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Mahle-Arbeiter besetzen Werk in Argentinien PDF Drucken E-Mail
von LZ - http://argentina.indymedia.org    01.05.2009 - bisherige Aufrufe: 3205

In Rosario haben 500 Arbeiter ihre Fabrik besetzt, nachdem sie erfuhren, dass Mahle sie schließen und nach Brasilien verlagern will, weil dort „die unternehmerische Freiheit größer" sei.

„Wir haben seit etwa eineinhalb Jahren Probleme mit Mahle, also seit sie als Firma hierher kamen", bestätigt Martin Flayart, Mitglied der Arbeiterkomission der Fabrik .Der junge Metallarbeiter weist darauf hin, dass die Firma „sich in der Krise völlig verlogen benommen hat, was damit begann, dass unter anderem Altersboni von Mitarbeitern gestrichen wurden und Einheitslöhne eingeführt wurden.

„Unsere Produktivkraft wurde Schritt für Schritt ausgehöhlt und nach Brasilien verlagert", meint Flayart. Der Grund dafür sei die größere Flexibilität der Gewerkschaftsgesetze im Nachbarland. „Hier gibt es Arbeitnehmergesetze, die es in Brasilien nicht gibt und sie versuchen das hier auch so zu machen wie in Brasilien" betont er.

Die Wut der Arbeiter ist groß. Wie schon ihre französischen Kollegen bei Continental zündeten sie Reifen an. Die Menschen, die aus den Bussen aussteigen, die wegen brennender Reifen umgeleitet werden müssen, stellen  immer dieselbe Frage: Was weiß man überhaupt ? Einige Arbeiterfrauen die dort auf ihre Männer warteten, meinten: „Jetzt sitzen wir alle auf der Straße."

Multi Mahle

Die Mahle Gruppe als internationaler Konzern mit Hauptsitz in Deutschland ist einer der 30 größten Autozulieferer weltweit. Mahle produziert Kolben, Lager, Motorkomponenten und andere Teile. In Brasilien gibt es sieben Fabriken und im Jahr 2007 wurde die Dana Industria Ltda. (GmbH) dazugekauft. Mahle versorgt die großen Autokonzerne Volkswagen, Audi, BMW, Toyota, Ford, GM und andere.50 % seiner Produktion gehen an Fabriken in USA und Europa.

Weitere Infos zum Kampf der Mahlearbeiter in Deutschland:
http://www.mahle-alzenau.de/

Mahle ist, wie es in der offiziellen Seite heißt: „seit 1950 in Brasilien ansässig, zu einem Unternehmens- Modell  geworden, das herausragt in einem von hohem Wettbewerb geprägten Markt, indem es seine Anstrengungen auf Technologie von hoher Qualität, die Ausbildung der Mitarbeiter und eine wirksame und solide Finanzstruktur konzentriert". Das scheint jedoch nicht der Fall zu sein in seiner argentinischen Zentrale in Rosario, wo 520 Arbeiter eine Fabrik besetzt haben die geschlossen wurde.

Die Vorgeschichte

Wenngleich der Konflikt seit eineinhalb Jahren besteht, so ist Mahle doch eigentlich erst seit  dem 21. März in den Nachrichten. Damals machten die Arbeiter publik, dass es Einschüchterungversuche und den Bruch von Übereinkünften gegeben hatte, die nach dem Konflikt von Mitte Dezember 2008 getroffen worden waren, als trotz der Vereinbarung, dass es keine Entlassungen geben würde, es zu Kurzarbeit und Lohnkürzungen kam. Die Fabrik legte die Produktion  27 Tage in den beiden darauffolgenden Monaten still.

Aber am vergangenen Freitag passierte, was niemand vorhergesehen hatte: Mahle kündigte dem Arbeitsministerium die Schließung der Fabrik in Rosario an. An die 400 Arbeiter und 120 Angestellte, Führungskräfte und Vorarbeiter waren ohne Einkommen. Deshalb beschlossen sie die Fabrik friedlich zu besetzen.

