| Steht die Bundeswehr in Afghanistan im Grunde nur Schmiere beim Opiumanbau? |
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| von Mazdak |
19.12.2009
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Ironie aus. Afghanistan und das Massaker von Kundus beherrscht ja gegenwärtig die kapitalistischen Massenmedien. Eine „Enthüllung" folgt der anderen. „Nur Stunden nach dem Bombardement bei Kunduz wusste die Bundeswehr von einer hohen Zahl ziviler Opfer“, so „enthüllt“ derzeit gerade das sehnsüchtig nach Leserschaft schmachtende „Leitmedium“ SPIEGEL.
Guttenberg hat seinen Generalinspekteur gefeuert und die Debatte ist
darüber entbrannt, wer bei diesem Massaker wen falsch informiert haben
soll, so dass erst jetzt herauskommt, dass neben den (wohl per se
vernichtungswürdigen) „Taliban“ auch „die gleiche Anzahl Zivilisten“
ums Leben gekommen sein soll. Usw. Das sind „Nachrichten".Gleichzeitig ist in diversen Massenmedien in den Kommentarfeldern ein stattliches Aufgebot von Trollen zu verzeichnen, die mit Platitüden wie „ein Tanklasterdieb ist kein Zivilist" und „Taliban terrorisieren die Bevölkerung" versuchen, die „öffentliche Meinung" so zu brutalisieren, so dass sich die Herrschaften in der Regierung durchaus „menschlich" betroffen geben können über die „nicht zu rechtfertigende Anzahl an zivilen Opfern".
„Unsichtbar wird der Wahnsinn, wenn er genügend große Ausmaße angenommen hat", schrieb Bertold Brecht und wir erleben in der Gegenwart die absolute Richtigkeit dieses Satzes.
Warum?
Warum massakriert die Bundeswehr denn in Afghanistan überhaupt „Taliban" und Zivilisten? Warum ist sie denn überhaupt dort? Und - ohne auf „nebensächliche" Feinheiten einzugehen wie den angeblichen Verteidigungscharakter der Bundeswehr und des NATO - Bündnisses - warum steht die NATO insgesamt dort überhaupt?
Reden wir über Afghanistan!
Die Taliban, die 1995 wie aus dem Nichts in Afghanistan erschienen, waren in ihrem Ursprung ohne jeden Zweifel eine von der CIA und vor allem dem pakistanischen Geheimdienst ISI aufgerüstete Söldnerarmee (zum großen Teil sogar aus Pakistani bestehend). Sie sahen sich selbst als „Saubermänner", die endlich „Ordnung" in die ewigen Bürgerkriege der verschiedenen US-gesponsorten „Mudschahiddin" bringen wollten, und „strenge Religionsgesetze", versteht sich. „Talib" bezeichnet einen Koranschüler in den pakistanischen Madrassen (Koranschulen), und das war auch das Rekrutierungsfeld dieser Armee, die im Laufe eines Jahres fast ganz Afghanistan unter Kontrolle brachte. Unter dem damaligen Beifall der konservativen Rechten in den USA (an der Spitze Richard Helms) beendeten sie die dauernden Bürgerkriege zwischen den rivalisierenden Mudschahiddin. Söldnerarmeen im Dienste des Imperialismus pflegen ihren Zahlmeistern immer mal wieder aus dem Ruder zu laufen. Der Sieg der Taliban in Afghanistan hatte nämlich einen problematischen wirtschaftlichen Nebeneffekt: der traditionelle Opiumanbau in diesem Land reduzierte sich auf das Gebiet der heterogenen „Nordallianz", den Gegnern der Taliban. Wie es der Zufall will, war das Jahr 2000 das Rekordtief des Anbaus. Die Taliban verboten nämlich riguros jeden Opiumanbau. Heute aber kommen nach Aussagen von UN-Drogenbehörden über 90 % des Weltaufkommens an Rohopium aus Afghanistan. Und letztlich ist der Drogenmarkt eine kapitalistische Branche wie jede andere, nur dass sie in den letzten Jahren an Bedeutung für den weltweiten Kapitalmarkt erheblich gewonnen hat. Verschwörungstheorie? Keineswegs, handfeste Fakten, wie sie unter Börsianern durchaus bekannt sind.
2008: Bankenrettung mit Drogengeld
Unter dem Titel „Bankenrettung mit Drogengeld?" wirft Lars Schall in der Börsenwebseite MMNews die Frage auf:
Wird in Afghanistan statt der Freiheit der Anbau von Opium verteidigt?
