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von Joachim Weiss - www.gegen-stimmen.de    10.12.2009 - bisherige Aufrufe: 2198

asklepios.jpgPrivatisierung des Gesundheitswesens

Mit ca. 1200 Filialen und Kultstätten rund um und weit über den Mittelmeerraum hinaus, galten die Anhänger des griechischen Heilgottes Asklepios bereits im 5. Jh. v. Chr. als erfolgreichster Heilkult der Antike. Selbst Hippokrates, dessen Eid die Mediziner noch heute schwören, rühmte sich seinerzeit ein „Sohn des Asklepios" zu sein. Mit rüden Methoden versucht stattdessen der Hamburger Klinikkonzern „Asklepios" (1) nicht nur die Gründung eines neuen Betriebsrates zu vereiteln.

Erst Anfang des Jahres, so berichtete die Hamburger Morgenpost, sei beispielsweise die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Katharina Ries-Heidtke Opfer eines bis heute nicht aufgeklärten Lauschangriffs mit Wanzen geworden. Jetzt plagen die Arbeitnehmervertreterin neue Sorgen: Vier der fünf Kandidaten, die sich für den Wahlvorstand (eine Vorstufe des Betriebsrates) aufstellen ließen, seien von einem „cholerisch auftretenden Objektleiter" zum Rücktritt gemobbt worden. Ein Kandidat soll beispielsweise in die Spätschicht versetzt worden sein, mit der Folge dass er sich nicht mehr um seine behinderte Schwester kümmern konnte.

Ein anderer Bewerber, so schildert es ver.di, wurde indirekt unter Druck gesetzt: Der Arbeitsvertrag seiner Frau würde nicht verlängert, wenn er kandidieren würde. In einem dritten Fall wurde ein Raucher wegen angeblichen Zigarettenkonsums außerhalb der Pausen abgemahnt - obwohl er sich nichts zu Schulden habe kommen lassen. Nur der designierte Vorsitzende des Betriebsrats ließ sich auch durch Psychoterror nicht von einer Kandidatur abbringen. Folge: Sein Bereich, die Logistik, wurde aus der DLG überraschend und komplett ausgegliedert - offiziell begründete "Asklepios" dies mit wirtschaftlichen Überlegungen.

Zitat Hamburger Morgenpost (2)


Logo_Asklepios_Kliniken_HamburgDiese Aufzählung fragwürdiger Umgangsmethoden des Hamburger Krankenhauskonzerns mit seinen Mitarbeitern lässt sich aus Gewerkschaftssicht noch erheblich verlängern: „Wortbruch bei Tarifverhandlungen", „Asklepios plant Massenentlassungen", „Arbeitsgericht lehnt Betriebsrats-Ausschluss ab", usw. -die Einzelheiten können bei ver.di im Internet nachgelesen werden (3).

Das Geschäftsmodell des Klinikbetreibers ist es, öffentliche Krankenhäuser zu Dumpingpreisen zu übernehmen und durch Sparmaßnahmen auf dem Rücken von Personal und Patienten rentabel zu machen (4)

Ebenso bemerkenswert ist das Engagement des Klinikkonzerns für millionenschwere Joint-Ventures mit Quasi-Schurkenstaaten wie China. Der Infoservice Finanznachrichten.de berichtet über ein „Gemeinschaftsprojekt der Tongji Universität (Shanghai), Siemens und Asklepios Kliniken für ein „Deutsch-Chinesisches Freundschaftskrankenhaus" mit einem Investitionsumfang von mehr als 100 Mio. EUR (1 Mrd. CNY) (5)

Die ISPRO GmbH, ein Unternehmen der CompuGROUP Holding AG, hat mit der Asklepios Klinikgruppe im Rahmen des „Asklepios Future Hospital Programms" (AFH) eine strategische Allianz geschlossen, meldete am 26.11.2009 der Börsendienst stock-world.de (6)

„Im Mittelpunkt steht die weit reichende Anwendung elektronischer Fallakten... Erklärtes Ziel beider Partner ist es, einen sicheren, datenschutzkonformen Austausch von medizinischen Informationen zwischen Krankenhaus, Praxis und anderen Versorgungsteilnehmern zu gewährleisten. Bereits Anfang 2010 soll der Roll-out der elektronischen Fallakte (kurz eFA) über die Krankenhäuser der Asklepios Gruppe erfolgen. Über die eFA stehen allen an einer Behandlung Beteiligten zentrale Informationen wie Laborwerte, Operationsberichte oder Entlassbriefe unmittelbar zur Verfügung - zeit- und ortsunabhängig.

