälfte von ihnen waren religiöse Gruppen, insbesondere moslemische, jüdische und buddhistische 1
In Südkorea bekämpften sich 1998 tausende buddhistischer Mönche gegenseitig mit Fäusten, Steinen, Molotow-Cocktails und
Keulen in heftigen Straßenschlachten, die wochenlang andauerten. Sie
konkurrierten um die Kontrolle ihres Ordens, des größten in Südkorea,
die Kontrolle über ein jährliches Budget von 9,2 Millionen Dollar,
Besitztümer im Wert vieler Millionen und die Verfügungsgewalt über den
Einsatz von 1700 Mönchen in verschiedenen Einrichtungen. Die
Schlägereien beschädigten die zentralen buddhistischen Heiligtümer und
hinterließen dutzende, teilweise schwer verletzte Mönche. Die
koreanische Öffentlichkeit schien beide Fraktionen zu verachten und
hatte den Eindruck, daß egal welche Seite die Kontrolle errang, „die
Spenden der Gläubigen für luxuriöse Häuser und teure Autos verwendet
werden würden“. 2
Wie
bei anderen Religionen vermengen sich Auseinandersetzungen zwischen
buddhistischen Sekten oft mit materieller Korruption und persönlichen
Schwächen der Führungen.
In Nagano, Japan, brach im Zenkoji, dem wichtigsten Tempelkomplex, der
seit 1400 Jahren buddhistische Sekten beherbergt, „eine hässliche
Schlacht“ aus zwischen dem ersten Priester Komatsu und den Tacchu,
einer Gruppe von Tempeloffiziellen. Letztere beschuldigten Komatsu, er
verkaufe altes Schrifttum und alte Malereien auf eigene Rechnung. Sie
waren auch aufgebracht darüber, daß er zu
oft in weiblicher Begleitung zu sehen war. Komatsu versuchte im
Gegenzug kritische Mönchen zu isolieren und zu bestrafen. Der Konflikt
dauerte mehr als fünf Jahre und beschäftigte die Gerichte. 3
Wie verhält es sich nun mit dem tibetischen Buddhismus ? Stellt er
nicht eine Ausnahme dar ? Und wie verhält es sich zu der Gesellschaft,
die der Buddhismus schaffen möchte ? Viele Buddhisten glauben, daß das
alte Tibet vor den chinesischen Unterdrückungsmaßnahmen 1959 ein
spirituell ausgerichtetes Königreich war, das frei war von egoistischer
Lebensführung, frei war von Materialismus sowie vom Laster der
Korruption, das in westlichen Gesellschaften verbreitet ist. Westliche
Medien, Reiseberichte, Novellen und Hollywoodfilme zeigten der
Öffentlichkeit die tibetische Theokratie als ein veritables Shangri-La.
Der Dalai Lama erklärte, „dass
der fortwährende Einfluß des Buddhismus“ in Tibet, „inmitten den Weiten
einer unberührten Natur eine Gesellschaft schuf, die sich dem Frieden
und der Harmonie verschrieb. Wir genossen Frieden und Zufriedenheit“ 4
Die
Beschäftigung mit Tibets Geschichte offenbart uns ein etwas anderes
Bild. „Religiöse Konflikte waren an der Tagesordnung im alten Tibet“
schreibt ein westlicher Buddhist. „Die Geschichte glaubt das Shangri-La
Image der tibetischen Lamas und ihrer Anhänger, die in wechselseitiger
Toleranz gewaltfrei zusammenleben. In Wirklichkeit war die Situation
völlig anders. Das alte Tibet ähnelte sehr viel mehr dem Europa der
Gegenreformation mit ihren Religionskriegen. 5
Im 13. Jahrhundert setze Kaiseer Kublai Khan den ersten Großlama ein,
der allen anderen Lamas vorgesetzt war wie der Papst den Bischöfen.
Jahrhunderte später entsandte der Kaiser von China eine Armee nach
Tibet, um den Großlama, einen 25-jährigen ehrgeizigen Mann, zu
unterstützen, der sich dann den Titel Dalai (Ocean) Lama gab, Herrscher
von ganz Tibet. Hier besteht eine historische Ironie: der erste Dalai
Lama wurde durch die chinesische Armee an die Macht gebracht.
