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"Demokratie muss direkter werden" - Wojna von 'die Bandbreite' im Linkezeitung-Interview PDF Drucken E-Mail
von www.linkezeitung.de    16.10.2009 - bisherige Aufrufe: 1108

bandbreite911klein.jpg‚die Bandbreite‘ ist eine politische HipHop-Band aus Duisburg. Auf ihrer Homepage www.diebandbreite.de finden sich stets aktuelle Konzerttermine und Infos. Zudem gibt es MP3 Dateien zum herunterladen und vieles mehr. Auf dem Weblog von Frontmann Wojna wojna.de finden sich aktuelle Kommentare und Analysen zum politischen Tagesgeschehen.

Linkezeitung: Am Freitag, den 9.10.09 habt Ihr im Rahmen einer Veranstaltung mit Arbeiterfotografie und Elias Davidson zum Thema 'Medien zwischen Realität und Scheinwelt' in Frankfurt ein Konzert gegeben. Einige Leute haben versucht, die Veranstaltung zu stören. Was war los?

Wojna: Um etwa. 18.30 Uhr versammelten sich vor der Tür des Club Voltaire ca. 50 Menschen, die unsere Veranstaltung blockieren wollten. Tatsächlich wurden einige Leute vor der Tür abgedrängt, so dass diese gar nicht erst zu der Veranstaltung durchgelassen wurden.

Ich verlies den Club Voltaire, um mit den Demonstranten zu sprechen und Dialogbereitschaft zu signalisieren. Zu einem Dialog kam es jedoch nicht. Ich wurde durchweg angeschrien und beleidigt, so dass eine echte Diskussion gar nicht möglich war. Der Ton der Demonstranten war durchgehend drohend und feindlich. Die widersinnigen Vorwürfe gegen uns wurden gebetsmühlenartig wiederholt.

Während Andreas Waibel, der zurückgetretene 1. Vorsitzende des Club Voltaire nach dem Event in zahlreichen Medien die Diskussionsbereitschaft seines mitgebrachten Mobs propagierte, konnten wir davon nichts spüren. Auch davon, dass der Protest besonders friedlich ablief, wie nachträglich von den Demonstranten behauptet, kann nicht die Rede sein. Insbesondere am Eingang des CV kam es immer wieder zu Handgreiflichkeiten in deren Verlauf sogar die Abendskasse kurzzeitig gestohlen wurde.

Linkezeitung: Ihr konntet die Veranstaltung aber letztlich durchführen. Was stand inhaltlich im Mittelpunkt?

Wojna: Hauptsächlich wurden die Merkwürdigkeiten des 11. September 2001 thematisiert. Elias Davidson referierte über die unzulänglichen Beweise, die belegen sollen, dass die Tat tatsächlich von islamistischen Extremisten begangen wurde. Einigen Leuten waren verschiedenste Fakten zu den Anschlägen vom 11. September noch gar nicht bekannt. Was in meinen Augen eindeutig an der Tabuisierung des gesamten Themas liegt. Es wurde heftigst diskutiert und es ging teilweise hoch her. Doch auch wenn komplett unterschiedliche Auffassungen aufeinander trafen ist es doch zumindest im Club Voltaire zivilisiert und friedlich zugegangen.

Linkezeitung: Diese sogenannten „Antideutschen" sagen zu Fragen wie Krieg gegen die islamischen Länder, Hetze gegen die Muslime, Vertreibung der Palästinenser, Attentate an 9/11 und anderen wichtigen Themen nichts anderes als die bürgerlichen Parteien auch. Sie sagen aber sie seien Linke. Geht das zusammen?

Wojna: Die Anti-Deutschen sind keine Linken. Sie hofieren die rechte und rassistische Politik in Israel. Sie sabotieren die politische Meinungsfreiheit und schrecken auch nicht vor offener Gewalt, oder zumindest deren Androhung, gegenüber Andersdenkender zurück. Die Vorgehensweise der AntiDs ist nicht dazu geeignet irgendeine Ansicht oder ein Thema zu transportieren und andere zu überzeugen, sondern ist reine Spalterei und Hetze zu Gunsten des Imperialismus auf dieser Welt.

 

Linkezeitung: Diese Leute haben den Rassismus und die Kriegstreiberei in die Linke getragen. Müssten wir sie nicht umbenennen, in ... sagen wir mal „Superdeutsche" oder so?

Wojna: Im Grunde ist mir egal, wie sie heißen oder wie sie sich nennen. Sie sind diejenigen, die die Spaltung in die Linke tragen und ihre Standpunkte sogar gewalttätig vertreten. Das sie dabei faschistoide Methoden anwenden und dem Imperialismus und totalitärer Herrschaft einiger weniger das Wort reden, disqualifiziert sie als Teil einer linken Bewegung.

 

Linkezeitung: Die Bandbreite ist eine linke Band. Was ist wichtig für Euch?

