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Die freie Gesellschaft PDF Drucken E-Mail
von Norbert Nelte    12.03.2009 - bisherige Aufrufe: 1917

1921_-_juon__der_neue_planet.jpgDas Ziel der Marxisten ist nicht die Arbeiterrätegesellschaft, sondern die freie Gesellschaft. Die demokratische Arbeiterrätegesellschaft ist nur eine notwendige Übergangsform für die freie Gesellschaft.

Hier wird es keine Arbeiter mehr geben, sondern nur noch gleichberechtigte Menschen die nach dem Prinzip leben, „Jedem nach seinen Bedürfnissen, Jedem nach seinen Fähigkeiten". Das wird aber letztlich nur möglich sein, wenn das Geld, der Leistungsdruck und der Staat als Kontrollorgan abgeschafft sind. Und hier erkennt man schon das Problem, warum man diese Gesellschaft nicht direkt einführen kann, wie es die Anarchisten wollen. Anfangs werden noch einige Kapitalisten oder Kapitalistenhelfer trotz ihrer kleinen Minderheit von 5% in Europa im Untergrund alle Hebel in Bewegung setzen, um ihre Entmachtung wieder rückgängig zu machen.

Außerdem kann die freie Gesellschaft nicht mit „ordre de mufti" von oben eingeführt werden. Wir haben doch alle die Erfahrung gemacht, dass man einen Kapitalismusanhänger kaum von der Arbeiterräterepublik überzeugen kann, und sei er schon seit 40 Jahre Arbeiter. Die Ideen der Herrschenden sind immer noch die herrschende Meinung. Die Herrschenden verbreiten ihre Meinungen mit der „Millionäspresse". Der Verleger muss auch wie alle Kapitalisten eine Millionen besitzen, um eine Zeitung drucken zu können. Die Werbung wird da nur geschaltet, wenn sie staatstragend ist, wenn sie beispielsweise auf Seiten Israels ist. Ausnahme bildet jetzt das Internet, aber denen glaubt der Uninformierte einfach nicht. Das Internet führt noch eher zu kleinbürgerlichen Theorien wie Geld- 3.- Weg- oder Verschwörungstheorien, denn zur Emanzipation. Jedenfalls führen die Infos der unterdrückten Nachrichten nur im Kleinbürgertum wie z.B. über die „Online-Überwachung" zu stärkeren Demos wie 1984 mit der Volkszählung, aber immerhin. Im Arbeiterbereich bleibt die Mobilisierung zu Internetzeiten eher unter denen, der 70 er Jahre. Das hat noch mit der 68-Bewegung zu tun.

In Deutschland ist sie noch weit hinter den Wirtschaftskrisen zurückgeblieben. Aber viele andere Länder sind ja schon viel weiter, gibt es schon viel mehr von der reformistischen Gewerkschaftsführung unabhängige emanzipierte Kämpfe, und dabei wirft auch der Arbeiter ganz schnell seine alte Weltanschauung über Bord und lernt aus dem Internet. Über Ägypten und Griechenland sind wir hier ja schon bestens informiert. In Italien wurden schon bei den Betriebsbesetzungen bei INNSE Mailand, IVECO Suzzara, in der Schweiz bei Officine von Bellinzona und Borregaard-Attisholz
bei Solothurn und in Spanien bei Holcim Torredonjimeno erste Erfahrungen mit Streikräten gesammelt. In England ist die Bewegung mit eine ganzen Reihe von Streiks der nicht rituellen Art, mehrere heftige Konfrontationen bei Demonstrationen und Kundgebungen der allerjüngsten Zeit schon eine ganze weiter als hier, so dass die Polizei für den Sommer schon Unruhen erwartet.

In all diesen Kämpfen wurden schon demokratische Streikräte gewählt, die noch in der Phase der Doppelherrschaft in Arbeiterräte verwandelt werden. Sie handeln auch nach den drei Prinzipien

  • jederzeitige Abwählbarkeit
  • höchstens einen Facharbeiterlohn verdienen und
  • an die Beschlüsse der Basis gebunden sind.

