| Einzige revolutionäre Klasse: Die Arbeiterklasse |
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| von Francis Byrne |
14.06.2009
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Herausforderungen für eine neue Generation von Aktivistinnen und Aktivisten
Immer mehr Menschen sehen sich durch die Weltwirtschaftskrise mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Arbeiterinnen und Arbeiter befürchten aufgrund der sich ausweitenden Krise Lohnkürzungen, Stellenabbau oder gar Werkschließungen. Die Krise stellt auch die Lebenspläne von vielen anderen Menschen in Frage: Schüler, Studenten, Arbeitslose, Rentner - sie alle befürchten den weiteren Abbau von sozialen Leistungen und zunehmend düstere Zukunftsaussichten. Viele Menschen haben sich in den letzten Jahren für eine andere Welt eingesetzt. Unsere Losung lautet: „Eine bessere Welt ist möglich!" Auf Demonstrationen gegen das Massaker Israels in Gaza, gegen die NATO, G8 oder gegen Nazis konnten viele Aktivistinnen und Aktivisten aus verschiedenen politischen und religiösen Lagern ihre Kraft in selbstbewussten gemeinsamen Aktivitäten spüren. Gleichzeitig mussten sie aber auch erleben, dass einmalige Demonstrationen oder sogar länger geführte Kampagnen nicht ausreichen, um die so dringend notwendigen Veränderungen tatsächlich auch zu erkämpfen. Es wird immer mehr Menschen deutlich, dass Krieg, Rassismus, Umweltzerstörung, Sexismus und vieles mehr nicht innerhalb des kapitalistischen Konkurrenzsystems zu lösen sind. Reformen des Kapitalismus führen nur zu einer Verlängerung des quälenden Laufs von Krise und Krieg. Es gilt, den Kapitalismus revolutionär zu stürzen und durch eine neue, solidarische Gesellschaft zu ersetzen. Wichtig dabei ist, die kriegs- und krisentreibende Kraft der Konkurrenzwirtschaft durch einen solidarischen und basisdemokratischen Plan von unten zu ersetzen. Zwar sorgte die Konkurrenzproduktion am Anfang des Kapitalismus für eine besonders dynamische Entwicklung der Gesellschaft und der Produktivkräfte. Spätestens aber seit dem Ersten Weltkrieg überwiegen die Destruktionskräfte des Systems. Die Macht der Arbeiterklasse entdecken
Viele Aktivistinnen und Aktivisten überprüfen derzeit ihre Ideen über die Welt und wie sie verändert werden kann. Arbeiterinnen und Arbeiter in von Kürzungen und Schließung bedrohten Betrieben entdecken im Widerstand, dass sie sich nicht auf reformistische Politiker oder ihre Gewerkschaftsführung verlassen können und selbst aktiv werden müssen. Karl Marx stellte die Selbstbefreiung der Arbeiterklasse ins Zentrum seiner Ideen und Aktivitäten, denn sie ist die einzige Kraft, die den Kapitalismus überwinden kann. Warum?
Die Revolution der Arbeiter wird endlich die Mehrheit der Menschen an die Macht bringen Zur Arbeiterklasse gehören alle lohnabhängig Beschäftigten und ihre Familien sowie Arbeitslose. Die Arbeiterklasse stellt mittlerweile die Mehrheit der Weltbevölkerung. Weltweit stellen die Arbeiterinnen und Arbeiter die Mehrheit der Menschen. In den Industriestaaten stellen sie sogar bis zu 85 Prozent der Bevölkerung. Im Kapitalismus herrscht - genau wie in den vorherigen Sklavenhaltergesellschaften und im Feudalismus auch - eine zahlenmäßig winzige Klasse über die Mehrheit der Bevölkerung. Um dazu in der Lage zu sein, benötigt diese Klasse Herrschaftsinstrumente, um die unterdrückten Massen klein zu halten und zu spalten. Sexismus, Rassismus, religiöse Hetze und anderes werden benutzt, um die Unterdrückten gegeneinander auszuspielen. Die Macht der Arbeiterinnen und Arbeiter über die Produktion und die Gesellschaft wird viel demokratischer sein, denn es herrscht nicht eine kleine Minderheit sondern die überwiegende Mehrheit. Marx und Engels beschreiben es im Kommunistischen Manifest (hier als Webpage und hier als PDF-Datei - Broschüre der Internationalen Sozialisten) so:
Wenn einzelne Arbeiter Lohnforderungen stellen oder die Arbeitsbedingungen verbessern möchten, dann werden sie nicht viel ausrichten können. Wenn ihre Forderungen erfolgreich sein sollen, dann müssen die Arbeiterinnen und Arbeiter eines Betriebes sie zusammen stellen. Sie sind dazu gezwungen, kollektiv und solidarisch zu handeln. Im Kommunistischen Manifest schreiben Marx und Engels:
