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Soja-Konflikt in Argentinien PDF Drucken E-Mail
von Prensa de Frente - http://de.indymedia.org    03.04.2008 - bisherige Aufrufe: 1767

Image Hunderttausende blockierten während der vergangenen Woche die Strassen Argentiniens um gegen die Erhöhung der Exportsteuern auf Soja und Getreide zu protestieren. Präsidentin Christina Kirchner will indessen unter keinen Umständen auf die zerstörerische Massnahme verzichten.

Die Proteste halten daher weiter an... Die argentinische Präsidentin Christina Kirchner beharrt auf der Erhöhung der Exportsteuern auf Soja und Getreide und verweigert den Dialog mit der betroffenen Landbevölkerung, unbeeindruckt von den Protesten und Cacerolleras (Schlagen auf Kochtöpfe um wirtschaftlichen Mangel und drohende Not zu artikulieren) von Hundertausenden von Bauern/Campesin@s, die während der vergangenen Woche überall im Land Strassen blockiert haben. Am Freitag hat es auch in der Hauptstadt Buenos Aires massive Demonstrationen gegeben. Den Bauernverbänden angeschlossen sind andere Teile der sozialen Bewegungen und StudentInnen, die gemeinsam und lautstark anprangerten - und dies laut Ankündigung noch bis mindestens heute weiterhin tun werden -, dass sie diese Politik für ungerecht und als eine Bedrohung für die Existenz der Kleinbauern,-und Bäuerinnen sowie für die Nahrunsmittelsouveränität ansehen.

In dem Disput zwischen der Landbevölkerung und der Regierung über diese Steuererhöhung treten jedoch auch andere Akteure als die üblichen der öffentliche Bühne in Erscheinung. Es sind die Verwaltzer der Bezirke und die Gouverneure, die darüber debattieren ob sie die ländlichen Massnahmen oder die Regierung unterstützen sollen.  Sie stehen dabei vor einer für sie nicht unbedingt einfachen Wahl, denn so oder so werden sie selbst die Unterstützung eines der beiden Bereiche verlieren, auf dem sich ihre Führung gründet. Ungeachtet der Tatsache, dass den ProduzentInnen auf dem Land ein gewichtiger Teil der wirtschaftlichen Entwicklung Argentiniens während der letzten Jahre zu verdanken ist, haben sich daher bereits manche Gouverneure unmissverständlich auf die Seite von Präsidentin Kirchner gestellt. So etwa der Gouverneur von Entre Ríos, Urribarri, der deshalb zum Ziel von Protesten und harter Kritik geworden ist. "Anstatt sich bewusst zu werden, dass von der Provinz Gelder an die nationale Regierung gehen, von denen nichts zurückkehrt und dass dies zur Verarmung im eigenen Land führt, lässt er sich an der Seite von Cristina Kirchner ablichten", so einer der, bezeichnenden, Vorwürfe. (In spanischer Sprache steht dazu Näheres auf dem "blog de Convergencia Socialista":
 http://www.noticiastroskas.blogspot.com)

ES IST DIE NAHRUNGSMITTELUNABHÄNGIGKEITT, DIE AUF DEM SPIELSTEHT

Worum es konkret in dem Soja-Konflikt geht, ist wohl am prägnantesten von der Nationalen Bauern,- und Indigena Bewegung/Movimiento Nacional Campesino Indígena (MNCI) zusammengefasst. In ihr sind Organisationen aus sieben Provinzen vereint. Die 15.000 (15 mil) nahrungsmittelproduzierenden Familien der MNCI bilden und unterhalten seit Jahren solidarische Handelsnetze. Trotzdem waren die bislang häufigsten Antworten von Regierungsseite Bulldozer und Repressivkräfte, um Vertreibungen durchzusetzen, und sind es auch unter Kirchner.

Der Sprecher der Bauernbewegung von Santiago del Estero (MOCASE Vía Campesina), Ángel Strapazzón äusserte ausserdem die Befürchtung, dass die aktuellen Diskurse andere Probleme, die ohnehin von niemanden hinterfragt würden, wie etwa der Tagbau im Minensektor und die Gewinnspannen der Agroexporteure, verdecken könnten.

