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Jemen: Das Pentagon führt auch auf der arabischen Halbinsel Krieg PDF Drucken E-Mail
von Rick Rozoff    24.12.2009 - bisherige Aufrufe: 1431

karte.jpgDer Jemen wird das Schlachtfeld für einen Stellvertreter-Krieg zwischen dem Iran auf der einen und den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien auf der anderen Seite werden; die zwischenstaatlichen Beziehungen der beiden letztgenannten gehören zu den engsten und stabilsten in der ganzen Ära nach dem Zweiten Weltkrieg.

Es ist wahrscheinlich unmöglich, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen, zu dem von den USA unterstützte, selbsternannte "heilige Krieger" - die dazu ausgebildet wurden, Terror­anschläge in Städten zu verüben und Passagierflugzeuge abzuschießen - aufhören, Frei­heitskämpfer zu sein und zu Terroristen werden. Es ist aber ziemlich sicher, dass dies ge­schieht, wenn sie Washington nicht län ger von Nutzen sind. Ein Terrorist, der amerikani­schen Interessen dient, ist ein Freiheitskämpfer; ein Freiheitskämpfer, der das nicht mehr tut, ist ein Terrorist.

Jetzt lernen die Jemeniten die Gesetze des Dschun gels kennen, nach denen das Penta­gon und das Weiße Haus handeln. Nach dem Irak und Afghanistan, wo Stanley McChry­stal, der Spezialist für Aufstandsbekämpfung, seine Techniken perfektioniert hat, gehört jetzt auch der Jemen zu den Staaten, in denen das Pentagon auf diese spezielle Art Krieg führt - mit zahlreichen Massakern an Zivilisten und anderen so genannten Kollateralschä­den - wie Kolumbien, Mali, Pakistan, die Philippinen, Somalia und Uganda.

In den BBC News wurdet am 14. Dezember berichtet, dass 70 Zivilisten starben, als Flug­zeuge einen Markt im Dorf Bani Maan im Nordjemen bombardierten (s. http://news.bbc.- co.uk/2/hi/middle east/841 1 726.stm ).

Die jemenitischen Streitkräfte übernahmen die Verantwortung für den mörderischen Angriff, aber auf einer Website der Houthi-Rebellen, denen der Bombenangriff offen­sichtlich galt, wurde berichtet, dass "saudische Flugzeuge das Gemetzel unter den unschuldigen Einwohnern von Bani Maan angerichtet haben". [1] Das saudische Re­gime hat Anfang November auf Seiten der jemenitschen Regierung in die bewaffne­te Auseinandersetzung mit den aufständischen Houthis eingegriffen und wird seit­her beschuldigt, mit Panzern und Kampfflugzeugen Angriffe auf dem Gebiet des Je­men durchzuführen. Schon vor dem jüngsten Bombardement wurden Hunderte Je­meniten bei den Kämpfen getötet und Tausende aus ihren Häusern vertrieben. Sau­di-Arabien wurde beschuldigt, auch Phosphor-Bomben eingesetzt zu haben. (Weite­re Infos unter http://www.presstv.ir/detail.aspx?id=111124 und http://www.presstv.ir/de­tail.aspx?id=1 13616&sectionid=351020206 )

Die Rebellen, die sich "Junge Gläubige" nennen, sind Teil der schiitisch-muslimi­schen Gemeinschaft des Jemens, der 30 Prozent der jemenitischen Bevölkerung von 23 Millionen Menschen angehören; sie behaupten außerdem, dass am 14. De­zember "US-Kampfflugzeuge die Provinz Saada bombardiert und insgesamt 28 An­griffe in dieser nordwestlichen Provinz des Jemen durchgeführt haben" (s. http://ww­w.presstv.ir/detail.aspx?id=113687&sectionid=351020206 ). [2]

Die britische Zeitung DAILY TE­LEGRAPH berichtete am 13.12.09 über Gespräche mit US-Militärs, die erklärten: "Aus Besorgnis darüber, dass auch der Jemen in Gefahr ist, zu ei­nem "Failed State" (gescheiter­ten Staat) zu werden, hat Ameri­ka jetzt einige Spezialkräfte­Teams entsandt, die zur Abwen­dung dieser Bedrohung die Ausbildung der jemenitischen Armee verbessern sollen."