Seine
beiden voran gegangenen „Inkarnationen“ wurden dann im Nachhinein als
seine Vorgänger ausgegeben, sodaß auf diese Weise der 1. Dalai Lama zum
3. wurde. Dieser 1. oder 3. Dalai Lama belagerte Klöster, die nicht zu
seiner Sekte gehörten und man sagt ihm nach, daß er buddhistische
Schriften verbrennen ließ, die nicht die Meinung seiner Seite
wiedergaben. Der Dalai Lama, der ihm nachfolgte, führte ein
lustbetontes Leben, erfreute sich an Mätressen, Gelagen mit Freunden
und verhielt sich auf andere Weise nicht so wie es einer inkarnierten
Gottheit zustand. Wegen solcher Übertretungen wurde er von Priestern
ermordet. Innerhalb von 170 Jahren
wurden fünf Dalai Lamas von ihren hohen Priestern oder anderen
Höflingen trotz ihres Status einer göttlichen Inkarnation ermordet. 6
Seit hunderten von Jahren sind konkurrierende tibetische buddhistische
Sekten in gewalttätige Auseinandersetzungen engagiert mit unzähligen
Exekutionen. Im Jahre 1660 gab es eine Rebellion gegen den 5. Dalai
Lama in der Tsang-Province, die die Hochburg der rivalisierenden
Kagyusekte mit ihrem Karmapa genannten Oberlama. Der 5. Dalai Lama rief
nach harter Vergeltung gegen die Rebellen und beauftragte die
mongolische Armee, die männlichen und weiblichen Linien und ihre
Nachkommen auszuradieren „wie man Eier gegen Felsen wirft….kurz, jede Spur von ihnen, sogar ihre Namen zu vernichten“ 7
In
1792 wurden viele Kagyuklöster konfisziert und ihre Mönche gewaltsam
gezwungen, zur Gelugsekte zu konvertieren (die Sekte des Dalai Lamas).
Die Gelugschule, bekannt auch als die „Gelbhüte“, legten wenig Toleranz
oder Bereitschaft an den Tag, ihre Lehren mit
anderen buddhistischen Sekten zu vermischen. In den Worten eines ihrer
traditionellen Gebete: „Lob dir, gewaltsamer Gott der Lehren des gelben
Hutes, der du zu Staub machst große Herren, Beamte und gemeine
Menschen, die die Gelug-Doktrine beschmutzen und verändern“ 8 Ein
Tagebuch eines tibetischen Generals aus dem 18. Jahrhundert belegt
Sektenkämpfe unter Buddhisten, die so brutal und blutig verliefen wie
religiöse Konflikte nur sein können. 9 Diese grausige Geschichte wird von den heutigen Anhängern des tibetischen Buddhismus im Westen ausgeblendet.
Religionen hatten nicht nur eine enge Beziehung zu Gewalttätigkeiten
sondern auch zu ökonomischer Ausbeutung. Tatsächlich ist es oft die
ökonomische Ausbeutung, die die Gewalttätigkeiten bedingt. So verhielt
es sich bei der tibetischen Theokratie. Bis
1959, als der Dalai Lama immer noch Tibet vorstand, befand sich fast
das ganze bewirtschaftbare Land in Großgrundbesitz, auf dem Leibeigene
arbeiteten. Diese Güter standen im Besitz von zwei Gruppen: reiche
säkulare Fürsten und reiche theokratische Lamas. Sogar ein Autor, der
mit der alten Ordnung sympathisiert
muß zugeben, daß „ein großer Teil des Grundbesitzes des Klöstern
gehörte und die meisten großen Reichtum anhäuften“. Ein großer Teil des
Reichtums wurde angehäuft „durch aktive Teilhabe an Handel, Wirtschaft
und Geldverleih“. 10
Das Drepungkloster war einer der größten Landbesitzer der Welt mit
seinen 185 Herrensitzen, 25000 Leibeigenen, 300 großen Weidegebieten
und 16000 Viehtreibern. Der Reichtum der Klöster konzentrierte sich in
den Händen einer kleinen Zahl hochrangiger Lamas. Die meisten
gewöhnlichen Mönche lebten bescheiden und hatten keinen direkten Zugang
zu größerem Wohlstand. Der Dalai Lama selbst lebte luxuriös im
Potala-Palast mit seinen 1000 Zimmern auf 14 Etagen.“ 11
Säkularen
Führern ging es auch gut. Ein Beispiel ist der Chef der tibetischen
Armee, ein Mitglied des Kabinetts des Dalai Lama, dem 4000
Quadatkilometer gehörten mit 3500 Leibeigenen. 12 Das
alte Tibet wurde von einigen westlichen Bewunderern falsch
charakterisiert als „eine Nation, die keine Polizeikräfte benötigte,
weil das Volk freiwillig die Gesetze der Lamas befolgte“ 13
Tatsächlich hatte Tibet eine professionelle
Armee. Diese war relativ klein und fungierte als eine Gendarmerie für
die Landlords, um Ordnung zu bewahren, ihr Eigentum zu beschützen und
Jagd zu machen auf entlaufene Leibeigene.
