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Das Verständnis des
Klassenbewusstseins, der Art und Weise wie es entsteht und zur
materiellen Gewalt wird, ist eine der wichtigsten Fragen revolutionärer
Aktivität.
Ausgehend von den Erfahrungen der Klassenkämpfe zu Beginn des 19.
Jahrhunderts entwickelten Marx und Engels in Schriften wie der
„Deutschen Ideologie" oder dem „Kommunistischen Manifest" die ersten
Grundzüge einer Theorie über die Entstehung von Klassenbewusstsein.
Die Erfahrungen der Arbeiterklasse in der Pariser Commune, der
Massenstreiks vom 1905 oder der Oktoberrevolution von 1917 warfen viele
neue Fragen auf. Von daher reicht es nicht aus Zitate von Marx und
Engels herunterzubeten und so zu tun als seien diese der Weisheit
letzter Schluss. Zwar haben die Grundannahmen von Marx und Engels
selbst heute noch zum großen Teil Gültigkeit, gleichwohl sind wir mit
einer Reihe von Problemen konfrontiert die diese beiden Denker zu ihrer
Zeit nicht vorhersehen konnten. Zwar hatten Marx und Engels in
Grundzügen erkannt, dass die sozialdemokratischen Parteien zunehmend
eine antirevolutionäre Richtung einschlugen, dass Ausmaß indem die
Sozialdemokratie und die Gewerkschaften zu Verteidigern der
kapitalistischen Ordnung wurden, hätten sie sich jedoch in ihren
kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Ebenso wenig konnten sie die
fundamentale Rolle des Staates im modernen Kapitalismus als Garant und
Organisator der kapitalistischen Ausbeutung voraussehen.
Niemand konnte ahnen, dass der erste Versuch einer internationalen
proletarischen Revolution durch den Kapitalismus in Russland isoliert
werden könnte, und dieselbe Partei die das Proletariat in dieser
Revolution hervorgebracht hatte, zu der Kraft werden könnte die eine
der schlimmsten Konterrevolutionen in der Geschichte durchführte. All
dies war freilich weder geplant oder in irgendwelchen Ideen angelegt,
sondern den objektiven Bedingungen geschuldet. Die Konterevolution kam
nicht über Nacht. Sie war ein gradliniger Prozess und selbst jene, die
die Grundzüge dieses Prozesses erkannten und aufhalten wollten, konnten
nicht im ganzen Ausmaß sehen, dass all Maßnahmen die sie ergriffen um
die UdSSR zusammenzuhalten letztendlich nur weitere Sargnägel für die
internationale proletarische Revolution darstellten.
In Russland wurde die revolutionäre Klasse im verlaufe des dreijährigen
Bürgerkrieges dezimiert. Die klassenbewusstesten Arbeiter traten der
roten Armee bei oder wurden vom Parteiapparat aufgesogen. Die Rätemacht
wurde durch, Krieg, Hunger und Seuchen untergraben. 1920 waren die Räte
leere Hüllen ohne jede Macht. Viele russische Kommunisten versuchten
dieses offenkundige Dilemma dadurch zu umgehen, indem sie behaupteten,
dass die Diktatur des Proletariats und die Diktatur der Partei des
Proletariats faktisch dasselbe sei. Durch solche Positionen wurden die
Grundlagen des Marxismus unterminiert. Es waren diese Illusionen die
dem Stalinismus letztendlich den Weg bahnten.
Das Problem des Klassenbewusstseins.