„Wir sollten am 28 April wieder anfangen zu arbeiten. Seit gestern wissen wir, dass Mahle beschlossen hatte, die Fabrik in Rosario zu schließen, meinte Flayart und urteilt: "Wir haben Grund zur Annahme, dass sie die Fabrik auflösen."  

Die Arbeiter sind der Meinung, dass Mahle die Fabrik mit der Absicht gekauft habe, sie zu schließen. Sie wissen, dass es nicht wahr ist, dass es keine Arbeit gibt. „Sie wollten sie schon immer nach Braqsilien verlagern" so ein Arbeiter. Bei seine Einkaufstour in Argentinien hatte Mahle vor zwei Jahren hatte Mahle auch die Fabrik Edival in Rafaela erstanden, die Ventile herstellt .Diese Fabrik produziert weiter. Mahle beantragte und erhielt Subventionen für seine Fabrik in Rafaela, wollte aber nie die gleiche Strategie für die Fabrik in Rosario annehmen.

Seit Oktober letzten Jahres verschärfte sich die Lage, die Fabrik drohte mit Massenentlassungen. Dann folgten Verhandlungen mit dem Ergebnis eines Systems von Kurzarbeit und Beurlaubungen.

Mahle zog dann jüngst diese Vereinbarungen mit der Provinzregierung über einvernehmliche Entlassungen zurück. Als es letzte Woche seitens der Geschäftsleitung zur Absage eines Gesprächs Geschäftsleitung/Provinzregierung kam, in dem die Situation geklärt werden sollte, wollen die Arbeiter Infos und erfuhren, dass ihre Fabrik geschlossen wird. Beim Passieren des Werktors überreichte ein Wächter ein nicht unterschriebenes Schriftstück der Geschäftsleitung, in dem den „Lieben Mitarbeitern" die Gründe der Schließung dargelegt werden.

Die Arbeiter beschließen daraufhin die Besetzung ihres Betriebs. Jetzt soll am Montag eine Sitzung der Geschäftsleitung in der Firma stattfinden.

Bürokratie versucht Arbeiter zu vereinnahmen

Zunächst ließen sich weder Gewerkschaftsführer noch Vertreter der Regierung in der Fabrik sehen. Die Arbeiter suchten nach Gewerkschaftsführern und Politikern, die ihren Kampf unterstützen würden. Die Wut auf die fehlende Unterstützung der UOM (Metallarbeitergewerkschaft) sowie des Staatesw ist groß. Letzten Montag gab es ein Treffen von Brasiliens Präsident Lula und Argentiniens Präsidentin Cristina in Buenos Aires. Ein Arbeiter vermutet: „Vielleicht haben sie da unser Schicksal schon beschlossen."

Daraufhin versuchten Gewerkschaftsführer und Vertreter der Provinzregierung den Protest der Arbeiter zu kanalisieren und sich an die Spitze des Kampfes zu stellen. Der Arbeitsminister der Provinz Santa Fee, Carlos Rodrigues, der mittags die Fabrik besichtigte sagte: „Ich finde keinen Grund dafür, dass diese Fabrik mehr als andere in Mitleidenschaft gezogen ist außer einem: Einer fortschreitenden Aushöhlung der Produktion.", versicherte der Repräsentant des Staates der es als „unakzeptabel" einschätzte, dass „in Deutschland die Zukunft argentinischer Arbeiterinnen und Arbeiter beschlossen wird."

„Hier findet ein Angriff auf das Leben von 500 Familien statt. Ich könnte das von irgendeinem der kleinen nationalen Autohersteller  erwarten, aber nicht von einem Konzern. Deswegen ist das für uns nicht annehmbar.", stellte Rodrigues fest. Es ist allerdings nicht klar, warum der Minister unterschiedliche Ansprüche an die Ethik einheimischer oder multinationaler Firmen hat.

