| Naomi Klein, Israel - Boykott und Toilettenjournalismus |
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| von Nemetico |
17.01.2009
- bisherige Aufrufe: 3601 |
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Was ist Toilettenjournalismus? . Was ist ein Toilettenhirn?
Stellen Sich
sich vor gewisse Menschen hätten statt Hüte Klobrillen auf den Köpfen.
Es handelt sich gewiss um eine schrumpfende Gruppe unserer
Gesellschaft. Das genau sind Toilettenhirne!
(Vorsicht: die Illustrationsbilder dieses Artikels sind schockierend)
Kaum stand ich heute morgen auf, schon fiel mir ein Glanzstück
bundesdeutschen "Journalismus" ins Auge, das sich scheinbar mit dem Thema
Gaza - Krieg beschäftigt. Naomi Klein ruft zum Boykott gegen Israel auf Wer von diesem Artikel nach dieser Schlagzeile dann noch mehr erwartet als Hetze im Dienste des Massenmordes, den würde ich als reichlich naiv bezeichnen. Wie ist das israelische Bombardement des Gaza-Streifens zu stoppen?
Diese Eingangsfrage soll aus meiner Sicht wohl suggerieren, es handle
sich bei dem Autor um einen normalen Menschen mit
(mit-)menschlichen Gefühlen. Ein Eindruck, der sich schnell zerstreut, wenn man weiter liest, jedenfalls für mich. Gewisse Leute heucheln gern, auch sie würden gern das israelische Bombardement des Gaza - Streifens stoppen, sogar die Befehlshaber dieses abscheulichen Massakers selbst tun das. Davon schreibt dieser Mensch natürlich nichts. Davon will er bestimmt auch nichts wissen. Verträgt sich offenkundig mit mit seiner "Standesehre" (kotz, erbrech). Trotzdem enthält der Artikel auch ein Quentchen Information: Naomi Klein, die Heilige Madonna der Antiglobalisierungsbewegung, hat im Guardian dazu aufgerufen, israelische Geschäfte zu boykottieren und den Kauf jüdischer Exportartikel zu unterlassen. Ein Boykott sei »das effektivste Werkzeug im gewaltfreien Arsenal« und habe bereits das Apartheidregime in Südafrika zu Fall gebracht. »Enough!«
Diese Information ist teilweise korrekt, teilweise gelogen. "Heilige
Madonna der Antiglobalisierungsbewegung" ist natürlich spöttisch
gemeint, aber der "Schuss" dürfte angesichts der weltweiten Achtung für
Naomi Klein ohnehin nach hinten losgehen. Naomi Klein spricht natürlich
nicht von "jüdischen" Exportartikeln, sondern von israelischen. Das ist
völlig unmißverständlich, also hat Assheuer "bewußt oder unbewußt"
gelogen. Es gibt Israelis, die keine Juden sind, und Juden, die keine
Israelis sind. Der Boykott richtet sich auch nicht gegen Einzelpersonen, sondern israelische oder andere Unternehmen,
die an Besatzung und Krieg verdienen.
Ich werde in weiteren Artikeln auf den Aufruf von Naomi Klein eingehen. Der Rest ist.... Ach lesen Sie doch selbst: Naomi Kleins Aufruf ist so empörend wie aufklärend. Empörend ist die historische Assoziation, nämlich die NS-Parole aus dem April 1933: »Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden!« Aufklärend jedoch ist, welches Erbe zwischen den Zeilen zum Vorschein kommt: jener antisemitische Reflex, der sich bei Globalisierungskritikern zuverlässig immer dann einstellt, wenn sie die israelische Regierung im Besonderen oder den Kapitalismus im Allgemeinen ins Visier nehmen.
Soso. Es ist also "antisemistisch", die Verbrecherbande in der
israelischen Regierung oder gar den Kapitalismus im allgemeinen "ins
Visier zu nehmen". Damals boykottierte ein rassistischer, zum Massenmord entschlossener Staat Angehörige einer wehrlosen minoritären gesellschaftlichen Gruppe.