Beginnen
wir mit den Problemen die durch die russische Revolution aufgeworfen
wurden. Für Marx war es immer klar, dass eine Revolution nur der
bewusste Akt der großen Mehrheit sein könne. Gleichzeitig war er sich
völlig darüber im Klaren, dass sich eine solche Bewegung nur durch eine
politische Partei konstituieren könne. Die Arbeiterklasse ist eine
eigentumslose Klasse kollektiver Produzenten. Der ökonomische Kampf der
Arbeiterklasse wirft zwar das Problem der Ausbeutung auf, eröffnet aber
aus sich selbst heraus nicht die Antwort auf die Frage wie die
Ausbeutung überwunden werden kann. In Anbetracht diverser
Spaltungslinien und Fragmentierungen der Klasse, und dem Umstand, dass
verschiedene Klassensegmente und Individuen zu unterschiedlichen Zeiten
und unterschiedlichen Graden Klassenbewusstsein entwickeln, lässt nur
den logischen Schluss zu, dass sich Klassenbewusstsein nur in einem
organisatorischen politischen Rahmen konsolidieren und weiterentwickeln
kann. Nur durch die politische Organisierung derjenigen Arbeiter, die
den Charakter des Kapitalismus als vergänglich und zu überwindende
Ausbeutergesellschaft erkannt haben, können die herrschenden Gedanken
die immer auch die Gedanken der herrschenden Klasse sind, aufgebrochen
und bekämpft werden. Indem sie die Elemente von Bewusstsein die in den
täglichen Kämpfen gegen die Ausbeutung entstehen politisch
verallgemeinert, kann eine politische Organisation dazu beitragen, dass
die kommunistische Theorie zur „materiellen Gewalt" wird, und dem
kapitalistischen Staat und der Ausbeutung ein Ende setzt. In Anbetracht
der Dominanz der bürgerlichen Ideologie wird ein solcher bewusster
politischer Kampf nicht einfach spontan in den ökonomischen
Tageskämpfen der Klasse entstehen.
Klarheit vor Einheit
Was
zu Marxens Zeiten weniger klar war, war die Frage des Charakters einer
solchen Organisation oder Partei und ihres Verhältnis zur Klasse.
Die Erfahrung er Sozialdemokratie (die Bolschewiki eingeschlossen) hat
gezeigt, dass die programmatische Klarheit der proletarischen Partei
weitaus wichtiger ist als ihre zahlenmäßige Stärke. Zwar wurde die
deutsche Sozialdemokratie zur größten politischen Partei ihrer Epoche,
dies aber zu einem hohen Preis. Der Glaube an den Parlamentarismus
führte zwangsläufig zur Unterwerfung unter die öffentliche Meinung.
Eine schleichend entstandene Bürokratie stellte die Erhaltung der
Organisation und ihrer Geldmittel über die sozialistischen Prinzipen,
die im zunehmenden Maße nur noch bei Sonntagsreden von Bedeutung waren.
Der Reformismus führte notwendigerweise zur Treue gegenüber dem
imperialistischen Nationalstaat, den die Reformisten übernehmen
wollten. Die Unterstützung des imperialistischen Ersten Weltkrieges
1914 war nur die logische Folge dieses Prozesses.
Auf der anderen Seite war es in erster Linie die programmatische
Unnachgiebigkeit und Standfestigkeit der Bolschewiki, die es ihnen
erlaubte in den Wirren des imperialistischen Krieges an
internationalistischen Klassenpositionen festzuhalten. Das Argument,
dass die programmatische Klarheit einer revolutionären Partei weitaus
wichtiger sei als ihre zahlenmäßige Stärke wirft eine grundlegende
Frage auf: Wenn eine proletarische Revolution die Bewegung der großen
Mehrheit sein soll, warum bzw. vielmehr wie kann sie dann von einer
revolutionären Minderheit angeführt werden?
Die Antwort auf diese Frage muss notgedrungen etwas schematisch
ausfallen, da im wirklichen Leben historische Prozesses nicht nach den
Paradigmen ablaufen, in denen wir versuchen sie zu verstehen. Allgemein
gesagt liegt der Schlüssel zur Antwort auf die obige Frage im Wörtchen
„Prozess". Revolutionen (und natürlich auch andere große soziale
Bewegungen) beginnen in einer sehr begrenzten Form. In dem Maße wie
sich die Bewegung geographisch und politisch ausweitet, werden mehr und
mehr Menschen in diesen Prozess einbezogen. Der Anfang jeder Revolution
ist immer eine spontane Bewegung die sich an ökonomischen und sozialen
Krisenerscheinungen des Systems entzünden. Für viele Teilnehmer der
Bewegung ist zuweilen die ganze Tragweite ihres Handelns gar nicht
ersichtlich. Alles was sie wissen und was sie antreibt ist, dass es
nicht mehr so weitergehen kann wie bisher. Das Unbewusste kommt vor dem
Bewussten. Während Spontaneität zwar eine Bewegung auslösen kann,
besteht der Schlüssel für eine erfolgreiche Revolution jedoch darin,
über die Grenzend es Systems hinauszugehen. Wie wir oben schon
ausgeführt haben, kann nur ein Organismus derjenigen, die eine bewusste
programmatische Alternative zum Kapitalismus anzubieten haben, in der
Lage sein, die Revolte in eine neue Gesellschaftsform transformieren.