Der Tag mit den meisten Besuchern war der Samstag. In Anwesenheit von Rednern aus Gewerkschaft und Politik, Mitgliedern verschiedener Organisationen war der zweite Tag der Besetzung ein Höhepunkt mit viel Musik. Dort tauchte auch ein offizielles „Komitee" auf, angeführt von Rodrigues in Begleitung  der Vize-Ministerin Alicia Ciciliani. Der Besuch hatte zum Ziel die Fabrik zu besichtigen und die verschiedenen Ansätze bekannt zu geben, die von verschiedenen Instanzen des Staates vorangetrieben werden. „Es ist nicht der beste Tag um uns kennen zu lernen. Aber auf jeden Fall wird es der Tag sein, an dem wir anfangen zusammen zu arbeiten, wie wir es auch mit anderen Firmen machen von Seiten der Stadtverwaltung der Provinzverwaltung und der Regierung, um zu verhindern, dass Arbeitsplätze verloren gehen," stellte Rodrigues fest.

Ziel dieser Bemühungen und Versprechungen war es, den Einfluß des gewählten Arbeiterkomitees zu mindern und den Arbeitern Hoffnung zu machen, ihre Interessen würden durch Gewerkschaftsführung und Regierungsvertreter besser vertreten.

In seiner Rede innerhalb der besetzten Fabrik unterstrich der Minister den Beginn der notwendigen Beratungen und die Bitte um Vertrauen der Arbeiter, um die der Gouverneur Hermes Binner sowie die Präsidentin Christina Fernandez baten. Am Montag werden die Firma und die Repräsentanten von Gewerkschaft und Regierung zusammentreffen und es beginnen die Gespräche, die das Ministerium angeordnet hat und die, wie ihr Dienstherr feststellte, solange andauern werden, wie es notwendig sein wird.

Weier stellte er die verschiedenen Aktivitäten vor, die Treffen mit dem deutschem Botschafter einschließen, sowie ein Treffen zwischen den Regierungschefs beider Länder mit dem Ziel „an die Pflichten und sozialen Verantwortlichkeiten zu erinnern, die ein multinationaler Konzern hat, wenn er auf einem anderem Staatsgebiet tätig wird", unterstrich der Beauftragte der Provinz Cartera.

Außerdem betonten sowohl er, wie Ciciliano die Notwendigkeit der gemeinsamen Arbeit mit der Staatsregierung. „Bleiben sie in der Fabrik und wir kämpfen gemeinsam weiter, damit diese Leute nicht entscheiden und das Haar der anderen abschneiden ohne das eigene zu berühren." bat der regionale Arbeitsminister und appellierte an die Arbeiter, am Montag die Chefs hereinzulassen „damit sie keine Entschuldigungen haben, nicht teilzunehmen" am Verhandlungstisch.

„Man bekommt eine Gänsehaut, man kann die Emotionen fühlen, es gibt drei Generationen von Arbeitern in dieser Fabrik, unterstrich eine bewegte Ciciliani nach einem Rundgang im Inneren der Fabrik. „Wir haben eine intellektuelle und emotionale Verpflichtung nicht nur mit diesem Projekt und allen Arbeitern wie in Cotar und Paranà Metal", unterstrich die Beamtin.

An der Gewerkschaftsbasis ist an nicht überzeugt, denn die Regierungsvertreter entdeckten ihr Herz für die Arbeiter erst nach der Besetzung der Fabrik nachdem sie sie vorher ignoriert hatten.


Generalstreik

„Jemand, der in der Politik ist, kann nicht schockiert sein, dass so etwas wie das hier passiert, weil alle wissen, dass solche Dinge passieren," meinte seinerseits der Generalsekretär der örtlichen Delegation der CT (Gewerkschaft) Argentiniens, Jorge Acedo.

Der Unternehmer kann es unterlassen, auf das Arbeitsministerium zu hören," schimpfte das Mitglied der CTA (Gewerkschaft) „Die Arbeiter können das lösen. Wir als Klasse werden in jeder besetzten Fabrik dabei sein", versicherte der Gewerkschafter. Acedo unterstrich zwar die Wichtigkeit des Besuchs der Regierungsabgeordneten, aber er unterstrich zum einen die Notwendigkeit „ damit aufzuhören, die großen ökonomischen Gruppen zu subventionieren" und des weiteren „einen Generalstreik auszurufen um zu zeigen, dass es einen anderen Ausweg aus der Krise gibt. Man muss das Geld in die Gehälter der Arbeiter investieren", meinte er.










Quelle::

http://argentina.indymedia.org/news/2009/04/667609.php

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