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Globale Revolten gegen Hunger! PDF Drucken E-Mail
von Nina Gunic - www.sozialistische-revolution.org)    19.06.2008 - bisherige Aufrufe: 2121

spekulant.jpgVor noch nicht einmal einem halben Jahr litten weltweit etwa 854 Millionen Menschen an Hunger. Inzwischen ist diese Zahl explosionsartig nach oben geschnellt und dabei ist noch lange kein Ende in Sicht! Offensichtlicher als jemals zuvor zeigt sich die verbrecherische Unfähigkeit des Kapitalismus, die gesamte Menschheit auch nur mit dem Notwendigsten zu versorgen geschweige denn sie in Wohlstand leben zu lassen.

Allein seit Jahresanfang ist der weltweite Preis für eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel, Reis, durchschnittlich um mehr als 80% gestiegen. Diverse Gebiete sind sogar von Steigerungen um die 200% betroffen. Doch nicht nur das Grundlebensmittel Reis ist für Milliarden von Menschen kaum mehr erschwinglich. Getreidesorten, Mais, Öl und in Folge auch Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukten gehören für viele schon zum Luxus.

Während in Europa durchschnittlich 13 % eines Gehaltes für Lebensmittel ausgegeben wird, gehen in Halbkolonien inzwischen knapp 90% des Lohns für die Grundversorgung drauf. In Ägypten stehen vor allem Frauen bis in den Nachmittag hinein Schlange an den staatlichen Bäckereien. Tonnen der staatlich subventionierten Mehlvorräte, die den Ärmsten im Tausch zu Rabattmarken als Brot ausgegeben werden, verschwinden und werden zum hundertfachen Preis am Schwarzmarkt weiterverkauft. Doch auch in anderen Teilen der Welt ist das Überleben nicht mehr leistbar. So hat sich in Bangladesh der Reispreis allein in einer Woche verdoppelt! Inzwischen entsprechen 2 Kilo Reis, dem einzigen festen Nahrungsmittel der verarmten ArbeiterInnen, dem halben Einkommen einer armen Familie. Das notwendige Maß allerdings, um nicht an Hunger zu leiden, beläuft sich für eine durchschnittliche Familie auf mindestens drei Kilo Reis täglich. Doch Bangladesh ist verhältnismäßig günstig! Zur gleichen Zeit ist in Kambodscha der Preis für ein Kilo Reis auf einen Dollar geklettert, während das durchschnittliche Tageseinkommen bei einem halben Dollar liegt.

Binnen weniger Monate sind inzwischen in mehr als 30 Ländern weltweit Hungeraufstände an der Tagesordnung. Die Antwort auf die Hungerkatastrophe zeigen Kleinbauern, aber vor allem ArbeiterInnen und Jugendlichen in Massenprotesten und Generalstreiks bis hin zum Sturz von Regierungen!

Der Motor der Revolten - ArbeiterInnen und Kleinbauern

Im ägyptischen Textilzentrum Mahalla Al-Kobra haben tausende ArbeiterInnen gestreikt, trotz des landesweiten Streikverbotes. Zivilpolizisten wurden daraufhin von den UnternehmerInnen eingeschleust, um die ArbeiterInnen zur Arbeit zu zwingen. TextilarbeiterInnen sind auch in Bangladesh zu Zehntausenden auf die Straße gegangen, um gegen die unmenschlichen Lebensbedingungen anzukämpfen. Eine besonders führende Rolle spielen bei den weltweiten Protesten die Jugendlichen und Frauen. So sind in der Elfenbeinküste Frauen aus diversen Armenvierteln organisiert zusammengekommen und haben in Abidjan, einem der reichsten Bezirke, die dort lebenden KapitalistInnen an den Pranger gestellt. Während Kleinbauern hauptsächlich Boykottaktionen starten, treten die Lohnabhängigen in Generalstreiks und liefern sich Straßenkämpfe mit der Polizei.

In Haiti gingen die Revolten soweit, daß die Regierung zurücktreten mußte, nachdem es den ArbeiterInnen und Jugendlichen sogar gelungen war den Präsidentenpalast zu stürmen.

Während es somit die armen Kleinbauern auf dem Land, die ArbeiterInnen und Jugendlichen in den Städten sind, die gegen die Verantwortlichen der Hungerkatastrophe auf die Straße gehen, versuchen sich die KapitalistInnen zu verstecken oder sogar noch mehr Profite rauszuholen. In Vietnam haben Großhändler ihre Vorräte angehäuft, in der Hoffnung wegen der weiteren Preissteigerungen bald um ein Vielfaches mehr Profit machen zu können. Was für ein bezeichnendes Beispiel für den profitgeilen Egoismus von KapitalistInnen! Millionen Hungern und einige wenige versuchen sich sogar noch weiter auf dem Rücken dieser zu bereichern. Dabei sind es die KapitalistInnen selber, die Schuld tragen an der weltweiten Katastrophe!

Lebensmittelspekulation - Spielen mit der Grundversorgung von Milliarden Menschen

Da Spekulationen mit Immobilienkrediten in den USA einen Einbruch an den weltweiten Börsen verursacht haben, steckten Großanleger ihre Investitionen statt dessen in Getreideaktien. Dies ließ die Preise explodieren, zumal immer mehr Getreide und Mais für das angeblich umweltfreundlichere Bioethanol angebaut werden.

Als würde es nicht ausreichen, daß sich KapitalistInnen an Profiten bereichern, die wir erarbeiten, daß sie fleißig Steuern hinterziehen und uns aber als Steuerzahler für ihre verspekulierten Verluste bluten lassen:Jetzt spielen sie sogar leichtfertig mit dem Leben von mehr als einer Milliarde Menschen auf der Börse! Während auch wir immer tiefer in die Tasche greifen müssen fürs tägliche Leben, sichern sie ihren Reichtum auf ausländischen Bankkonten und versuchen, wie das Beispiel Vietnam beweist, sogar noch offen Profit aus der Hungerkatastrophe zu schlagen! Nur wenn wir -

ArbeiterInnen und Jugendliche - unsere Welt zurückerkämpfen und die Macht diesen einigen wenigen selbstgefälligen HerrscherInnen entziehen, läßt sich ein Massensterben verhindern!

Wir fordern deswegen:

  • Sofortige Preisstopp für alle Lebensmittel!

 

  • Anhebung der Löhne weltweit an die gestiegenen Lebenshaltungskosten!

 

  • Sofortiger Einsatz von Preiskontrollkomitees, die von ArbeiterInnen gewählt werden und die Einhaltung von stabilen (Lebensmittel-, Rohstoff-, Wohnungs-, etc.) Preisen überwachen!
  • Ende aller Handelsverträge, die die Versorgung der Menschen in den Halbkolonien verhindern oder erschweren!
  • Schließung aller Börsen! Finanzierung der Schadensbehebung durch hohe Besteuerung auf Profite!
  • Enteignung der Großgrundbesitzer und KapitalistInnen durch die ArbeiterInnen und Kleinbauern und Planung der weltweiten Versorgung durch die ArbeiterInnenklasse!




Von Nina Gunic (aus: BEFREIUNG Nr. 158, Mai 2008, Zeitung der Liga der Sozialistischen Revolution, www.sozialistische-revolution.org)

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