Wenn eine kommunistisches Perspektive für die Bewegung weder sicht-
noch greifbar ist, kann es schnell passieren, dass sie wieder
auseinander bricht und/oder in den politischen Bezugsrahmen des Systems
zurückfällt.
Deswegen behaupten wir auch nicht, dass die zahlenmäßige Stärke einer
Partei im revolutionären Prozess absolut unwichtig ist. Es muss eine
gewisse Anzahl organisierter Kommunisten geben, die in der Lage sind,
in die Bewegung einzugreifen. Eine kommunistische Klassenpartei predigt
ihr politisches Programm auch nicht von oben herab. Ihre Mitglieder
müssen als Teil der Klasse agieren und in ihr verankert sein, wenn sie
ihren Wirkungskreis erhöhen wollen. An einem bestimmten Punkt der
Bewegung müssen die Kommunisten auch organisatorische Aufgaben
übernehmen, um die Arbeiter auch praktisch dabei zu unterstützen eigene
Klassenorgane (Fabrikkomitees, Räte etc) zu entwickeln, die in der Lage
sind den bürgerlichen Staat zu überwinden. Gerade in diesen
Klassenorganen werden die politische Debatte und der Kampf für den
Kommunismus geführt werden müssen. Marx hob hervor, dass Menschen die
in einer sozialen und politischen Bewegung aktiv tätig werden, anfangen
die Welt mit ganz anderen Augen zu sehen. In seiner Schrift „ Die
deutsche Ideologie" schreib er , „...dass sowohl zur massenhaften
Erzeugung dieses kommunistischen Bewusstseins wie zur Durchsetzung der
Sache selbst eine massenhafte Veränderung der Menschen nötig ist, die
nur in einer praktischen Bewegung, in einer Revolution vor sich gehen
kann; dass also die Revolution nicht nur nötig ist, weil die
herrschende Klasse auf keine andre Weise gestürzt werden kann, sondern
auch, weil die stürzende Klasse nur in einer Revolution dahin kommen
kann, sich den ganzen alten Dreck vom Halse zu schaffen und zu eine
neuen Begründung der Gesellschaft befähigt zu werden."
Dies ist eine wichtige Textstelle die darüber Aufschluss gibt, wie die
ideologische Dominanz der herrschenden Klasse aufgebrochen werden kann.
Sie widerlegt all jene die ständig behaupten, dass die kapitalistischen
Wertvorstellungen der „Natur des Menschen" entsprechen würden. Die
„Natur des Menschen" ändert sich mit und durch praktische Aktivität -
und nicht durch wohlmeinende Predigten von Sozialisten oder Kommunisten.
Hier liegt u.a. der Fehler der Aufklärungsbemühungen vieler linker
Gruppen, die zuweilen auch auf das bürgerliche Parlament setzen um ihre
Weisheiten zu verkünden. Die Ergebnisse derartiger Aktivitäten fallen
in der Regel äußerst bescheiden aus.
Das ist auch alles andere als überraschend, da Arbeiter beim
bürgerlichen Wahlakt von ihren Kollegen isoliert als Individuen vor der
Wahlurne stehen. Sie stehen unter dem Druck ihrer alltäglichen
unmittelbaren Probleme und sie haben nur die Wahl zwischen drei oder
vier aussichtsreichen Kandidaten, die für verschiedene kapitalistische
Glücksversprechen stehen. Die Beteiligung am Wahlspektakel kann nur
dazu führen Illusionen in die bürgerliche Demokratie zu schüren.