Wojna: Was für die Band wichtig ist, ist immer auch das, was ihren Mitgliedern am Herzen liegt. Wir wollen Musik machen und damit unser Leben finanzieren. Dass wir dabei sagen, was wir denken, ist für uns eine Frage der eigenen Glaubwürdigkeit. Natürlich könnten wir auch Musik mit banaleren Texten machen und dabei im Übrigen ein viel ruhigeres Leben führen. Aber wenn man schon mal Leute hat, die einem zuhören, warum nicht sagen, was einen stört.

Um es ganz hoch gestochen zu formulieren: Wahrhaftigkeit! Wir wollen nach einem Konzert sagen können: „Wenigstens haben wir uns nicht verbiegen müssen."

Linkezeitung: Wir von Linkezeitung.de sehen nur in der Emanzipation der Arbeiterklasse von unten eine Perspektive jenseits des Kapitalismus. Wir denken, dass wir nur so die Konkurrenz- und Kriegslogik des Kapitalismus - Firmen gegen Firmen, Nationen gegen Nationen - überwinden können. In vielen Ländern wie Argentinien, Italien und England gibt bzw. gab es schon Betriebsbesetzungen. Hat ‚die Bandbreite‘ eine formulierte politische Perspektive?

Wojna: Fernab jeglicher Weltanschauung, arbeiten wir an einer gerechteren und friedlicheren Welt. Wir denken, dass es auch innerhalb bestehender Systeme die Möglichkeit gibt, dies zu verwirklichen. Wir zwei sehen uns nicht als Vertreter einer Ideologie oder sowas. Wir finden einfach nur, dass unsere Welt freier und gerechter sein könnte, als Sie das derzeit ist.

Eine gerechtere Verteilung von Kapital und somit auch Chancen für den Einzelnen, ob in Deutschland, den USA oder im Sudan, ist Grundvorraussetzung für ein friedliches Zusammenleben. Dafür muss der einzelne aber akzeptieren, dass die eigene Bequemlichkeit nicht wichtiger ist als das Überleben von Menschen in der sog. Dritten Welt.

Erste Schritte auf diesem Weg wären für uns die Einführung von Tobinsteuer, einer umlaufgesicherte Währung und eines bedingungsloses Grundeinkommen.Wichtig ist jedoch, dass wir glauben, dass jede Veränderung zum Positiven nur von einem selbst ausgehen kann. Es geht quasi um Erziehung durch Vorleben.

Linkezeitung: Der Kapitalismus steckt weltweit in einer seiner heftigsten Krisen. Was können wir von dem System noch erwarten? Was können wir von der neuen Bundesregierung erwarten?

Wojna: Das Problem ist doch, dass wir von dem System überhaupt was erwarten. Ich bin ja ohnehin der Meinung, dass wir nur eine Chance auf Verbesserung haben, wenn die Demokratie in unserem Lande wieder direkter wird. Viel mehr, als bisher müssen die Dinge vor Ort entschieden werden. Viele von unseren Bundespolitikern verwechseln meiner Ansicht nach die Interessen der Bürger mit denen der Industrie und des Kapitals. Hohle Phrasen wie: „Sozial ist was Arbeit schafft." sind vielleicht verbale, aber mit Sicherheit keine gedanklichen Entgleisungen.

Die Aufgabe der Politik ist doch den Willen des Volkes umzusetzen. Dazu müssen wir, das Volk, erstmal damit beginnen unseren Willen kund zu tun. Wenn wirklich 2/3 der Bevölkerung gegen einen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan sind, warum haben diese Leute dann nicht den Frieden gewählt? Eine neue APO muss her und der Wählerwille muss nicht nur alle paar Jahre abgefragt, sondern wir müssen laut werden und unseren Willen, nötigenfalls auch wieder auf der Straße öffentlich machen.

Linkezeitung: Was sind Eure nächsten Pläne? Gibt es bald eine neue CD?

Wojna: Super Frage, danke. Im Moment sind wir sogar ein wenig im Stress, denn noch in diesem Jahr erscheint eine neue CD, eine DVD und ein Buch von oder über Die Bandbreite. Als erstes wird wohl Anfang November unsere neue EP mit dem Namen „Zwangsimpfung" auf den Markt kommen. Darauf werden wir neue Songs zu Themen wie dem undemokratischen EU-Vertrag, Finanzkrise und Palästina, präsentieren.

Kurz danach, erscheint unsere erstes Textbuch im Culex-Verlag mit unseren bekanntesten Lyrics und weiteren Infos rund um DJ Torben und mich. Den diesjährigen Veröffentlichungsreigen beschließen wir dann mit einer DVD auf der unsere Fans Die Bandbreite dann auch mal ein wenig privater erleben darf.

Das Interview wurde online per Mail geführt von Francis Byrne.

Weitere ausgewählte Linkezeitung-Interviews:

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