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Finanzkrise: Merkels Rettungspaket für unsere Arbeitsplätze. PDF Drucken E-Mail
von Norbert Nelte    13.10.2008 - bisherige Aufrufe: 2818

produktion_-_finanzen_250_copy.jpgWohin treibt uns die Finanzkrise?

Regulierte Banken werden den Saustall Kapitalismus auch nicht mehr retten können.

Den Börsen folgt derzeit weltweit die reale Wirtschaft in den Abgrund. Opel Bochum und Eisenach in Urlaub, Daimler und Ford gehen zurück, HP baut 1.400 Stellen in Deutschland ab, Sinn-Leffers schließt die Hälfte der Filialen, Insolvenzverfahren bei Wehmeyer eröffnet, die gesamte Autoindustrie hat Absatzprobleme und so geht das Schlag auf Schlag weiter. Die Börsen fallen munter um jeden Tag um 5-10% weiter. Ein Rettungspaket nach dem anderen für die Großbanken wird aufgelegt - ohne Wirkung. Rentner und Kleinsparer verlieren ihre Existenzgrundlage. In den Straßen von Hongkonk um die Börse sind Riots nach dem Börsensturz von 8%. In den USA ziehen die Verlierer der Finanzkrise in die Zeltstädte und die Ratten in deren Häuser ein. In 200 Städten entwickelt sich Widerstand gegen den Freikauf (Bailout - Kaution einlösen) der Banken.

In den Fernsehtalks treten alle „weisen" Professoren auf und wissen auch kein Rat mehr, außer, das man  die Banken unbedingt retten müßte. Während die Bildzeitung meldet, dass die Wall-Street 2,6 Billionen verbrannt hat, beruhigt uns das Statistische Bundesamt mit der ersten Meldung: Brathähnchen immer beliebter. Ansonsten kommt von der Politik nur ein hilfloses Rumgerudere: Bahn privatisieren an die Börse, nicht an die Börse, Banken verstaatlichen, aber vorerst nicht, deregulieren, regulieren - so geht der Laden nur noch schneller bergab.

Zuerst muss man doch genau überlegen, woher der ganze Schlamassel kommt. Die Marktwirtschaft hat bis in die 1980er Jahre einigermaßen noch nach den eigenen Ansprüchen des Kapitals funktioniert. 1850 während der ursprünglichen Akkumulation fing er z.B. in Polen mit 50% an. 1993 aber war die Profitrate (ähnlich wie die Rendite) nach Robert Brenner im produzierenden Gewerbe schon auf 3,5% gefallen. Nun muss man wissen, dass jeden Tag zwei Billionen Dollar in den 1980er Jahren auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten den Erdball umkreisen. Diese Summe wächst mit dem kapitalisierten Mehrwert und kann sich nicht mehr in dem Produktionssektor verwerten. Das Finanzkapital ist 2006 schon 3,5mal größer als das gesamte Sozialprodukt (siehe Grafik). Also legten die Monopole des Produktionskapitals schon in den 80ern in den Aktiva Aktienpapiere an, die den Wert des realen Kapitals weit übersteigen. In den 90ern überstiegen die Aktiengewinne in den Konzernen die Produktionsgewinne. Heute liegen sie bei 90% vom gesamten Konzerngewinn. Somit blähte man die Bilanzen mit Luft auf, damit durch die Kurssteigerung die Durchschnittsprofitrate stieg und die Investoren mehr für die Anlagen hatten. Das ganze hieß dann Casino-Kapitalismus oder genauer Shareholder-Value-Kapitalismus.

In 2000 aber dann stürzte die Börse von  8.100 auf ihren Realwert von 2.300 ab. Aus war es mit dem Sharholder-Value. Die Anleger, denen es mehr an der Sicherheit als an einen hohen Gewinn lag, wie die Rentner und Kleinsparer in Europa, stiegen aus der Aktie aus und seither schleppte sich der DAX mühsam durch die Casino-News. Nun musste sich das Banken neue Anlagen oder „Produkte" (im hochgestochenen Banker-Deutsch) für die Mehrwertkapitalisierung ausdenken. Sie kamen auf die glorreiche Idee der Heuschrecken, die von der Substanz lebten. Die Private-Equity-Fonds weideten gute mittelständige Firmen wie die Texas Pacific Group bei Grohe aus und die Hedgefondes betrieben ihre Gewinnheckerei mehr mit Luftzockerei und Leerverkäufen (Geliehene Aktien teuer verkaufen und billig kaufen und zurückgeben), mit denen sogar mit fallenden Kursen Geld gemacht wird oder aus Scheiße Gold.

