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In Rosario haben 500 Arbeiter ihre Fabrik besetzt, nachdem sie erfuhren, dass Mahle sie schließen und nach Brasilien verlagern will, weil dort „die unternehmerische Freiheit größer" sei.
„Wir haben seit etwa eineinhalb Jahren Probleme mit Mahle, also seit sie als Firma hierher kamen", bestätigt Martin Flayart, Mitglied der Arbeiterkomission der Fabrik .Der junge Metallarbeiter weist darauf hin, dass die Firma „sich in der Krise völlig verlogen benommen hat, was damit begann, dass unter anderem Altersboni von Mitarbeitern gestrichen wurden und Einheitslöhne eingeführt wurden.
„Unsere Produktivkraft wurde Schritt für Schritt ausgehöhlt und nach Brasilien verlagert", meint Flayart. Der Grund dafür sei die größere Flexibilität der Gewerkschaftsgesetze im Nachbarland. „Hier gibt es Arbeitnehmergesetze, die es in Brasilien nicht gibt und sie versuchen das hier auch so zu machen wie in Brasilien" betont er.
Die Wut der Arbeiter ist groß. Wie schon ihre französischen Kollegen bei Continental zündeten sie Reifen an. Die Menschen, die aus den Bussen aussteigen, die wegen brennender Reifen umgeleitet werden müssen, stellen immer dieselbe Frage: Was weiß man überhaupt ? Einige Arbeiterfrauen die dort auf ihre Männer warteten, meinten: „Jetzt sitzen wir alle auf der Straße."
Multi Mahle
Die Mahle Gruppe als internationaler Konzern mit Hauptsitz in Deutschland ist einer der 30 größten Autozulieferer weltweit. Mahle produziert Kolben, Lager, Motorkomponenten und andere Teile. In Brasilien gibt es sieben Fabriken und im Jahr 2007 wurde die Dana Industria Ltda. (GmbH) dazugekauft. Mahle versorgt die großen Autokonzerne Volkswagen, Audi, BMW, Toyota, Ford, GM und andere.50 % seiner Produktion gehen an Fabriken in USA und Europa.
Weitere Infos zum Kampf der Mahlearbeiter in Deutschland:
http://www.mahle-alzenau.de/
Mahle ist, wie es in der offiziellen Seite heißt: „seit 1950 in
Brasilien ansässig, zu einem Unternehmens- Modell geworden, das
herausragt in einem von hohem Wettbewerb geprägten Markt, indem es
seine Anstrengungen auf Technologie von hoher Qualität, die Ausbildung
der Mitarbeiter und eine wirksame und solide Finanzstruktur
konzentriert". Das scheint jedoch nicht der Fall zu sein in seiner
argentinischen Zentrale in Rosario, wo 520 Arbeiter eine Fabrik besetzt
haben die geschlossen wurde.
Die Vorgeschichte
Wenngleich der Konflikt seit eineinhalb Jahren besteht, so ist Mahle
doch eigentlich erst seit dem 21. März in den Nachrichten. Damals
machten die Arbeiter publik, dass es Einschüchterungversuche und den
Bruch von Übereinkünften gegeben hatte, die nach dem Konflikt von Mitte
Dezember 2008 getroffen worden waren, als trotz der Vereinbarung, dass
es keine Entlassungen geben würde, es zu Kurzarbeit und Lohnkürzungen
kam. Die Fabrik legte die Produktion 27 Tage in den beiden
darauffolgenden Monaten still.
Aber am vergangenen Freitag passierte, was niemand vorhergesehen hatte:
Mahle kündigte dem Arbeitsministerium die Schließung der Fabrik in
Rosario an. An die 400 Arbeiter und 120 Angestellte, Führungskräfte und
Vorarbeiter waren ohne Einkommen. Deshalb beschlossen sie die Fabrik
friedlich zu besetzen.
„Wir sollten am 28 April wieder anfangen zu arbeiten. Seit gestern
wissen wir, dass Mahle beschlossen hatte, die Fabrik in Rosario zu
schließen, meinte Flayart und urteilt: "Wir haben Grund zur Annahme,
dass sie die Fabrik auflösen."