Vor allem aber verstellt sie den Blick darauf, dass nur in einer
praktischen gesellschaftlichen Bewegung die bürgerliche Ideologie
aufgebrochen und die Perspektive des Kommunismus auf die Tagesordnung
gesetzt werden kann.
Die Russische Revolution: Eine wichtige Lehre aber kein Model für die Zukunft
Es
ist fürchterlich naiv die Oktoberrevolution als Erfolgsmodell für die
Zukunft abzufeiern, wie viele stalinistische und trotzkistische Gruppen
das tun und sich dabei noch als die einzig wahren Nachfolger der
Bolschewiki auszugeben.
Eine neue revolutionäre Bewegung wird sich unter gänzlich anderen
Vorzeichen und unter vollkommen anderen Bedingungen entwickeln müssen.
Gleichwohl war die Oktoberrevolution eine wichtige Erfahrung aus der es
heute ernsthafte Lehren zu ziehen gilt. Es war das erste Mal, dass das
Proletariat die kapitalistische Ordnung grundlegend infrage stellte.
Die öfter geäußerte Behauptung, dass es sich bei der Russischen
Revolution lediglich um einen Putsch der Bolschewiki gehandelt habe,
hält den historischen Fakten nicht stand. Die Bolschewiki verwehrten
sich vehement gegen voluntaristische und putschistische Taktiken der
schnellen Machteroberung. Stattdessen legten sie den Schwerpunkt
darauf, unablässig für den Sturz der provisorischen Regierung zu
agitieren, und in den Räten und Massenversammlungen um eine Mehrheit
für ihre Position zu kämpfen. Der sog. „Rote Oktober" wäre ohne die
Verankerung und den Einfluss den die Bolschewiki zu diesem Zeitpunkt in
der Arbeiterklasse hatten gar nicht denkbar gewesen. Ebenso hatten die
Bolschewiki niemals die Absicht den Sozialismus in Russland alleine
aufzubauen. Vielmehr betonten sie unablässig, dass die russische
Revolution nur ein Schritt einer weltweiten sozialistischen Revolution
sei. Der Erste Weltkrieg hatte international zu einer Welle des
Aufruhrs geführt. 1917 gab es Aufstände in Italien, Streiks in
Deutschland und England, sowie Meutereien in der französischen und
britischen Armee. Dieser Prozess verdichtete zu einer weltweiten
Klassenbewegung die den Kapitalismus in seinen Grundfesten erschütterte.
Das Scheitern der Russischen Revolution resultierte in erster Linie aus
den Niederlagen dieser weltweiten Klassenbewegung. Das Problem der
Bolschewiki bestand darin, dass sie im Zuge der Isolation der
Revolution zunehmend mit dem russischen Staatsapparat verwoben wurden,
einem Staat der sich immer mehr vom Anspruch ein revolutionäres, bzw.
proletarisches Regime zu sein verabschiedete.
Die Räte spielten als Organe der Arbeitermacht faktisch keine Rolle
mehr, während der Terror der Geheimpolizei Tscheka sich immer mehr
gegen das Proletariat richtete. Lenin war sich der Gefahr der
Absorbierung der Kommunisten in den Staatsapparat und der grassierenden
Bürokratisierung durchaus bewusst: „Es mangelt der Schicht von
Kommunisten, die leitende Funktionen in der Verwaltung ausüben an
Kultur. Man nehme doch Moskau - die 4700 verantwortlichen Kommunisten -
und dazu dieses bürokratische Ungestüm, diesen Haufen, wer leitet da
und wer wird geleitetet. Ich bezweifle sehr, ob man sagen könnte dass
die Kommunisten diesen Haufen leiten. Um die Wahrheit zu sagen, nicht
sie leiten, sondern sie werden geleitet."
Angesichts dieses offenkundigen Dilemmas wurden große Hoffnungen in die Gründung der Kommunistischen internationale gesetzt.