Tibetische
Jungen wurden regulär ihren Eltern auf dem Lande genommen, in die
Klöster gebracht und dort zu Mönchen ausgebildet. Einmal dort waren sie
für ihr Leben gebunden. Tashi-Tsering, ein Mönch, berichtet, daß es
normal war, daß Bauernkinder in den Klöstern sexuell missbraucht
wurden. Er selbst war ein Opfer wiederholter Vergewaltigungen beginnend
im Alter von 9 Jahren. 14 Die klösterlichen Dömänen dienten auch zur
Aushebung von Kindern zur lebenslangen Dienerschaft, Tänzern und
Soldaten.
Im alten Tibet gab es eine kleine Anzahl von Bauern, die eine Art
freien Bauernstand darstellten sowie vielleicht 10000 Menschen, die die
„Mittelklasse“ ausmachten,
Familien von Kaufleuten, Inhaber kleiner Geschäfte und kleine Händler.
Tausense andere waren Bettler. Es gab auch Sklaven, die normalerweise
als Hausdiener gehalten wurden und keinerlei Lohn erhielten. Ihre
Kinder wurden ebenfalls in die Sklaverei geboren. 15 Die Mehrzahl der ländlichen Bevölkerung waren Leibeigene.
Sie wurden etwas besser behandelt als Sklaven, es gab für sie keinerlei
Schulbildung und medizinische Versorgung. Sie hatten die lebenslange
Verpflichtung auf dem Land des Fürsten oder Klosters ohne Bezahlung zu
arbeiten, die Häuser der Herren zu reparieren, ihre Waren zu
transportieren und Feuerholz für sie zu sammeln. Sie mußten auch Tiere hüten und bei Bedarf transportieren. 16 Ihre
Herren wiesen sie an, was angebaut werden sollte und welche Tiere
gezüchtet werden sollten. Sie durften nicht ohne Zustimmung ihres Herrn
oder Lamas heiraten. Sie konnten ohne weiteres von ihrem Familien
getrennt werden, wenn ihr Besitzer sie zur Arbeit zu einem entfernten
Ort schickte. 17
Wie in einem System freier Arbeit und im Gegensatz zur Sklaverei hatten
die Herren keinerlei Verantwortung für ihre Leibeigenen und kein
direktes Interesse daran, daß sie oder er überlebten als ein teurer
Teil ihres Besitztums. Die Leibeigenen hatten sich selbst zu versorgen.
Aber wie in der Sklaverei waren
sie an ihren Herrn gebunden, um ihm einen fixen und permanenten Fluß
von Arbeitskraft zu garantieren. Die Leibeigenen konnten sich nicht
organisieren oder streiken, besaßen keine Freizügigkeit wie in einem
Marktzusammenhang. Die Herren genossen die Vorteile beider Systeme.
Eine 22-jährige Frau, eine entkommene Leibeigene, berichtet: „Nette
Leibeigenenmädchen werden vom Herrn gerne als Hausbedienstete genommen
und nach Belieben benutzt“. Sie „wurden wie Sklaven gehalten ohne
Rechte“ 18 Leibeigene
benötigten eine Erlaubnis, wenn sie irgendwohin gehen wollten. Die
Landbesitzer hatten das Recht diejenigen einzufangen, die versuchten zu
fliehen. Ein 24-jähriger Entkommener begrüßte die chinesische
Intervention als „Befreiung“. Er stellte fest, daß
er unter dem System der Leibeigenschaft ständigen Qualen, Hunger und
Kälte ausgesetzt gewesen sei. Nach seinem dritten erfolglosen
Fluchtversuch sei er gnadenlos von den Männern des Landlords geschlagen
worden bis Blut aus Nase und Mund geflossen sei. Dann gossen sie
Alkohol und Natronlauge in seine Wunden, um seine Schmerzen zu
vergrößern, sagte er. 19
Den Leibeigenen wurden Steuern abverlangt
für eine Heirat, für jedes Kind und für jeden Todesfall in der Familie.