 

 

Bis dahin wird alles spontan verlaufen, wie wir das bei der Untersuchung der Geschichte der Rätedemokratiebewegung nachgewiesen haben. Die emanzipierte Arbeiterbewegung wird in revolutionären Verhältnissen die Partei, die ihre objektiven Interessen vertritt, aufbauen (Russland, Portugal), also nicht die Parteien, die andere Staaten mit kleinbürgerlicher Führung vertreten. Diese revolutionäre Arbeiterpartei wird die objektiven Interessen vorantreiben und nach der Machtübernahme durch die Arbeitermassen sehr schnell in einer Basisplanwirtschaft gleichen Lohn in allen Arbeiterstaaten und Austausch der Patente einführen damit auch in allen Arbeiterstaaten nach einer Übergangszeit die gleiche Bedingungen herrschen. Nun herrscht nicht mehr  die kleine Minderheit der 5% Kapitalisten über die große Mehrheit der 85% Arbeiterklasse, sondern umgekehrt, die große Mehrheit der Arbeiter herrscht dann über die kleine Minderheit. Die Arbeiter unter sich und mit dem größten Teil des 10% Kleinbürgertums sind dann basisdemokratisch organisiert, zusammen unterbinden sie aber dem Kapital, andere ausbeuten zu können, von ihrer Wertschöpfung den Mehrwert zu unterschlagen, sie üben ihnen gegenüber also noch eine Diktatur aus. Dies meinte Marx mit dem missverständlichen Begriff der „Diktatur des Proletariats", nicht das, was Stalin dann daraus machte, seine Diktatur über die Arbeiterklasse.

Da aber nun die Arbeitenden selber über das Produktionskapital und seine Verwendung verfügen und das Privatvermögen auf eine kleine Höhe von ihnen begrenzt wird, wird der ehemalige Kapitalist dann wie alle anderen auch selber arbeiten müssen. Die 85% (Europa) umfassende Arbeiterklasse wird dadurch innerhalb kürzester Zeit die anderen Klassen zu sich herabziehen und in sich integrieren. Wenn die Arbeiterklasse dann die ganze Gesellschaft umfasst, wird es keine Klassengegensätze mehr geben. Keine Profitinteressen treiben mehr die Menschen auseinander, der Mensch kann endlich nach der Vernunft seine Entscheidungen treffen, er tritt ins Zeitalter der Vernunft ein.

Die historische Mission des Geldes, der Staaten und der Arbeiterpartei hat sich damit erfüllt. Der Staat ist abgestorben. Diese Situation wird umso schneller erreicht werden, je mehr Länder diesen Reifegrad erreichen. Bei der Globalisierung der Wirtschaftskrise und der Kriege wird dieser Punkt sehr schnell, innerhalb von eins, zwei Generationen nach der ersten Revolution erreicht werden.

Es gibt keine Arbeiter mehr und keinen Kapitalisten mehr, es gibt nur Menschen, wir leben dann nach dem Prinzip „Jedem nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen". Das nennen wir Marxisten „Kommunismus", wie in einer Kommune, du arbeitest oder nicht, was Du willst, morgens Arzt, nachmittags Kindergärtner und in einem Jahr schaust Du Dir Amerika an und arbeitest in Peru nach dem Studium als Archäologe. Wenn Du eine neue Küche brauchst für Dein Haus, gehst Du zur städtischen Lagerverwaltung und der Verwalter wird für Dich eine schöne raussuchen und noch ein besseres Fahrrad, alles ohne Geld.

Wie das, dann wird doch niemand mehr arbeiten wollen?

Engels hat in seiner Untersuchung „Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen" festgestellt, dass der Mensch durch die Arbeit (nicht Lohnarbeit) zum Menschen wurde. Wenn Du faul auf dem Sofa rumliegst, fühlst Du doch nur das Tierische in Dir. Du wirst dann Mensch, wenn Du schöpferisch bist. In einem Phoenix-Film über einen brasilianischen Indianerstamm baut ein angesehener Blasrohrbauer einem Jungen ein Blasrohr und zeigt ihm die recht komplizierte Fertigung, für null Euro, denn Geld kennen die überhaupt nicht. Nicht wegen 3,50 Unzen, sondern einfach nur aus Spaß, für die Anerkennung oder die Liebe oder Solidarität seines Stammes. Wenn er wegen des Spaßes arbeitet, wird doch der Mensch zu viel größeren Entwicklungen fähig sein, als wenn er für Drei, Fünfzig arbeiten würde.

Na gut, aber der eine Mensch ist doch genialer als der Fensterputzer, das müsste man doch honerieren.

In einer freien Gesellschaft sind alle Menschen Genies. Unser Gehirn ist nur zu 10% ausgelastet, warum? Von Geburt an kann jeder Mensch singen und malen. Im Kapitalismus werden alle Fähigkeiten wegen der Zweckorientiertheit kaputt gemacht. Schon das Schulsystem muss die Kinder in Elite, Handarbeiter und Überflüssige aussortieren. Da wird alles Geniale abgetötet. In der portugiesischen Revolution 1974 haben sie eine Arbeiteruniversität gegründet, da haben die Arbeiter die griechischen Philosophen studiert oder die Relativitätstheorie.