Ein ungenannter Pentagon-Of­fizieller wurde mit folgender Behauptung zitiert: "Der Je­men ist zu einer Ausgangsba­sis für die Aktivitäten der Al‑Qaida in Pakistan und Afghanistan geworden." (Artikel unter http://www.telegraph.- co.uk/news/worldnews/middleeast/yemen/6803120/US-special-forces-train-Yemen-army­as-Arab-state-becomes-al-Qaeda-reserve-base . html ) [3]

Das Schreckgespenst Al-Qaida wird jedoch nur als Vorwand benutzt. Die Rebellen im Nordjemen sind Schiiten und keinesfalls den Sunniten oder den saudi-arabi­schen Wahhabi-Sunniten zuzurechen (die das Gros der Al-Quaida-Kämpfer stellen, s. http://de.wikipedia.org/wiki/Wahhabiten und http://de.wikipedia.org/wiki/Al-Qaida ); die Houthi-Rebellen haben nicht nur keinerlei Verbindung zu Gruppen, die Al-Qaida nahe stehen, sie würden sogar eher von denen bekämpft.

Um die US-Aktivitäten in dieser Region zu unterstützen, haben die britische und die ameri­kanische Presse in letzter Zeit den Jemen als "Heimat der Vorfahren" Osama bin Ladens hochgespielt. Bin Laden stammt aus der Familie eines angesehenen saudi-arabischen Mil­liardärs; die westlichen Medien nutzen den historischen Zufall, dass bin Ladens Vater vor mehr als einem Jahrhundert in dem Teil der arabischen Halbinsel geboren wurde, der jetzt die Islamische Republik Jemen ist, dazu aus, Osama bin Laden eine aktive Rolle in dem Konflikt im Jemen anzudichten, um eine äußerst fragwürdige Verbindung zwischen dem südasiatischen Krieg in Afghanistan und Pakistan und dem Eingreifen der Streitkräfte Sau­di-Arabiens und der USA in die Kämpfe im Jemen herzustellen.

Bereits im Jahr 2002 entsandte das Pentagon etwa 100 Elite-Soldaten - die nach einigen Presseberichten von der Spezialtruppe "Green Berets" (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Uni­ted States Army Special Forces Command %28Ai rborne%29 ) gekom men sei n sol len - in den Jemen, um sie das Militär des Landes ausbilden zu lassen. Diese Maßnahme er­folgte zwei Jahre nach dem Selbstmordanschlag auf den Navy-Zerstörer "USS Cole" im Hafen Aden im Südjemen (s. http://de.wikipedia.org/wiki/USS_Cole_%28DDG-67%29 ),

der Al-Qaida angelastet und mit von Drohnen vorgetragenen Raketenangriffen auf (angeb­lich) identifizierte Al-Qaida-Führer beantwortet wurde; Washington begründete seine Akti­vitäten im Jemen als Reaktion auf dieses Ereignis und auf die Anschläge in New York und in Washington D.C. im Jahr 2001.

Der gegenwärtig zur Aufstandsbekämpfung im Jemen mit US-Unterstützung geführ­te Krieg steht in einem ganz anderen Kontext und hat nichts mit der angeblichen Bedrohung durch Al-Qaida zu tun; er ist ein integraler Bestandteil der Strategie, den Krieg in Afghanistan in konzentrischen Kreisen auf ganz Süd- und Zentralasien, den Kaukasus, den Persischen Golf, Südostasien, den Golf von Aden, das Horn von Afrika und die arabische Halbinsel auszuweiten. Der ungeduldig erwartete Abgang des US-Präsidenten George W. Bush hat vielleicht seinen "globalen Krieg gegen den Terror" beendet; der läuft aber unter der Bezeichnung "Notfall-Operationen im Ausland" weiter, und außer dem Namen hat sich nichts geändert.

