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Ölpreisschock, Peak Oil und Imperialismus PDF Drucken E-Mail
von Francis Byrne    25.05.2008 - bisherige Aufrufe: 2918

peakoilwiki1.jpgDer Ölpreis steigt derzeit fast täglich auf neue Rekordhöhen. So machte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Leichtölsorte WTI am 22.5.2008 sogar einen Satz von 130 Dollar auf 135 Dollar. In den letzten 12 Monaten hat sich der Preis für Erdöl verdoppelt. Kostete das Öl 2001 noch um die 26 Dollar pro Barrel, stieg der Preis Ende 2007 auf 95 Dollar. Auch in diesem Jahr geht der Anstieg des Ölpreises weiter und brach Mitte Mai an acht aufeinanderfolgenden Handelstagen neue Rekorde.
Die Börsen-Zeitung vom 23.5.2008 schreibt:

„Als Auslöser gelten vor allem Versorgungsängste und die Dollarschwäche. So hatten am Mittwoch Lagerdaten aus den USA für Unruhe gesorgt: Die Bestände an Rohöl und Benzin waren im Vergleich zur Vorwoche zurückgegangen, während Analysten mit einer Zunahme gerechnet hatten. Für Verunsicherung sorgte auch ein Bericht des "Wall Street Journal", wonach die Internationale Energieagentur (IEA) demnächst ihre Angebotsprognose drastisch kürzen würde."

Zwar spielen Faktoren wie Spekulation, allgemeine Inflationstendenzen, Kriege und Bürgerkriege wie in Irak oder Nigeria eine Rolle beim rasant ansteigenden Ölpreis. Doch wesentlich für den unaufhaltsamen Preisanstieg ist das Überschreiten des weltweiten Fördermaximums, Peak Oil (siehe Wikipedia), genannt. Die Peak Oil Theorie basiert auf Förderdaten und Statistiken. Diese Theorie geht davon aus, dass für jedes Ölfeld, für jede Ölregion aber auch für die Weltförderung insgesamt ein Fördermaximum erreicht wird. Visuell dargestellt wird dies in einer Art Glockenkurve (Siehe Grafk rechts aus Wikipedia - hier klicken um zu einer großen Darstellung zu gelangen) an der man erkennen kann, dass sich die Produktion am Anfang der Förderung sehr rasch steigern lässt. Das Öl steht Anfangs oft unter starkem Druck und schießt wie von selbst aus dem Boden. Nach dem Überschreiten des Fördermaximums, des „Oil Peaks", wird es zunehmend schwerer, logistisch aufwendiger und teurer, das Öl zu fördern. Aufwendiger deshalb, weil oft Wasser in die Ölkammern gepresst werden muss, damit das restliche Öl verdrängt wird oder das Öl muss sehr aufwendig vom Ölsandschlick getrennt werden.

Diese Theorie geht also nicht davon aus, dass es plötzlich und abrupt zu einem Ende der Ölförderung kommen wird, sondern dass das Öl tendenziell knapper und erheblich teurer werden wird. Der Zeitpunkt der beginnenden Verknappung ist wahrscheinlich erreicht.

Spiegel-Online schreibt am 21.5.2008 dazu: „Der Welt geht die Energie aus: Laut einer Studie ist die globale Förderung rückläufig, die Konzerne finden kaum noch verwertbare Ressourcen, und noch nie war Öl so teuer wie heute. Gleichzeitig wächst die Nachfrage rasant - Rohstoffhändler wetten auf eine regelrechte Preisexplosion.

Dramatischer könnte die Warnung nicht sein: "Die weltweite Ölförderung hat das Fördermaximum mit großer Wahrscheinlichkeit bereits überschritten." Aufgestellt hat diese Behauptung nicht irgendjemand, sondern hochkarätige Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, darunter auch Vertreter der Deutschen Bank und der deutschen Tankstellenbranche. Die Fachleute haben sich in der Energy Watch Group zusammengeschlossen, einer unabhängigen Organisation, die regelmäßig Forschungsarbeiten zum internationalen Ölmarkt erstellt."

Viele einzelne Länder haben ihr Ölfördermaximum schon überschritten (Siehe Grafk aus Wikipedia): Die USA bereits 1970, Kanada 1974, Großbritannien 1999, Norwegen 2001, Mexiko 2004, Nigeria 2005 und Russland wohl 2007. Experten gehen davon aus, dass das weltgrößte Ölförderland Saudi Arabien bereits 2005 sein Fördermaximum überschritten hat. Die Peak Oil Theoretiker gehen davon aus, dass auch die Weltproduktion insgesamt etwa 2005/2006 das Gesamtfördermaximum erreicht hat (Siehe Grafik aus Wikipedia - hier klicken, um zu einer größeren Darstellung zu gelangen).

peakoilwiki3.jpg

Spiegel online:

„So geht die Energy Watch Group davon aus, dass das weltweite Fördermaximum bereits im Jahr 2006 mit 81 Millionen Barrel pro Tag erreicht worden ist. Seitdem geht die Produktion zurück, im Jahr 2020 soll sie bei nur noch 58 Millionen Barrel liegen. Damit korrigieren die Experten bisher gängige Prognosen massiv nach unten."

Zwar werden neue Ölfelder nach wie vor gefunden, aber sie sind vom Umfang her kleiner und aufwendiger auszubeuten und können den Förderrückgang nicht mehr ausgleichen.