Kenner wissen, dass so etwas nur in Fragezeichen geschrieben werden sollte. Doch diese Frage kann sich jeder halbwegs intelligente Mensch selbst beantworten, wenn er sich nur mit den Fakten beschäftigt. Das kann natürlich auch, wie am Fall 911 zu sehen ist, sehr gefährlich sein, aber es ist sehr aufschlussreich. Der UN-Beauftrage in Sachen Drogen und Organisierter Kriminalität - Antonio Maria Costa - wird in diesem Artikel zitiert, und zwar mit einer sehr erstaunlichen Aussage. Er behauptet nämlich, dass das internationale Finanzsystem nur durch massive Kapitalspritzen aus dem internationalen Drogenhandel vor dem Untergang bewahrt werden konnte. Dieses „liquid invest capital" sei mittlerweile „Teil des offiziellen Systems". Der den UN-Beauftragten zitierende MMNews-Autor Lars Schall hält diese Aussage allerdings für bloße Rhetorik und verweist auf die pakistanische Bank of Credit and Commerce International (BCCI), deren Rolle im internationalen Drogenhandel „ein offenes Geheimnis" war. Über diese Bank wurden während der 80er Jahre „mit Billigung der CIA" die anti-sowjetischen Mudschahiddin in Afghanistan finanziert. Aha. Der US-Finanzminister tat nichts, um dergleichen Geschäfte zu behindern (die man in Krimis „Geldwäsche" nennt), da dies die Reputation der USA als „sicheren Hafen" für flüchtiges Kapital und Überseeinvestitionen beschädigt hätte. Ach so. Es ist keineswegs so, dass die staatlichen Behörden, die „Drogenfahndung" davon nichts gewusst hätten. Der Artikel zitiert einen ehemaligen Drogenfahnder des Los Angeles Police Departements, der von 400 Milliarden Jahresgesamterlöse im globalen Drogenhandel ausgeht. Also: hier wird von Erlösen gesprochen, nicht von Umsatz. Michael Ruppert (LAPD): Der Grund, warum es in den U.S.A. nun all diese Drogengewalt gibt, besteht meiner Meinung nach darin, dass die U.S.-Banken nach so viel illegalen Bargeld schreien, wie sie waschen können, um den monatlichen Mindestbetrag ihrer offenen Derivatkontrakte zu bedienen...
Drogenprohibition und Krieg
Ich will nicht gar zu tief in die Diskussion um die Freigabe oder Nichtfreigabe von harten Drogen eingehen. Nur so viel: Michael Ruppert macht geltend, dass 10-20 % aller Menschen weltweit anfällig sind für den Konsum harter Drogen. Dieser Prozentsatz verändert sich auch kaum, weder lässt sich eine höhere Anzahl von Drogenkonsumenten erzwingen, noch lässt sie sich durch Kriminalisierungsmaßnahmen reduzieren. Das ist ein wichtiger Hintergrund zur Beleuchtung des weltweit angeblich geführten „Kampfes gegen die Drogen". Er ist von seinem erklärten Ziel her nämlich vollkommen sinnlos. Tatsächlich aber monopolisiert die Drogenprohibition nur den globalen Zwischenhandel. Denn die Drogenprohibition engt den Kreis derjenigen „Unternehmen", die überhaupt Zwischenhandel von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent betreiben können, erheblich ein. Und die in diesem Zwischenhandel zu erwirtschaftenden Profite sind - ganz im Unterschied zu allen anderen Wirtschaftszweigen - ungebrochen schwindelerregend hoch. Schlafmohn wächst grundsätzlich auch im bundesdeutschen Vorgarten, die Produktionskosten von Rohopium sind lächerlich gering. Ähnlich verhält es sich mit dem Rohstoff für die Gewinnung von Kokain, der Kokapflanze, die ja mit einigen Teilsubstanzen immer noch im Weltgetränk - na sie wissen schon - Cola vertreten ist (wobei die Abscheidung des Kokain nur ein Arbeitsgang bei der Erzeugung dieses Gesöffs ist). Zufällig ist Kolumbien, nur nebenbei bemerkt, das Hauptursprungsland für das weltweit vertriebene und konsumierte Kokain. Bleiben wir aber bei Afghanistan. Fast die gesamte für die Heroinproduktion verwendete Weltopiumernte kommt also aus Afghanistan, und zwar so richtig, nachdem die sturköpfigen und renitenten Taliban 2001 durch Invasion gestürzt wurden, die es doch tatsächlich gewagt hatten, den Opiumanbau in Afghanistan aus religiöser Starrköpfigkeit zu verbieten. (Was seitdem dort alles „Taliban" genannt wird, hat mehr mit der Phantasie der Medien und der Militärs zu tun). Seitdem läufts richtig gut, und seitdem geht's auch mit dem „Aufbau in Afghanistan" so richtig vorwärts. „Internationale Hilfsorganisationen" sind neben den lokalen Drogenbaronen, von denen die einflussreichsten auch in der Karzai-Regierung sitzen, der wichtigste Arbeitgeber im Lande (es gibt sonst so gut wie keine). Na und sonst verdienen ja auch eine Menge anderer Industrien durchaus gutes Geld im Rahmen der „Afghanistan-Mission", sämtliche Zuliefererindustrien für die Besatzungstruppen sind da beispielsweise zu nennen, nicht zu vergessen schließlich und endlich unsere wackeren Medienleute, die durch „Kundus-Affären" trefflich ihren Auftrag erfüllen, zu vertuschen, zu vernebeln, den Wald vor lauter Bäumen unsichtbar zu machen. Zurück zum Opium. Wie kommt das Zeug denn tonnenweise aus Afghanistan heraus und findet - nach den notwendigen Verarbeitungsschritten - seinen Weg zum Endkonsumenten, der völlig überhöhte Monopolpreise für seine Droge bezahlt, gesundheitliche Schäden für schlechte Qualität in Kauf nehmen muss und zudem noch kriminalisiert wird? Gewiss darf man vermuten, dass etwas dran ist, wenn sogar wikipedia schreibt http://de.wikipedia.org/wiki/Drogenkriminalität Die Verstrickung des US-Geheimdienstes CIA in den internationalen Drogenhandel ist mehrfach öffentlich nachgewiesen worden.
Wie vertuscht man den globalen Heroindeal?
Aber wie schauts denn nun aus mit der offenkundig engen Verknüpfung zwischen Afghanistan-Krieg und den Interessen der weltweiten Drogenindustrie?
Und ob den einzelnen Beteiligten dabei, wozu ja immerhin unser gesamter Regierungsapparat gehört, die eigene Rolle in diesem Scheißspiel überhaupt klar ist.
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| Letzte Aktualisierung ( 19.12.2009 ) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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