Am 13. Dezember sagte General David Petraeus - der Chef des Central Command, des Pentagon-Regionalkommandos, das für die Kriege im Irak, in Afghanistan und in Pakistan zuständig ist - dem (saudi-arabischen) TV-Sender Al Arabiya: "Die Vereinigten Staaten kümmern sich um Sicherheit des Jemen im Rahmen der militärischen Zusammenarbeit, die Amerika all seinen Verbündeten in der Region anbietet." Er betonte, dass sich die US­Schiffe in den nationalen Gewässern des Jemen nicht nur zur Kontrolle aufhalten, sondern auch die Versorgung der Houthi-Rebellen mit Waffen verhindern sollen". (s. http://www.ye­menpost. net/Detail 1 23456789.aspx?ID= 1 00&SubI D= 1 668&MainCat=3 ) [4]

Diesmal wird die Zeitungsente von der Bedrohung durch Al-Qaida/bin Laden verwendet, um die Ausweitung der US-Militärinterventionen auf die arabischen Halbinsel zu rechtferti­gen.

Der YEMEN POST vom 13. Dezember schrieb, das Medienbüro der Houthis habe "die Vereinigten Staaten beschuldigt, am Krieg gegen die Houthis teilzunehmen" und Fotos von US-Kampfjets veröffentlicht, die an den Bombenangriffen in der Provinz Saada im Nordjemen beteiligt waren.

Das Medienbüro berichtete von über zwanzig US-Bombenangriffen, die unter Satelliten­kontrolle durchgeführt worden seien. [5]

Die westliche Presse gibt sich wieder dafür her, die Houthis, die der schiitischen Sekte der Zaiditen angehören und sich stark von den iranischen Schiiten unter­scheiden, verschwörerischer Beziehungen zu Teheran zu bezichtigen. Sogar Mit­glieder der US-Regierung haben bis heute keine Beweise dafür, dass der Iran die je­menitischen Rebellen unterstützt oder sogar mit Waffen versorgt. Das wird sich bald ändern, wenn die Regierung des Jemen die "Anregung" des Generals Petraeus aufnimmt (und "iranische" Waffen findet); Washington wird pflichtschuldigst die Be­hauptung aufgreifen, dass der Iran auch im Jemen seine schiitischen Brüder be­waffnet, wie er es im Libanon getan haben soll.

Der Jemen wird das Schlachtfeld für einen Stellvertreter-Krieg zwischen dem Iran auf der einen und den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien auf der anderen Seite werden; die zwischenstaatlichen Beziehungen der beiden letztgenannten gehören zu den engsten und stabilsten in der ganzen Ära nach dem Zweiten Weltkrieg.

In einem Leitartikel, der vor fünf Tagen in der TEHRAN TIMES erschien, werden alle Par­teien im Jemen-Konflikt - die (jemenitische) Regierung, die Rebellen und Saudi-Arabien -

der Rücksichtslosigkeit beschuldigt; außerdem wird folgende Warnung ausgesprochen: "Die Geschichte liefert uns ein gutes Beispiel. Saudi-Arabien hat extremistische Gruppen in Afghanistan finanziert, und zwei Jahrzehnte nach dem Abzug der sowjetischen Armee aus diesem Land greifen die Flammen des Afghanistan-Krieges auf die Verbündeten Sau­di-Arabiens über. Ein ähnliches Szenario entwickelt sich jetzt im Jemen." (s. http://tehranti­mes.com/Index view.asp?code=209547 ) [6]

Der Vergleich zwischen dem Jemen und Afghanistan spielte darauf an, dass Riad jetzt schon zum zweiten Mal Hand in Hand mit den Vereinigten Staaten den saudi­arabischen Wahhabismus zu exportieren versucht, um seinen politischen Einfluss auszuweiten.

