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Japan: Alle inhaftierten Hosei-Studenten sind frei! PDF Drucken E-Mail
von Bartholomaus Ibrahim Bronsteyn    29.12.2009 - bisherige Aufrufe: 1652

Begrüssung der EntlassenenNachdem bereits am 22.Dezember 3 der 8 seit 8 Monaten ununterbrochen in Untersuchungshaft einsitzenden Studenten der Hosei - Universität freigelassen worden waren, erfolgte nun am 28. Dezember die Entlassung der verbleibenden 5.

In den letzten Wochen hatten sich die Bemühungen der Unterstützer der Hosei 8 intensiviert, die Verhafteten aus der U-Haft freizubekommen.

Die intensive Solidaritätskampagne für die Hosei 8, an der sich in Deutschland auch die Linke Zeitung und die Solidaritätsinitiative von "Roter Fisch" beteiligten, hat ihre Wirksamkeit bewiesen.


Es scheiterte zudem spektakulär der Versuch des japanischen Staatsapparates, gegen die betroffenen Studenten das "Law Concerning Punishment of Physical Violence and Others" zur Anwendung zu bringen, ein Gesetz, das im Vorkriegsjapan 1926 erlassen worden war, um speziell die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung zu unterdrücken.
Dieses Gesetz (aus zahlreichen einfallsreichen Gummiparagraphen bestehend) stellt beispielsweise die "Machtdemonstration von Gruppen" unter Strafe und sollte nicht etwa die Macht der Yakuza, sondern jede missliebige Strassendemonstration (inklusive gemeinsames Parolen-Rufen etc.) unterbinden.
 

Soli-Aktion am 25.12.Nach der Freilassung der 3 Studenten am 22.12.2009 verhandelten die Verteidiger der restlichen 5 sehr energisch mit dem Gericht. Vor dem Gerichtsgebäude machten ständige Mahnwachen die Passanten auf die Ereignisse aufmerksam, der Fall fand immer grössere Aufmerksamkeit.

Das Distriktsgericht von Tokio (Gerichtsvorsitzende AKIYOSHI) beschloss schon am 25. Dezember(also am Tag der 6. Gerichtssitzung der noch in der U-Haft einsitzenden 5 Studenten) die Freilassung dieser, und zwar gegen eine hohe Kaution (fuer jeden 2Millionen yen!). Doch die Staatsanwaltschaft legte daraufhin tatsaechlich eine Berufung ein.
Das japanische Gerichtssystem besteht stufenmaessig nach oben aus Distriktsgericht, Bezirksgericht („High Court") und Höchstes Gericht („Supreme Court").  

Deshalb war der Montag (der 28. Dez.) ein entscheidender Tag, da Ende und Anfang des Jahres das Gericht geschlossen ist.)
 
Die Studenten von Zengakuren und der Foederation der Kulutrellen Klubs begannen ab Montag von morgens früh an eine militante und beharrliche Protestaktion durchzuführen, dieses Mal aber vor dem Tokyo High Court, um massiven öffentlichen Druck auszuüben.  

Am frühen Nachmittag  beschloss das Tokyo High Court endlich (Gerichtsvorsitzender ABE, der eigentlich sehr reaktionär ist, sah sich doch dazu gezwungen), die 5 noch in der U-Haft einsitzenden Studenten freizulassen, und zwar gegen eine Kaution (schon wieder für jeden 2 Millionen yen!).  

Gegen 5 Uhr abends kamen die Studenten von Zengakuren und der Föderation der Kulturellen Klubs und die Familienmitglieder der Verhafteten beim „Tokio Detention Center" an.  

Bald darauf kam ein Verhafteter nach dem anderen aus dem „Tokio Detention Center" heraus:

  • Taku ARAI (Zengakuren, Student der Hosei-Uni)
  • Makoto MASUI (Planungschef der Foederation der Kulturellen Klubs)
  • Ryo ONDA (Vizevorsitzende der Foederation der Kulturellen Klubs)
  • Yosuke ODA (Vorsitzende von Zengakuren)
  • Yuich UTSUMI (Zengakuren, Student der Hosei-Uni)


28.12.2009Es wurden freudig Hände geschüttelt, Umarmungen, Blumen wurden überreicht, fröhliches und erleichtertes Lachen, auch Tränen, jeder Freigelassene wurde von den anderen hoch in die Luft geworfen.
 
Zum Abschluss sangen alle vor dem „Tokio Detention Center" die Internationale und das Lied der Hosei-Uni. In Japan hat nämlich jede Universität ihr eigenes Lied. Das ist eine Tradition.

Anschliessend fand ein grosses Fest zur Befreiung der Gefangenen statt.

Unsere japanischen Genossen teilten uns noch folgendes mit:
 
Wir haben alle 8 Studenten innerhalb dieses Jahres freibekommen (eine aus unseren bisherigen Erfahrungen überraschend schnelle Entwicklung!) und in diesem wichtigen Kampf 100prozentig gesiegt. In diesem Zusammenhang haben viele Leite von der wundervollen Macht der internationalen Solidarität gesprochen, insbesondere überwältigend und herzergreifend aus Deutschland, dem „Land des Klassenkampfes",dem Land von Karl Marx und Friedrich Engels.   Aber wir werden der Staatsmacht und der Uni-Leitung, die durch die Repession mittels des "Law Concerning Punishment of Physical Violence and Others" versuchte, die Studentenbewegung in der Hosei-Uni (sie formt die Spitze der ganzen japanischen Studentenbewegungen) zu zerschlagen, nie verzeihen.  