Das Fortschreiten der Konterrevolution innerhalb der UdSSR hatte jedoch
auch zwangsläufig Auswirkungen auf die Politik der Kommunistischen
Internationale, die sich mehr und mehr den außenpolitischen Interessen
der Sowjetunion unterordnen musste. So war die Durchsetzung der
Einheitsfrontpolitik mit der Sozialdemokratie alles andere als eine
brillante Taktik, um die Kommunisten mit den Massen zu verschmelzen,
sondern ein offenkundiges Manöver, welches die Komintern in den Augen
klassenbewusster Arbeiter nur diskreditieren konnte. In dem Maße wie
die russische Kommunistische Partei mit dem Staatsapparat verschmolz,
hörte sie auf eine Avantgarde des internationalen Proletariats zu sein.
Es war der italienische Linkskommunist Amadeo Bordiga der während einer
Komintern-Sitzung Stalin mit der Frage konfrontierte, warum in der
Komintern nicht über die inneren Probleme der UdSSR diskutiert werden
dürfe. Intuitiv hatte Bordiga hier ein grundlegendes Problem
angesprochen. Die Kommunistische Partei muss eine Weltpartei mit einer
internationalen Leitung sein. Es ist unwahrscheinlich, dass die
Weltrevolution überall zum gleichen Zeitpunkt triumphieren wird. Die
Aufgabe der Partei besteht nicht in der Verwaltung irgendeines
proletarischen Vorpostens, sondern darin unablässig für die Ausweitung
des internationalen revolutionären Prozesses zu arbeiten. Die
Mitglieder der Partei werden in den Räten Verantwortung übernehmen, die
Machtausübung obliegt jedoch den Organen der Klasse und nicht der
Partei. Die kommunistische Partei muss einen internationalistischen
Charakter und eine internationale Struktur haben. Die Arbeiterklasse
hat kein Vaterland und gleiches gilt auch für die Organisation der
Kommunisten. Eine revolutionäre Weltpartei ist kein
Herrschaftsinstrument, sondern ein Mittel zur politischen Klärung und
Verallgemeinerung des kommunistischen Programms: „Es gibt keine
Möglichkeit für eine Befreiung der Arbeiterklasse oder der Errichtung
einer neuen sozialen Ordnung, wenn dieses nicht aus dem Klassenkampf
selber entspringt. Zu keiner Zeit und aus keinem Grund darf das
Proletariat seine kämpferische Rolle aufgeben. Es darf seine
historische Mission nicht an andere delegieren, oder seine Macht an
andere übertragen - nicht einmal an seine eigene politische
Partei."(Politische Plattform des Partito Comunista Internazionalista,
1952.
Die Zickzacks der Trotzkisten
Wenn
das Bewusstsein der Klasse noch nicht ausreichend entwickelt ist, kann
es nicht auf künstlichem Wege geschaffen werden. Dies ist einer der
wesentlichen Grundpositionen in der Tradition der Kommunistischen
Linken. Diese steht im starken Kontrast zur trotzkistischen Tradition.
Sie steht für das traurige Schicksal eines frühren Revolutionärs, der
uns eine Strömung untereinander konkurrierender Organisationen
hinterlassen hat, die allesamt die übelsten Taktiken der
Sozialdemokratie des 19. Jahrhunderts anwenden. Kurz gesagt lassen sich
die meisten Fehlannahmen der Trotzkisten bezüglich des
Klassenbewusstseins und der revolutionären Organisation auf ihren
nahezu unerschütterlichen Glauben zurückführen, dass Klassenbewusstsein
auf künstlichen und voluntaristischen Wege durch eine „revolutionäre
Minderheit" erzeugt werden könne. Dies entspringt dem Erbe der
degenerierenden Komintern, deren Politik die Trotzkisten zum Teil heute
noch verteidigen. Trotzkis Bestreben in einer konterrevolutionären
Periode Teil einer Massenbewegung zu sein führte zum sog. „Entrismus",
d.h. den Eintritt seiner Anhänger in die sozialdemokratischen Parteien.
Denselben Parteien, die die Arbeiterklasse in die Hölle des
imperialistischen Krieges gehetzt und einen nicht unerheblichen Anteil
an der Unterdrückung der revolutionären Klassenbewegung gespielt
hatten. Dieser Versuch durch das Verschweigen und Verstecken des
eigenen Programms Teil einer größeren Bewegung zu werden scheiterte
kläglich. Nicht nur die Analyse, sondern auch die trotzkistische Kritik
des Stalinismus steht auf äußerst wackligen Boden. Mit Stalin waren sie
in den 20er Jahren der gleichen Meinung, dass die Partei und nicht die
Klasse als Motor einer sozialistischen Transformation dienen könne.
