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Die NATO in Afghanistan: Weltkrieg in einem Land PDF Drucken E-Mail
von Rick Rozoff - http://rickrozoff.wordpress.com - www.luftpost-kl.de    18.05.2010 - bisherige Aufrufe: 1303

imperialismus1.jpgDer NATO-Kritiker Rick Rozoff behauptet, Afghanistan sei Truppenübungsplatz und Expe­rimentierfeld für künftige Angriffskriege der USA und der NATO - auch in anderen Weltge - genden.

Seit die North Atlantic Treaty Organization / NATO im Jahr 2003 den Befehl über die International Security Assistance Force / ISAF in Afghanistan übernommen hat, ist die Anzahl der Soldaten unter diesem Kommando von 5.000 auf über 100.000 ange­stiegen.

Wenn man die US-Soldaten mitzählt, die in der eigenständigen (US-)Operation En­during Freedom eingesetzt sind, befinden sich insgesamt 134.000 ausländische Sol­daten in dem Land (am Hindukusch); bis zum Sommer werden es 150.000 sein, und dann sollen auch die meisten der GIs unter NATO-Befehl stehen. Neben den Trup­pen aus den USA gibt es 47.000 Soldaten aus anderen NATO-Staaten und aus Part­ner-Nationen.

Bald werden mehr US-Soldaten in Afghanistan als im Irak eingesetzt sein.

Bisher wurden in diesem Krieg mehr als 1.600 Soldaten aus den USA, den anderen NATO-Staaten und aus Ländern der Koalition getötet, 520 davon allein im letzten Jahr. Die Anzahl der US-Toten hat sich von 155 im Jahr 2008 auf 318 im Jahr 2009 mehr als verdoppelt.

In diesem Jahr wurden schon mehr als 170 afghanische Zivilisten getötet; im Ver­gleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres ist das ein Anstieg um 33 Prozent. Die Streitkräfte der USA und der NATO haben von Januar bis April dieses Jahres 90 Zi­vilisten umgebracht; da im gleichen Zeitraum des Vorjahres 51 Zivilisten starben, ist das eine Steigerung um 76 Prozent. [1]

Bei US-Drohnen-Angriffen auf angebliche Schlupfwinkel der Aufständischen in Pa­kistan wurden in diesem Jahr schon mehr als 300 Menschen getötet. Die Gesamt­zahl der bei solchen Angriffen Getöteten ist damit seit August 2008 auf über 1.000 angestiegen.

An der bisher größten Bodenoffensive dieses Krieges, die im Februar in der Region Mar­jah stattfand, waren 15.000 Soldaten der USA, der NATO und der afghanischen Regie­rungstruppen beteiligt; für die Offensive, die im nächsten Monat in der südlichen Provinz Kandahar beginnen soll, wurden bereits 23.00 Soldaten bereitgestellt.

Nachdem kürzlich mit Montenegro, der Mongolei und Südkorea das 44., 45. und 46. Land der Kriegskoalition Truppen nach Afghanistan entsandt und die Staaten Bah­rain, Kolumbien, Ägypten und Jordanien bereits Truppen zugesagt haben, werden

bald Militäreinheiten aus 50 Staaten von allen sechs bewohnten Kontinenten unter NATO-Kommando an dem Krieg in Südasien beteiligt sein, der am 7. Oktober 2010 in sein 10. Jahr geht.

Australien, das 1.550 Soldaten stellt, nimmt zum ersten Mal seit dem Vietnam-Krieg wie­der an Kampfoperationen teil, bei denen eigene Verluste zu beklagen sind. Das Gesagte gilt für Kanada seit dem Korea-Krieg und für Deutschland und Finnland seit dem Zweiten Weltkrieg. Wenn man die seit 2003 im Irak erlittenen militärischen Verluste nicht rechnet, gehören noch weitere europäische Länder zur letztgenannten Kategorie. Die vier schwedi­schen Soldaten, die im nördlichen Afghanistan getötet wurden, sind die ersten Kriegstoten des skandinavischen Staates seit fast 200 Jahren.

Die Auswirkungen des Afghanistan-Krieges beschränken sich aber nicht nur auf Verluste auf dem Schlachtfeld.