Die Monopole setzten Schröder unter Druck, diese Aasgeier zuzulassen, weil mit den normalen kaufmännischen Geschäftsmethoden keine lukrativen Renditen mehr zu erzielen sind. Diese ließ er 2002 dann zu und es folgte der Heuschrecken-Kapitalismus. Darüber regte sich zwar Müntefering auf, da Grohe in seinem Walkreis lag, aber er machte keine Anstalten, später auch die Genehmigung wieder zurückzunehmen, also nur Krokodilstränen für das Wahlvolk.

wette_250_copy.jpgSeit 1986 hat auch der Handel mit Derivaten und Zertifikaten stark zugenommen, wobei es sich dabei nur um einfache Wettschnipsel handelt. Das Bild ist jetzt eine Pferderennenwette, aber nichts anderes ist auch ein Derivat. Du kannst aufs Wetter setzen, auf Schweinebäuche oder auch auf eine Aktie. 350.000 verschiedene „Produkte" gibt es. Nur Luft um das Geld den kleinen Leuten aus der Tasche zu ziehen. Ein Bankberater ist nichts anderes als ein Märchenerzähler mit Anzug und Krawatte. In der Bild-Zeitung gibt ein Banker den Betrug zu: „Es ist eine unendliche Qual, dazu beigetragen zu haben, Leute zu betrügen. Und ich weiß, dass viele darunter waren, die auf das Geld angewiesen sind.". Die Welt spricht sogar davon, dass inzwischen bereits Derivate für 600 Billionen Dollar im Umlauf sind. Das ist zehnmal so viel wie das Welt-BSP, unerhört, diesen wildgeworenen Teufel kriegt man doch nie mehr in den Griff, wie wollen sie die Zauberlehrlinge wieder einfangen, die haben sich doch längst verselbständigt. Da war der Finanzcrash von vornherein einprogrammiert. Das funktioniert wie ein Schneeballsystem. Normal wird das doch verboten. Aber die Zauberer von der Bank bekommen noch einmal weltweit von den Staaten Spielgeld für die nächst höhere Runde dazu. In Deutschland alleine 500 Mrd. Euro oder 685 Mrd. Dollar, fast so viel wie in Amerika, damit die Deutsche Bank in dem Schneeballspiel ganz nach oben kommt. Ja, spinne ich denn, die zocken mit unserem Geld ganz unverblümt und die Koalition unterschlägt unsere hart verdienten Löhne und steckt noch den Banken das als Spielgeld zu. In Amerika sind schon in vielen Städten Demos, auch London. Für uns ist kein Geld da. Und den ganzen Luftballon nennen die Versager dann noch „das beste Wirtschaftssytem aller Zeiten. Unterschlagung ist strafbar und das führt mindestens meist zueinen Aufstand.

Im Maischberger-Video ist Hartmut Knüppel vom Derivaten-Verband auch noch mächtig stolz auf die Wettgeschäfte. Die Wirtschaft bräuchte das. Das Finanzvermögen wächst schneller als das Kapitalvermögen. Und das ist genau der Punkt.

boom__krise_250.jpgRichtig. Das Kapital nimmt den Arbeitern, bis auf die Kosten zur Wiederherstellung der Arbeitskraft, alle erwirtschafteten Wertschöpfungen ab. Dieser Mehrwert muss wieder angelegt, kapitalisiert werden, damit der Kapitalist nicht von anderen Abzockern vom Markt gefegt wird. Wenn keine neue Ware wie das Auto entwickelt wird, müssen Luftlöcher erfunden werden, bei denen  er anlegen kann. Das erste Luftloch ist die Wette mit der Aktie. Man wettet mit der Aktie, dass es mehr Käufer als Verkäufer gibt, andersherum hat er verloren. Nun kann das Kapital schon die Anlagen verdoppeln. Aber die unterschlagene Wertschöpfung geht ja weiter. Also erfindet man das Derivat, die Wette auf die Wette, und schon hat man die Anlagemöglichkeit vervierfacht. Man zahlt das Luftloch mit einem noch größeren Luftloch. So besteht der Gegenwert des M3-Geldes zu ¾ aus Luft. Es ist doch klar, wenn man da einmal reinsticht, bricht das alle zusammen. Wollen die Herrschenden dann die Wette auf die Wette auf die Wette erfinden, damit das Kapital sich erweitern kann?

Nun muss auch der Spiegel feststellen, dass „der Kapitalismus zum Spielcasino verkommen ist. Aber bitte,  was werden dann für Konsequenzen daraus gezogen? Die Wirtschaft bekommt keine Kredite mehr. Die Arbeiter müssen ihren Konsum immer mehr einschränken und ihr Erspartes wurde schon in die Billionen zerstört. Das Bankensterben und die Verbrennung der Sparbücher hat doch erst angefangen. Langt es da, wenn Steinbrück ein Konjunkturprogramm oder Attac eine Reparatur der ganzen Blasenscheiße vorschlägt? Schließlich haben wir neben dem Bankensterben auch die niedrige Durchschnittsprofitrate von unter 3,5%, mit China das Ende des Marktes erreicht und des Weltherrschers Wirtschaft liegt darnieder. Das wird von den Superhirnen alles nicht bedacht. Überall heißt es jetzt, die Banken regulieren und Leerverkäufe verbieten. Aber nur noch bei den Leerverkäufen und bei Derivatenwetten kann man Gewinn machen. Bei Aktien sinkt derzeit der Kurs. Wenn die Banken reguliert werden, bleibt nur noch die niedrige Profitrate von vielleicht 2% in der Produktion und die Wirtschafstätigkeit würde weltweit einschlummern. Nein, damit der Kapitalismus bei seinen letzten Atemzügen  überhaupt noch funktionieren kann, braucht es diese Wettannahmestellen mit marmornen Einganshallen und die verbrieft und versiegelten Wettschnipsel überrecht von dem Märchenerzähler im schwarzen Anzug.

