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Afghanistan: Rekordverluste für NATO im Januar PDF Drucken E-Mail
von Eugen Hardt    16.01.2010 - bisherige Aufrufe: 1147

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casualities.jpgTrotz Truppenverstärkungen meldet die NATO auch in der ersten Januarhälfte mit 24 getöteten Besatzern eine Zahl, die im achtjährigen Krieg gegenüber dem bislang für die Invasoren tödlichsten Jahr 2009 eine weitere Steigerung bedeutet.

Bei den meisten getöteten Soldaten handelt es sich um Amerikaner. Allein am vergangenen Montag wurden sechs Besatzer getötet. Am 5. Januar griff der Widerstand erfolgreich 5 französische Besatzer nördlich von Kabul an. Gegenwärtig beteiligen sich 113.000 NATO-Truppen an der Besatzung Afghanistans, darunter 68.000 Amerikaner. US-Präsident Obama will bald weitere 30.000 Mann Verstärkung schicken. Die Taliban hatten dazu erklärt, das werde nur zu einer „Woge" getöteter NATO-Soldaten führen.

Als erfolgreichste Taktik des Widerstandes haben sich so genannte I.E.D.s (improvised explosive device) erwiesen, selbst gefertigte Sprengkörper, gegen die die Besatzer noch kein Mittel gefunden haben. Immer häufiger werden die Besatzer vom Widerstand in offene Gefechte verwickelt entsprechend der Guerillataktik, überlegene Kräfte dort zu konzentrieren, wo der Gegner schwach ist und sich gleichzeitig vor überlegenen feindlichen Kräften zurückzuziehen.

Grundlage der erfolgreichen Guerillatakik ist eine große Unterstützung durch die Bevölkerung, in der die aktiven Widerstandskämpfer „wie Fische im Wasser" schwimmen. Das macht es den Besatzern unmöglich zwischen „Zivilisten" und „Taliban" zu unterscheiden. In ihrer Hilflosigkeit gehen sie gegen die gesamte Bevölkerung mit voller Feuerkraft vor.

Das wurde im letzten September beim Vorgehen des deutschen Oberst Klein deutlich. Widerstandskämpfer hatten NATO-Tanklaster gekapert und waren dabei, das Benzin an die lokale Bevölkerung zu verteilen, welche sich hocherfreut bediente. So wurde die gesamte Dorfbevölkerung für Klein und ebenso für Kriegsminister Jung zu Taliban. Diese ließ Klein von amerikanischen Kampfflugzeugen komplett vernichten mit der unvermeidlichen Folge, daß sich immer größere Teile der Bevölkerung aktiv am Befreiungskampf beteiligen. 

US-Befehlshaber McCrystal war dieser Zusammenhang damals schon bewusst, was den offenen Konflikt mit Klein, Jung und Kanzlerin Merkel („Ich verbitte mir jede Kritik  - von welcher Seite auch immer") erklärt. Als Jung noch lauthals tönte, Kleins Bombardierung habe „ausschließlich" Taliban getroffen, besuchte McCrystal schwer verletzte Kinder im Krankenhaus von Kundus und entschuldigte sich in einer PR-Aktion bei der eigenen Marionettenregierung.

Als neue Taktik gaben (nach monatelangen Beratungen) McCrystal und Kriegsnobelpreisträger Obama bekannt, man wolle jetzt vor allem mit Spezialkräften die „Taliban" selbst stellen und gleichzeitig die „Sicherheit" der Bevölkerung verbessern sowie die Infrastruktur des Landes. Vor allem wolle man massiv die afghanische Polizei ausbilden und verstärken, damit die Afghanen selbst für „Sicherheit" sorgen könnten. Damit kamen sie einer Aufforderung der Linkspartei nach, die bereits seit Jahren für die Verstärkung der afghanischen Polizei plädiert, die angeblich die „Sicherheit" der Bevölkerung schützt.

Wenn die Besatzer und damit auch die Bundeswehr von „Sicherheit" reden, meinen sie allerdings nicht die Sicherheit der Dorfbewohner vor Bomben der Besatzer, sondern die „Sicherheit" der Besatzer und ihrer Interessen vor dem Widerstand.