Im Jahr 2009 gab das NATO-Mitglied Dänemark 415 Millionen Dollar für seinen Afghani­stan-Einsatz aus, 2007 waren es noch 135 Millionen Dollar. Da das gesamte Verteidi­gungsbudget des Landes 2009 nur 3,87 Milliarden Dollar betrug, hat der Afghanistan-Krieg fast ein Neuntel der jährlichen Militärausgaben des Landes verschlungen. Dänemark ver­lor im Irak sieben Soldaten, in Afghanistan aber bereits 31.

Als Aufständische in der letzten Woche einen dänischen Stützpunkt in der Provinz Hel­mand angriffen, wurden elf dänische Soldaten verwundet.

Am 9. Mai wurde in der Provinz Helmand auch ein britischer Soldat getötet, der 40. in die­sem Jahr und der 285. seit Beginn des Krieges. Das sind bereits mehr Kriegstote als die 255, die 1982 beim Krieg mit Argentinien um die Falklandinseln / Las Malvinas und mehr als bei der Bekämpfung der Aufständischen in Malaya in den 1950er Jahren (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Malaiische_Halbinsel ) zu beklagen waren. Im Irak hat Großbri­tannien nur 179 Soldaten verloren.

Am letzten Wochenende wurden bei einer Minenexplosion nordöstlich der afghanischen Hauptstadt vier französische Soldaten verletzt, einer davon schwer.

Es wurde berichtet, dass am 12. Mai im südlichen Afghanistan auch ein rumänischer Sol­dat getötet wurde, der 12. Soldat, den dieses Land verloren hat.

Weniger als eine Woche vorher, am 6. und 7. Mai, traf sich NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in der rumänischen Hauptstadt Bukarest mit dem Präsidenten und dem Außenminister des Landes und lobte während seines Besuches das Engagement der ru­mänischen Regierung im Afghanistan-Krieg als "bedeutenden Betrag, der keinen Ein­schränkungen unterliegt und Wert auf gut ausgebildete Soldaten legt". Rumänien hat erst kürzlich angekündigt, es werde seine Truppen in Afghanistan auf 1.800 Mann erhöhen. [2]

Eine Woche davor war der NATO-Generalsekretär auch in Albanien und Kroatien, bei den jüngsten Mitgliedern des Militärblocks, um auch sie zu drängen, mehr Truppen für Afgha­nistan und militärische Ausbilder zu stellen.

Der US-Vizepräsident Joseph Biden hat während seiner viertägigen Reise nach Europa Anfang Mai neben größeren Beiträgen der NATO-Verbündeten zum Afghanistan-Krieg auch den Ausbau eines europäischen Raketen-Abwehrschildes unter US-Kontrolle gefor­dert. Er wandte sich auch an 1.100 Infanteristen einer spanischen Fallschirmjäger-Briga­de, die im Juli nach Afghanistan entsandt werden sollen; aus diesem Anlass erklärte er:

"Ich freue mich, heute hier zu sein, um mich bei einer so großen Gruppe von Kämpfern bedanken zu können, die schon einmal Seite an Seite mit amerikanischen Soldaten in Af­ghanistan gekämpft hat. Als NATO-Verbündete müssen wir zusammenarbeiten." [3]

Im Februar dieses Jahres kündigte die Regierung des spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodriguez Zapatero an, sie werde noch 511 zusätzliche Soldaten nach Afgha­nistan entsenden und damit das Kontingent Spaniens auf 1.600 Mann erhöhen.

Kurz vor dem Treffen mit Biden besuchten Zapatero und sein Verteidigungsminister das NATO-Hauptquartier in Brüssel, wo der spanische Ministerpräsident feststellte, Afghanis­tan sei derzeit "der wichtigste Auslandseinsatz der NATO", und hinzufügte, es sei "sehr wichtig, das Vertrauen in die gegenwärtigen Strategie in Afghanistan zu erneuern". [4]

Am 3. Mai berichtet die Londoner TIMES über verstärkte Kämpfe im Norden Afgha­nistans, wo es bis vor Kurzem relativ ruhig war. Dort hat Deutschland den Großteil seiner bisher getöteten 47 Soldaten durch Kriegseinwirkung verloren, und Finnland und Schweden erlitten ebenfalls hohe Verluste.

Die Zeitung BRITISH DAILY schrieb: "Die deutsche Bundeswehr wurde durch den wachsenden Widerstand der Taliban im Norden Afghanistans in die schwersten Ge­fechte seit 1945 verwickelt." [5]

General Stanley McChrystal, der Oberkommandierende aller ausländischen Truppen der ISAF und der US-Truppen der Operation Enduring Freedom in Afghanistan gab kürzlich bekannt, dass er dem deutschen Kommando im Norden Afghanistans 56 Hubschrauber und 5.000 US-Soldaten unterstellen werde.