Die ganz großen Superhirne haben sich natürlich schon Gedanken darüber gemacht, was nach dem totalen Zusammenbruch kommt. Es wird nicht so, wie nach 1929 wieder aufwärts gehen, denn dieser Crash unterscheidet sich durch die niedrigen Durchschnittsrenditen und dem Ende des Marktes. Das Ziel der Herrschaftselite bringt David Rockefeller in seinen Memoiren von 2002 am weitestgehend auf den Punkt:

„Es wäre für uns nie möglich gewesen, einen Plan für die Welt zu entwickeln, wenn wir während dieser Jahre im Licht der Öffentlichkeit gestanden hätten. Aber die Welt ist auf einem komplexen und vorbereiteten Weg hin zur Weltregierung. Die supranationale Souveränität einer intellektuellen Elite und der Welt-Bankiers ist sicherlich der nationalen Souveränität der letzten Jahrhunderte vorzuziehen."

Ein „freier" Markt und Arbeitsmarkt ist nach dem Zusammenbruch des Finanzsystems nicht mehr möglich. Sicher wird der DAX noch mal versuchen, sich hochzuangeln, aber die künstlichen Luftblasen, die 2%-Rentabilität, das Marktende und das Ende der US-Weltherrschaft werden das immer schwieriger gestalten. Auf alle Fälle wird dann die Konkurrenzproduktion nicht mehr funktionieren. Wir Lohnabhängige können das locker mit einem solidarischen Plan lösen, aber die Herrschaftseliten eben nur mit der Weltdiktatur Zentralisierung der Weltproduktion in einer Hand. Rockefeller sieht uns auf dieses Ziel schon 2002, also nach 9/11, des Weges hinschreiten. Großbritannien, die USA und auch Deutschland, alle großen Monetaristen, und viele Länder wollen bei den Verlusten schon die Banken verstaatlichen. Dann kommt die marode Autoindustrie, die Stromkonzerne usw. Eine Quasidiktatur haben wir in Europa in 3 Monaten mit Todesschüssen, Todesstrafen und allem Pipapo, was dazu gehört. Ab 1.1. entscheidet in wichtigen Fragen nur noch der Eurorat, nicht mehr der Bundestag. Amerika hat schon die Finanzdiktatur, an der gesamten arbeitet schon die Elite, hier McCain. Die Arbeit an der Abschaffung des Arbeitsmarktes kommt zumindestens in Deutschland mit dem 1-Euro-Jobber gut voran und die Abschaffung der bürgerlichen Freiheit mit Schäubles 1984-Gesetzen auch. Fehlt nur noch die Weltwährung. Den Wunsch dafür hatte schon 1988 die Zeitschrift „The Economist" geäußert. Mit dem Amero sollen ja schon mit 800 Mrd. die Chinesen bezahlt worden sein und der soll den Dollar ablösen und die künftige Weltwährung werden.

mahalla_03_-_250_copy_copy_copy.jpgDas war jetzt die scheußliche Alternative des Kapitals, reine Barbarei. Es gibt noch die Alternative der Arbeit. Sie ist noch sehr abstrakt, aber in den Anfängen schon erkennbar und viel sympathischer. Einen 3. Weg dazwischen für das nationale Kleinbürgertum gibt es nicht. Dazu sind sie zu schwach. Also geht das nicht. Es bleibt nur noch der Weg der Arbeit. In Ägypten und Nordvietnam ist die Bewegung schon gut vorangeschritten. In Deutschland wird das noch etwas dauern. Die Streikräte in Vietnam und Ägypten sind an die Beschlüsse der Basis gebunden und jederzeit abwählbar. Bei der Zuspitzung der Krise werden sie sich in Arbeiterräte umbenennen und eine Wirtschaftspolitik nach ihren objektiven Interessen durchführen, d.h. einen solidarischen Plan von unten.

Das Rettungspaket für unsere Arbeitsplätze, das Gesundheitswesen, die Hartz-IV-Empfänger, die Rente, KiTa, Schule, Universität, Forschung, Umweltschutz, Landwirtschaft - für die Steuerzahler und nicht für die parasitären Profiteure. Auf die Straße.

Norbert Nelte

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