Saudi-Arabien will seine eigene Version des Extremismus auch im Jemen durchsetzen, wie es das schon früher in Afghanistan und Pakistan versucht hat und zur Zeit auch im Irak versucht. Ohne jeden Einwand der Vereinigten Staaten und ihrer westlichen Verbün­deten werden sich die Saudis und die mit ihnen verbündeten Monarchien am Persischem Golf von den westlichen Waffen im Wert von 100 Milliarden Dollar, die im Lauf der nächs­ten fünf Jahre in den Mittleren Osten verkauft werden sollen, den größten Anteil sichern. "Im Zentrum dieser Waffeneinkaufsorgie steht zweifellos das US-Waffenpaket im Wert von 20 Milliarden Dollar, das die sechs Staaten des Golf Cooperation Council (des Rates für Zusammenarbeit am Golf) - Saudi-Arabien, die Vereinigten Emirate, Kuwait, Oman, Qatar und Bahrain - in den nächsten zehn Jahren anschaffen wollen." [7] Saudi-Arabien verfügt bereits über modernste britische und französische Kampfflugzeuge und ein US-Raketen­abweh rsystem.

Die weiter vorn aus dem iranischen Leitartikel zitierte Warnung vor den "der Flammen des Afghanistan-Krieges" wird durch die COMISAF Initial Assessment (die anfängliche Bewer­tung des ISAF-Kommandeurs) bestätigt, die General Stanley McChrystal, der Oberkom­mandierende der US- und NATO-Streitkräfte in Afghanistan, am 30. August 2009 abgege­ben hat und die von der WASHINGTON POST am 21. September mit den redaktionellen Änderungen des Pentagons veröffentlicht wurde. Das 66-seitige Dokument diente dem Präsidenten Barack Obama als Vorlage für seine am 1. Dezember verkündete Entschei­dung, 33.000 zusätzliche US-Soldaten nach Afghanistan zu entsenden. (s. http://www.wa­shingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2009/09/21/AR2009092100110.html )

In der Bewertung stellt McChrystal fest: "Die Hauptgruppen der Aufständischen sind in der Reihenfolge der Bedrohung, die von ihnen ausgeht: die Taliban, deren Führung in Quetta, einer Stadt in der pakistanischen Provinz Balutschistan sitzt (QST), das Haqqani-Netzwerk (HQN) und Gulbuddins Hezb-e Islami (HiG)."

Die letzten beiden sind nach ihren Gründern und gegenwärtigen Führern Jalaluddin Haqqani (s. http://en.wikipedia.org/wiki/Jalaluddin Haqqani ) und Gulbuddin Hekmatyar (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Gulbuddin_Hekmatyar ) benannt, den zwei M udschaheddin- Lieblingen der CIA aus 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Stellvertretender Direktor der CIA war von 1986-1989 Robert Gates, der jetzt als US-Verteidigungsminister für den Krieg in Afghanistan verantwortlich ist. Und neuerdings auch für den Krieg im Jemen.

In seinem 1996 veröffentlichten Buch "From the Shadows" (Über die Schatten) rühmt sich Gates: "Die CIA erzielte mit verdeckten Aktionen wichtige Erfolge. Die wahrscheinlich fol­genreichsten in Afghanistan, wo die CIA über ihre Verbindungen (zum pakistanischen Ge­heimdienst ISI) die Mudschaheddin mit Milliarden Dollars für Waffen und Nachschub ver­sorgte." [8]

Die NEW YORK TIMES enthüllte 2008 diese Details: "In den 80er Jahren des letzten Jahr­hunderts wurde Jalaluddin Haqqani als "einzigartige Stütze" der CIA gefeiert und erhielt für seinen Kampf gegen die sowjetische Armee in Afghanistan mehrere zehntausend Dollar in Cash; das berichte Steve Coll in seinem jüngsten Buch '"The Bin Laden's" (Die Familie Bin Laden). Damals half und schützte Haqqani den (Al-Qaida-Gründer) Osama bin Laden, der eine eigene Miliz zum Kampf gegen die sowjetischen Streitkräfte aufbaute." (s. http://ww­w.nytimes.com/2008/09/09/world/asia/09pstan.html [9] Coll ist auch der Autor des Buches "Ghost Wars: The Secret History of the CIA, Afghanistan, and Bin Laden, from the Soviet Invasion to September 10, 2001" (Geisterkriege: Die geheime Geschichte der CIA, Afgha­nistans und Bin Ladens von der sowjetischen Invasion bis zum 10. September 2001).