Als die NATO 2006 auch im südlichen Afghanistan das Kommando übernahm, "begaben sich zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg US-Kampftruppen unter fremden Befehl". [6]

Brigadegeneral Douglas Raaberg vom CENTCOM (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-ar­chiv/LP_09/LP27209_071209.pdf ) sagte damals: "Das hat es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben."

Der damalige Chef des CENTCOM, General John Abizaid, äußerte gegenüber der Presseagentur ASSOCIATED PRESS: "Die NATO muss um ihrer selbst willen diesen Einsatz erfolgreich durchziehen. Wenn sie in Zukunft bestehen will, muss sie auch außerhalb der europäischen Grenzen aktiv werden."

Die ASSOCIATED PRESS berichtete damals: "Abizaid und andere betrachten die Af­ghanistan-Mission als historische Expansion des Operationsgebietes der NATO, die als Vorbereitung für künftige Einsätze in Afrika und anderswo dienen wird." [7]

Vier Monate nach der Übernahme des Kommandos im südlichen Afghanistan im Jahr 2006 sagte der NATO-Kommandeur für dieses Gebiet, der britische General­leutnant David Richards, die NATO führe zum ersten Mal in ihrer Geschichte "größe­re Kampfeinsätze am Boden durch".

Richards machte damals eine weitere Bemerkung, die sich im Nachhinein noch als Untertreibung erwiesen hat: "Als der Nordatlantikrat vor zwei Jahren diesem Plan zustimmte, wusste er wahrscheinlich nicht, worauf er sich da einließ" [8] Eine ande­re Presseagentur drückte das damals so aus: "Die Mission ist als die gefährlichste

und herausforderndste in der 57-jährigen Geschichte der westlichen Allianz anzuse­hen." [9]

Bereits wenige Wochen nach Übernahme seines neuen Kommandos stellte der britische General dazu fest, es fänden "ständig kleine hinterhältige Überfälle" statt", wie es sie "in diesem Ausmaß seit dem Korea-Krieg und dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben" habe. [10]

Afghanistan ist das Schlachtfeld, auf dem die NATO den Übergang vom Luftkrieg zum Bodenkampf erprobt.

"Während der Kriege in Bosnien und im Kosovo in der 1990er Jahren flog die NATO Luftangriffe, aber seit ihrer Gründung im Jahr 1949 führte sie noch keinen Boden­krieg. Mit der Übernahme des Kommandos im südlichen Afghanistan ließ sie sich zum ersten Mal auf größere Bodenoperationen ein." [11]

Der Krieg in Afghanistan ist tatsächlich eine historische Ausweitung des Operati­onsgebietes der NATO oder - wie Abizaid es vor vier Jahren ausdrückte - ein "Sprung über die Grenzen Europas" nach Afrika oder auf andere Kontinente. Und genau das ist in der Zwischenzeit auch passiert.

Die Zeit wurde auch genutzt, um Truppen aus fünfzig Staaten - auch aus Afghanis­tan und Pakistan - unter einem einzigen Kommando zu einer kampferprobten, inte­grierten, globalen Streitmacht zusammenzufassen, die auch für künftige Angriffe, Invasionen, Besetzungen oder sonstige Interventionen außerhalb des europäisch­atlantischen Raumes genutzt werden kann. Niemals zuvor haben Truppen aus 50 Staaten auf einem Kriegsschauplatz in einem Land gekämpft. Letzte Woche haben an einem Treffen des NATO-Militärausschusses die Verteidigungsminister von 49 Staaten teilgenommen, die Truppen für die ISAF stellen.

Der Afghanistan-Krieg hat den USA und ihren NATO-Verbündeter auch Militärbasen in den zentralasiatischen Staaten Tadschikistan, Usbekistan und Kirgisistan gesichert; allein über Kirgisistan sind im März etwa 50.000 US-Soldaten nach oder aus Afghanistan verlegt worden.

Er hat im letzten Jahr auch zur Aufstellung der ersten multinationalen strategischen Luft­transport-Staffel der Welt in Ungarn geführt, die unter Kontrolle Washingtons und der NATO Nachschub für den Krieg befördert. (s. dazu auch http://www.luftpost-kl.de/luftpost­archiv/LP_08/LP14208_21 0808.pdf )

Außerdem hat er die von den USA und der NATO betriebene militärische Integration der ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien, Aserbaidschan und Georgien im südlichen Kau­kasus voran gebracht.