Heute boykottieren Angehöriger vieler gesellschaftlicher Gruppen
(Juden, Christen, Muslims, Atheisten usw) einen rassistischen, zum
Massenmord entschlossenen Staat, der eine wehrlose Bevölkerungsgruppe Massakern unterzieht. Rational denkenden Menschen entgeht nicht, dass es sich um eine in der Stoßrichtung genau entgegengesetzte Kampagne handelt. Naomi Klein sagt im übrigen auch, dass im Rahmen der Boykottkampagne es wichtig ist, genau dies immer wieder geduldig zu erklären. Es ist wichtig, so Naomi Klein, die Gründe für diesen Boykott immer wieder darzulegen, denn "die da oben" wollen nicht, dass wir diese Bilder sehen. Stattdessen soll uns das Hirn mit viel Scheiße aufgefüllt werden.
Die Gründe dieses Boykotts - bloß nicht darüber nachdenken, ja nicht der Wahrheit ins Gesicht sehen.
Widerlich. Der Leser soll bloss nicht weiter darüber nachdenken, "hängen bleiben" soll: Israel- Boykott, das ist genau das, was die Nazis damals machten. Also nochmals zum Mitschreiben für die Hausfrau und die vollkommen ungebildeten Leser: nein, das ist es nicht. Die Nazis boykottierten keinen Staat Israel, sondern wehrlose Angehörige der jüdischen Minderheit in Deutschland. Die waren in ihrer großen Mehrheit auch keine Zionisten, die wenigen Zionisten unter den Juden damals waren damals allerdings begeistert von Adolf Hitler und seinen "Visionen", sagten sich: "Au ja, so was machen wir auch!" (Aber das ist eine andere Geschichte...) Es geht darum, eine Mordmaschine zum Stehen zu bringen. Eine Mordmaschine, die nach Belieben Zivilisten tötet. Kommen wir zur "Aufklärung" des Herrn Assheuer (welch ein sprechender Name!). Er meint also in Naomi Kleins Initiative einen "antisemitischen Reflex" zu erkennen. Hochinteressant, wie er das begündet: ...der sich bei Globalisierungskritikern zuverlässig immer dann einstellt, wenn sie die israelische Regierung im Besonderen oder den Kapitalismus im Allgemeinen ins Visier nehmen.
Herr Assheuer (der Name könnte glatt erfunden sein) nimmt also mit ein wenig rhetorischem Getrickse eine Art "Definition" vor. Die mal offene, mal verdeckte Allianz von Antikapitalismus und Antisemitismus ist kein Zufall und fällt nicht vom Himmel.
Ein nüchtern denkender Mensch würde sagen, da strickt gerade ein an
paranoiden Wahnvorstellungen leidender Mensch an einer
"Verschwörungstheorie". Dahinter steckt der alte Aberglaube, das »abstrakte Kapital«, das heute die »Weltherrschaft« ausübe, sei jüdischen Ursprungs.
Der "alte Aberglaube". Wessen Aberglaube denn? Adolf Hitlers
Aberglaube vielleicht? Selbst dieser paranoide Wahnsinnige ging nicht davon aus,
dass das Weltkapital jüdischen Ursprungs sei, allein schon deswegen,
weil einer seiner wichtigsten Inspiratoren, Henry Ford, ja selbst
damals der größte Kapitalist in den USA war. Von ihm entstammt implizit
die skurrile Vorstellung vom Gegensatz "schaffendes" versus "raffendes"
(=jüdisches) Kapital. Unauffällig habe der Gott des Judentums die Maske gewechselt und sich in den »Monotheismus« des Geldes verwandelt. In Gestalt des »raffenden Kapitals« überfalle er die »Lebensräume des Volkes« und sauge das brave, das »schaffende Kapital« aus. Rechtsintellektuelle sagen es kaum anders. Der Kapitalismus sei eine jüdische Erfindung. Man sieht, Assheuer weiss es also: die Unterscheidung zwischen "raffendem" und "schaffendem" Kapital nach "völkischen" Gesichtspunkten ist ein alter Topos der Faschisten. Dass aber der "Kapitalismus" insgesamt gar eine "jüdische Erfindung(!!!)" sei ist eine so blödsinnige Idee, dass selbst hartgesottene Faschisten dem nicht anhängen.
