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Wirtschaft trotz Hilfsknete um 6,9% eingekracht. PDF Drucken E-Mail
von Norbert Nelte    20.05.2009 - bisherige Aufrufe: 2579

 
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Alle Rettungsmaßnahmen haben nichts mehr geholfen. Trotz Kurzarbeitergeld, Abwrackprämie und Bankenrettungshilfspaket ist das Bruttosozialprodukt im 1. Quartal 2009 kalenderbereinigt um minus 6,9% eingebrochen (Diagramm). Das ist nicht nur der tiefste Fall in der Geschichte der BRD, sondern, wie man leicht der Grafik entnehmen kann, eine neue Dimension in den 3. Keller. Die Wirtschaft brach so erschreckend tief ein, dass alle Medien nur das erste Mal den Fall des BIP gegenüber Vorquartal von 3,8%, anstatt gegenüber Vorjahr von 6,7% genommen haben.

6,9% (kalenderbereinigt) ist auch zu schrecklich für die  Elite. Da müsste man ja wieder Aufschwungsahlen wie Ende 1950er haben, um das ausgleichen zu können. Daran glaubt doch wirklich niemand mehr. Also mogelt man sich durch.

Eher kommt man zu dem Schluss, wenn es in diesem Tempo weitergeht, dann erreichen wir locker 2011 ein Minus von 45% wie 1929 und erhalten dann den Lohn in Notgeld nur mit lokaler Gültigkeit. Die Wirtschaftskrise hatte damals nur 35 Länder erfasst, jetzt aber ist es die ganze Welt.

Wir hatten am 24. März geschrieben, dass der „Point of no Return"  gerade überschritten wird und dass jetzt keine Übertragung des Überschusses aus dem Produktionsmittelsektor mehr stattfinden wird. Das wird zu einem steilen Wirtschaftszusammenbruch führen der nun jetzt mit minus 6,9% eingetreten ist. Dieses Überproduktionsgesetz haben wir in meiner Broschüre „Rosa Luxemburg, die Grenzen des Marktes und die Todeszuckungen des Kapitalismus" dargelegt.

In Japan sank das Bruttosozialprodukt gar um 15,2%, die Exporte fielen sogar um 70% (siebzig) gegenüber Vorjahr bzw. um 26% gegenüber Vorquartal und die Auto-Verkäufe um die Hälfte. In China sanken die Auslandsinvestitionen den siebten Monat in Folge im April 2009 um minus 22,5 Prozent gegenüber April 2008.  Gleichzeitung fielen die Steuereinnahmen im April um 13,6% (nach 1,2%  im Februar und 0,3 im März) zum Vorjahresmonat. Von den USA brauchen wir schon gar nicht mehr reden. Da machen die Autokonzerne gerade ihren letzten Atemzug mit Sanitäterhilfe des FIAT 500. Die Exportquote in Germany beträgt 46%, sie brach um 50% ein, da gerade das Rückgrat der Exportindustrie wegbrach, der Maschinenbau und die Autobranche. Wohin soll Deutschland da noch exportieren? Kühlschränke nach Grönland?

Es werden schon die 1929-Zahlen von minus 45% erreicht werden. Damals gab es auch Konjunkturhilfen. Nur sie halfen nichts und so rettete man sich mit dem 2. Weltkrieg, der 15% der Fabrikinvestitionen und noch massiver die Privathäuser zerstörte. Der Krieg hatte die Produktivkräfte entwickelt, so dass danach neue Häuser, Kühlschränke, Waschmaschinen und Autos an dem Massenkonkurrenten verkauft wurden und moderne Fabriken entstanden. Die Wirtschaft stieg wieder nach der Währungsreform wie in allen Ländern und heute in China um 10% an.

Wie wir dem Diagramm entnehmen können, stieg aber 1955 das Wachstum erst richtig auf 12,3% an. Dieser Superanstieg war dem Korea-Krieg geschuldet. Die amerikanische Industrie war mit der Waffenproduktion beschäftigt, während die USA ihre Investitions- und Konsumgüter auf dem deutschen und auch japanischen Markt orderte. Der Vietnam-Krieg sorgte noch von 1968-1973 für die 2. Wirtschaftssteigerungs-Hochphase. Nach 1973 verfiel dank des vietnamesischen Befreiungskrieges und dem internationalen Solidaritätskampfes der 68-Studenten die USA in ihr 30jähriges Vietnam-Trauma bis 2001 und die Kurve schaffte nur noch dank Genscher mit einer Erhöhung der Ausbeutungsrate durch massive Kürzung des Lohnes eine 5%-Steigerung.

Die normale Profitheckerei aus der Produktion war schon 1980 zu Ende (Grüne Linie). Die Löhne näherten sich der Gewinnkurve seit dem Ende des Nationalsozialismus 1945 immer mehr an. Die Nazis hatten sehr komfortabel für das Kapital den Anteil der Löhne am BIP immer sehr niedrig bei 55% gehalten, für die Gewinne also 45% vom BIP. Ab 45 stieg der Lohnanteil dann wieder bis 75% in 1982 an, das hieß, für die Gewinne nur noch 25%. Die Durchschnittsprofitrate ist lt. DGB 1982 schon auf 5,6%, unter den Finanzmarktzinssatz gefallen. Die Aktionärchefs bestellten dringlich die FDP ein und ihr Supermann Genscher verließ fluchtartig ohne Wählerauftrag die SPD/FDP Koalition mit Helmut Schmidt um dann mit Kohl zusammen hinfort die Lohnabhängigen kräftiger zu melken, so, dass nun die Kaufkraft für den Arbeiter nicht mehr stieg. Seit 1982 kann der Lohnabhängige im Durchschnitt für seinen Lohn nicht mehr Waren kaufen, sein Warenkorb wurde bis 2001 nicht mehr voller und dann nahm er wieder ab.