Aserbaidschan, das Land am Kaspischen Meer, das an den Iran und an Russland grenzt, hat erst kürzlich sein Truppenkontingent in Afghanistan verdoppelt.

Georgien, das unbedingt Kampferfahrung unter Kriegsbedingungen für seine kommenden militärischen Auseinandersetzungen mit Abchasien, Südossetien und Russland sammeln will, wird bald mit 900 Soldaten - bezogen auf seine Bevölkerung - den größten Anteil an der ISAF-Truppe der NATO in Afghanistan stellen. .

Bei einer Konferenz der ständigen Vertreter der 28 Mitgliedstaaten der Allianz, die am 5.Mai im NATO-Hauptquartier stattfand, traf man sich im Rahmen einer gemeinsamen Ar­beitsgruppe der NATO und Georgiens auch zu Gesprächen mit höheren georgischen Offi­zieren. "Der Vertreter (der NATO) betonte, die Allianz begrüße Georgiens Zusammenar­beit mit der NATO und besonders die Teilnahme georgischer Soldaten an Friedensopera­tionen in Afghanistan und werde auch in Zukunft das Land bei der Reformierung seines Verteidigungssystems unterstützen." [12]

Das heißt, Georgien wird der NATO Truppen für den Krieg in Afghanistan zur Verfü­gung stellen, und die NATO wird sich dafür durch Mithilfe bei der Modernisierung der Streitkräfte Georgiens revanchieren, um das Land auf künftige Konflikte mit sei­nen Nachbarn vorzubereiten.

Am 11. Mai veranstaltete Deutschland eine Konferenz für die Verteidigungsminister und die Generalstabschefs der Staaten, die Truppen im nördlichen Afghanistan ein­setzen, wo Deutschland das Kommando über die NATO-Truppen führt.

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte auch "Vertre­ter der NATO, der Europäischen Union und Afghanistans zu dem informellen Treffen am 11. Mai eingeladen.

Das Ministerium teilte mit, welche Staaten eingeladen worden waren. Im Norden Af­ghanistans präsent sind jetzt auch die USA, Norwegen und Schweden." [13]

Auch Seyran Ohanyan, der Verteidigungsminister Armeniens, kam mit eine Delegation zu dem Berliner Treffen. Armenien ist das erste Mitglied der Collective Security Treaty Orga­nization / CSTO (der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit / OVKS, s. http://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_des_Vertrags_%C3%BCber_kollektive_Sicherheit ), das der NATO Truppen für Afghanistan zur Verfügung stellt.. Die anderen Mitglieder der CSTO sind Russland, Weißrussland, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Us­bekistan; die Organisation wurde lange als ein Versuch Russlands betrachtet, die Einbe­ziehung ehemaliger Sowjetrepubliken in die NATO zu verhindern.

Einen Tag nach dem Treffen in Deutschland waren der Verteidigungsminister und der Au­ßenminister Armeniens auch in Brüssel, um einer Sitzung des Nordatlantikrats, des höchs­ten Entscheidungsgremiums der NATO, beizuwohnen, auf der auch über den Plan gespro­chen wurde, Armenien eine individuelle NATO-Partnerschaft anzutragen.

Beide Ereignisse sind untrennbar miteinander verbunden und ein integraler Be­standteil des Plans der NATO, die Kontrolle über den südlichen Kaukasus zu gewin­nen. Armenien grenzt wie Aserbaidschan an den Iran. Aserbaidschan und Georgien grenzen an Russland.

Der Krieg in Afghanistan hat der NATO auch die Gelegenheit verschafft, ihre Kontrolle über die aus dem ehemaligen Jugoslawien entstandenen Staaten zu verstärken. Bei ei­nem Treffen der Außenminister der NATO-Staaten im letzten Monat in Estland billigten sie einen Plan zur Aufnahme Bosniens in das Bündnis, als letzte Stufe vor der vollen Mitglied­schaft - nachdem das Land erklärt hatte, dass es ebenfalls Truppen nach Afghanistan ent­senden werde.