Haqqanis Kollege Hekmatyar "erhielt über ISI, den pakistanischen Geheimdienst, Millio­nen Dollars von der CIA. Gulbuddi ns Hezb-e-Islami (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Hezb­e Eslami ) wurde am stärksten von Pakistan und Saudi-Arabien unterstützt und arbeitete mit Tausenden Mudschaheddin zusammen, die aus dem Ausland nach Afghanistan ge­kommen waren." (s. dazu auch http://en.wikipedia.org/wiki/Gulbuddin Hekmatyar ) [10]

Im Mai 2009 sagte der äußerst pro-amerikanische pakistanische Präsident Asif Ali Zardari in der amerikanischen TV-Sendung NBC NEWS, die Taliban sind "ein Teil unserer Vergangenheit und Ihrer Vergangenheit, und der ISI und die CIA schufen sie gemeinsam. Die Taliban sind eine Plage, die wir zusammen geschaffen haben." [11]

Am 11. September 2001 gab es auf der Welt nur drei Staaten, die das Taliban-Regime in Afghanistan anerkannt hatten: Pakistan, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. US-Präsident George W. Bush nannte sofort danach sieben Staaten, die angeb­lich die Terroristen unterstützt hätten, als Kandidaten für eine potenzielle Vergeltung: Kuba, den Iran, den Irak, Libyen, Nordkorea, den Sudan und Syrien. Nur der Sudan, der Osama bin Laden 1996 ausgewiesen hat, hatte überhaupt irgendwelche erkennbaren Ver­bindungen zu Al-Qaida. Von den neunzehn Beschuldigten, die am 11. September die Flugzeuge entführt haben sollen, stammten fünfzehn aus Saudi-Arabien, zwei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, einer aus Ägypten und einer aus dem Libanon.

Pakistan und Saudi-Arabien sind nach wie vor sehr geschätzte politische und militärische Verbündete der USA, und die Vereinigten Arabischen Emirate stellen Truppen, die unter NATO-Befehl in Afghanistan dienen.

Es ist wahrscheinlich unmöglich, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen, zu dem von den USA unterstützte, selbsternannte "heilige Krieger" - die dazu ausgebildet wur­den, Terroranschläge in Städten zu verüben und Passagierflugzeuge abzuschießen - aufhören, Freiheitskämpfer zu sein und zu Terroristen werden. Es ist aber ziemlich sicher, dass dies geschieht, wenn sie Washington nicht länger von Nutzen sind. Ein Terrorist, der amerikanischen Interessen dient, ist ein Freiheitskämpfer; ein Frei­heitskämpfer, der das nicht mehr tut, ist ein Terrorist.

Jahrzehnte lang standen der African National Congress Nelson Mandelas und die Palesti­ne Liberation Organization Yassir Arafats an der Spitze der Liste, in der das US-Außenmi­nisterium Terroristengruppen registriert. Als der Kalte Krieg kaum beendet war, wurden Mandela und Arafat wie Gerry Adams von der (nordirischen) Sinn Fein ins Weiße Haus eingeladen. Das erste erhielt den Friedensnobelpreis 1993 und der zweite 1994.

Wenn ein selbst ernannter "heiliger Krieger" in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts Saudi-Arabien oder Ägypten verließ und nach Pakistan ging, um gegen die afghanische Regierung und ihre sowjetischen Verbündeten zu kämpfen, war er in den Augen der US-Amerikaner ein Freiheitskämpfer. Wenn er anschließend in den Libanon kam, war er ein Terrorist. Wenn er Anfang der 90er Jahre des letzten Jahr­hunderts nach Bosnien ging, war er wieder ein Freiheitskämpfer. Wenn er danach im Gaza-Streifen oder im Westjordanland auftauchte, galt er wieder als Terrorist. Im russischen Nordkaukasus war er ein neugeborener Freiheitskämpfer, wenn er aber 2001 nach Afghanistan zurückkehrte, wurde er wieder zum Terroristen.

