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Belfast: Gemeinsamer Streik macht stark und überwindet Barrieren des Hasses PDF Drucken E-Mail
von Francis Byrne    06.05.2006 - bisherige Aufrufe: 1642

wilderstreik.jpgNach einem 18-tägigen wilden Streik vom 31. Januar bis zum 17. Februar 2006 errangen mehr als 800 Arbeiter der Post im nordirischen Belfast einen historischen Sieg.

Der Streik begann in einem vorwiegend protestantischen Postamt mit 300 Arbeitern, die sich gegen die zunehmende Schikane des Managements wehrten. Kranke wurden drangsaliert und abgemahnt, und Arbeitern, die sich gegen den zunehmenden Druck wehrten, drohte man mit Entlassung. Die Arbeiter formulierten als eine Forderung, dass ein unabhängiger Ausschuss eingesetzt werden soll, um den Arbeitsdruck zu überprüfen.

Die Arbeiter aus dem vorwiegend katholischen Postamt im benachbarten Stadtteil hatten die gleichen Erfahrungen des Drucks von oben gemacht und traten wenige Tage später ebenfalls in den Ausstand.

 
Erstmals seit den 30er Jahren führte der Streik Arbeiter aus der katholischen und protestantischen Bevölkerung zusammen. Nach 14 Tagen Streik organisierten die Streikenden eine Demonstration, die symbolisch von der katholischen Falls Road – dem Zentrum der republikanischen Nordiren  – zur Shankhill Road – dem Zentrum der protestantischen Nordiren führte. Am Straßenrand versammelten sich Menschen und applaudierten der 3.000-köpfigen Demonstration. Bei dieser Gelegenheit überreichten Delegationen von Postlern aus dem Süden Irlands und aus England insgesamt etwa € 150.000 Spenden für die Streikkasse und erklärten ihre Solidarität.

Postarbeiter in anderen Städten Grossbritanniens – wie Glasgow, Edinburgh, Liverpool, Newcastle, Preston und Leeds solidarisierten sich mit dem Streik und weigerten sich, Post aus Belfast weiterzuleiten.  

Der nordirische Sozialist Eamonn McCann, der schon in der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre aktiv war, sagte auf dem Podium: „Dieser Streik ist für illegal erklärt worden. Das ist aber eine Ausrede für die Leute, die sich hinter dem Gesetz verstecken wollen. Das Recht, den Arbeitsplatz zu verlassen, ist nämlich der Unterschied zwischen einem Arbeiter und einem Sklaven.“

Ein Streikender, der in der CWU, der Communication Workers Union – Gewerkschaft organisiert ist, sagte der britischen Zeitung Socialist Worker:  

„Wir haben zusammen um unsere Würde gekämpft.

Royal Mail, die britische Post, hat unseren zentralen Forderungen komplett nachgegeben. Wir haben gegen die Schikane gekämpft und dagegen, dass einige von uns als Sündenböcke herausgepickt wurden. Und wir haben unsere Schlüsselforderung nach einer unabhängigen Prüfkommission zu den Zuständen auf den Ämtern erreicht.  
Wir haben auch die Garantie erhalten, dass diejenigen, die mitgestreikt haben, nicht als Sündenböcke herausgepickt werden.

Unser Streik hielt etwa sieben Millionen Briefe auf. Das hat unsere Kraft gezeigt. Aber wir hätten diesen Kampf nicht ohne die Unterstützung unserer Kollegen, unserer Nachbarn, Freunde und Familien gewinnen können.
wilderstreik1.jpg
Wir hätten auch nicht gewinnen können, wäre es uns nicht gelungen, eine unglaubliche Einheit zwischen Katholiken und Protestanten zu schaffen. In 20 Jahren werden die Leute sich vielleicht nicht mehr an die Details des Streiks erinnern, aber man wird sich an die Einheit zwischen den Kollegen erinnern.   Es gab drei Schlüsselmomente während des Streiks. Als erstes sind wir aus den Postämtern marschiert. Zuerst aus einem hauptsächlich protestantischen Amt, dann verliessen die Kollegen des katholischen Amtes ebenfalls die Arbeitsplätze. Den zweiten Moment bildete der Marsch von Shankhill zur katholischen Falls Road. Etwas ähnliches gab es seit mehr als 70 Jahren hier nicht.

Wir werden nie vergessen, dass wir dort demonstriert haben, wo wir bisher nicht mal einen Fuß hingesetzt hatten.

Alle arbeitenden Leute am Straßenrand haben uns unterstützt. Aus einem Kampf für die Rechte von Postarbeitern wurde plötzlich ein Symbol für etwas viel Wichtigeres. Dies hat uns in besonders schwierigen Momenten des Kampfes sehr geholfen.

Der dritte Moment war die große Demonstration in der Stadtmitte. Wir fühlten uns, als wäre die siebte Kavallerie erschienen.

Es kamen Postler aus England, Schottland und Wales, die uns Unterstützung und Geld brachten. Wir wussten dann, dass wir nicht alleine waren und nicht Hunger leiden mussten.

Das Management versuchte, uns zu diffamieren. Sie schickten sogar nachts Leute, um unsere Delegierten unter Druck zu setzten. Sie sagten, dass man sie persönlich für die Ausfälle haftbar machen würde. Dass wir diese Hindernisse überwunden haben, machte den Sieg für uns noch süßer.

Unser Streik wurde durch Demokratie und Offenheit lebendig gehalten. Die Streikenden wussten immer über alles Bescheid, und es gab regelmäßige Treffen, bei denen jeder sagen konnte, was ihm wichtig war.

Unser 18-tägiger Kampf rüttelte Royal Mail ziemlich durch und hat Maßstäbe für die Zukunft gesetzt.“

von Francis Byrne

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