Ehedem für die Grünen und heute für die Linkspartei ist die „Polizei" ein Synonym für den „Freund und Helfer" gegen Kriminalität und für Verkehrssicherheit etc. Scheinbar hat sie keinen Klassencharakter. Zentraler Kern der Ideologie der Linkspartei  - wie aller bürgerlichen Parteien  - ist die Vorstellung, daß „wir" der Staat sind und demzufolge seine Organe „unsere" Organe sind, wer die Polizei und andere „Behörden" also angreift „uns" damit meint. Das ist auch der Grund, warum die Linkspartei in Regierungsverantwortung neoliberale Angriffe gegen die Arbeiterklasse unternimmt: Sie will „unseren" überschuldeten Haushalt sanieren, „unseren" Staat in Ordnung bringen  - und dazu müssen eben „alle" den Gürtel enger schnallen.

Diese Schimäre „Wir sind der Staat" wird nun nahtlos auf Afghanistan übertragen. Doch dort treten die Verhältnisse sehr viel unvermittelter in ihrem realen Charakter zu Tage. Die Polizei ist dort ganz offensichtlich ein pures Instrument in den Händen der Besatzer, die Verbindung zwischen Widerstand und Bevölkerung zu brechen und den Krieg   - wie es zuvor in Vietnam schon furios scheiterte  - zu afghanisieren.

Gleichzeitig ist es den Besatzern aber trotz aller taktischen Anstrengungen unmöglich, zwischen Bevölkerung und Widerstand zu trennen. Immer wieder bombardieren US-Jets ganze Dörfer und im Bewusstsein, von einer feindlich gesinnten Bevölkerung umgeben zu sein, halten immer wieder Besatzer in zufällige Menschenmengen rein.

Noch vorgestern feuerte eine gemischte Truppe von US-Besatzern und afghanischen Marionettentruppen in eine Menschenmenge, die am Eingang einer Basis in „der Unruheprovinz" (Sprachregelung Mainstreampresse)  gegen das brutale Vorgehen der Besatzer demonstrierte. „ANA und ISAF-Kräfte warnten eine Menge von 200-400 Zivilisten, sie sollten sich vom Eingang der Militärbasis fernhalten" heißt es in einer Verlautbarung der NATO. „Eine Anzahl Zivilisten hielt sich nicht an diese Anweisung, was die Soldaten dazu veranlasste, Warnschüsse abzugeben." Dies scheint die Menge allerdings nur umso mehr in Rage gebracht zu haben, denn „es kam zu einer Eskalation der Gewalt und ein Zivilist griff einen Soldaten mit einem Stock" an" heißt es weiter in der Verlautbarung. Lieutenant-Colonel Todd Breasseale erklärte, das Militär habe daraufhin in die Menge geschossen.

Bei der „gewalttätigen" Demonstration handelte es sich bereits um die zweite in Garmsir. Sie richtete sich gegen das Wüten der im Dezember eingeflogenen berüchtigten US-Marines. Afghanische Marionettenoffizielle erklärten, bei der ersten Demo habe die Menge versucht ein Regierungsgebäude zu stürmen. Dabeihabe man 8 Demonstranten getötet und 13 verletzt.

Selbstverständlich erfährt kein Leser von SPON, Süddeutscher oder sonstigen Mainstreammedien auch nur ein Wort von solchem Aufbegehren der Bevölkerung. Die Leser erfahren nur, daß sich trotz aller „unserer" Bemühungen die Lage „verschlimmert" und „wir" darum mehr Soldaten dorthin schicken müssen, um die Bevölkerung vor den „Taliban" zu schützen.

 

Kommentare
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Anonym   |2010-01-16 14:21:26
Es ist noch gar nicht lange her, da wurde auf den Starßen Berlins gerufen:" Russen RAUS aus Afghanistan!". Die Wiederstandskämpfer wurden von den Medien: "Mujaheddin", Freiheitskämpfer genannt.
Tapfere, heilige Krieger die gegen eine Supermacht wie die Sowjetunion kämpften.

Heute werden die selben Krieger, "Terroristen" genannt, die feige aus den Hinterhalt gegen die armen NATO Soldaten kämpfen.
Die NATO will doch bloss Freiheit und Demokratie für Afghanistan.

Lüg und Trug. Schall und Rauch.
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