Wichtig bei Arbeitskämpfen ist es, im Betrieb keine Gruppe von Kolleginnen und Kollegen auszugrenzen. Vorher möglicherweise ausgegrenzte ausländische Kollegen müssen bei einem Streik mitmachen. Denn wenn sie nicht miteinbezogen werden, dann ist der Arbeitskampf von vorneherein zum Scheitern verurteilt. So verändert sich in einem emanzipierten Kampf sogar das alte Bewusstsein. Arbeiter, die vorher möglicherweise Rassisten waren, verändern in eine solchen Kampf oft über Nacht ihre alten spalterischen Ansichten. Die Arbeiterklasse ist die einzige Klasse, die die kapitalistische Aneignungsweise überwinden kann Radikale Bewegungen von Bauern oder auch Studenten können eine große Kraft entfalten. Aber nur die Arbeiter haben die Macht, im Streik die Lebensader des Kapitalismus - die Profite - anzugreifen. Dies verleiht ihnen eine ungeheure Macht. Ebenso wichtig ist aber die Stellung der Arbeiter zu den Produktionsmitteln. Es gibt zwar auch andere Klassen und Schichten, die unter dem Kapitalismus und auch unter der Konkurrenz leiden - Bauern beispielsweise. Diese gehören zur Klasse der Kleinbürger und stehen zwischen Kapital und Arbeit. Sie haben einerseits Produktionsmittel, andererseits müssen sie sich und oftmals auch ihre Familie ausbeuten, um überleben zu können. Zwar leidet ein Bauer an der Konkurrenz durch Großbetriebe oder im Süden der Welt durch die Willkürherrschaft von Tyrannen. Aufgrund ihrer Stellung im Produktionsprozess, verharren sie aber zumeist innerhalb des Systems. Unzählige Male geschah es in der Geschichte, dass erfolgreiche Bauernaufstände den Grundbesitzer beseitigten und die kämpferischen Bauern Land vergrößern konnten. Dies nutzten sie allerdings wieder dazu, in Konkurrenz zueinander Lebensmittel zu produzieren. Ganz anders ist es bei den Arbeitern. Die Arbeiter eines Betriebes, können das Fließband nicht auseinanderschrauben und untereinander aufteilen, um dann jeder für sich im Keller zu produzieren. Sie müssen auch als Kollektiv die Produktionsmittel übernehmen. Marx und Engels drücken es im Kommunistischen Manifest so aus:
Wirklich revolutionär: die klassenlose Gesellschaft Wenn die Arbeiterklasse organisiert an die Macht gelangt, dann kann sie das nur tun, indem sie die Wirkungsweise des Kapitalismus aufhebt. Wenn ihr weltweit die Produktionsmittel gehören, ist Lohnarbeit und Akkumulationszwang undenkbar. Marx und Engels schreiben:
Durch die Abschaffung der kapitalistischen Aneignungsweise wird aber etwas ganz anderes möglich: die klassenlose Gesellschaft. Vorherige Aufstände und Revolutionen haben immer wieder neue Herrscher an die Macht gebracht. Der Aufstand der Sklaven unter Spartakus hätte auch im Erfolgsfall nur eine neue Sklavenhaltergesellschaft hervorbringen können, dann eben unter der Führung des Spartakus. Das gesellschaftliche Mehrprodukt der Sklavenhaltergesellschaft war noch lange nicht so entwickelt, dass alle Menschen in Freiheit hätten leben können. Diese Möglichkeit hat erst der Kapitalismus geschaffen. Der Kapitalismus hat die Produktivkräfte so sehr entwickelt, dass nun die klassenlose Gesellschaft tatsächlich möglich ist. Der Sozialismus ist die Übergangsgesellschaft, in der es noch die Arbeiterklasse als herrschende Klasse gibt.
Die Arbeiterklasse ist objektiv internationalistisch Nationen und Nationalismus werden im Kapitalismus benötigt, damit die Herrschenden die Märkte schützen und ausweiten können. Der Nationalismus wird immer wieder dazu benutzt, Kriege zu rechtfertigen und die Menschen im Lande zu spalten. Der Nationalismus wird dazu gebraucht, um die Menschen gegeneinander auszuspielen. Aber die Arbeiter haben keine Nation. Ihr objektives Interesse ist internationalistisch. Wenn ihre Kollegen beispielsweise in China für 0,50 Cent pro Stunde arbeiten, dann wird dies vom Kapital genutzt, um auch hier die Löhne zu kürzen oder die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Mit der „Standort Deutschland" Politik haben die SPD und die Gewerkschaftsbonzen dem internationalen Konkurrenzdruck viel größeren Spielraum verliehen. Ein Wettlauf um geringere Löhne und schlechtere Bedingungen war die Folge. Das Interesse der Arbeiterinnen und Arbeiter ist es aber nicht, dass ihre Lebensbedingungen im Kapitalismus immer schlechter werden. Ihr Interesse ist es, dass die Kollegen in China, Indien, Mexiko und und und, den gleichen hohen Lohn und die gleichen guten Arbeits-, Sicherheits- und Zukunftsbedingungen haben wie sie selbst. Das Interesse ist nicht „Sozialabbau für den Standort Deutschland" sondern „gleicher Lohn für alle und das weltweit"! Die Arbeiterklasse hat den anderen unterdrückten Klassen vor ihr in der Geschichte noch etwas voraus. Sklaven und Leibeigene hatten ein großes Wissen über ihren Arbeitsbereich. Wissen über Viehzucht und Anbau von Nutzpflanzen wurde über Generationen weitergegeben. Die kapitalistische Produktionsweise braucht aber Arbeiter, die besser ausgebildet sind. Viele mussten die Grundrechenarten sowie