Die Ölkrise der 70 Jahre war eine politische Krise (begleitet von Ölfördermaximum in den USA). Der weltgrößte Konsument von Erdöl, die USA, musste sich andere Quellen - insbesondere im Nahen Osten - erschließen. Die arabischen Förderstaaten drehten über die Fördermenge an der Preisschraube, um finanziell und politisch - trotz der gewaltigen militärischen Bedrohung - so viel wie möglich für sich rauszuschlagen. Zudem war es der Versuch der Mehrheit der OPEC-Staaten, Ägypten und Syrien im Krieg gegen Israel zu unterstützen. Diese Länder versuchten 1973 die Halbinsel Sinai und die Golanhöhen von Israel zurückzuerobern. Aus politischen Gründen wurde die Fördermenge um etwa 5 Prozent gedrosselt, was einen rasanten Preisanstieg von drei auf zwölf Dollar zur Folge hatte.

Die gegenwärtige Ölkrise ist aber eine geologische Krise; selbstverständlich mit immensen politischen Dimensionen. Wir vom Anti Kriegs Komitee Kein Blut für Öl haben schon im Jahre 2001 auf die Auswirkungen des damals noch nicht erreichten Fördermaximums auf das imperialistische Machtgefüge hingewiesen (Hierbei war besonders Norbert Nelte die treibende Kraft). Wir gingen bereits im Jahre 2001 davon aus, dass der Westen Afghanistan aus zwei Gründen überfallen und besetzt hat: Einerseits ging es dem Westen unter der Leitung der USA darum, eine bereits mit den Taliban vereinbarte, dann aber von diesen abgesagte Ölpipeline von den teilweise noch unerschlossenen Ölquellen im Kaspischen Meer zu erzwingen, ohne dass eine solche Pipeline durch Gebiete von strategischen Feinden wie Iran oder Russland verlaufen müsste. Andererseits versuchte und versucht der Westen eine strategische Militärbasis im Mittleren Osten insbesondere als Stützpunkt für den ökonomisch schnell aufholenden Konkurrenten China aufzubauen.
Der Angriff der USA und ihrer verbündeten westlichen Truppen auf den Irak dient dazu, sich direkt wichtiger und seit Jahrzehnten brachliegender Ölquellen zu bemächtigen. In allen genannten Fällen geht es um die Sicherstellung der Vormachtstellung des Westens bzw. der USA.

logo_mit_rot_negativ_mini.jpgWiederholt äußerten Kritiker unseres Standpunktes, dass die Parole „Kein Blut für Öl" zu kurz greifen würde. Wir argumentierten aber stets, dass es falsch sei, davon auszugehen, dass die Kriege gegen die ölreichen Länder im Mittleren Osten geführt würden, um den Ölpreis niedrig zu halten oder die Gewinne der Ölfirmen zu steigern. Das mag für die imperialistischen Strategen ein willkommener zusätzlicher Teilaspekt sein. Wesentlich für die Aggression des Westens ist aber der Versuch, so viel Ölressourcen wie möglich direkt zu kontrollieren, um bei knapper werdenden Vorräten die eigene Wirtschaft und die eigene Kriegsmaschinerie im Gang zu halten und die Konkurrenten auf dem Weltmark mit dem Öl erpressen zu können.

Die Epoche der Verknappung scheint nun angebrochen. Es droht, dass sich die Kriege um den Zugriff auf das Öl rasant beschleunigen. Auch Deutschland, Frankreich, zusätzlich die EU aber auch insbesondere China haben Programme aufgelegt, um sich weltweit Zugriff auf Ressourcen, insbesondere einen Teil des Erdöls zu sichern - auch militärisch. Denn nur wer Verfügungsgewalt über das zunehmend knapper und teurer werdende Öl hat, wird im imperialistischen Wettlauf nicht untergehen. Das ist das Kalkül der Imperialisten.

Nur wer genug Treibstoff für seine Schnellboote, Kampfflugzeuge, Kampfhubschrauber, Interkontinentalraketen und das ganze andere mörderische Zeugs hat, kann im imperialistischen Poker mitspielen. Das „Große Spiel" wurde der blutige Konkurrenzkampf der imperialen Mächte um Afghanistan in der Vergangenheit genannt. Seit Jahren tobt das „Große Spiel" wieder, nur ein Spiel ist es nicht.Immer wieder hat die USA in den letzten Jahren gedroht, eins der wichtigsten Ölförderländer - den Iran - anzugreifen. Ein solcher Angriff könnte leicht einen Weltbrand entzünden. Nun berichtet die Zeitung American Chronicle, dass Bush in den nächsten Wochen nicht weniger als sechs Flugzeugträgerverbände gegen den Iran schicken wird. Die Entsendung einer solchen Armada kann nur als erster Akt in einem neuen Krieg gedeutet werden.

Abschließend ist festzustellen, dass der steigende Ölpreis für die gegenwärtige Krise des kapitalistischen Systems eine erhebliche zusätzliche Belastung ist. Zudem gibt das Überschreiten des Fördermaximums den destruktiven und kriegerischen Tendenzen noch stärkere Kraft. Doch Krieg, kapitalistische Krise und Hunger ruft bereits in vielen Ländern den kämpferischen Widerstand der Massen hervor.

Francis Byrne
Internationale Sozialisten im Netzwerk Linke Opposition

 

francis.byrne(ät)netcologne.de

Weitere Informationen zu Peak Oil:

http://de.wikipedia.org/wiki/Peak-Oil


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