| „Blut und Brand“ – Kundus-Massaker reiht sich ein in die Tradition deutscher Kriegsverbrechen |
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28.12.2009
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Bei der Bombardierung einer Menschenmenge im afghanischen Kundus gab es etwa 140 Tote sowie viele Verletzte. Das von deutschen Militärs befohlene Massaker steht in einer grauenvollen Tradition: militärische Verbrechen in fremden Ländern, die im Auftrag und Interesse der deutschen herrschenden Klasse verübt wurden.
Die imperialistische Politik Deutschlands hat eine lange Geschichte. Getrieben einerseits von der Konkurrenz um neue Rohstoffquellen und neue Märkte, und andererseits um geostrategische Regionen zu erobern: immer wieder wurde deutsches Militär mit verbrecherischen Folgen in ferne Länder geschickt. Oft - wie auch im gegenwärtigen Afghanistanfeldzug - mit der Begründung, eine bestimmte Weltregion „befrieden" zu wollen. Allerdings war der Ausdruck „Befriedung" stets nur ein anderes Wort für die Unterdrückung und Niederschlagung von Aufständen gegen Fremdherrschaft und für Selbstbestimmung. Wo immer deutsches Militär zu Einsätzen in fremde Länder zog, gab es Kolonial-, Eroberungs- und sogar Vernichtungskriegsverbrechen - bis hin zu Völkermorden. Allerdings stießen die imperialistischen Bestrebungen Deutschlands immer wieder auf Widerstand. Die Liste der gut organisierten aber auch oft spontan entstandenen Aufstände gegen die imperialistischen Machtgelüste Deutschlands ist erstaunlich lang und reicht bis zum sogenannten Araber-Aufstand 1888/1889 im heutigen Tansania. Bei der Niederschlagung des Aufstandes wurde das Feldlager der Aufständischen gestürmt und verwüstet. Der Anführer des Aufstandes Buschiri bin Salim wurde gehängt. Überall wo deutsches Militär antrat, gab es Gegenwehr und Befreiungskriege. Hier eine unvollständige Aufzählung: In Deutsch-Südwestafrika gab es 1897 den Aufstand der Nama, 1897/98 den Aufstand der Swartboi, 1901 den Aufstand der Grootfonteiner, 1903/04 den Aufstand der Bondelswarts. In Kamerun schlug das deutsche Militär unzählige Aufstände gegen verschiedene Völker nieder. 1895/96 den Aufstand der Jaunde, 1899 der Bule, 1899 bis 1901 der Bangwa, 1904 der Anjang, 1910 der Maka. Auch die alltägliche Gegenwehr, der passive und aktive Widerstand gegen die Eroberer ist in vielen Fällen gut dokumentiert.Im heutigen Tansania, dem damaligen Deutsch-Ostafrika kam es bei einem Aufstand gegen die deutsche Fremdherrschaft zu einem Blutbad. Bei der Niederschlagung des Maji-Maji Aufstands 1905 wurden auf einer breite von bis zu 400 Kilometern Dörfer, Felder, Vieh und Ernten verwüstet. Etwa 120.000 Menschen starben. Die Niederschlagung der Aufstände war nur mit den brutalsten militärischen Mitteln möglich. Massaker, Brandschatzung, Vertreibung, Vergewaltigung, Mord, Kindesmord, Versklavung, Folter, Peitsche, Hunger und Zwangsarbeit waren die wesentlichen Mittel der Unterdrückung. Rückblickend schrieb der deutsche Kolonialgouverneur a.D. Dr. Schnee 1927 in seinem Buch „Die koloniale Schuldlüge" den zynischen Satz: „Es hat in den deutschen Kolonien schwerer Kämpfe bedurft, um den Frieden zu erzwingen." Eine Lüge! Der damalige Reichtstagsabgeordnete der SPD, Georg von Vollmar, äußerte in einer Debatte über die deutschen Kolonialverbrechen in Ostafrika die Wahrheit:
In verschiedenen Kolonialkriegen, sowie später im Ersten und im Zweiten Weltkrieg verübten deutsche Truppen die grausigsten Verbrechen in so verschiedenen Ländern wie China, Kamerun, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Polen, Russland, Belgien, Frankreich, Togo, Liberia, Lagos, und vielen weiteren Ländern. Nun auch in Afghanistan. Der Völkermord an den europäischen Juden und andere Verbrechen und Kriegsverbrechen des deutschen Faschismus sind grausige Höhepunkte. Aufstand der Herero und Nama Ein früher, ebenfalls schrecklicher Höhepunkt war die Niederschlagung des Volksaufstandes der Herero und Nama gegen die koloniale Besatzung in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Der Befreiungskrieg dauerte von 1904 bis 1908 und seine Niederschlagung gipfelte in einem Völkermord. Dem ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Unmittelbar nach der Besatzung gab es verschiedene regionale Aufstände gegen die Vertreibungen durch deutsche und andere europäische Siedler, die sich auch gegen Handelswucher und gegen die Zerstörung der regional und kulturell üblichen Handels- und Lebensweise richteten. Der Bau einer Eisenbahnlinie zum Abtransport von Kupfererz aus dem Landesinneren war verbunden mit weiteren Vertreibungen. 