Aus Japan werden uns heftige Kämpfe gemeldet, sowohl auf der gewerkschaftlichen Ebene, als auch in den Universitäten und auf dem Land.
Nach der verheerenden Wahlniederlage der LDP macht die bisherige Oppostionspartei DPJ, nun an der Regierung, wenig Eindruck mit dem neoliberalen Kurs der Vorgängerregierung gebrochen zu haben.
Am 1.10.2009 streikte die Lokführergewerkschaft Doro-Chiba (National Railway Motive Power Union of Chiba) der Ortsgruppe Maku-Hari gegen die Versetzung ihres Vizevorsitzenden und ihres Generalskretärs der Gewerkschaft. In Japan lassen die Arbeitsgesetze die willkürliche Versetzung von Gewerkschaftsfunktionären durchaus zu. Der Streik wurde lebhaft befolgt.
Als Reaktion hieraus kam es zu einem polizeilichen Übergriff auf die Räumlichkeiten der Gewerkschaft, wohl Hand in Hand mit der Bahn-Betriebsleitung. Es handelt sich um den dritten Übergriff dieser Art seit Juli 2008.
Doro Chiba ist eine kämpferische Gewerkschaft und hat als solche eine lange Tradition.
Der Polizeiübergriff hatte wohl mehr symbolische Bedeutung und sollte wegen des vorangegangenen Streiks der Gewerkschaft einschüchtern. Es kam zu heftigen, vorwiegend verbalen Auseinandersetzungen mit Gewerkschaftlern, ehe die Polizeitruppe abzog.
Hintergrund dieser Ereignisse ist wohl auch das Bestreben der
Lokführergewerkschaft Doro - Chiba, ein japan-weites und weltweites
Netzwerk der militanten Arbeiterbewegung zu schaffen, was Staat wie Bahnleitung ein Dorn im Auge ist.
Am 11.Oktober fand eine große Kundgebung gegen den Ausbau des
Internationalen Flughafens Narita statt, auf dem Ackerland eines
oppositionellen Bauern in direkter Nachbarschaft. Aufgerufen hatte die
traditionsreiche Oppositionsliga der Bauern. Die Kundgebung hatte ca.
2000 Teilnehmer, darunter auch zahlreiche Mitglieder der Gewerkschaft
Doro - Chiba. Nach Regierungsplänen sollte der Flughafen schon seit 30
Jahren fertig sein, ist aber bis heute nur halb gebaut.
Der Flughafen wird quasi permanent von Demonstranten "belagert". Die Kämpfe um den Flughafen Narita dauern seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ungebrochen an.
Am 16. Oktober fanden weitere Kämpfe um Meinungsfreiheit in der Hosei
- Universität statt (wir berichteten über diese Auseinandrsetzung).
Studenten von Zengakuren wollten sich durch eine demonstrative
Veranstaltung auf dem Universitätsgelände wieder die Meinungsfreiheit
erkämpfen. Die Veranstaltung wurde, wie nicht anders zu erwarten, von
Universitätsleitung und Polizei verboten. Zwei Studenten, die Reden
gehalten hatten, wurden nach einem aus der faschistischen Zeit
stammenden Gesetz verhaftet, so dass unsere Kontakte von einer Rückkehr
in die Vorkriegszeit sprechen, was das Klima an den Universitäten
angeht.
Zengakuren ist ein sehr traditionsreicher Studentverband, dessen Ruf in
den 70er Jahren auch bis nach Europa und USA gelangte, und der
ungebrochen an der Spitze der studentischen Kämpfe gegen die
Kommerzialisierung und Privatisierung der japanischen Universitäten
steht.
Am gleichen Tag (16.Oktober) führte Doro-Mito, eine
Schwestergewerkschaft von Doro-Chiba, gemeinsam mit Aktivisten von
Doro-Chiba eine Protestaktion vor der JR(**)-Zentrale in Tokio durch, (
das war vor Shinjuku, einem belebtesten Bahnhoefe) gemacht.
Anschließend führten die Gewerkschaftler eine Versammlung im
benachbarten Park durch.
Ihre Forderungen waren u.a.: Gegen ungerechte Arbeitspraxis, Befolgung
eines - für die Bahngewerkschaftler günstigen - Urteil des Obersten
Gerichtshofes, Rücknahme der Versetzungen von gewerkschftlern und
Rücknahme der Entlassung von insgesamt 1047 Staatsbahn-Arbeitern.
Die Hintergründe der letzten Forderung sind die folgenden:
1987 wurde die Japanische Staatsbahn (JNR,Japan National Railway)
geteilt und privatisiert, um die Arbeiterbewegung der Bahn (die damals
das Rueckgrat der gesammten japanischen Arbeiterbewegung bildete) zu
zerschlagen . Aus JNR entstand 7 JR-Gesellschaften, naemlich JR-Nord,
JR-Ost, JR-Mitte, JR-West, JR-Schikoku(Insel), JR-Kyushu(Insel) und
JR-Gueter (Ähnlich wie die Planungen in Deutschland bei der deutschen
Bahn - AG waren.
Durch die Teilung und Privatisierung der Staatsbahn wurden damals
200,000 Staatsbahn-Arbeiter von JNR versetzt und 1047 Arbeiter
entlassen. 200 Arbeiter begingen damals Selbstmord. Doro-Chiba leistete
spektakulär entschiedenen Widerstand durch zwei Flächenstreiks. Alle
anderen groesseren Gewerkschaften aber unterstützten die Aufteilung und
Privatisierung der japanischen Staatsbahn Hand in Hand mit der
damaligen Regierung oder blieben passiv.
Am 11. November findet ein internationaler Arbeiterkongress statt, zu
dem internationale Gäste erwartet werden und zwar aus Suedkorea(KCTU
Seoul Regional Council), den USA (ILWU und UTLA aus Los Angeles) und so
weiter und Brasilien (Conlutas:eine grosse und brasilienweite
Dachorganisation der linken Gewerkschaften).
Mitarbeiter der Linken Zeitung werden auch teilnehmen, um die Kontakte mit den japanischen Gewerkschaftlern zu intensivieren.
Durch Vermittlung der Linken Zeitung trafen auch Grussbotschaften von
argentinischen Eisenbahnarbeitern und einer "Comunidade" der
Mapuche-Indianer (Gemeinschaft, Stamm) aus Südchile in Japan zu diesem
Kongreß ein.
Videos zu den Ereignissen:
http://www.zenshin.org/blog/index.html
http://www.geocities.jp/dorosien28/index.html
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