| Nur normale Überproduktionskrise oder Ende des Marktes? |
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| von Norbert Nelte |
29.10.2008
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Vom Ende des Marktes über die Tauschwirtschaft zur Basisplanwirtschaft In der Finanzkrise überschlagen sich die Meldungen über neue Rettungspakete, Staatsbankrotte, Inflationen, Produktionsabbau und Massenentlassungen und man fragt sich, warum es kaum Gegenwehr gibt und wann das Ende von dem Alptraum sein wird? Soll man auf die staatlichen Berufsbeschwichtiger hören, mit denen die meisten ja bisher gemütlich gelebt haben, oder doch besser inzwischen auf die Mahner, die schon immer das Ende der Marktwirtschaft prophezeit haben. Aus dem Buchhandel erfahren wir, dass die Nachfrage nach dem Kapital von Marx von Nichtrevolutionären steigt. In London im SWP-Buchladen hat sich gar der Verkauf verfünffacht. Die Menschen setzen sich mit dem Marxismus ernsthafter auseinander und zeigen damit, dass sie nicht mehr an die Marktwirtschaft als das Wirtschaftssystem glauben, das die Probleme der globalisierten Welt des 3. Jahrtausends wird lösen können. Es kommen jetzt die normalen Kollegen auf mich zu und stellen fest, ja, Sie haben recht gehabt, mit dem Kapitalismus wird es jetzt zu Ende gehen. Diese Feststellung ist wichtig für die Frage, sollen wir immer noch wie die Linke, Arzt am Krankenbett des Kapitalismus spielen und z.B. ein Bankenrettungspaket und ein Konjunkturprogramm auflegen oder den Schwerpunkt jetzt auf die Unterstützung radikaler Kämpfe wie die der Opelkollegen, der BSH-Belegschaft oder der GSL und der internationalen Kämpfe wie die in Oaxaka oder in Ägypten verlagern? Die außerparlamentarischen Linken können bei der Verortung der Kollegen eine Menge mit dazu beitragen, indem sie klar gemeinsam auch realistisch auf das Ende des Kapitalismus hinweisen.
Leider wird ein baldiges Ende von der übergroßen Mehrheit der linken Gruppen noch nicht mit aller Deutlichkeit vorgetragen und stattdessen von „nur einer Krise" mit nachträglichen Wiederaufschwungsmöglichkeiten geredet, was zu schweren Illusionen bei den Massen und zu Desorien- tierungen bei der eigenen Mitgliedschaft führen wird. Wollen wir einen Blick auf die Resolution „Finanzkrise? nein, Krise des Kapitalismus!" der Schweizer trotzkistischen Gruppe „aufbau" werfen, weil sie doch typisch für die Stellungnahmen der linken Gruppen ist. Sie schreibt, dass dieser Crash nur der „Ausdruck der chronischen Kapitalüberproduktionskrise ist" und fragt,„Wird es zur massiven Entwertung von Schlüsselwährungen kommen, also zu Währungskrisen wie z.B. in den 1920er Jahren in Deutschland? Oder eher zu einer Grossen Depression wie in den Dreißiger Jahren? Oder „bloß" einer Phase der Deflation wie im Japan der 1990er Jahre?".
Diese Einschätzung einer Überproduktionskrise mit einem Wiederaufschwung durch Kapitalvernichtung wird von den meisten Gruppen geteilt. Zur Vernichtung der Produktivkräfte (Durch z.B. Stilllegung alter Fabrikanlagen oder Krieg) gehört also noch der wichtige Punkt der Eroberung neuer Märkte, wodurch das Kapital die Krise überwinden könnte. Und das ist heute genau der Punkt. Welche neuen Märkte soll es nach der Durchkapitalisierung von China noch geben? Wir haben diese Frage schon 2006 in unserem Artikel „Rohstoffkriege und Sozialdemontage - Begleiter des ausgehenden marktwirtschaftlichen Zeitalters!" gestellt und sie wurde bis jetzt noch nicht schlüssig beantwortet worden[1]. Afrika benötigen die Industriestaaten in Europa als billiges Ackerbauland und zum Rohstoffplündern, da dürfen sie die Länder nicht entwickeln, sonst wollen die Schwarzen einen wirklichen Wertausgleich dafür. Südamerika ist das gleiche für die USA, Russland gehört Putin und seinen Oligarchen und Indien fängt hinter den Glasfassaden gleich das Elend der Kastengesellschaft an. Also bliebe nur China als neuer Markt und hier zeigt die Wirtschaft schon leichte Schwächen. Viele Wohnungen in den Wolkenkratzern stehen leer, Überkapazitäten bei den Autobauern und nicht zuletzt sind ihre Banken auch vollgestopft mit Hyotheken-Kreditenmüll. China ist schon der Vizeweltmeister