Aber Captain Assheuer geht es um was anderes, um eine Art "Definitionsumkehr". Wenn
nämlich "diese da" ("Globalisierungskritiker") sagen (was sie nicht
tun), dass der Kapitalismus eine "jüdische Erfindung" sei, dann richtet
sich - so will es uns Assheuer verkaufen - jede Kapitalismuskritik auch sozusagen gegen "das Judentum". Darauf kommt es diesen Typen und ihren Hintermännern gar nicht an, Konsistenz in ihren kranken ideologischen Konstrukten. Wichtig ist nur, was für "Assoziationen" sie bei ihren Lesern erzeugen, vorausgesetzt, diese haben die Toilettendeckel auf ihren Köpfen weit geöffnet, damit die imperialen Enddarmausgänge darauf Platz nehmen können. Vermutlich hat der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik recht: Ein Teil der Linken ist »von einem ihr unbewussten Judenhass« durchdrungen.
Huch, was für einen "Erziehungswissenschaftler" zitiert Assheuer da? Geht es mal wieder um "Umerziehung"?
Für näher Interessierte: im Dienste seiner Herren erfand Micha Brumlik die beleidigende Floskel von den antisemitischen Juden.
Diese Herrschaften haben es ja mit dem wachsenden Problem zu tun, dass
sich immer weniger Juden weltweit in den Herrenmenschen - Kontext des
Staates Israel hineindefinieren lassen und sich lautstark gegen die
Verbrechen am palästinensischen Volk engagieren. Also musste ein
"Konstrukt" gefunden werden, mit dem der Begriff "Antisemitismus"
endgültig seines historischen Inhalts beraubt wurde, nämlich der
"antisemitische Jude". Gemeint
sind damit nicht etwa die zionistischen Schlägertrupps, die den Nazis
1939-1945 in den KZs als "Judenräte" halfen, nichtzionistische Juden
umzubringen. Gemeint sind jüdische Menschen, die es wagen, den Staat Israel anzuprangern. Diese stehen, wie es sich für "Judenlümmel" gehört, nun einmal meist auf der Linken. Aber heute sagt man nicht mehr "Judenlümmel" zu denen, sondern "antisemitische Juden", die "sich selbst" "hassen". Zurück zur "Linken", die nach Meinung des wenig erfolgreichen Umerziehers Brumlik von einem ihr "unbewussten" Judenhass« durchdrungen sein soll. Diesen Hass schleppe sie aus ihren historischen Beständen mit, ohne sich über ihr trübes Erbe beizeiten Aufklärung verschafft zu haben.
Wenn ein Säufer anderen Enthaltsamkeit predigt.... Assheuer sollte sich lieber mal Aufklärung verschaffen über das trübe Erbe der Plutokratensippe Bush, die durch die Finanzierung der NSDAP im Auftrag des amerikanischen Kapitals erst in die Elite aufstieg. Aber womit sollte er dann noch sein Geld verdienen? Es wird alles schon seine Richtigkeit haben, nicht wahr, Herr Ass... äh..heuer?