Steuern waren fällig für jedes religiöses Fest und für öffentliches
Tanzen und Trommeln, dafür ins Gefängnis zu kommen und dafür
aus diesem entlassen zu werden. Wer keine Arbeit fand wurde für
Arbeitslosigkeit besteuert und für eine Fahrt in ein anderes Dorf auf
der Suche nach Arbeit wurde eine Wegesteuer verlangt. Wenn jemand eine
Steuer nicht zahlen konnte lieh das Kloster ihm das Geld zum Zinssatz
von 20 bis 50%. Manche Schulden wurden vom Vater an den Sohn und weiter
an den Enkel vererbt. Schuldner, die ihren Verpflichtungen nicht
nachkommen konnten riskierten, in die Sklaverei verkauft zu werden. 20
Die religiösen Unterweisungen der Theokratie waren ein Eckpfeiler ihrer
Klassenherrschaft. Den Armen und Leidgequälten wurde gesagt, daß
sie an ihren Problemen selber Schuld seien wegen ihrer Verfehlungen in
vergangenen Leben. Sie hatten das Elend ihres gegenwärtigen Lebens als
karmische Sühne zu akzeptieren in der Erwartung einer Verbesserung
ihres Loses in einem nächsten Leben. Die Reichen und Mächtigen sahen
ihr gutes Schicksal als Belohnung an und als unbezweifelbaren Beweis
für ihr tugendhaftes vergangenes und gegenwärtiges Leben.
Die tibetischen Leibeigenen waren mehr als abergläubische Opfer, waren
blind gegenüber ihrer eigenen Unterdrückung. Wie wir gesehen haben sind
einige geflohen, andere rebellierten offen und erlitten manchmal die
schrecklichen Konsequenzen. Im feudalen Tibet waren Folter und Verstümmelung - einschließlich
dem Ausstechen der Augen, dem Abschneiden der Zunge, das Durchschneiden
der Achillessehne und Amputation von Gliedmaßen - beliebte
Strafmaßnahmen gegenüber Dieben und entlaufenen Leibeigenen. Auf einer
Reise durch Tibet im Jahre 1960 interviewten Stuart und Roma Gelder
einen ehemaligen Leibeigenen, Tsereh Wang Tuei, der zwei Schafe
gestohlen hatte, die einem Kloster gehörten. Zur Strafe waren ihm beide
Augen ausgestochen worden und seine Hände verstümmelt worden. Er führt
aus, daß er nicht mehr Buddhist sei: „Wenn ein heiliger Lama angeordnet
hat, mich zu erblinden dachte ich, daß
diese Religion nichts Gutes an sich hat.“ 21 Da es gegen die
buddhistische Lehre war, menschliches Leben zu zerstören, wurden
Delinquenten fest angebunden und dann „Gott überlassen“ um in der
kalten Nacht zu erfrieren. „Die Parallelen zwischen Tibet und dem
mittelalterlichen Europa sind frappierend“, stellt Tom Grünfeld in
seinem Buch über Tibet fest. 22
Im Jahre 1959 besuchte Anna Louise Strong eine Ausstellung über
Folterwerkzeuge, die von tibetischen Landlords benutzt wurden. Man sah dort
Handschellen aller Größen inclusive von kleinen für Kinder ferner
Instrumente zum Ausstechen der Augen, solche zum Brechen der Hände und
zum Zerschneiden der Achillessehnen. Es gab Brandzeichen, Peitschen und
spezielle Geräte zum Aufschlitzen des Bauches. Die Ausstellung
präsentierte Fotographien und Zeugenaussagen von Opfern, die geblendet
oder verstümmelt worden waren wegen Diebstahl. Da gab es den Schäfer,
dessen Herr ihm eine Entschädigung schuldete in Yuan und Weizen, sich
aber weigerte zu zahlen. Als er sich darauf eine Kuh seines Herrn nahm
wurden ihm die Hände
abgehackt. Einem anderen Hirten wurden die Hände gebrochen, weil er
sich darüber beschwert hatte, daß sein Herr ihm seine Frau weggenommen
hatte. Man sah Bilder von kommunistischen Aktivisten mit
abgeschnittenen Nasen und Oberlippen und von einer Frau, der nach ihrer
Vergewaltigung die Nase abgeschnitten wurde. 23
Frühere Besucher Tibets beschrieben den theokratischen Despotismus.
1895 schrieb der Engländer Dr. A.L. Waddell, daß die Bevölkerung der
„intoleranten Tyrannei der Mönche“ ausgesetzt sei, die mit dem von
ihnen erzeugten dämönischen Aberglauben die Menschen terrorisieren.