Trotz dem Lohnklau stieg die Durchschnittsprofitrate nur schwach bis 1993 an, und das nur bis 1993. Die Produktion von Gütern lohnt sich absolut nicht mehr. Z.B. erwirtschaftete Siemens bei den Handys 1% Gewinn. Auch, wenn die Arbeiter ohne Lohn gearbeitet hätten, wäre der Gewinn nur auf 4% gestiegen. Geschenkt, da bekommt man bei jeder Finanzfestanlage mehr. Mercedes erwirtschaftet aus der Produktion der Autos nichts mehr. Nur noch EADS mit der Rüstungsproduktion bringt dem Mercedes-Konzern gute Gewinne mit Raketen und Minen. Wenn in Afghanistan das Kind beim Spielen auf die Mercedes-Mine tritt und junges Blut fließt, dann klingelt hier in Sindelfingen die Kasse und Jürgen Schrempps Bärtchen stellt sich vor Freude steil aufrecht.

90% ihrer Gewinne zogen die Großkonzerne ab Mitte der 90er aus der Spekulation mit Aktien und den Derivaten-Mogeleien. Die Märchen-Erzähler an  den Börsen gehörten zu den bestbezahlten Berufsgruppen. Nach dem Börsenkrach der neuen Ökonomie 2000 und der Einbruch des Dow-Jones nach dem 11.9. führte es aber zu einem Ende des Börsenglaubens. Nun wurde noch auf die Heuschrecken gesetzt, auf die Leerverkäufe (Spekulation mit fallendem Kurs) und die Ausweidung der gesunden Konzerne. Mit der Finanzkrise 2008 war damit auch Schluss, dir Heuschrecken bekamen kein Geld mehr von den Banken geliehen.

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Im 1. Quartal 2009 rauscht nun die Wirtschaft mit Wucht in den Keller. Das gab schon eine neue Steuerschätzung bis 2013. Der Finanzminister geht davon aus, dass ihm 2009 34 Mrd. €uro fehlen werden. Das wird noch optimistisch gerechnet sein. Verdi sieht dann auch, dass eine „Agenda 2020" droht - eine neue Runde der Sozialdemontage, noch weit brutaler als seit 2003"

Das Kapital, welches noch nicht insolvent ist, verlegt sich aufs Betteln beim lohnabhängigen Steuerzahler. Porsche und BMW, Deutschlands Vorzeigefirmen wollen auch von dem Klingelbeutel etwas abhaben, kein neues Land gibt es nach China, dass man industriealisieren könnte und kein neues Massenkonsummittel, es geht schon zu Ende. Die Unternehmen wollen 4,5 Milliarden €uro von den Lohnabhängigen. Es ist schon beschämend, doppelte Ausbeutung nennt man das.

Und was kommt stattdessen. Wenn die sogenannten Linken und Gewerkschaften noch lange rumquatschen und von einer moralischen, verantwortungsvollen Marktwirtschaft träumen, werden die Massen wohl die Nazis wählen. Dann heißt es, alle gegen alle. Es setzt sich nun langsam doch immer mehr die Erkenntnis durch, dass es mit dem Wirtschaftssystem zu Ende geht, aber die Nazis machen auch nichts anderes, nur gleich einen Weltkrieg.

Die Marktgesetze mit Angebot, Nachfrage ausgeglichener Produktion und ungleichgewichtetem Weltmarkt (z.B. hohe Löhne in Europa, niedrige in China) funktionieren nicht mehr wegen der niedrigen Durchschnitts-Rendite und den Grenzen des Marktes. Die Kapital-Elite überlegt ein anderes Wirtschaftssystem, in dem sie ihre Privilegien behalten kann. Das wäre natürlich nur mit der Abschaffung der Marktwirtschaft in einem zentralisierten Weltstaat mit Industrie-Sklaven ohne „freien" Arbeitsmarkt und Monopol möglich. Die Berliner Umschau (also eine etablierte Zeitung) schreibt über das Bilderberger Geheimtreffen 2009 in Athen: "Nach Experten-Informationen wurden zwei Szenarien diskutiert. Eine sehr lange Krise. Oder ein kurzer Total-Chrash. Ziel sei, die Wirtschaftskrise für einen weiteren Globalisierungsschub zu nutzen. Dazu gehöre die weitere Einschränkung nationaler Souveränität. Dies sei den Teilnehmern in der Einladung vorgeschlagen worden, schreibt „Times Online". Vor einem Weltmonopol steht aber der alles zerstörende Weltkrieg. Monopol, Versklavung und Weltkrieg sind die Alternativen, die sich die feinen Herren für uns ausdenken. Diesmal waren auch Cem Ösdemir und Roland Koch unter den Top 100 Pinkels. Aber sie kommen zu spät.

Wir kleinen Leute machen die Sache doch lieber selber mit einem solidarischen basisdemokratischen Rätesystem, wo die Lohnabhängigen demokratisch im Zentrum stehen, damit die internationale gleichgewichtige Produktion auch gewährleistet ist. In einigen Ländern fangen die Kollegen schon damit an, die Sache in die eigene Hand zu nehmen, und das wird sich letztlich früher oder später auch nach Deutschland übertragen.

Norbert Nelte
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Internationale Sozialisten im Netzwerk Linke Opposition
Es ist nicht mehr fern, unser Land

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