Also schwadroniert der Herr "Journalist" weiter: In der Tat, schon die französischen Frühsozialisten um Proudhon (1809 bis 1865) waren notorisch antisemitisch und wollten »die jüdische Rasse zurück nach Asien« schicken. Der klassische Antisemitismus war in ganz Europa unter allen erlauchten "Eliten" verbreitet und tief verwurzelt, keinesfalls speziell bei den "Frühsozialisten". Russische Anarchisten wie Bakunin gaben sich als glühende Judenhasser, von dem Revolutionär Richard Wagner ganz zu schweigen. Dass Bakunin mit antisemitischer Rhetorik vor allem seinen Rivalen Karl Marx attackierte, dürfte in diesem Zusammenhang nicht so recht ins Konzept passen, deswegen läßt Assheuer es einfach weg, sonst liesse sich auch Karl Marx nicht als Judenfeind hinstellen (siehe unten). Wenn diese Rhetorik nicht so scheußlich wäre, so könnte man es fast witzig nennen. Gewisse Typen - auch "Journalisten" - machten noch vor 65 Jahren "das weltweite Judentum" für Revolutionen, Arbeiterbewegung, Sozialdemokratie, Russische Revolution, Bolschewismus, Kommunismus etc. verantwortlich. Heute müssen Journalisten das alles wohl für "antisemitisch" erklären, weil die "oberen Etagen" wieder mal Geschichte umfälschen müssen.
Es ist und bleibt aber das gleiche Gesindel. Schließlich kommt es nur darauf an, im Dienste der herrschenden Bestialität gewisse "Assoziationen" zu erzeugen. Was Richard Wagner anbetrifft, so bin ich ein wenig verwundert, ihn in dieser Auflistung anzutreffen, ist R.W. nun nicht gerade ein Säulenheiliger der "Linken" oder der "Globalisierungskritiker". Es reicht wohl für Assheuer aus, dass Wagner 1848 in Dresden an revolutionären Unruhen teilnahm, um ihn in die "antisemitische Verbrecherliste" der "Linken" aufzunehmen. Der Stumpfsinn dieses Autors läßt sich aus meiner Sicht kaum noch überbieten. Karl Marx redete verächtlich von der »jüdischen Geldwirtschaft« und war in die Idee vernarrt, der »göttlichen Warenform« die theologischen Mucken auszutreiben. Nun, jeder historisch auch nur halbgebildete Mensch weiß: Marx stammte aus einer (konvertierten) jüdischen Familie. Ansonsten gehe ich auf diesen von Unwissen, absoluter Blödheit und Unverständnis nur so strotzenden Satz nicht weiter ein. Von hier aus war es nur ein kurzer Weg zu der »Erkenntnis«, alle Übel der Moderne – das kalte Geld, der Handel, überhaupt alles »Abstrakte« – seien eine Transformation des jüdischen Geistes. Und Bankiers, Bonzen und Kapitalisten seine Vollstrecker.
Na, da werden die imperialen Enddärme aber zufrieden sein. Erfolgreich entleert!
Es gibt bestimmt Leute, die sich was gedacht haben bei dieser Schlächterei, und die wesentlich "klüger" sind als ein Assheuer. Aber wahrscheinlich besser bezahlt. Und gesellschaftlich nicht im entferntesten so nützlich wie echte biologische, menschliche Scheiße schippen.
Judenfeindliche Untertöne in der Globalisierungskritik sind aber deshalb so degoutant, weil ihre Vertreter bei jeder Gelegenheit als Avantgarde der Aufklärung auftreten. Mit dieser Aufklärung sollten sie rasch beginnen.
Schön.
Naomi Klein, die in diesem substanzlosen Artikel von Assheuer
als Antisemitin hingestellt wird, ist selbst Jüdin. Sie hängt das nicht
raus und soll mal gesagt haben, wo kämen wir hin, wenn nur noch Juden
Israel anklagen "dürften". Recht hat sie. Amerikanische Juden sind Teil
der Avantgarde aller progressiven Bewegungen in Nordamerika, ob es sich
um die Bewegung für schwarze Bürgerrechte, die Bewegung gegen den
Vietnamkrieg oder jetzt diese Boykottkampagne handelt.
Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Wir sollten auf Naomi Klein hören.
Alle Bilder auf dieser Seite, das von Naomi Klein ausgenommen, aus dem Blog http://rafahtoday.org oder von http://electronicintifada.net
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