Außerdem gibt jeder das was er kann, ohne Profit da brauchen wir keine Aufrechnung mehr.

Und wer macht die Kanalisation sauber?

Der Mensch ist von Natur aus ordentlich und hat es gerne, wenn alles um ihn herum übersichtlich ist. Da sammelt der Mathematiker auch nachmittags um das Haus den wenigen Müll ein. Außerdem gibt es viel mehr Roboter und den Rest kann man sich im Wohnblock aufteilen. Wenn man hochkonzentriert schwierige Probleme löst, führt man gerne zwischendurch zur Entspannung auch mal stupide Arbeiten aus.

Es wurde ausgerechnet, wenn man sich auf das Notwendige beschränken würde, würde man weltweit nur 2 Stunden pro Tag arbeiten müssen. Wenn die ganze überflüssige Arbeit wie Waffenproduktion, Kriegsspiel, Werbung, Patentamtsarbeit, Reparatur von Billigware, Krankenpflege von sozial Kranken, Bau von Luxusautos und Luxusyachten, Transport wegen Zollersparnis und und und wegfallen würde, könnte man viel mehr Zeit für die Kindererziehung, für Hobbys und Weiterbildung verwenden, so, dass man letztlich den Unterschied zwischen Arbeit und Hobby feststellen könnte. Die Unterteilung in Kopf- und Handarbeit ist auch aufgehoben. Der Arbeitsablauf wird nicht mehr in Sekundenschritten unterteilt und Du behälst den Überblick über den gesamten Produktionsvorgang.

Und wenn alle ein Porsche wollen?

Die Ware hat nicht mehr die Form eines Befriedigungsersatzes. Wenn im Kapitalismus jemand Porsche fährt, steigt seine Anerkennung. In der freien Gesellschaft werden die Menschen wahrscheinlich gar keinen Porsche mehr bauen, aber das entscheiden sie ja selber. Sollte einer noch einen alten Porsche haben, werden die Menschen denken, „Oh, ein Angeber mit einem Penisersatz. Dem wollen wir doch den letzten Therapeuten empfehlen." Die gesellschaftliche Anerkennung fällt auf Null.

Warum gibt es keinen Staat mehr? Es muss doch weiter ein Wirtschaftsministerium oder einen Familienminister geben?

Verwaltungen, die das Wirtschaften organisieren usw. wird es natürlich geben. In der Naturgesellschaft werden all diese Aufgaben auch gesellschaftlich abgestimmt und vom gewählten Häuptling umgesetzt. Staaten gab es erst mit den Klassengesellschaften und Nationalstaaten mit Pass und Staatsbürgern erst mit dem Kapitalismus. Die Aufgabe des Staates ist die Kontrolle der unterdrückten Klasse durch das Innenministerium, die Justiz und den Geheimdienst.

In der Naturgesellschaft stand der Mensch im Widerspruch zur Natur, in den Klassengesellschaften steht der Mensch im Widerspruch zum Mensch und in der freien Gesellschaft aber wird der Mensch mit sich in Harmonie leben können. In der Naturgesellschaft herrschte noch Mangel, deshalb konnten die basisdemokratischen Verhältnisse sich nur innerhalb des Stammes durchsetzen. Der Kapitalismus leidet am Überfluss, da können wir leicht eine Welt aufbauen, in der alle Menschen gleichberechtigt solidarisch zusammenleben, ohne Grenzen zwischen den Völkern und zwischen den Menschen.

Das ist ja wie im Schlaraffenland

Ja richtig. Aber das hier ist wie Tollhaus, zu Krieg sagen wir Frieden und wenn wir einen Hungerlohn verdienen, dann tun wir was für die Arbeitsplätze. In der WG oder Familie kochst Du gerne für alle Kaffee, aber im Kapitalismus hisst es, der nimmt mir einen Arbeitsplatz weg. Wenn weniger produziert wird, dann spricht man vom Gesundschrumpfen und wer die Wahrheit spricht, ist ein Verschwörungstheoretiker und ein Spinner. Es wird Milliarden für Satelliten ausgegeben für eine bessere Ernte und dann wird sie vernichtet, damit nicht zu viel auf den europäischen Markt angeboten wird und jeden Tag verhungern 30.000 Kinder, alles ganz logisch.

Es gibt ein Überfluss an Gütern, aber zu viel Armut für eine kaufkräftige Nachfrage. Dieser Widerspruch wird schon in der solidarischen Basisräterepublik aufgehoben und wenn kein Mangel mehr herrscht, braucht es auch kein Marktregulierungsmechanismus mehr, nur die Vernunft, das ist alles.

Norbert Nelte

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Internationale Sozialisten im Netzwerk Linke Opposition

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