| Die Minenarbeiter_innen aus Cananea - über 30 Monate Streik |
|
|
|
| von Ernst Rocco - www.onesolutionrevolution.de |
02.03.2010
- bisherige Aufrufe: 1006 |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Der Konflikt Das Unternehmen GMM ist seit langem bekannt für seine besonders ausbeuterische und gewerkschaftsfeindliche Praxis und macht seinem Namen alle Ehre. Die schweizerische NGO „Covalence", welche die „ethischen Reputationen mulinationaler Unternehmen" vergleicht, zählte GMM in seinem letzten Bericht auf Platz 9 der weltweit skrupellosesten Unternehmen. Das Unternehmen weigerte sich, die ausgehandelten Löhne zu bezahlen, die Gewerkschaft anzuerkennen und Sicherheitsnormen einzuhalten. Aufgrund der hohen Gesundheitsbelastung in der Minenarbeit gab es früher eine unternehmensinterne Klinik („clínica obrera), die den Arbeiter_innen ärztliche Versorgung zur Verfügung stellte. 1999 wurde die Klinik ohne Ersatz geschlossen. In den letzten Jahre hat GMM vermehrt und systematisch versucht, vorhandene Arbeitsplätze durch niedriger bezahlte, unorganisierte und ungeschützte Arbeitsverhältnisse zu ersetzen. In der Mine „Pasta de Conchos" im mexikanischen Bundesstaat Coahuila fand im Februar 2006 eine Explosion statt, in deren Folge 65 Arbeiter eingeschlossen blieben und gestorben sind.
Die Arbeiter_innen gingen Anfangs wegen mangelnder sozialer
Sicherheit wie Krankenversorgung und Arbeitsschutz auf die Strasse, längst ist
der Konflikt jedoch zu einem nationalen Kräftemessen zwischen Kapital, Staat,
Gewerkschaften und der Arbeiterklasse angeschwollen. Der Arbeitskampf wird von
der Bergarbeitergewerkschaft "Sindicato Nacional de Trabajadores Mineros,
Metalúrgicos y Similares de la República Mexicana (SNTMMSRM)" geführt. Die
Gewerkschaft kämpft seit langem gegen die Machenschaften von GMM und hat eine
starke Verankerung bei den Minenarbeiter_innen. Schon einmal hat der Bergbau in Cananea eine bedeutende Rolle in der Geschichte Mexikos gespielt. Der legendäre Streik um Juni des Jahres 1906 gilt als Vorbote der mexikanischen Revolution. Damals marschierte das amerikanische Militär in Cananea ein, um dem Konflikt ein Ende zu bereiten. Die Regierung Calderón Geschichte ähnelt sich manchmal, wiederholt sich aber bekanntlich nie. Heute hat der mexikanische Staat eigene Repressionskapazitäten, um den Streikenden in Cananea zu begegnen. Das zuständige Arbeitsgericht hat jetzt ein Urteil gefällt, das den Streik faktisch als illegal erklärt. Zuvor hatten die Streikenden ein Angebot von GMM in einer Versammlung abgelehnt. Der Staat reagierte prompt und die lokale Regierung kündigte an, die Minen polizeilich räumen zu lassen. In einer Veröffentlichung der Gewerkschaftssektion heißt es: „Die Multimillionäre, denen die Minen gehören - die auf intensive Art und Weise Tausende von Minenarbeiter_innen des Landes ausgebeutet und unterdrückt haben - haben die volle Unterstützung der Regierungen von Fox (vorheriger Präsident Mexikos, a.d.R.) und Calderón (jetziger Päsident, a.d.R.), genauso wie von der Unternehmerklasse. Die Arbeitssekretäre (vergleichbar mit Ministern, a.d.R.), die wie Wachhunde der Präsidenten agieren, haben viele Fallen gebaut, durch Kolumnen, Repression und Verfolgung." Die Regierung zeigt klar auf welcher Seite sie steht. Es wäre dabei aber naiv zu urteilen, dass lediglich die Personalie des Präsidenten oder seiner Partei PAN den Charakter des Staates bestimmt. Gerade an der Verquickung der lokalen Behörden, der föderalen Regierung und der Arbeitsgerichte zeigt sich, das der Staat durch und durch kapitalistisch ist und seine Aufgabe verteidigt, die Ausbeutung aufrecht zu erhalten. Eine neue Revolution? Hundert Jahre nach der mexikanischen Revolution stellt sich die Frage, was von den heroischen Idealen für das mexikanische Volk und die Arbeiterklasse übrig geblieben ist. Die mexikanische Gesellschaft gleicht heute erneut einem schwelenden Vulkan, dessen kleine Ausbrüche wiederum Vorboten einer neuerlichen Eruption sind. Der heroische Kampf der Minenarbeiter_innen, die seit über 30 Wochen ohne Lohn dem Kapitalist und seinem Staat trotzen, ergänzt den indigenen Aufstand der Zapatista-Armee im südlichen Chiapas aus dem Jahre 1994 und die schweren Unruhen um die „Volksversammlung" in Oaxaca 2006. Die Arbeiter_innen in Cananea haben die Minenanlage bereits übernommen und angekündigt, die Anlage „mit unserem Leben zu verteidigen". Welch bewundernswerter Schritt, um die Machtfrage aufzuwerfen und zu stellen (die deutsche und europäische Arbeiterklasse sollte sich ein Beispiel daran nehmen). Nun muss sie auch beantwortet werden. Die Arbeiter_innen sollten einen Rat bilden, der demokratisch und transparent gewählt und kontrolliert wird und die Kontrolle über die Produktion übernimmt. Den wichtigsten Schritt dazu haben sie bereits getan! Die anderen Streikenden werden sich ein Beispiel daran nehmen, und das könnte der Startpunkt für die Koordination eines Generalstreiks in Unterstützung der streikenden „mineros" und der Gründung von Arbeiterräten in ganz Mexiko sein! 2006 schrieb ich über Oaxaca: „Wenn sich die Volksversammlungen von Oaxaca auf ganz Mexiko ausbreiten, dann wird sich der Staat bundesweit mit einer Gegenmacht konfrontiert sehen, der Macht des Volkes! ... Die Volksversammlung wird [jedoch] nicht von alleine zu einer Revolution werden. Es muss eine Partei geben, welche den politischen Weg zur Revolution weist. ... Eine solche Partei ist das einzige Mittel, die spontane Wut der Massen in eine wirkliche politische, soziale und wirtschaftliche Veränderung umzuwandeln." Damals ist das nicht passiert. Heute stellt sich diese Frage erneut, und sie wird sich immer wieder stellen. So lange, bis der endgültige Ausbruch des mexikanischen Vulkans nicht mehr verhindert werden kann. Quellen: www.socialismorevolucionariomexico.blogspot.com www.survey09.ituc-csi.org (Mexiko) www.sindicatomineroseccion65.com.mx www.onesolutionrevolution.de (International, Lateinamerika)
Powered by !JoomlaComment 3.26
3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved." |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Letzte Aktualisierung ( 05.03.2010 ) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| < Zurück | Weiter > |
|---|





















