2010 wollen die Studenten von Zengakuren und der Föderation der Kulturellen Klubs die Hosei-Uni befreien. Ein gewaltiger Vormarsch hat gerade angefangen. Niemand kann diesen Vormarsch aufhalten.  

Hoch die internationale Solidarität!  

Ich danke euch zutiefst.
T.

 


Ich möchte meinerseits den mir unbekannten Lesern der Linken Zeitung danken, die durch ihre offensichtlich doch zahlreichen Protestmails aufgrund unseres Aufrufes wesentlich zu diesem Erfolg beigetragen haben.

 

B.I.B.


Ein Videofilm des Sieges vom 28. Dezember ist youtube verfügbar (derzeit nur auf japanisch, aber mit beeindruckenden Szenen):
http://www.youtube.com/watch?v=A7tNDtRLPGg

NEU! UPDATE! Internationale Version dieses Videos mit englischen Untertiteln:

 http://www.youtube.com/watch?v=7kZemoXGnLA



Masamis KuchenMasamis Kuchen

In Japan kann und darf man im Gefängnis keinen Kuchen essen.

Auch so eine seltsame Besonderheit des japanischen Staatsapparates, von den geradezu inflationären Möglichkeiten, eine Untersuchungshaft ohne Gerichtsverhandlung fast ins endlose auszudehnen, mal ganz abgesehen.

Also durfte das Masami KURAOKA (Vizevorsitzende von Zengakuren) auch nicht, obwohl sie Kuchen sehr liebt.


Sie ist übrigens auch eine sehr begabte Tänzerin, was auch unter den Studenten von Zengakuren ausgesprochen selten ist.

Die charmante junge Frau ist aber auch eine energische und gute Aktivistin. Gerade deshalb wird sie wohl von der Sicherheitspolizei und der Uni-Leitung sehr gehasst.

Auf diesem Foto bekommt sie zu ihrer Freilassung einen üppige Torte geschenkt.

Nach 8 Monaten in repressiver Untersuchungshaft bestimmt ein exquisites Vergnügen für die tapfere Genossin - sie wurde am 23.12.2009 schon entlassen.

Wir sehen Masamis Kuchen als ein Symbol dafür an, dass jeder Kuchen der Welt bei aufrechtem Gang und praktiziertem "Danketsu" noch viel besser schmeckt.

Wenn die Genossin Masami irgendwann einmal in Deutschland zu Besuch weilt, sollte ihr also unbedingt eine Sahnetorte (Schwarzwälder Kirsch oder Sacher) serviert werden!

 

 


Bisherige Artikel zu Zengakuren und Hosei in der Linken Zeitung
...roffenen Komilitonen zu brechen.Aktivisten von Zengakuren, von der Föderation kultureller Clubs der Hosei-Uni sowie verbündeter Organisationen und Verbände wechseln sich bei dieser Art ...
23.12.2009

...;t de facto ausser Kraft gesetzt. Nach ihren Festnahmen im April und Mai sind 8 Studenten von der Hosei-Uni und von Zengakuren immer noch im Gefängnis (sogenannter Untersuchungshaft). &nbs...
20.12.2009

...ltigen Sieg in diesem Kampf zu gewinnen! Lasst uns auch einen Sieg im Prozess gegen die militanten Hosei Studenten erkämpfen! Freilassung der inhaftierten 8 Studenten aus dem Gef&aum...
02.12.2009

...ches Beispiel davon ist die Repression gegen Zengakuren-Studenten (siehe Glossar), insbesondere in der Hosei Universität. Dort wurden seit März 2006 insgesamt 112 Studenten verhaftet wege...
30.11.2009

...icht alles. Die japanischen Studenten sind der Ausdrucksmöglichkeiten beraubt. In der Hosei-Universität (eine Privatuni) sind seit März 2006 insgesamt 110 Studenten verhaf...
24.11.2009

...kuren zu diesen? Vorhin habe ich von 4 Zengakuren gesprochen. Jetzt spreche ich in Bezug auf die Hosei-Universität. (Rückfrage ergab, dass es auch keine nennenswerten Studenten...
22.11.2009

...hunderts ungebrochen an. Am 16. Oktober fanden weitere  Kämpfe um Meinungsfreiheit in der Hosei - Universität statt (wir berichteten über diese Auseinandrsetzung). Studenten...
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...rn und den Kampf der Lokführergewerkschaft Doro-Chiba dagegen, die Kämpfe der Studenten an der Hosei-Universität gegen die Repression, verschiedene reaktionäre Gesetze und Verordnu...
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Ergänzend zum Artikel Aufruhr auf dem Campus in Tokio hier Filmaufnahmen aus dem Jahr 2008, die Übergriffe von staatlicher Polizei und privaten Security Kräften auf demonstrierende St
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Die traditionsreiche Hosei - Universität in Tokio ist Schauplatz eines erbitterten Kampfes um das Recht auf freie Meinungsäußerung geworden. Illegale Festnahmen, gewaltsame Hinausw&u
09.06.2009
 
Hoch die internationale Solidarität

Fotostrecke

Empfang der Freigelassenen 28.12.2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Yosuke ODA: Vorsitzender von Zengakuren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kotaro TOMIYAMA: Generalsekretär von Zengakuren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Ryo Onda, Masami Kuaoka und Yuich Utsumi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Soli-Aktion am 25.12.

28.12.2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Ende Fotostrecke)

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Emil  - Endlich mal was erfreuliches   |2009-12-31 08:30:52
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