Trotzki selber führte diese Position sogar ins Absurde indem er
behauptete, dass man nicht gegen die eigene Partei Recht behalten
könne. Damit spielte er nicht nur dem stalinistischen Apparat in die
Hände, sondern entfernte sich auch von Lenins Methode, der bis in seine
letzten Lebensjahre zumindest versucht hatte Fehler der Partei
aufzudecken, zu benennen und zu korrigieren. Trotzkis Glauben, dass es
in den 30er Jahren möglich war Massenparteien aufzubauen, führte ihn
dazu andere kommunistische Gruppen die sich in Opposition zum
Stalinismus befanden zu ignorieren ( Darunter unsere politischen
Vorläufer der Fraktion der Kommunistischen Linken) Er konnte nicht
akzeptieren, dass der Weg zur Wiederbelebung einer Klassenbewegung ein
äußerst langwieriger sein würde, und dass die wichtigste Aufgabe in
diesem Prozess der Aufbau einer neuen proletarischen Organisation sei,
die sowohl die positiven wie die negativen Aspekte der Russischen
Revolution in Betracht zog. Er war in den 20er Jahren zu sehr in den
Aufbau des russischen Staatsapparats verstrickt, um hierbei einen
konstruktiven Beitrag zu leisten. Heute wird die chronische Unfähigkeit
ein kommunistisches Programm zu verteidigen in der politischen Praxis
der diversen trotzkistischen Gruppen offenbar. Ihre opportunistischen
Manöver und Bündnisse mit Sozialdemokraten, Islamisten, Nationalisten
und anderen bürgerlichen Kräften zeigen einmal mehr wieweit sich diese
Strömung von der marxistischen Perspektive der Befreiung des
Proletariats verabschiedet hat.
Die Kommunistische Linke
Die
historische Sackgasse des Stalinismus hat uns ein schweres Erbe
hinterlassen. Es hängt wie ein Mühlstein um den Hals eines jeden
Revolutionärs, der die Frage einer neuen Gesellschaft aufwirft, die die
Menschheit von der Ausbeutung und Unterdrückung des Kapitalismus
befreit. Die Art und Weise wie die bolschewistische Partei mit dem
Proletariat in Gegensatz geriet und letztendlich ein neues
staatskapitalistisches Regime errichtete, macht es heute für viele
Kommunisten nicht leicht die Notwendigkeit einer neuen revolutionären
Partei auch nur zu erwähnen. Gleichwohl ist es an der Zeit sich von
oberflächlichen Betrachtungsweisen freizumachen und zu verstehen, dass
die Funken revolutionären Bewusstseins die unter kapitalistischen
Bedingungen entstehen nur in einem organisatorischen und politischen
Rahmen Gestalt annehmen können. Es gibt keine andere Möglichkeit es sei
denn man gibt sich dem defätistischen Optimismus derjenigen (z.B. der
Rätekommunisten) hin, die argumentieren, dass durch Spontaneität alles
möglich sei. Die Geschichte hat diese Sichtweise mehrfach widerlegt.
Während der berühmten roten Jahre (1919-1920) in Italien gelang es den
spontanen Kämpfen der Klasse bspw. nicht den Staat ernsthaft
herauszufordern und ein sozialistisches Bewusstsein zu verallgemeinern.
Vielmehr fiel die Bewegung in die verheerende Ideologie der
Selbstverwaltung (unter kapitalistischen Bedingungen) zurück, was ihre
Niederlage letztendlich besiegelte.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt über den Prozess einer zukünftigen
Revolution zu reden erscheint notgedrungen etwas abstrakt. Die globale
Krise hat noch nicht die Reaktionen der Klasse hervorgerufen, die
einige vielleicht erwartetet hätten. Das Entstehen von
Klassenbewusstsein ist jedoch keine pure Reflexreaktion. Es setzt
materielle Faktoren sowie die Reflexion über die Gründe dieser Faktoren
voraus. In den letzten 30 Jahren hat es die herrschende Klasse
geschafft die Industrielandschaft in den Kernländern grundlegend
umzustrukturieren, während in den Ländern der Peripherie regelrechte
Tretmühlen verschärfter Ausbeutung errichtet wurden(z.B. die sog.