Ein solcher Diskurs erfolgte seitens Präsidentin Kirchner, die sagte "dass nicht im gesamten ländlichen Raum Soja ausgesät werden dürfe". Dies wurde übersetzt in ein prinzipielles Zugeständnis an den Anbau und dass es deshalb notwendig ist, eine Variante zu vereinbaren. Dass Kirchner sich nicht dialogbereit zeigt, bestätigt den Vorwurf an ihre Regierung, "bis jetzt im Bereich der Nahrungsmittelproduktion ein Agrargeschäft zu betreiben". Denn ganz entgegen der Behauptung, dass der Sojaanbau den ländlichen Raum nicht überschwemmen würde, wurde der Lebensmittelsektor praktisch zur Gänze in die Hände von Spekulanten gelegt, die im Verlauf der letzen 50 Jahre damit Big Buisness betrieben haben. "Die Nahrungssicherung des Volkes aber darf nicht den grossen Handels,-und Produktionsketten ausgeliefert werden", so die Führung der Bauernverbände.

DAS ANDERE MODELL - FORDERUNGEN DER CAMPESIN@S

Angesichts dieser bedrohlichen Lage fordert die Nationale Bauern,- und Indigena Bewegung, MNCI, die Diskussion über ein anderes Agrarmodell eben nicht seitens der Grossgrundbesitzer und Unternehmen, sondern von einem Zusammenschluss aller Agrarsektoren, die eine Alternative gegen die Bevorteiligung der Monokulturen und des "freien" Marktes entwickeln sollen. Es geht der Bewegung darum zu verhindern, dass das Land gelähmt und ein Modell der Ausplünderung der Erde fortgesetzt wird. Dazu will die MNCI "eine Neudefinierung der Entwicklungsstrategien in Funktion der Landwirtschaft der indigenen Bauern/Bäuerinnen und KleinlandwirtInnen, die auf ihrem Grund leben, der LandarbeiterInnen".

Bei dieser Strategie müssen nach Ansicht der Betroffenen die Hauptakteure die Bauern,-und Indigenagemeinden sein, welche Mittel per Kredite und Subventionen erhalten sollen, um tiefgreifende Verbesserungen ihrer Infrastrukturen im Bereich der Produktion und der sozialen Dienste auf dem Land vornehmen zu können. Diese Mittel sollen auch dazu dienen, die Verteibung von bäuerlichen Familien zu stoppen und die Neuverteilung von Grund und Boden sowie die Wiederbesiedelung des ländlichen Raums zu planen. Auf diese Weise soll die Produktion gesunder Nahrungsmittel für die Bevölkerung garantiert werden und eine Zentralisierung der Exportsteuern in der Regierung stattfinden, um die Preisentwicklung innerhalb Argentiniens zu regulieren und die Einnahmen gerecht an die Bevölkerung zu verteilen.

SCHUTZ DER WÄLDER

Die korrekte Umsetzung des Gesetzes zum Schutz und der Nutzung der Wälder, ist ein weiterer fundamentaler Schritt, den die genannten Organisationen erreichen wollen.

Das Gedeihen des Sojaanbaus geschieht indem andere Kulturen zurückgedrängt werden, was das Basisangebot (an Nahrungsmitteln) verringert und die Preise beeinflusst.
Während die Soja eine Existenzgrundlage erst ab 500 ha garantiert, werden durch die Landwirtschaft der Campesin@s 35 reelle Arbeitsplätze pro 100 ha geschaffen. Darüberhinaus wird durch sie die Vielfalt der Produkte garantiert, die Versorgung der lokalen Märkte, die Entwicklung und der Schutz der kulturellen Idendität sowie eine inovative Nutzung der natürlichen Ressourcen.

SCHWERE VORWÜRFE

Die MNCI bringt ausser fundierten Forderungen ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck, wie es möglich sein kann, dass Nahrungsmittel, Milch, Getreide etc. weggeworfen werden, während Tausende Hunger leiden.