Die Arbeiter sind der Meinung, dass Mahle die Fabrik mit der Absicht
gekauft habe, sie zu schließen. Sie wissen, dass es nicht wahr ist,
dass es keine Arbeit gibt. „Sie wollten sie schon immer nach Braqsilien
verlagern" so ein Arbeiter. Bei seine Einkaufstour in Argentinien hatte
Mahle vor zwei Jahren hatte Mahle auch die Fabrik Edival in Rafaela
erstanden, die Ventile herstellt .Diese Fabrik produziert weiter. Mahle
beantragte und erhielt Subventionen für seine Fabrik in Rafaela, wollte
aber nie die gleiche Strategie für die Fabrik in Rosario annehmen.
Seit Oktober letzten Jahres verschärfte sich die Lage, die Fabrik
drohte mit Massenentlassungen. Dann folgten Verhandlungen mit dem
Ergebnis eines Systems von Kurzarbeit und Beurlaubungen.
Mahle zog dann jüngst diese Vereinbarungen mit der Provinzregierung
über einvernehmliche Entlassungen zurück. Als es letzte Woche seitens
der Geschäftsleitung zur Absage eines Gesprächs
Geschäftsleitung/Provinzregierung kam, in dem die Situation geklärt
werden sollte, wollen die Arbeiter Infos und erfuhren, dass ihre Fabrik
geschlossen wird. Beim Passieren des Werktors überreichte ein Wächter
ein nicht unterschriebenes Schriftstück der Geschäftsleitung, in dem
den „Lieben Mitarbeitern" die Gründe der Schließung dargelegt werden.
Die Arbeiter beschließen daraufhin die Besetzung ihres Betriebs. Jetzt
soll am Montag eine Sitzung der Geschäftsleitung in der Firma
stattfinden.
Bürokratie versucht Arbeiter zu vereinnahmen
Zunächst ließen sich weder Gewerkschaftsführer noch
Vertreter der Regierung in der Fabrik sehen. Die Arbeiter suchten nach
Gewerkschaftsführern und Politikern, die ihren Kampf unterstützen
würden. Die Wut auf die fehlende Unterstützung der UOM
(Metallarbeitergewerkschaft) sowie des Staatesw ist groß. Letzten
Montag gab es ein Treffen von Brasiliens Präsident Lula und
Argentiniens Präsidentin Cristina in Buenos Aires. Ein Arbeiter
vermutet: „Vielleicht haben sie da unser Schicksal schon beschlossen."
Daraufhin versuchten Gewerkschaftsführer und Vertreter der
Provinzregierung den Protest der Arbeiter zu kanalisieren und sich an
die Spitze des Kampfes zu stellen. Der Arbeitsminister der Provinz
Santa Fee, Carlos Rodrigues, der mittags die Fabrik besichtigte sagte:
„Ich finde keinen Grund dafür, dass diese Fabrik mehr als andere in
Mitleidenschaft gezogen ist außer einem: Einer fortschreitenden
Aushöhlung der Produktion.", versicherte der Repräsentant des Staates
der es als „unakzeptabel" einschätzte, dass „in Deutschland die Zukunft
argentinischer Arbeiterinnen und Arbeiter beschlossen wird."
„Hier findet ein Angriff auf das Leben von 500 Familien
statt. Ich könnte das von irgendeinem der kleinen nationalen
Autohersteller erwarten, aber nicht von einem Konzern. Deswegen ist
das für uns nicht annehmbar.", stellte Rodrigues fest. Es ist
allerdings nicht klar, warum der Minister unterschiedliche Ansprüche an
die Ethik einheimischer oder multinationaler Firmen hat.
Der Tag mit den meisten Besuchern war der Samstag.
In Anwesenheit von Rednern aus Gewerkschaft und Politik, Mitgliedern
verschiedener Organisationen war der zweite Tag der Besetzung ein
Höhepunkt mit viel Musik. Dort tauchte auch ein offizielles „Komitee"
auf, angeführt von Rodrigues in Begleitung der Vize-Ministerin Alicia
Ciciliani. Der Besuch hatte zum Ziel die Fabrik zu besichtigen und die
verschiedenen Ansätze bekannt zu geben, die von verschiedenen Instanzen
des Staates vorangetrieben werden. „Es ist nicht der beste Tag um uns
kennen zu lernen. Aber auf jeden Fall wird es der Tag sein, an dem wir
anfangen zusammen zu arbeiten, wie wir es auch mit anderen Firmen
machen von Seiten der Stadtverwaltung der Provinzverwaltung und der
Regierung, um zu verhindern, dass Arbeitsplätze verloren gehen,"
stellte Rodrigues fest.
