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Hamas verkörpert den Widerstand eines kolonisierten Volkes PDF Drucken E-Mail
von Abou Habel - Silvia Cattori - http://silviacattori.net    03.01.2009 - bisherige Aufrufe: 1677

bombardierung.jpgIn Gaza leben die Palästinenser auf einem schmalen Landstreifen wie in einem Käfig eingesperrt, den Israel in ein Ghetto, ein Todeslager verwandelt hat, wo ihnen die lebenswichtigen Mittel vorenthalten werden. Israel tötet ein Volk unter Kolonialbesatzung, denn es sind keine „Terroristen" wie uns eingetrommelt wird. Laut der Charta der Vereinten Nationen haben die Palästinenser jegliche Rechtmässigkeit sich zu verteidigen um ihre Selbstbestimmung zu erlangen.

Frau Silvia Cattori hat sich mit Herrn Abou Habel unterhalten (*), der im Flüchtlingslager Jabaliah ansässig ist, ein äusserst armes Lager, das seit vielen Jahren dem tödlichen Beschuss der israelischen Armee ausgesetzt ist. Während diesem Bericht sind wir oft durch den fürchterlichen Lärm der Bombardierung von Gaza-City in der Ferne unterbrochen worden und durch die Schreie der in Panik versetzten Kinder.

Tsahal bombardiert niederträchtig entwaffnete Zivilisten

„Seit drei Tagen und drei Nächten leben wir in entsetzlichen Angstzuständen. Am 27. Dezember haben 85 F-16 Kampfflugzeuge der israelischen Luftwaffe in 3 Minuten mehr als einhundert Tonnen Sprengstoff, von Beit Hanoun im Norden bis Rafah im Süden, abgeworfen.

Sie sagen es wäre nur der Beginn, denn sie wollen „800 strategische Ziele" bombardieren, bevor sie mit dem Bodenangriff anfangen werden. Sie verhalten sich, als ob sie ein Land angreifen würden welches einen Staat hat, eine moderne Armee, Flugzeuge und Panzer, dabei gibt es in Gaza nichts davon.

Die israelische Armee bombardiert seit Samstag ungezielt. Es sind auch Wohnungen und Moscheen die derzeit bombardiert werden. Es gibt kein Haus, keine Ecke hier in Gaza wo die Menschen in Sicherheit sind. Wo immer man auch hingeht, wartet der Tod.

Die ägyptischen Behörden halten die Grenze abgeriegelt. Die ägyptische Polizei hat auf Palästinenser geschossen, die entfliehen wollten. Sie verletzte sieben von diesen Flüchtlingen. In Gaza sind alle bedroht. Die ägyptischen Behörden haben die Hamas- Regierung hintergangen, da sie versicherten, dass Israel nicht vor anderen Verhandlungen angreifen würde, obwohl sie wussten, dass Israel sofort angreifen wollte. Hier in Gaza haben die Menschen den Zusicherungen der ägyptischen Sicherheitsdienste geglaubt. Sie sind überrascht worden. Wegen diesem Verrat der Moubarak- Regierung haben wir seit dem 27. Dezember hunderte von Märtyrern. Durch die israelischen Bombardierungen sind Polizisten, die zur Arbeit gingen und Eltern mit ihren Kindern auf dem Heimweg von der Schule, niederträchtig ermordet worden.

Abou Mazen (Mahmoud Abbas), unser angeblicher Chef, macht die Hamas für das Blutbad verantwortlich, das Israel momentan begeht, weil sie nicht den Waffenstillstand verlängert hat [1]!

Abou Mazen erwartet von Israel die Hamas zu liquidieren und ihre Regierung zu stürzen. Er denkt, er könnte so nach Gaza zurück. Ich glaube nicht, dass Abou Mazen jemals an die Macht in Gaza zurückkommen wird. Weder er, noch die Gauner die ihn umgeben. Sie haben noch nicht einmal ein menschliches Wort für die Leiden der Bevölkerung, die Israel regelrecht zermalmt.

Am Sonntag haben die Kampfflugzeuge die islamische Universität bombardiert, die für die Jugend von Gaza ein wertvoller Studien -und Kulturort ist. Sie war mit den besten Forschungslabors in der Region ausgestattet. Israel hat sie zerstört und behauptet, es würde sich um ein „Kernzentrum der Hamas-Regierung" handeln.

Das Ziel der Israelis ist klar; sie wollen die Religion demütigen, alles zerstören was einen Bezug mit der religiösen Bewegung hat; Moscheen sowie Wohltätigkeitsorganisationen.

Oben über uns haben wir permanent Drohnen. Sie verlassen nie den Himmel. Sie überwachen alle unsere Gesten bis hin in unsere Räume, die wir bewohnen.

