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Britannien: Betriebsbesetzungen bei Auto-Zulieferbetrieben PDF Drucken E-Mail
von Francis Byrne    02.04.2009 - bisherige Aufrufe: 2165

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Vor dem Hintergrund der Proteste gegen den Weltwirtschaftscrash und gegen den G20-Gipfel bildet sich kämpferischer Widerstand gegen Betriebsschließungen an der Arbeiterbasis in Großbritannien.

Im Werk Belfast des Autozulieferbetriebs Visteon haben etwa 200 Arbeiter ihren Betrieb besetzt. Am 31.3. wurde seitens der Geschäftsführung eine eilige Betriebsversammlung einberufen. Auf dieser Versammlung wurde die sofortige Schließung des Werks und der Verlust aller 560 Arbeitsplätze in den 3 Betrieben in Britannien (Belfast, Basildon, Enfield) bekannt gegeben. Vorherige Besprechungen mit Arbeitervertretern gab es nicht.

Die wütenden Kolleginnen und Kollegen demonstrierten innerhalb und außerhalb des Betriebs und wurden von Unterstützern mit Schlafsäcken und Lebensmitteln versorgt. 200 der Arbeiter besetzten den Betrieb kurzerhand.

Weitere Betriebe schließen sich den Protesten an

Jon Macquire, der Gewerkschaftsorganisator der Fabrik sagte der britischen Arbeiterzeitung ‘Socialist Worker':

„Um es klar zu sagen: Wir meinen es ernst und sind hier, um anständige Abfindungen und Pensionen zu bekommen.

Wir sind entschlossen, die Besetzung fortzusetzen und wir bitten die Arbeiter in Irland, Britannien und weltweit, uns in unserem Kampf zur Verteidigung von Arbeitsplätzen zu unterstützen."

Die Proteste und teilweise auch die Betriebsbesetzung weiteten sich auf Betriebe in England aus. Am nächsten Tag, dem 1.4. besetzten 80 Arbeiter die Visteon-Niederlassung in Enfield, im Norden von London.

Auch rund 100 Arbeiter des Werkes in Basildon, Essex protestierten. 40 von Ihnen besetzten den Betrieb für einen Tag und drangen bis auf das Dach des Betriebes vor (Foto oben: Charlie Kimber von Socialist Worker). Angesichts sehr großer Polizeipräsenz vor dem Betrieb und sogar auf dem Betriebsgelände selbst und angesichts von Drohungen, die Besetzer zu verhaften, wurde die Besetzung in Basildon allerdings vorerst abgebrochen. Die Arbeiter auch dieses Werkes wollen ihren Kampf fortsetzen.

Wie Hundekacke behandelt

Das Unternehmen Visteon hatte im Jahr 2000 die Fabrik in Belfast vom Autokonzern Ford übernommen. Der Betrieb lieferte ausschließlich an Ford. Bei dieser „outsourcing" genannten Auslagerung von Produktions- und Serviceteilen wurde den Arbeiterinnen und Arbeitern des Betriebes garantiert, dass alle bei Ford erreichten Abfindungsklauseln und Pensionsrechte von den neuen Besitzern übernommen werden würden. Genau dies scheint im Moment fraglich.

Bei diesen Besetzungen handelt es sich aber auch um einen Kampf um Würde. Steve Hart, der regionale Vertreter der Unite-Gewerkschaft sagte ‚Socialist Worker‘: „Es ist ganz wichtig, diesen Kampf am Laufen zu halten. Es geht hier nicht nur um Abfindungsregelungen. Wir werden nicht einfach zusehen, wie unsere Mitglieder wie Hundekacke behandelt werden".

Wie können wir bei einer Betriebsbesetzung Solidarität organisisren?

Wir stehen mitten in einem Weltwirtschaftscrash. Worte wie Rezession oder Depression scheinen kaum das ausdrücken zu können, was vor sich geht. Eher schon scheint der Kapitalismus wie vor die Wand gefahren zu sein. Das bisher extremste Beispiel liefert der Maschinenbau mit einem Auftragsrückgang im Februar von 49 Prozent.

Im Verhältnis zum eingesetzten Kapital sind die Profite mit der Zeit immer schmäler geworden. Es stehen immer weniger Arbeiter an immer teureren Maschinen. Doch nur von der lebendigen Arbeit der Arbeiter können sich die Kapitalisten ihren Gewinn klauen. Der kleine Aufschwung bei den Autoverkäufen durch die „Abwrackprämie" ist nur eine vorübergehende Kosmetik. Die Unmengen von auf Halde produzierten Autos werden nur um einen Bruchteil vermindert. Mit der Produktion haben die Autokonzerne in den letzten 20 Jahren kaum mehr Gewinne gemacht. Die Autokonzerne waren eher Banken und Spekulanten mit Wetten auf steigende Aktienmärkte. Doch mit dem Platzen der immensen Spekulationsblase ist dies nicht mehr möglich.

Zudem gibt es für das Kapital kaum mehr Spielraum, den Arbeitern die Bänder schneller zu stellen oder neue Märkte zu erobern. Das System hat akutes Herzflimmern.

So ist zu erwarten, dass es auch hier und anderswo in der nächsten Zeit zu Betriebsbesetzungen kommen könnte. Was kann man tun, um die Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen? Aktivisten müssen jetzt alles tun, um die Kollegen schnell in ihrem Kampf zu ermutigen.

Die kämpfenden Kolleginnen und Kollegen müssen durchhalten. Nur so können sie mit ihrem Kampf Kollegen in weiteren von Entlassung bedrohten Werke zum Kampf inspirieren. So könnte sich eine Betriebsbesetzungsbewegung ausweiten. Die schnelle und starke Solidarität von außerhalb des Betriebes ist aber auch für die noch unschlüssigen und schwankenden Kollegen im Betrieb wichtig. Mit wachsender Solidarität werden sie sich auch ermutigt fühlen, den Kampf aufzunehmen.

Besonders wichtig ist, dass Geld für die Besetzer gesammelt wird. Um Geld zu sammeln und aber auch um die Solidarität auszuweiten sollten Soli-Rundfahrten mit Aktivisten aus dem Betrieb organisiert werden. Auf Veranstaltungen können die Besetzer über ihren Kampf berichten.

Besonders wichtig ist es auch, die Streikposten an den Toren aktiv zu unterstützen. Die Drohung mit der blanken Staatsgewalt durch die große Polizeipräsenz bei der Besetzung in Baslidon weist auf zwei Dinge hin.

Die Bosse wollen sich die Verfügungsgewalt über ihr Kapital sichern, wenn es sein muss mit Gewalt. Die Produktionsmaschinen, der Fuhrpark und andere Teile des Anlagekapitals sind von dem Teil der Wertschöpfung gekauft worden, die zwar von den Arbeitern geschaffen wurde, ihnen aber nicht ausbezahlt wurde. Diese Anlagegüter sind zudem von anderen Arbeitern geschaffen worden. Die gehören also der Arbeiterklasse. Bei einer Besetzung sollte also seitens der Belegschaft versucht werden, die Kontrolle über die Maschinen zu behalten.

Desweiteren weist die große Polizeipräsenz darauf hin, dass die Herrschenden eine große Angst vor selbstbewussten Aktionen von unten haben. Die Geschichte zeigt, dass solche emanzipiert geführten Kämpfe das Potenzial haben, sich schnell auszuweiten und eine wirkliche Gefahr für das System werden können.


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