10 bis 20 km um die Eisenbahnlinie herum wurden die Bewohner vertrieben. Zudem war offensichtlich, dass mit der Fertigstellung der Eisenbahnlinie viele weitere Kolonialisten ins Land strömen würden. Die Herero Namibias entschieden sich zu einem gut organisierten Aufstand. Ab Januar 1904 erhoben sie sich zum Befreiungskrieg und brachten der völlig überraschten und mit 800 Mann unterbesetzten „Schutztruppe" erhebliche Verluste bei. In wenigen Wochen fielen mehr als 100 deutsche Soldaten und Siedler dem Aufstand zum Opfer. Speziell für diese Fälle unterhielt das damalige Deutsche Reich eine schnelle Eingreiftruppe, die in den weltweiten Kolonien und Interessengebieten Deutschlands flexibel militärisch eingreifen konnte: das Marineexpeditionskorps. (Ähnliche „schnelle Eingreiftruppen" sind in den letzten Jahren auf europäischer und nationaler Ebene aufgebaut worden. Wieder geht es darum, Widerstand gegen Fremdbestimmung, Raub und Knechtschaft in aller Welt schnell niederschlagen zu können.) Verstärkt durch das Marineexpeditionskorps und durch eine Aufstockung der Schutztruppen übernahm Generalleutnant von Trotha - genannt „der Schlächter" - die Führung der Aufstandsbekämpfung. Ihm gelang es im August 1904 die Aufstandsarmee der Herero zu zerschlagen. Der größte Teil der Herero-Bevölkerung flüchtete aus Angst vor Repressalien in die Omaheke-Wüste. Dem Kommandeur Ludwig von Estorff wurde befohlen, den Fliehenden nachzusetzen und sie mit allen Mitteln von den wenigen in der Wüste vorhandenen Wasserstellen zu vertreiben. Die Vollzugsberichte an den Generalstab sind grauenerregend:
Von Trotha erklärte ein ganzes Volk zu Feinden. In einem Vernichtungsbefehl ließ er erklären:
Zu Beginn des Aufstandes 1904 gab es eine Herero-Bevölkerung von etwa 100.000 Menschen. Nach einer Statistik von 1913 gab es nur noch 21.699 Herero. Die Überlebenden des Völkermords wurden enteignet und entrechtet. Der deutsche Gouverneur Leutwein intervenierte und verhinderte die Ermordung der gesamten Herero-Bevölkerung. Sein Argument: Man benötige noch notwendiges Arbeitsmaterial. Im Oktober 1904 erhob sich auch das Volk der Nama unter ihren Anführern Hendrick Witbooi und Jakob Morenga gegen die deutsche Fremdherrschaft. Zwar konnte der Aufstand der Nama den deutschen Besatzern durch kluge Anwendung von Guerillataktiken erhebliche Verluste beibringen, vertreiben konnten die Kämpfer die verstärkten Truppen jedoch nicht. Jakob Morenga, einer der militärischen Anführer des Volksaufstandes gilt als Anführer einer der ersten Guerilla-Armeen.
Insgesamt zog sich der Aufstand der Herero und Nama noch bis ins Jahr 1908 hin. Überlebende Herero und Nama wurden in Konzentrationslager deportiert. Dort betrug die Sterblichkeit pro Jahr durchschnittlich 15 % mit Spitzen von bis zu 70 %! Annähernd jeder zweite KZ-Insasse starb bei der Internierung. Bis heute gab es keine ernst zu nehmende Entschädigung und auch keine ernst zu nehmende Entschuldigung seitens einer deutschen Regierung. Zum 100. Jahrestag schickte die Rot-Grüne Bundesregierung mit Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul eine Politikerin aus der zweiten Reihe, die zwar an der Gedenkfeier teilnahm und sich zur politischen und moralischen Verantwortung Deutschlands bekannte, Entschädigungszahlungen aber ausschloss. Die „Herero People's Reparations Corporation" (HPRC) fordert 2 Milliarden Dollar Entschädigung für die Kolonialverbrechen. Deutsche Soldaten besetzen Namibia Ende des 19. Jahrhunderts in allgemeinen Wettlauf um Kolonien. England, Frankreich, Niederlande, Belgien und andere Länder standen in Konkurrenz zueinander auf dem Weltmarkt. Die Länder mit den meisten Kolonien, würden diesen Gebieten auch die meisten Rohstoffe und die meiste Zwangsarbeit abpressen können und so einen Wettbewerbsvorteil im kapitalistischen Konkurrenzsystem haben. Und dieses Konkurrenzsystem führte kurz darauf zum bis dahin größten Krieg der Welt, dem Ersten Weltkrieg, der nicht zuletzt um die Aufteilung der Kolonien geführt wurde. Deutsche Soldaten hatten aber nichts in Namibia zu suchen. Der Aufstand gegen die deutsche Fremdherrschaft war berechtigt und in jeder Hinsicht legitim. Der globale „Krieg gegen den Terror", der seit Ende 2001 geführt wird, ist ein Deckmantel, hinter dem sich geopolitische Interessen verbergen. Deutsche Soldaten haben am Hindukusch nichts verloren! Der Tanklaster-Angriff steht in Tradition deutscher bewaffneter Außenpolitik. Wir brauchen eine breite Bewegung gegen eine deutsche und europäische militärische Außenpolitik. Raus aus Afghanistan! Sofort!
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| Letzte Aktualisierung ( 29.12.2009 ) | |||||||
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Bei der Bombardierung einer Menschenmenge im afghanischen Kundus gab es etwa 140 Tote sowie viele Verletzte. Das von deutschen Militärs befohlene Massaker steht in einer grauenvollen Tradition: militärische Verbrechen in fremden Ländern, die im Auftrag und Interesse der deutschen herrschenden Klasse verübt wurden.



