Zitat stock-world.de

Ein Hauptakteur und maßgeblicher „Berater" bei der Privatisierung des Gesundheitswesens ist (selbstverständlich) die Bertelsmann-Stiftung. Sie richtete bereits im Januar 2007 eine deutsch-amerikanische Fachtagung mit dem Thema: „Die Richtung stimmt: Populationsorientierte Integrierte Versorgung" aus. Schirmherrin: Bundesministerin für Gesundheit, Ulla Schmidt. Aus dem Vorstand der Bertelsmann-Stiftung appellierte Dr. Brigitte Mohn, Tochter des kürzlich verstorbenen Stiftungs-Gründers Reinhard Mohn sowie Mitglied im Aufsichtsrat des Krankenhaus-Multis Rhön-Klinikum AG

„Zwar ist das deutsche Gesundheitswesen in Sachen integrierter Versorgung auf dem richtigen Weg. Dennoch brauchen wir ständig neue Ideen und Modelle, um die bestehende Fragmentierung der Versorgung und der Finanzierung zu überwinden."

Zitat: Dr. pol. Brigitte Mohn (7, 10)

Im Juli 2008 wechselte der frühere Hamburger Wissenschaftssenator Jörg Dräger in den Vorstand der Bertelsmann Stiftung, in dessen Zuständigkeit sich von 2004-2006 auch das Ressort Gesundheit befand. In diese Zeit fällt der Verkauf des Landesbetriebs Krankenhäuser Hamburg (LBK) an den privaten Klinikkonzern Asklepios (8).

In diesem Sinne geht es munter weiter: 2007 erhielt die Bertelsmann Service- und IT-Tochter ARVATO 2007 den Zuschlag für ein profitables Geschäft: Die Digitalisierung der Fotos von 17 Millionen AOK-Versicherten für die neue E-Card. Wer außer ARVATO, Siemens, SAP, IBM oder Microsoft sonst noch seine Finger im Geldtopf des Gesundheitswesens hat zeigt ein Hintergrundbericht, des von Ärzten betriebenen Portals www.gesundheitsreformversagen.de (7).

Software für die Arztpraxis kann man etwa bei Compugroup erwerben, wo der Name Klaus Esser ins Spiel kommt, ein Manager dessen Rat schon zu Zeiten von Mannesmann sehr teuer war.

»Nun wittert er wohl ein neues Geschäft: Esser, der sich mit der „Heuschrecke" General Atlantic Partners (GAP) an der Firma Compugroup, einem Hersteller von Abrechnungssystemen für Ärzte, beteiligt, ist stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat von Compugroup (Albis/Medistar) - sieht nach Aussage der Ärzte Zeitung den IT- Markt für Ärzte und Zahnärzte bei rund 630 Millionen Euro, 200 Millionen Euro allein für Software. Compugroup hat die Software für den Quatsch, den die Ärzte nicht brauchen, aber brauchen müssen - durch Druck von oben, per Gesetz verfügt. Siehe da - die Software ist so teuer das Ärzte sie nicht bezahlen können. Schon kommt ein netter Berater, nämlich Compugroup-Chef Frank Gotthardt, und bietet „elektronische Vernetzung" an. Wieder ein Bein von außen in der Praxis!«

Zitat: "Hinter den Kulissen" (7)

Links & Quellen:

1.) Jens Berger, „Asklepios -ein Heiler auf Abwegen", Artikel lesen...
2.) Hamburger Morgenpost: Aufstand bei Asklepios, Artikel vom 8.12.2009 lesen...
3.) ver.di, Sonderseiten Klinikkonzern „Asklepios", Artikel lesen...
4.) Asklepios, Artikel bei www.labournet.de
5.) Finanznachrichten.de „Tongji Universität, Siemens und Asklepios Kliniken unterzeichnen Joint-Venture-Vertrag", Artikel lesen...
6.) EANS-News, "CompuGroup Holding AG" "Asklepios Gruppe nutzt Fallakte der ISPRO GmbH", Artikel lesen...
7.) Artikel „Hinter den Kulissen" (PDF) abrufbar von www.gesundheitsreformversagen.de
8.) indymedia.org : Bertelsmann-Führung und Konzernverflechtungen, Übersicht von Wiebke Priehn und Alexander Brabandt lesen...
9.) Zum Bertelsmann-Stiftung und Privatisierung des GesundheitswesensArtikel „Der gute Arzt aus Gütersloh - Die Bertelsmann-Stiftung und das Gesundheitswesen" von Jan Erik Döllein, Teil 1, Teil 2
10) Brigitte Mohn studierte Politik, Kunstgeschichte und Germanistik an den Universitäten in Bamberg, Münster und Augsburg und promovierte in Politologie an der privaten Universität Witten/Herdecke, die von 1985 bis 2004 von ihren Eltern durch die Bertelsmann Stiftung mit jährlich fast 2 Mio. Euro unterstützt wurde.

http://www.gegen-stimmen.de/



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