Je nachdem, wie der Wind in Foggy Bottom (einem Stadtteil Washingtons) weht, ist ein bewaffneter Separatist des Baloch-Volkes in Pakistan oder ein Kashmiri in Indien entwe­der ein Freiheitskämpfer oder ein Terrorist.

Noch 1998 beschrieb Robert Gelbard, der US-Sondergesandte für den Balkan, die Kosovo Liberation Army / KLA, die gegen die jugoslawische Regierung kämpfte, als eine Terroror­ganisation: "Ich erkenne einen Terroristen, wenn ich einen sehe, und diese Männer sind Terroristen." [12]

Im Februar des nächsten Jahres lud die US-Außenminister Madeleine Albright fünf Mitglie­dern der KLA, darunter deren Chef Hashim Thaci, nach Rambouillet in Frankreich ein, und stellte Jugoslawien ein Ultimatum, von dem sie wusste, dass es abgelehnt und zum Krieg führen würde. Im nächsten Jahr begleitete sie Thaci auf einer persönlichen Einladungstour ins Hauptquartier der Vereinten Nationen und ins US-Außenministerium und nahm ihn als Gast zum Parteitag nach Los Angeles mit, auf dem der Präsidentschaftskandidat der De­mokraten nominiert wurde.

Am 1. November dieses Jahres hatte Thaci, der jetzt Premierminister eines Pseudo-Staa­tes ist, den nur 63 der 192 Nationen der Welt anerkannt haben, den ehemaligen US-Präsi­denten Bill Clinton zu Gast, um ihn durch die Enthüllung eines Clinton-Denkmals für seine Verbrechen zu ehren und seiner Eitelkeit zu huldigen.

Von der Mitte der 70er Jahre bis 1991 unterstützte Washington bewaffnete Separatisten in Eritrea in ihrem Kampf gegen die äthiopische Regierung.

Zur Zeit bewaffnen die Vereinigten Staaten Somalia und Djibouti für einen Krieg gegen das unabhängige Eritrea. Das Pentagon hat seine erste dauerhafte Militärbasis in Afrika in Djibouti errichtet; dort hat es 2.000 Soldaten stationiert, die mit Hilfe von Drohnen Somalia und den Jemen kontrollieren.

Balzac lässt sein Romanhelden Vautrin sagen: "Es gibt keine Prinzipien, es gibt es nur Er­eignisse; es gibt auch keine Gesetze, sondern nur Verhältnisse."

Jetzt lernen die Jemeniten die Gesetze des Dschungels kennen, nach denen das Pentagon und das Weiße Haus handeln. Nach dem Irak und Afghanistan, wo Stanley McChrystal, der Spezialist für Aufstandsbekämpfung, seine Techniken perfektioniert hat, gehört jetzt auch der Jemen zu den Staaten, in denen das Pentagon auf diese spezielle Art Krieg führt - mit zahlreichen Massakern an Zivilisten und anderen so genannten Kollateralschäden - wie Kolumbien, Mali, Pakistan, die Philippinen, So­malia und Uganda.

Anmerkungen

1)  BBC News, 14. Dezember 2009

2)  Press TV, 14. Dezember 2009

3) Daily Telegraph, 13. Dezember 2009 4)Yemen Post, 13. Dezember 2009

5)  ebd.

6)  Tehran Times, 10. Dezember 2009

7) United Press International, 25. August 2009

8)  BBC News, 1. Dezember 2008

9)  The New York Times, 9. September 2008

10)   Wikipedia

11)   Press Trust of India, 11. Mai 2009 12) BBC News, 28. Juni 1998

(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit zusätzlichen Anmerkungen in Klammern und Hervorhebungen versehen. Am 18.12.09 wurde in den ABC NEWS berichtet, dass bei von Obama angeordneten Marschflugkörper-Angriffen auf "Al-Qaida-Schlupfwinkel" im Je­men 120 Menschen - die meisten davon Zivilisten - getötet wurden (s. http://abcnews.go.- com/Blotter/cruise-missiles-strike-yemen/story?id=9375236&page= 1 ). 


http://rickrozoff.wordpress.com/2009/12/15/yemen-pentagons-war-on-the-arabian-penin‑sula/

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP28609_221209.pdf
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