Maquiladoras) Derartige Spaltungslinien in der Klasse erschweren
natürlich ihre Konstituierung als globaler revolutionärer Widersacher
gegen das System. Die Klasse war jedoch schon immer gespalten. Entgegen
den Vorhersagen vorgeblicher Revolutionäre die sie deshalb als
revolutionäres Subjekt abschreiben, hat sie es jedoch immer wieder
geschafft das System herauszufordern. Die Kommunistische Linke hat sich
stets bemüht die Ausgangsbedingungen und Perspektiven einer
Wiederbelebung der Klassenkämpfe zu analysieren und zu verstehen.
Mit dem Ende des Nachkriegsbooms Ende der 60er Anfang der 70er Jahre
wurden die Ideen der Kommunistischen Linken wieder mit neuem Leben
gefüllt. Neue kommunistische Gruppen entstanden die ein schwaches aber
dennoch reales Wachstum verzeichnen konnten. Ein Ausdruck dieses
Prozesses war die Organisation der Internationalen Konferenzen der
Kommunistischen Linken, die jedoch zu einem Zeitpunkt stattfanden, wo
die Ende der 60er Jahre ausgebrochene Welle von Klassenkämpfen ihren
Zenit bereits überschritten hatten. Dies spiegelte sich auch in den
Diskussionen der Konferenzen wieder. Es gab wenige konkrete Kämpfe die
einen Impetus für die Diskussion geben konnten, was letztendlich auch
wesentlich zum Scheitern dieser initiative beitrug. Ein
Meinungsunterschied der während der Konferenzen und darüber hinaus
zutage trat, war die Frage der revolutionären Organisation und das
Klassenbewusstsein. In den drei Konferenzen konnte in dieser Frage
keine Einigung erzielt werden und die Diskussionen liefen zunehmend ins
Leere. Einige zeigten sich angesichts eines solchen angeblich
kleinlichen „Gezänks" zwischen Revolutionären enttäuscht. Aber eine
solche Haltung unterschätzte die Notwendigkeit von Debatten. Ohne
scharfe Debatte wird keine Klärung möglich sein, die es uns ermöglicht
ein tragfähiges Programm zur Überwindung des Kapitalismus zu
entwickeln. Angesichts eines immer noch relativ niedrigen Niveaus der
Klassenauseinandersetzung sind die Spielräume für revolutionäre
Aktivität derzeit begrenzt. Das bedeutet nicht dass Revolutionäre mit
verschränkten Armen auf den großen Tag X warten sollten. Diesen großen
Tag X wird es nie geben, wenn diejenigen die sich heute als Kommunisten
begreifen nicht da, wo immer dies möglich ist, für einen revolutionäre
Perspektive kämpfen. Eine neue revolutionäre Weltpartei muss schon vor
einem revolutionären Ausbruch konkrete organisatorische Formen
angenommen haben. Deswegen sehen es die Gruppen des Internationalen
Büros als ihre Aufgabe an,in dieser Hinsicht einen Beitrag zu leisten.
Wie wir immer wieder wiederholen, behaupten wir nicht die Partei zu
sein noch sehen wir uns als den einzigen Kern oder Nukleus einer
zukünftigen Weltpartei. Stattdessen versuchen wir als Bezugspunkt für
all jene zu fungieren, die an einer kommunistischen Alternative zum
kapitalistischen System arbeiten. All jene, die die Notwenigkeit einer
revolutionären Partei bestreiten, und der Perspektive der Umgruppierung
er Revolutionäre in einer neuen internationalistischen Organisation
ablehnend gegenüberstehen, tragen nach unser Meinung nicht unerheblich
dazu bei, die Dominanz der bürgerlichen Ideologie über die Klasse zu
zementieren.
http://gis.blogsport.de/2009/06/19/klassenbewusstsein-und-revolutionaere-organisation/
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