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BOUM! Französische Arbeiter wollen weitere Fabrik sprengen PDF Drucken E-Mail
von Richard Grove    15.07.2009 - bisherige Aufrufe: 1302

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Die französische Protestwelle gegen Massenentlassungen weitet sich aus und wird immer radikaler.

„Die Leute haben nichts mehr zu verlieren, die ziehen das durch". „Wenn die Insolvenzverwalter ihre Verantwortung nicht wahrnehmen, wird der Standort in die Luft fliegen." Starke Worte des Gewerkschaftsvertreters am Dienstag Abend in Châteaufort. 

Pünktlich zum Jahrestag der Großen Franzöischen Revolution verbreitet sich explosive Stimmung links des Rheins. Beim Nachbarn geht es munter weiter mit dem Ferienspaß "Geld her - oder wir machen euch BOUM-BOUM!". 

In der Nortel-Fabrik in Chateaufort, westlich von Paris drohen Proletarier damit das Werk in die Luft zu jagen. Das ist ne Steigerung in jeder Hinsicht. Denn die ArbeiterInnen von Nortel toppen New Fabris. 

Diesmal lautet die Forderung 100.000 Euro! Für Jeden! 

Genauso wie das Autoteile-Werk New Fabris in Chatellerault südlich von Paris ist der französische Sitz des kanadischen Netzwerkausrüsters Nortel in Insolvenz geraten. Auch dort stehen Gasflaschen zur Sprengung bereit falls nicht gezahlt wird. Allerdings wollen Kollegen bei New Fabris nur 30.000 Euro Abfindung. Offenbar ließen sich die Leute von Nortel von ihren Kollegen aus Chatellerault inspirieren. Ihre Aktion startete am Dienstag abend, nach dem die Nachricht über New Fabris online durch die gesamte Weltpresse lief. Die französische Protestwelle gegen die Krise weitet sich aus und wird immer radikaler.  Aur die Massenentlassungen in der Krise reagiert die französische "classe salariaire" ganz anders als die deutschen Kollegen - mit handfesten Protesten. In Frankreich paart sich eine revolutionäre Tradition mit einer extremen Verbitterung wegen der Krise. 600.000 Beschäftigten droht die Entlassung bis Herbst.

Interessant ist wie verhalten deutsche Medien über die "Boum"-Proteste in Frankreich berichten. Die "Neue Osnabrücker Zeitung", NOZ zum Beispiel, ein CDU-nahes Blatt, das in Nordwestniedersachsen eine Monopolstellung besitzt, verschweigt die Proteste. In Osnabrück sind Tausende wegen der Insolvenz des Autoherstellers Karmann von Arbeitslosigkeit und Hartz IV bedroht. Sie erhalten keine Abfindung. Das örtliche Arbeitsamt bereitet sich auf die Entlassungswelle mit einer Sodnerabteilung vor und stellt sogar extar neue Mitarbeiter ein. Die NOZ bringt fast jeden Tag Durchhaltemeldungen auf der Titelseite: "Es geht aufwärts", "Ende der Talfahrt erreicht". Man fürchtet wohl die soziale Unruhe. 

Noch macht die Protestwelle am Rhein halt. Da kann Oskar Lafontaine noch so viel mit "Entlassene Arbeiter sollten die Autobahn blockieren" drohen, wie in Hannover in seiner Europawahlkampfrede. Der deutsche Arbeiter gräbt lieber seinen Vorgarten um. Vorerst.
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