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"Jetzt schon organisieren" LZ-Interview mit Rapfael Roß vom Komitee "Wir sind der GHB" PDF Drucken E-Mail
von www.linkezeitung.de    08.09.2009 - bisherige Aufrufe: 1584

rapfael.jpgRapfael Roß ist Mitglied im siebenköpfigen Komitee „Wir sind der GHB!" in Bremerhaven. Das von Kolleginnen und Kollegen gewählte Komitee organisiert den Widerstand gegen Entlassungen und Änderungskündigungen durch den Gesamthafenbetriebsverein Bremerhaven. Auf der Homepage des Komitees www.wirsindderghb.de.vu finden sich stets aktuelle Infos und Termine.

Linkezeitung: Nach Jahren riesiger Profite sollen jetzt die Arbeiter für die Krise zahlen. Bei Euch im Gesamthafenbetriebsverein Bremerhaven gab es Entlassungen, Änderungskündigungen und Kurzarbeit. Zudem wurden Zeitarbeitsvertäge nicht verlängert. Wie viele Kolleginnen und Kollegen sind betroffen?

Rapfael Roß: Erst einmal sind wir im Komitee nicht sieben sondern acht Mitglieder.

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Deine Frage können wir dir ganz genau beantworten, es steht ja im Interessenausgleich. Ich werde diesen jetzt zitieren:

Bereich Hafen/Bremerhaven und Hafen/Bremen
Bis zu 400 Arbeitsplätze (davon 217 Änderungskündigungen)

Bereich D/C Bremerhaven und D/C Bremen
Bis zu 1100 Arbeitsplätze (betroffen von Änderungskündigungen)

Linkezeitung: Und wie sehen die Änderungskündigungen aus? Ihr sprecht von bis zu 65 Prozent Lohnverlust?

Rapfael Roß: Ja, das trifft zu. Es sind Kollegen dabei, die von ca. 18 € auf jetzt 8,88 € und ab dem 01.10.2009 nochmal auf glatte 8 Euro runter gestuft werden.

Linkezeitung: Mit acht Euro die Stunde kann man nicht überleben, geschweige denn die Zukunft planen. Da müsste man ja trotz Arbeit noch ergänzendes Hartz 4 beantragen. Wollen die Euch die Würde klauen?

Rapfael Roß: Als ob die dort oben sich um die Würde der Arbeitnehmer Scheren würden. Das interessiert doch niemanden von denen. Es schleicht sich auch bei vielen der Gedanke ein, dass die Änderungskündigungen gar nicht angenommen werden sollten.

Oder kurz und knapp: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, wenn es um Geld geht.

Linkezeitung: Statt alle gemeinsam gegen die Entlassungen und Änderungskündigungen in den Kampf zu führen, hat der Betriebsratschef Peter Frohn hat diese krassen Angriffe auf Euch mitgetragen? Wie kann das sein? Er soll doch die Arbeiter vertreten und nicht die Bosse.

Rapfael Roß: Der Fairness halber sollte einmal erwähnt werden, dass Peter Frohn nicht alleine für alles verantwortlich ist. Der Gesamtbetriebsrat vom GHB besteht ja nicht nur aus ihm.
Dieter Schindler, Manfred Larbs (Betriebsratsvorsitzender Bremen) waren da genau so dran beteiligt... Uns gibt es den Anschein, dass der Betriebsrat, ver.di und die Geschäftsleitung vom GHB unter einer Decke stecken. Wer weiß wie das alles zusammen hängt, auch wir sind sprachlos!

Linkezeitung: Hättet Ihr ihn nicht abwählen können?

Rapfael Roß: Wie hätten wir das so schnell machen sollen? Zum einen bestand das Komitee zu dem Zeitpunkt noch nicht und die Geschäftsleitung sowie der Betriebsrat hatten den Interessenausgleich still und heimlich ausgehängt. Damit haben die ja ihre Pflicht getan. Die Arbeiter darauf hinweisen, dass er aushängt müssen die nach unseren Wissenstand nicht. Wir wurden nur durch Zufall darauf aufmerksam. Aber es wurde dann ja ein Misstrauensantrag bei Gericht eingereicht gegen den Betriebsrat von Bremerhaven, was da jetzt bei raus kommt muss man abwarten.

Linkezeitung: Auch von Eurer Gewerkschaft Verdi kam keine Unterstützung. Um das Überleben des Betriebes zu sichern müsse schnell ein Teil der Belegschaft entlassen werden sagte Harald Bethge, Landesfachbereichsleiter Verkehr bei Ver.di. Das ist ja ein Skandal! Das kann doch nicht keine Perspektive für die Arbeiter sein. Immer weniger Leute sind für immer schlechtere Löhne in Arbeit?

