| Japan: Doro-Chiba gegen Outsourcing essentieller Bahndienste |
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| von Bartholomaus Ibrahim Bronsteyn |
03.01.2010
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Die Business-Pläne etwa der Company JR - Ost (JR = Japanese Railway) sehen nichts geringeres vor als Bahnhöfe in Shopping Center umzuwandeln und den eigentlichen Bahnverkehr als beiläufigen Geschäftszweig zu deklassifizieren. Gleichzeitig sollen essentielle Bahndienste wie Streckenkontrolle, Inspektion und Wartung "outgesourct" werden, zur Senkung der Kosten, versteht sich. Die kämpferische Eisenbahnergewerkschaft Doro-Chiba, die wir auch schon interviewten, nimmt derzeit in aller Entschiedenheit gegen diese Pläne Stellung.
(Interview: http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=7755&Itemid=199) Die Machenschaften der Neobilberalen bei der Privatisierung öffentlicher Dienste sind immer die gleichen: aus essentiellen Diensten werden Profitquellen, zu Lasten der Sicherheit und damit sowohl der Beschäftigten als auch der Fahrgäste. Wir haben einen Artikel der Gewerkschaftszeitung „Daily Doro-Chiba" (Nummer 6897, 2. Dez.) ins Deutsche übersetzt und geben ihn hier im folgenden wieder. Deutsche Eisenbahner werden möglicherweise Ähnlichkeiten mit ihren Erfahrungen erkennen. Doch in Japan gibt es noch eine besondere Brisanz: die Verschlechterung der Serviceleistung der Bahngesellschaften führte in jüngerer Zeit bereits zu zwei spektakulären Eisenbahnunglücken.
Stoppt diese empörenden Versuche! Es ist schon empörend, totales "Outsourcing" der Streckenkontrolle, Inspektion und Reparatur zu praktizieren. Das sollte nicht passieren! Wenn so etwas praktiziert wird, dann wird die Eisenbahnsicherheit kollabieren. Ein zweites und drittes Amagasaki - Eisenbahnunglück wird dann in den großstädtischen (metropolitanen) Bezirken unvermeidbar sein. Die JR (Japanische Bahn) - Gesellschaft ist dabei sowohl technologisch als auch wirtschaftlich unverzichtbare Kapazitäten aufzugeben. Die Objekte des Outsourcing sind: Wartung, Kontrolle und Reparaturarbeit der Fahrzeuge, der Schienen, der Signale, der Kommunikation und der Stromnetze, Bauarbeiten, Stationsarbeiten. Alle diese Skills, wie sie ureigen sind für eine Eisenbahn und eine historische Errungenschaft seit hundert und mehr Jahren, werden eilig aufgegeben. JR ist nicht länger eine "Eisenbahngesellschaft"! Die JR Gesellschaft ist im Begriff aufzuhören, eine Eisenbahngesellschaft zu sein. Ein mittelfristiger Geschäftsentwurf im November 2000 betitelt „Neue Grenze 21" war der Promoter der heutigen Outsourcingpolitik. Dieser statuierte folgendes: „Die Zeit gekommen, da die strenge Marktgrundregel des Überlebens vom Fittesten und die Selbstverantwortlichkeit vorherrschen muss in der Gesellschaft." „Diese Verbesserung ist die einzige Weise, damit Korporationen überleben und damit die Angestellten und ihre Familien ihr Glück verwirklichen, obwohl sie von Härten und von Schmerz begleitet sein wird". Das sollte in der „Geschäftsstrategie" verwirklicht werden, die folgendes enthält: (1) Entwicklung der „Station-Renaissance" (2) voranging Aufbau des neuen Geschäftsmodells durch das Einführen einer neuen Technologie durch IT (3) Bahngeschäft (4) Geschäft für Lebensservice
Umgekehrtes (invertiertes) Bahngeschäft heute Das war der Beginn der Umkehrung des Bahngeschäftes. Die JR Gesellschaften sprechen leichthin von „strengem Marktprinzip, dem Prinzip des Überlebens des Fittesten" und von „andauerndem Schmerz". Aber die Resultate dessen werden einen völligen Kollaps der Bahnsicherheit mit sich bringen. Ernste Eisenbahnunglücke sind unvermeidlich, wenn das Kernteil der Bahnarbeit entsprechend dieser Idee ausgelagert wird, dass Bahngeschäft weniger profitabel ist, weil es riesige Menge Geld und Personal erfordert. Es sollte nicht erlaubt werden. Und wer wird schliesslich gezwungen, Schmerz auszuhalten? Es sind die Arbeiter am Arbeitsplatz. Während Management-Hauptleiter eine Milliarde Yen (10 Million Dollar) verdienen, sind Arbeiter, die die realen Verfechter der Schienensicherheit sind, durch unterbezahlte und irregulär beschäftigte Arbeiter ohne Arbeits- und Sozialrechte ersetzt worden. In den 5 oder 6 Jahren, da dieser Unternehmensplan in die Praxis umgesetzt wurde, verringerten sich die Arbeitskosten von JR East Company um 85 Million Yen und der gewöhnliche Profit erhöhte sich um 100 Million Yen. Es ist eine einfache Rechnung! Dafür wurde Sicherheit der Eisenbahn geopfert. Dieses geschieht tatsächlich in den Japanischen Eisenbahngesellschaften. Wacht auf! Probleme traten sofort auf. Drei Jahre nach dem Gesamtoutsourcing der Schienen-Instandhaltungsarbeiten an Subcontract-Firmen (2001) war der Eisenbahntransport mit außerordentlichen Situationen konfrontiert. „Gebrochene Schienen" (Schienenbruchstellen) wurden