Die Kinder schlafen nicht mehr; sie schrecken bei jeder Explosion zusammen. Niemand hat während diesen Tagen und Nächten schlafen können. Die ganze Familie ist gestern gezwungen worden unser Haus zu verlassen, welches in der Nähe der Schusslinie der israelischen Panzer liegt. Momentan sind wir mit drei Familien zusammen in der gleichen kleinen Wohnung. Niemand geht raus.

Wir haben kein Mehl, keinen Zucker. Nichts. Die Märkte sind geschlossen. Wir haben kein Benzin mehr, kein Gas, nichts. Um unsere Kinder zu ernähren, haben wir nur einige Konservendosen.

Niemand hat Appetit in diesem Klima von Entsetzen und von Tot. Auf jeder Strasse gibt es Zelte für die Toten. Gestern sind hier in Jabaliah fünf Schwestern von der gleichen Familie getötet worden, als die Flugzeuge die benachbarte Moschee bombardiert haben.

Das Schweigen der Regierungen der uns umgebenden arabischen Länder und zu wissen, dass sie mit Israel kollaborieren damit die Armee uns zermalmt, tut uns am meisten weh. Es sind Regierungschefs wie Abou Mazen und Hosni Moubarak, die grünes Licht für die Abriegelung gegeben haben, welche uns seit eineinhalb Jahren aushungert und zerstört.

Auch die Reaktionen der europäischen Regierungen ergreifen uns sehr. Wir verstehen nicht, wie die Vertreter der Europäischen Union die Angreifer und die Angegriffenen auf die gleiche Ebene stellen können. Wenn sie beide Parteien „ nach Zurückhaltung" aufrufen, tun sie so, als ob sich zwei gleichstarke Armeen gegenüberständen, die mit Flugzeugen und Panzern dabei sind zu kämpfen. Als ob beide Blöcke eine reguläre Armee hätten, als ob das palästinensische Opfer, das keine Armee hat, unter israelischer Bombardierung in der Lage sei Waffenstillstand zu proklamieren! Sie sehen uns nicht als ein Opfer an. Sie tun so, als ob Israel nicht dabei wäre uns mit einer für den Kampfeinsatz trainierten Armee anzugreifen, sondern, als ob es dabei wäre „sich zu verteidigen"!

Frau Tzipi Livni hat wiederholt gesagt, dass das Ziel von Israel sei, die Hamas zu stürzen, sie ein für alle Mal zu liquidieren. Sie werden es aber nicht erreichen. Nach diesem Blutbad ist die Hamas heute stärker als zuvor. Die Hamas ist Eins mit dem Volk. Jede Bombardierung bringt der Hamas mehr populäre Unterstützung und Stärke. Die Hamas-Bewegung in diesem Moment zu unterstützen, gibt diesen Männern mehr Motivation zum Widerstand und für unsere Verteidigung.

Nach dieser erlittenen Barbarei von Seiten Israels, gibt es in Gaza niemand mehr der neutral ist. Mit Ausnahme einer Minderheit von Kollaborateuren mit dem Besatzer, die mit der Fatah-Partei von Mahmoud Abbas verbündet sind, unterstützen alle die Hamas. Israel wird trotz seiner destruktiven Waffen nicht den Widerstand des Volkes beenden das sich mit der Hamas-Bewegung identifiziert. Die Palästinenser werden nie verlieren.

Israel kann Führer der Hamas ermorden sowie ihre Mitglieder, aber es wird ihm niemals gelingen den Widerstand der Palästinenser zu schwächen. Selbst wenn die israelische Armee den Krieg noch ein Jahr fortsetzen wird. Jeder Krieg wird die Hamas-Bewegung nur stärken.

Den Israelis wird es nie gelingen die Hamas zu liquidieren, denn die Hamas ist eine demokratisch gewählte politische Partei, die unsere Rechte verteidigt. Die Hamas erinnert uns daran, dass die Israelis unser Land geraubt und uns aus unserem Land vertrieben haben.

Wenn Tzipi Livni und Ehoud Barak die Mitglieder der Hamas liquidieren wollen, müsste die israelische Armee nahezu die gesamte Bevölkerung, die auf dem Gazastreifen lebt, ausmerzen."

Interview aufgezeichnet von Silvia Cattori

(*) Herr Abou Habel, 39 Jahre alt, ist kein Hamas-Mitglied. Er ist Hotel-Manager und hat ebenfalls als Dolmetscher und Berater für ausländische Reporter in Gaza gearbeitet. Seitdem Israel im Jahr 2006 den Zutritt nach Gaza abgeriegelt hat, ist er arbeitslos. Wie alle Palästinenser die der unmenschlichen Behandlung der Abriegelungen, der Vorenthaltung der lebenswichtigen Mittel, der Zerstörungen und den Massaker unterliegen, opfert er sich gegenwärtig vertrauensvoll und mutig Schutzbedürftigen zu helfen und Trost zu bringen.

Übersetzung aus dem Französischen: Monica Hostettler (01.01.2009)

Französische Version (29.12.2008): 
http://www.silviacattori.net/article649.html

http://silviacattori.net/article665.html

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