Rapfael Roß: Dieses Phänomen kann man zurzeit ja Deutschland bzw. weltweit beobachten. Unserer Meinung nach nutzen Banken, Aktionäre und Arbeitgeber die sogenannte Weltwirtschaftkrise aus, um Arbeiter zu entlassen und Lohndumping einzuführen.

Linkezeitung: Wie sieht die Unterstützung aus anderen Betrieben, Gewerkschaften und der Politik aus? Gibt es handfeste Unterstützung oder nur Lippenbekenntnisse?

Rapfael Roß: Prinzipiell machen wir alles Alleine.

Solidarisch erklärt haben sich zu unserer Demonstration am 29.08.2009: Betriebsrat BLG AutoTec, vertreten durch Michael Bode Betriebsratsvorsitzender; Herr Frank Kotte, Betriebsratsmitglied der Daimler AG Mercedes Bremen; Stefan Wette, Betriebsratsmitglied von Atlantik Hafenbetriebe; DIE LINKE Bremerhaven, besonders zu nennen Walter Müller, Abgeordneter der Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft; Dr. Ulf Eversberg, Fraktionsvorsitzender B90/Die Grünen in der STVV; Claudius Karminiarz, Stadtverordneter B90/Die Grünen in der STVV; Arbeitsloseninitiative Bremerhaven (Bali),besonders zu nennen Frau Kristina Hoyer; Herr Hans-Jürgen Banger, der uns mit Rat und Tat immer zur Seite steht.

Von der Gewerkschaft ver.di erhalten wir keinerlei Unterstützung. Auf Nachfrage, ob sie unsere erste Demonstration mit dem Thema "Trotz Arbeit Hartz IV" unterstützen, bekamen wir (das Komitee) zur Antwort, die Angelegenheit mit dem GHB in Bremerhaven wäre ihnen zu heiß. Sie würden sich auf keine Seite stellen und außerdem würde ver.di nur eine Demonstration unterstützen, die von ver.di selbst ins Leben gerufen wurde (nicht einmal Trillerpfeifen wollte man uns leihen...).
Auch bei unseren zweiten Demonstration mit dem Thema „Dumpinglöhne beim GHB - wir sind der Anfang!" bekamen wir die gleiche obige Antwort.

Hier noch einmal Danke ver.di für... NICHTS!!! Eine Gewerkschaft die feige ist, sich nur günstig aus der Affäre zieht, Beiträge kassiert ohne Gegenleistung und nicht weiss, wo sie hin gehört brauchen wir nicht.
So traurig es auch leider ist!

Am 03.09.2009 waren wir bei der Kundgebung mit Franz Müntefering in BremerhavenWir haben mit Herrn Müntefering und Herrn Uwe Beckmeyer von der SPD gesprochen.Kurz und knapp Herr Uwe Beckmeyer versprach uns, dass er mit der ver.di über deren Verhalten gegenüber den betroffenen Arbeitern sprechen möchte und Gespräche mit dem GHB suchen würde!
Es bleibt abzuwarten ob es Lippenbekenntnisse sind.

Linkezeitung: Ihr wart in den letzten Wochen richtig aktiv und habt viel organisiert. Die Demo am vergangenen Wochenende war mit einigen Hundert Teilnehmern ein großer Erfolg. Ihr musstet Demos organisieren, Flugis schreiben, Homepage machen etc. Wie geht es jetzt weiter? Was
ist geplant?

Rapfael Roß: Wir planen, mit Bremer Kollegen das Komitee zu erweitern, sodass wir die Bremer Kollegen besser erreichen. Auf Nachfragen der Politik führen wir weitere Gespräche nächste Woche am 08.09.2009, zb. mit der FDP.
Die nächste Demonstration kommt mit Sicherheit und vieles mehr, wir werden euch aber rechtzeitig informieren!

Linkezeitung: Wie können unsere Leser Euch unterstützen? Ihr habt eine Kampfkasse. Sollen unsere Leser Geld spenden, damit es weitergehen kann?

Rapfael Roß: Es wäre toll, wenn die Leser selber aktiv werden, sich an unseren Veranstaltungen und Demonstrationen beteiligen und unsere Anliegen weitertragen.

Eigene Aktionen für die jeweilige Region ins Leben rufen, wäre super!