Lesen und Schreiben lernen, viele weitere mussten sogar eine noch umfangreichere Ausbildung erhalten. Mit dem Erscheinen der Arbeiterklasse hat nun die unterdrückte Klasse die Möglichkeit, sich zu organisieren, eine Partei aufzubauen, im Kampf eigene Forderungen, Flugblätter und sogar Zeitungen und Internetseiten zu erstellen. Kurz gesagt, die Arbeiterklasse ist die erste unterdrückte arbeitende Klasse, die ihre Selbstbefreiung theoretisieren und organisieren kann. Wie Arbeiter Revolutionäre werden Viele Menschen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten für eine sozialistische und klassenlose Gesellschaft eingesetzt. Viele von ihnen haben sich aufgrund der Erfahrungen mit den staatskapitalistischen Ländern - wie Russland nach der Konterrevolution Stalins, die DDR oder noch heute Kuba oder China - enttäuscht und angewidert abgewendet. Diese Tyranneien schmücken sich mit sozialistischem Vokabular und roten Fähnchen. Die Arbeiterklasse ist oder war in diesen Ländern aber keinesfalls die Herrscherin über die Produktionsmittel oder die Produktion. Um ihre umfangreichen Privilegien zu sichern und ihre Stellung auch international zu sichern, muss sich die herrschende Klasse der Bürokraten in diesen Ländern auf eine Rüstungsproduktion einlassen, welche die Bedrohung von Außen in Schach hält. So setzt sich die Konkurrenz mitsamt der Kapitalakkumulation um der Akkumulation willen durch die Hintertüre durch. Die Arbeiterklasse kann also nicht von einer Gruppe Guerilleros, bürokratischen Apparatschicks und auch nicht durch eine Bauernarmee befreit werden. Die Emanzipation der Arbeiterklasse muss das Werk der Arbeiter selbst sein. Dies ist der zentrale Schlüsselsatz bei Marx. Die meisten Linken erhoffen sich auf dem Weg zum Sozialismus eine Abkürzung und stellen die Verstaatlichung der Produktionsmittel in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen. Doch ohne die Selbstemanzipation der Arbeiterklasse werden ihre Bemühungen vergeblich sein, denn es würden immer neue Unterdrückerstaaten entstehen. Marx und Engels im Manifest:
Andere linke Aktivisten zählen nicht mehr auf die revolutionäre Kraft der Arbeiter, weil diese in der letzten Zeit nur wenige emanzipierte Kämpfe geführt hat. Durch den Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit aber ist die Arbeiterklasse immer wieder gezwungen, zu kämpfen. Wann sie allerdings kämpft, das bestimmen nicht die Linken von außen, sondern die Entwicklung des Selbstbewusstseins im Verlauf der Klassenkämpfe. In einem emanzipierten Kampf - also unabhängig von der reformistischen Gewerkschaftsbürokratie - verändert sich dann das Bewusstsein der Arbeiter radikal. In einem solchen Kampf werden alte Vorstellungen oft über Nacht über Bord. Marx und Engels im Manifest:
Die Heftigkeit der gegenwärtigen Wirtschaftskrise und ihre gleichzeitige weltweite Ausdehnung skizzieren die Notwendigkeit einer neuen Gesellschaft. Ein wichtiger Teil unserer Aufgabe besteht darin, die Selbstemanzipation der Arbeiterklasse als einzig revolutionäre Perspektive zu kennzeichnen. Jetzt ist die Zeit, dass wir uns für eine revolutionäre Perspektive einsetzen. Marx und Engels: „Es tritt hiermit offen hervor, daß die Bourgeoisie unfähig ist, noch länger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben und die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen. Sie ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb Die zukünftige sozialistische Gesellschaft Das Zentrum der Macht der Arbeiterklasse werden die Arbeiterräte sein. In diese werden aus den Betrieben Delegierte basisdemokratisch gewählt. Diese Delegierte bekommen nur den durchschnittlichen Facharbeiterlohn, sind jederzeit abwählbar und so den Aufträgen ihrer Basis verpflichtet. Abschließend noch zwei Gedanken des britischen Sozialisten John Molyneux aus seiner sehr empfehlenswerten Broschüre im PDF-Format „Die zukünftige sozialistische Gesellschaft":
In der spanischen Revolution von 1936 gab es zum Beispiel neben den Schlüssel-Organen der Arbeitermacht, den Arbeiterräten, die Nachbarschafts-Kommittees, die in allen Arbeitervierteln der größeren Städte errichtet wurden. Diese Körperschaften, die die gesamte Bevölkerung des Gebietes repräsentierten, organisierten und kontrollierten die Arbeitermilizen, die Verteilung der Nahrungsmittel, die Ausbildung und viele andere Francis Byrne - Internationale Sozialisten Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können
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| Letzte Aktualisierung ( 09.07.2009 ) | |||||||
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