10o4 bezeichnete Perceval Landon die Herrschaft des Dalai Lama als
„eine Maschine der Unterdrückung“. Zu dieser Zeit beschrieb ein anderer
englischer Reisende, Hauptmann W.F.T. O´Connor, daß „die großen
Landbesitzer und die Priester….jeder in seinem eigenen
Herrschaftsbereich ein despotisches Regime ausübten, gegen das es keine
Gegenwehr gibt“, während die Menschen
„unterdrückt werden von einer zu monströser Größe angewachsenen Mönchs–
und Priesterkaste“. Die tibetischen Herrscher erfanden entwürdigende
Legenden und ein Klima des Aberglaubens“ unter den einfachen Leuten.
1937 schrieb ein weiterer Besucher, Spencer Chapman: „Der lamaistische
Mönch verbringt seine Zeit nicht damit, den Menschen
zu dienen oder sie zu unterrichten…..Der Bettler am Straßenrand
bedeutet dem Mönch nichts. Bildung ist das eifersüchtig bewahrte
Vorrecht der Klöster und wird dazu benutzt, ihren Einfluß und ihren
Wohlstand auszuweiten und zu mehren.“ 24
So sehr wir es uns auch anders wünschen mögen, das feudale
theokratische Tibet war weit davon entfernt ein romantisches Shangri La
zu sein, als das es von den westlichen Adepten des Buddhismus
enthusiastisch hingestellt wird.
http://www.michaelparenti.org/Tibet.html
Anmerkungen:
- Mark Juergensmeyer, Terror in the Mind of God, (University of California Press, 2000), 6, 112-113, 157.
- Kyong-Hwa Seok, "Korean Monk Gangs Battle for Temple Turf," San Francisco Examiner, 3 December 1998.
- Los Angeles Times, February 25, 2006.
- Dalai Lama quoted in Donald Lopez Jr., Prisoners of Shangri-La: Tibetan Buddhism and the West (Chicago and London: Chicago University Press, 1998), 205.
- Erik D. Curren, Buddha's Not Smiling: Uncovering Corruption at the Heart of Tibetan Buddhism Today (Alaya Press 2005), 41.
- Stuart Gelder and Roma Gelder, The Timely Rain: Travels in New Tibet (Monthly Review Press, 1964), 119, 123; and Melvyn C. Goldstein, The Snow Lion and the Dragon: China, Tibet, and the Dalai Lama (University of California Press, 1995), 6-16.
- Curren, Buddha's Not Smiling, 50.
- Stephen Bachelor, "Letting Daylight into Magic: The Life and Times of Dorje Shugden," Tricycle: The Buddhist Review,
7, Spring 1998. Bachelor discusses the sectarian fanaticism and
doctrinal clashes that ill fit the Western portrait of Buddhism as a
non-dogmatic and tolerant tradition.
- Dhoring Tenzin Paljor, Autobiography, cited in Curren, Buddha's Not Smiling, 8.
- Pradyumna P. Karan, The Changing Face of Tibet: The Impact of Chinese Communist Ideology on the Landscape (Lexington, Kentucky: University Press of Kentucky, 1976), 64.
- See Gary Wilson's report in Worker's World, 6 February 1997.
- Gelder and Gelder, The Timely Rain, 62 and 174.
- As skeptically noted by Lopez, Prisoners of Shangri-La, 9.
- Melvyn Goldstein, William Siebenschuh, and Tashì-Tsering, The Struggle for Modern Tibet: The Autobiography of Tashì-Tsering (Armonk, N.Y.: M.E. Sharpe, 1997).
- Gelder and Gelder, The Timely Rain, 110.
- Melvyn C. Goldstein, A History of Modern Tibet 1913-1951 (Berkeley: University of California Press, 1989), 5 and passim.
- Anna Louise Strong, Tibetan Interviews (Peking: New World Press, 1959), 15, 19-21, 24.
- Quoted in Strong, Tibetan Interviews, 25.
- Strong, Tibetan Interviews, 31.
- Gelder and Gelder, The Timely Rain, 175-176; and Strong, Tibetan Interviews, 25-26.
- Gelder and Gelder, The Timely Rain, 113.
- A. Tom Grunfeld, The Making of Modern Tibet rev. ed. (Armonk, N.Y. and London: 1996), 9 and 7-33 for a general discussion of feudal Tibet; see also Felix Greene, A Curtain of Ignorance (Garden City, N.Y.: Doubleday, 1961), 241-249; Goldstein, A History of Modern Tibet, 3-5; and Lopez, Prisoners of Shangri-La, passim.
- Strong, Tibetan Interviews, 91-96.
- Waddell, Landon, O'Connor, and Chapman are quoted in Gelder and Gelder, The Timely Rain, 123-125.
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