Die Grossgrundbesitzer, die behaupten, das Land zu verteidigen, verteidigen in Wahrheit das Sojaanbaumodell und Monsanto. Deshalb wird Transparenz gefordert im Hinblick auf die Verwendung der Steuererhöhungen; darauf, ob diese den KleinlandwirtInnen und Indigenas zugute kommen.

Angeprangert werden die Agrarunternehmen SRA, CRA, FAA und CONINAGRO, die sich dem Sojaanbau verschrieben haben und dafür Wälder zerstört, Bauern,-und Indigenagemeinden zwangsgeräumt sowie Böden und Wasser verschmutzt haben und einen Preisanstieg der Nahrungsmittel auf dem Binnenmarkt verursachten. Währendessen sind die Gemeinden ständig weiter von Killern und Bulldozern bedroht, die dieser "Politik auf dem Land" entsprechen.

Das unter dem Menemismus begonnene Sojaanbaumodell bedeutet eine "grüne Wüste" und die Vertreibung von zahllosen Familien aus dem ländlichen Raum. Es gibt so gut wie keine auf die bäuerlichen und indigenen Gemeinden ausgerichtete Politik... Sojaanbau ist nur rentabel bei einer Fläche von 500 ha. Die grosse Mehrzahl der KleinproduzentInnen, die über weniger als diese verfügen, verkaufen ihr Land zu Schleuderpreisen an irgendeinen Grosspruduzenten. Im Gegensatz zu den kleinen Pächtern können die Grossproduzenten die Exportsteuern problemlos leisten. Die KleinlandwirtInnen werden in dieser Situation auch von der Argentinischen Agrarföderation (FAA) im Stich gelassen, die sich bereits in den 90ger Jahren in Schweigen gehüllt hatte, als 300.000 (300 mil) KleinproduzentInnen aus dem ländlichen Raum vertrieben worden waren.
-----------
Diese Darstellung der Lage ist zusammengefasst aus dem Statement des Operativen Sekretariats der Bauern,- und Indigenabewegung/Secretaría operativa - Movimiento Nacional Campesino Indígena, die betont, "dass es unabdingbar ist, den Weg der Nahrungsmittelunabhängigkeit zu gehen und dass dieser niemals kompatibel ist, mit transgenetischen Monokulturen und dem "freien" Markt". (Buenos Aires, 26.03.2008)

Mit der MNCI kann Kontakt aufgenommen werden über Telefon: 0261-15-5615062 / 03843-15-456493 / 0351-15-6853946

Quelleartikel:  http://www.prensadefrente.org/pdfb2/index.php/a/2008/03/28/p3575

Zusammenfassende Übersetzung:tierr@
www.tierra.bloggospace
(work-irgendwann-in progress)

Ein paar Links zur Erinnerung an den Widerstand in Argentinien:

Argentinien: Staat im Koma - Gesellschaft in Bewegung
Selbstorganisierung und alternative Ökonomien gegen die Krise
 http://arranca.nadir.org/artikel.php3?nr=26&id=213

QUE SE VAYAN TODOS 1 & 2/ Auszüge
 http://de.indymedia.org/2003/12/70426.shtml
 http://de.indymedia.org//2003/11/68313.shtml

QUE SE VAYAN TODOS (Sie sollen alle verschwinden) - ist ein Buch, dass von Menschen geschrieben wurde, die an den Aufständen 2001 in Argentinien direkt Teil genommen haben und in beeindruckender Weise schildern, wie das Empfinden damals war und was alles passierte:
"QUE SE VAYAN TODOS"
Krise und Widerstand in Argentinien
Colectivo Situaciones
Assoziation A
  Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können
ISBN 3-935936-19-2

Dokumentarfilm über die im Dezember 2001 besetzte Textilfabrik Brukman in Buenos Aires,  http://www.ila-web.de/kulturszene/307besetzt.htm

Bildband er Compañeros der besetzten Drudckerei Chilavert:
 http://www.ila-web.de/artikel/ila308/argentinien.htm


http://de.indymedia.org/2008/04/212240.shtml
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