Solidaritätserklärung des ägyptischen Zentrums für Studien zum Sozialismus
Einleitung von Linkezeitung: Die Arbeiterproteste in Ägypten gegen explodierende Lebensmittelpreise und die Diktatur von Hosni Mubarak gehen weiter. Gestern,am Mittwoch, den 9.4.2008 versammelten sich etwa 2000 wütende Demonstranten vor zwei Polizeistationen in der Stadt Mahalla al-Kobra. Dort verlangten sie die Freilassung von Hunderten Gefangenen, die bei Protesten gegen die Lebensmittel-Preisschübe verhaftet worden waren. Bei diesen Protesten starben vier Menschen und es gab Hunderte Verletzte. Dutzende Polizeifahrzeuge verbrannten. Augenzeugen vor Ort sprechen von einer Intifada, einem Aufstand, gegen Mubarak und seine Bande.
Der US-amerikanische Journalist James Buck wurde ebenfalls verhaftet. Seine Fotoserie zu den Protesten in Mahalla kann unter folgendem Link angeschaut werden:
http://flickr.com/photos/jameskarlbuck/
Alles Fotos in diesem Bericht außer dem obersten Foto sind seiner Bilderserie entnommen.
Ein Interview mit den ägyptischen Sozialisten Hossam el-Hamalawy und Rabab el-Mahdi kann unter dem folgenden Link in englischer Sprache angehört werden:
http://www.kpfa.org/archives/index.php?arch=25725
Die Linkezeitung dokumentiert die Solidaritätsadresse des ägyptischen Zentrums für Studien zum Sozialismus:
Angesichts der jüngsten Ereignisse in Ägypten, ruft das Zentrum für Studien zum Sozialismus die Unterstützer von Freiheit und Gerechtigkeit in aller Welt auf, Solidarität mit den Opfern der Unterdrückung durch das Regime von Hosni Mubarak zu zeigen.
Unterstützer sollten Druck auf die ägyptische Diktatur ausüben, die mehr als 800 Menschen freizulassen, welche gestern verhaftet wurden. Unter den Verhafteten befinden sich mehr als 150 politische Aktivisten (Sozialisten, Liberale und Islamisten), mehr als 600 Menschen aus Mahalla (hauptsächlich Frauen und Kinder) sowie die Führer des Mahalla-Streikkomitees Kamal El-Faioumy and Tarek Amin. Diese müssen ernsthafte Anklagen wegen Agitation befürchten, die zu langjährigen Haftstrafen führen könnten.
Vor dem Hintergrund des Streiks am 6. April in der Textilfabrik Mahalla entschieden sich verschiedene politische Kräfte, den Streik durch gleichzeitige symbolische Arbeitsniederlegungen und friedliche Proteste zu unterstützen.
Allerdings antwortete das Mubarak-Regime mit der Besetzung des Mahalla-Betriebskomplex durch Sicherheitskräften und der Entführung der Streikkomitee-Führer Kamal El-Faioumy und Tarek Amin. Zudem wurden politische Aktivisten aller politischen Tendenzen in Kairo und anderen Städten verhaftet. Weil es den Sicherheitskräften nicht gelang, den darauf folgenden Protest zu unterdrücken, verwendeten sie Gummigeschosse, Tränengas und normale Munition, gegen die Menschen von Mahalla. Sie töteten mindestens vier Personen, unter ihnen einen neunjährigen Jungen, und verletzten Hunderte.
Als Teil dieses Kampfes, ruft das Zentrum für Studien zum Sozialismus Aktivisten und Unterstützer von Freiheit und Gerechtigkeit überall in der Welt dazu auf, unseren Kampf zu unterstützen. Der inspirierende Kampf der ägyptischen Arbeiterklasse während der vergangenen 18 Monate gipfelte in den Massenprotesten dieses Monats. Das Mubarak-Regime hat zutiefst verängstigt reagiert. Die Ereignisse haben unser Vertrauen darin bestätigt, dass der Arbeiterklasse im Kampf zur Befreiung von Diktatur und Ausbeutung in Ägypten die zentrale Rolle zukommt.
Wir rufen Euch dazu auf, die Nachrichten über die Unterdrückung und Brutalität des Mubarak-Regimes zu verbreiten. Wir rufen Euch auf, Kundgebungen und Proteste vor den ägyptischen Botschaften zu organisieren und Protestbriefe an das Regime zu richten.
Lang lebe der Kampf der Arbeiterklasse!
Stets aktuelle Informationen zum Klassenkampf in Ägypten gibt es hier:
http://arabist.net/arabawy/
Bilder:
1. Protest gegen Mubarak
2. Familie wartet vor dem Gefängnis auf den sechsjährigen Sohn
3. Grossdemo in Mahalla
4. Junge, soeben aus der Untersuchungshaft entlassen.
Der Fotograf berichtet, dass der Junge völlig erschüttert war.
5. "Wo ist mein Sohn", ruft diese Mutter.
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