beim Export und 50% der Exporte gehen nach Amerika. Statt „Eroberung neuer Märkte" haben diese Märkte den alten Markt der Imperialisten erobert. Es wird also zu keiner Überwindung der Finanzkrise mehr kommen. Das Ende des Kapitalismus ist mit der Verstopfung der Märkte gekommen, die einhergeht mit der niedrigen Profit R A T E. Konkret wird dieses Steckenbleiben in der Finanzkrise Formen annehmen, wie wir es schon nach 29 kennen. Island, Ungarn, Pakistan, Argentinien und die Ukraine haben beim IWF schon Gelder aufgenommen, um den Staatsbankrott zu entgehen. Das führte teils schon zu Hyperinflationsraten von 50%. Dieser Prozess wird weitergehen und zuerst die osteuropäischen- und die Schwellenländer treffen. In den Industriestaaten wird die Inflation weiter anziehen. Das Bankenrettungspaket in Europa von 2 Billionen Euro wird allein 4% Inflation kosten, bei 12% liegen wir schon mit den variablen Ausgaben, sind 16%. Momentan steigt die Überschuldung bei den Kreditkarten stark an. Viele Hedgefonds gehen pleite und werden ihre Kredite nicht mehr bezahlen können. Dies alles zusammen mit den weiteren Platzen der Subprimemarktkrediten wird weiter große Löcher bei den Banken und Staaten hinterlassen, so, dass die Kreditkrise weiter gehen wird und noch mehr Staaten noch beim IWF um einen Kredit betteln müssen. Dazu kommen noch die CDS und Derivate- bzw. Zertifikateprobleme. Hinzu kommen noch die Überschuldungsproblem der USA. Sie waren überhaupt der Auslöser der Finanzkrise und sie müssten auch erst gelöst werden vor einem Neuanfang der Weltwirtschaft. Die USA hatten zuletzt jeden Tag 2 Mrd. Dollar geliehen bekommen. Der Staat war schon wegen der Kriege und Beschwichtigungsteuergeschenken mit 10 Billionen verschuldet. Ähnlich hoch lag der Leistungsbilanzdefizit. Bretton Woods hatte 1944 den Dollar als Leitwährung installiert. Rohstoffe mussten mit Dollar gekauft werden und die eigene Währung wurde mit Dollar-Papieren gestützt. 2007 wurde Öl mit anderen Währungen gehandelt und die Kredite für den amerikanischen Häuslebauer und Konsumenten wurde wieder teurer. Die Kredite wurden notleidend. Bei starker Verschuldung der Weltwirtschaft versuchten die Staaten der Welt die Finanzprobleme immer wie in den 1930ern die Überproduktionsprobleme mit einem Krieg zu lösen. Der New Yorker Universitätsprofessor Nouriel Roubini meint auch: "Es ist der Anfang vom Niedergang des US-Finanz-Imperiums. Die Große Depression endete mit einem großen Krieg". Im Internet überschlagen sich heute am 29.10. die widersprüchlichsten Meldungen bis zum D(omino)-Day in 2 Wochen und weiteren Kriegswarnungen. Es ist sehr schwierig, daraus eine Einschätzung zu machen. Auf alle Fälle benötigten schon vier Staaten Hilfe vom IWF gegen den Kollaps, weitere osteuropäischen stehen schon an, dem IWF geht das Geld aus und die Analysten sehen schon die Kernschmelze auf uns zukommen. Natürlich wird das noch nicht das endgültige Aus für den Kapitalismus bedeuten. Er wird aber wegen der Verstopfung der Märkte mit kleinen Auf und Abs zum Nullpunkt tendieren um dann vielleicht in 10 oder 20 Jahren in die Tauschwirtschaft (siehe auch wallstreet-online) mit Notgeld der Städte und Lebensmittelmarken übergehen. Die Situation kann man vergleichen wie die nach dem 2. Weltkrieg. Hier hatten die Arbeiter die Betriebe selber aufgebaut um die Produktion wieder aufzunehmen. Sie werden nach ihren objektiven Interessen eine solidarische Basisplanwirtschaft von unten aufbauen, die auch von ihren Bedürfnissen sowie der Vernunft und nicht von den Profiten gelenkt werden Internationale Sozialisten im Netzwerk Linke Opposition [1] Diese Frage wurde von uns bereits 2002 in den Artikeln „Das Ende des amerikanischen Imperiums" und „Auf Wiedersehen, Vorgeschichte der Menschheit" in der IS-Broschüre „Kein Krieg für Öl" (S. 30) gestellt. Anm. des Autors. Manche Links sind nach dem Artikel gesetzt worden. Ein Anzeichen dafür, das der Kapialismus jetzt exakt den Vorhersagen von Marx und Luxemburzg folgt.
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| Letzte Aktualisierung ( 31.10.2008 ) | |||||||
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