Linkezeitung: Die Kolleginnen und Kollegen fast aller Branchen befürchten Entlassungen. Analysten gehen davon aus, dass es nach den Bundestagswahlen zu Massenentlassungen kommt. Im Güterverkehr der Bahn droht ein Job-Kahlschlag von mehreren Tausend Stellen. Viele Arbeiter werden in der nächsten Zeit vor den gleichen Herausforderungen stehen wie Ihr. Was könnt Ihr den Kollegen raten?

Rapfael Roß: ... Man kann ihnen nur anraten sich jetzt schon zu Organisieren, damit sie nicht so überrannt werden wie wir. Man sollte nicht nur auf die Politik und Gewerkschaften hoffen, man sieht man ja an unserem Beispiel hier in Bremerhaven beim GHB wo es hinführen kann. Die Arbeiter stehen alleine da.

Linkezeitung: Angesichts der Krise und der drohenden Entlassungen müsste sich Eurer Komitee eigentlich ausweiten auf andere bedrohte Betriebe, auch in anderen Branchen. So könnte man gemeinsam Aktionen planen etc. Habt Ihr Kontakte zu anderen Betrieben?

Rapfael Roß: Ja wir sind gerade aktiv dabei Kontakte zu anderen Betrieben zu knüpfen erst mal in unserer Region.

Linkezeitung: Könnten nicht zwei oder drei von Euch auf Rundreise durch die Republik gehen? So könntet Ihr Eure Sache bekannter machen und reichlich Geld für die Kampfkasse sammeln. Ganz wichtig wäre der Effekt, den Kolleginnen und Kollegen Mut zu machen, die vor ähnlichen Problemen stehen. Eine solche Rundreise könnte von Linkezeitung und linken Gruppen in- und außerhalb von Die Linke organisiert werden. So könnte eine Art Arbeiter-Solidaritäts-Netzwerk aufgebaut werden.

Rapfael Roß: Würden wir gerne machen, aber momentan brauchen wir jeden von unseren sieben Komitee Mitgliedern hier vor Ort. Viele vom Komitee arbeiten und wir wissen nicht wie wir das noch bewerkstelligen sollten. Unsere Frauen unterstützen uns auch schon wo sie können. Manchmal ist das alles nicht so einfach, es kommen ja auch noch die privaten Probleme bei jedem einzelnen von uns jetzt zum Tragen was zb. laufende Zahlungsverpflichtungen usw. angeht. Viele von uns haben Eigentum und da reichen die 8 Euro hinten und vorne nicht aus.

Hier mal ein original Gästebuch-Eintrag von unserer Homepage:

„Fair schrieb:

Guten Morgen auch mich hats erwischt meine Gedanken kreisen in Wut Sorge wie es weitergehen soll kaum Schlaf wie sag ich es meinen kleinen Kindern selbst Gedanken an Schluß zu machen aber das würde ich nicht machen wegen den Kindern man sitzt da und weiß nicht weiter und die Wut im Bauch wird immer Größer habe lange beim GHB gearbeitet und jetzt wird man Entsorgt es ist schön das Politik Macht hat.Wir sind zu wenige die Kämpfen da Kollegen denken die noch da sind sie werden nicht Entlassen ich bin Froh das Widerstand da ist.Ps ich bin kein Spinner ich habe Familie und ohne euch vom Komitee wären meine Gedanken noch viel Schlimmer Macht weiter ich habe Respect und werde mich auch zu wehren Wissen."


Wir tun wirklich, was wir können, das könnt ihr uns glauben.

Auch seelischer Beistand gehört dazu. Einfach nur mal zuhören, Tipps geben, wo man hingehen kann, um Hilfe zu bekommen und und und.

Ich war zum Beispiel beim 53. Jour Fixe (Super liebe Leute sind das. An dieser Stelle einen lieben Gruß an Dieter von Jour fixe)Treffen am Mittwoch, dem 02 September. Näheres darüber könnt ihr demnächst unserer Homepage entnehmen.

Link zur Homepagehttp://www.wirsindderghb.de.vu/

Artikel aus Linkezeitung:

Bremerhaven: Hafenarbeiter wehren sich gegen Sozialplan und Entlassungen  - von Jürgen Roth - www.arbeitermacht.de

Info aus dem Newsticker: Komitee "Wir sind der GHB"

Kolleginnen und Kollegen in Dublin stehen vor denselben Problemen:

8 Wochen Streik im Hafen von Dublin - Demo-Video  

Deutsche Bank/Marine Terminals Ltd. beauftragt Ex-Militärs Arbeiterwiderstand zu brechen  

 

Das Interview wurde per Mail geführt von Francis Byrne.

 


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