Ziel dieser Bemühungen und Versprechungen war es, den Einfluß des
gewählten Arbeiterkomitees zu mindern und den Arbeitern Hoffnung zu
machen, ihre Interessen würden durch Gewerkschaftsführung und
Regierungsvertreter besser vertreten.
In seiner Rede innerhalb der besetzten Fabrik unterstrich der Minister
den Beginn der notwendigen Beratungen und die Bitte um Vertrauen der
Arbeiter, um die der Gouverneur Hermes Binner sowie die Präsidentin
Christina Fernandez baten. Am Montag werden die Firma und die
Repräsentanten von Gewerkschaft und Regierung zusammentreffen und es
beginnen die Gespräche, die das Ministerium angeordnet hat und die, wie
ihr Dienstherr feststellte, solange andauern werden, wie es notwendig
sein wird.
Weier stellte er die verschiedenen Aktivitäten vor, die Treffen mit dem
deutschem Botschafter einschließen, sowie ein Treffen zwischen den
Regierungschefs beider Länder mit dem Ziel „an die Pflichten und
sozialen Verantwortlichkeiten zu erinnern, die ein multinationaler
Konzern hat, wenn er auf einem anderem Staatsgebiet tätig wird",
unterstrich der Beauftragte der Provinz Cartera.
Außerdem betonten sowohl er, wie Ciciliano die Notwendigkeit der
gemeinsamen Arbeit mit der Staatsregierung. „Bleiben sie in der Fabrik
und wir kämpfen gemeinsam weiter, damit diese Leute nicht entscheiden
und das Haar der anderen abschneiden ohne das eigene zu berühren." bat
der regionale Arbeitsminister und appellierte an die Arbeiter, am
Montag die Chefs hereinzulassen „damit sie keine Entschuldigungen
haben, nicht teilzunehmen" am Verhandlungstisch.
„Man bekommt eine Gänsehaut, man kann die Emotionen fühlen, es gibt
drei Generationen von Arbeitern in dieser Fabrik, unterstrich eine
bewegte Ciciliani nach einem Rundgang im Inneren der Fabrik. „Wir haben
eine intellektuelle und emotionale Verpflichtung nicht nur mit diesem
Projekt und allen Arbeitern wie in Cotar und Paranà Metal", unterstrich
die Beamtin.
An der Gewerkschaftsbasis ist an nicht überzeugt, denn die
Regierungsvertreter entdeckten ihr Herz für die Arbeiter erst nach der
Besetzung der Fabrik nachdem sie sie vorher ignoriert hatten.
Generalstreik
„Jemand, der in der Politik ist, kann nicht schockiert
sein, dass so etwas wie das hier passiert, weil alle wissen, dass
solche Dinge passieren," meinte seinerseits der Generalsekretär der
örtlichen Delegation der CT (Gewerkschaft) Argentiniens, Jorge Acedo.
Der Unternehmer kann es unterlassen, auf das Arbeitsministerium zu
hören," schimpfte das Mitglied der CTA (Gewerkschaft) „Die Arbeiter
können das lösen. Wir als Klasse werden in jeder besetzten Fabrik dabei
sein", versicherte der Gewerkschafter. Acedo unterstrich zwar die
Wichtigkeit des Besuchs der Regierungsabgeordneten, aber er unterstrich
zum einen die Notwendigkeit „ damit aufzuhören, die großen ökonomischen
Gruppen zu subventionieren" und des weiteren „einen Generalstreik
auszurufen um zu zeigen, dass es einen anderen Ausweg aus der Krise
gibt. Man muss das Geld in die Gehälter der Arbeiter investieren",
meinte er.



Quelle::
http://argentina.indymedia.org/news/2009/04/667609.php
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