ständig im Geschäftsbereich der Chiba-Niederlassung von JR East Company seit 2004 gefunden. Signal-Fehler und Ausfälle, Abtrennung von Oberleitungen und Konstruktionsfehler fanden nacheinander statt. Es wurde gesagt, dass es nicht einen einzigen Tag gab, an dem die Züge in der Chuo - Linie normal fuhren (wichtigster Metropolitaner Nahverkehr im Ballungsraum Tokio). Schließlich passierte 2005 das tödliche Amagasaki - Eisenbahnunglück (in Westjapan) (*), gefolgt vom Uetsu-Sen Unglück (in Ostjapan) (**). Ausgenommen im Geschäftsbereich Chiba der JR East Company, in dem Doro-Chiba (***) diese Firmenpolitik verhindert hat, wurde Outsourcing stufenweise auch in der Fahrzeuginspektion und in den Wartungs- und Reparaturarbeiten eingeführt, sowie die Stillegung oder Zusammenlegung von Güterbahnhöfen erzwungen, was häufige Schwierigkeiten bei der Bahn durch defekte Fahrzeuge verursachte, so wie kürzlich in dieser Zeitung berichtet. Aus der Sicht der Passagiere sind die Zugführer von Notizzetteln umgeben, die davor warnen, dass dieser Zug Schwierigkeiten hat und repariert werden muss. Trotz dieser Warnungen werden diese defekten Fahrzeuge für eine längere Zeit unrepariert gelassen - wegen des Mangels an Reparaturarbeitspersonal. Es gibt ein anderes Beispiel von der Fahrzeugreparatur-Sektion: die Firma lässt Züge weiter laufen, die aus Wagen mit über die Sicherheitstoleranz abgeschliffenen Rädern hinaus bestehen. Die Firma opfert folglich die Sicherheit der Eisenbahn und setzt Passagiere unmittelbar drohender Gefahr aus.
Wir wundern uns, wie die JR.-Firmen sich trauen können, ein Gesamtoutsourcing der Inspektion und Reparaturarbeit zu entwerfen, während diese ihre eigene Firmenpolitik eine so schreckliche Wirklichkeit bewerkstelligt hat. Um die Wahrheit zu sagen, ist das tatsächliche Geschäft des "Chiba - Bahnservices" (einer Fahrzeugwartungsfirma als Subkontraktor) Fahrzeuge zu putzen, und diese Firma hat keinerlei Know-how für Waggoninspektion und Rangierarbeiten. Außerdem werden die Arbeitskräfte dieser Firma gezwungen, bis 2:30 morgens zu arbeiten, da sie keinen Zug mehr haben, zum nach Hause zu fahren. Ernsthafte Gefahren sind auch in der Inspektionsarbeit und im Rangierbetrieb abzusehen. Wenn Arbeitskräfte unter unmenschliche Arbeitsbedingungen gesetzt werden, ist es unmöglich, eine solide Arbeit in der Inspektion und Reparatur zu erwarten. Für die Company ist das Bestreben nach Sicherheit aus jeglichem Interesse herausgefallen. Ihre Hauptsorge ist die Verringerung von Kosten und deshalb Gesamtoutsourcing zu diesem Zweck. Der Kampf gegen Rationalisierung und für sichere Fahrt ist aber das Leben von Doro-Chiba. Wir werden uns absolut gegen das Outsourcing der Inspektion, der Reparaturarbeiten und der Streckenoperationen wehren. Lasst uns kämpfen! (*) Das Zugunglück von Amagasaki http://de.wikipedia.org/wiki/Zugungl%C3%BCck_von_Amagasaki (**) Das Zugunglück von Uetsu http://de.wikipedia.org/wiki/Uetsu-Hauptlinie#Unf.C3.A4lle (***) Doro-Chiba ist eine kämpferische Eisenbahnergewerkschaft mit Sitz in der Großstadt Chiba. Hinweis zu den Fotos: Doro-Mito (National Railway Motive Power Union of Mito) ist eine mit Doro-Chiba verbündete Eisenbahnergewerkschaft. In Japan gibt es mehrere Eisenbahnergewerkschaften, Doro-Chiba versucht die Eisenbahner zu koordinierten Aktionen gegen die Outsourcing-Bestrebungen der Companies zusammenzuführen. Die Kollegen von Doro-Chiba sind daran interessiert, mit Eisenbahnern auf der ganzen Welt sich auszutauschen.
Webseite von Doro-Chiba: www.doro-chiba.org
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| Letzte Aktualisierung ( 04.01.2010 ) | |||||||
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In Japan rollt eine neue Welle neoliberaler "Rationalisierungen" bei den Eisenbahngesellschaften an. Nachdem die ehemalige sehr leistungsfähige Japanische Staatsbahn in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts zerschlagen und in rechtlich private Teil-Companies überführt worden waren, offenbart sich nun zunehmend, zu welchen Exzessen die Privatisierung essentieller Dienste wie des Bahnverkehrs letztlich führt.
Outsourcing
von Streckenkontrolle, Inspektion und Reparatur wird ein zweites und drittes
Amagasaki-Eisenbahnunglück verursachen.
Was (1) anbetrifft, bedeutete es, Geschäfte in
Stationgebäude unterzubringen. Bahn-Stationen sollen in Einkaufszentren
umgewandelt werden. Die Kernfrage, was (2) anbetrifft, ist die Einführung eines
Systems elektronischen Geldes. Überraschenderweise: (3) das (eigentliche)
Bahngeschäft ist auf der dritten Position des gesamten Geschäfts herabgesetzt
worden. Auch werden Stationsdienst, Job des Leiters, Streckendienst, Kontrolle
und Reparaturarbeit und Installationsarbeit uneingeschränktem Angriff des
Outsourcings ausgesetzt.
Die
Realität einer Wartungsfirma



