"Bosnien machte den ersten Schritt zur Aufnahme in die NATO ... als die aus 28 Ländern bestehende Allianz dem Balkanland die für seine Mitgliedschaft zu erfüllenden Bedingun­gen vorlegten. Mit der Zustimmung zu dem zur Mitgliedschaft führenden Aktionsplan be­lohnten die Minister der NATO-Länder ... die Beiträge des Landes zu der von der NATO geführten Sicherheitstruppe ISAF in Afghanistan." [13]

Am 10. Mai wurde berichtet, Robert Simmons, der stellvertretende NATO-Generalsekretär für Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen und Partnerschaft und Sondergesandte für den südlichen Kaukasus und Zentralasien, habe angekündigt, "Montenegro... sei das nächste Land, das sich der NATO anschließen werde". [14]

Das winzige Montenegro, das erst seit vier Jahren ein unabhängiger Staat ist, sandte im März erstmals Truppen nach Afghanistan, und in diesem Monat werden sein Verteidi­gungsminister und sein Generalstabschef den Kriegsschauplatz besuchen.

Im März und April führte das U.S. Special Operations Command Europe (s. http://www.so­ceur.eucom.mil/ ), wie seiner Website zu entnehmen war, ein Hubschrauber-Manöver mit der kroatischen Luftwaffe durch, bei dem es um die vom Pentagon für besonders wichtig gehaltene internationale Bekämpfung von Aufständischen ging; das Experimentierfeld für Aufstandsbekämpfung ist Afghanistan: "Der 2010 veröffentlichte Quadrennial Defense Re­view (Vierjahresbericht zur Überprüfung der Verteidigung) hob die Bedeutung des Aus­baus der Hubschrauber-Verbände zur erfolgreichen weltweiten Aufstands- und Terrorbe­kämpfung hervor." [16]

Die Balkanstaaten Kroatien und Albanien erhielten schon im letzten Jahr die volle NATO­Mitgliedschaft, nachdem auch sie Truppen für die Kriege in Afghanistan und im Irak zu Verfügung gestellt hatten.

Albaniens Verteidigungsminister war Anfang dieses Monats in Afghanistan, um die 255 Soldaten seines Landes zu besuchen, die in der Provinz Herat eingesetzt sind. "Sie gehö­ren zu zwei Eliteeinheiten der Armee: zum 2. Bataillon der Schnellen Reaktionsbrigade und zum Kommandoregiment." [17]

Die NATO hat den Krieg in Afghanistan - wie die Kriege auf dem Balkan und im südlichen Kaukasus - als Instrument benutzt, um ihren Griff nach den noch nicht voll integrierten skandinavischen Ländern zu verstärken. Der Oberbefehlshaber der NATO in Europa, der US-Admiral James Stavridis, besuchte am 12. Mai Schweden und Finnland, um sich bei den beiden Ländern für die 500 bzw. 150 Soldaten zu bedanken, die sie der NATO für ISAF-Operationen in den vier nördlichen Provinzen Afghanistans zur Verfügung gestellt haben. Stavridis erwähnte nicht, dass bei den Kämpfen bereits vier schwedische und ein finnischer Soldaten getötet wurden, als er eine Scharfschieß-Übung in Finnland besuchte.

Der Krieg in Afghanistan hat der NATO auch als Vehikel gedient, um Kontakte in die asiatisch-pazifische Region zu knüpfen - durch so genannte Länder-Partnerschaf­ten mit Australien, Japan, Neuseeland und Südkorea.

Anfang dieses Monats sagte General David Petraeus, der Chef des U.S. CENTCOM, der bereits als Kandidat für die US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2012 gehandelt wird, er wür­de sich "über mehr australische Truppen in Afghanistan freuen". [18] Australien stellt jetzt schon die meisten Truppen der Länder, die keine Vollmitglieder der NATO sind.

Der südkoreanische Außenminister Yu Myung-hwan besuchte am 11. Mai das Hauptquar­tier der NATO, um sich mit Generalsekretär Rasmussen zu treffen - "Während des Tref­fens sprachen sie über Möglichkeiten, die Beziehungen zwischen der NATO und Südko­rea zu verbessern." [19]; das Anliegen wurde auch dem Nordatlantikrat vorgetragen. Süd­korea hat sich als letztes Land im April offiziell bereiterklärt, der NATO Truppen zur Verfü­gung zu stellen, und wird 400 Soldaten entsenden.

Auch Truppen aus Singapur und der Mongolei [20] dienen bereits unter NATO-Befehl, und Kasachstan, das wie die Mongolei an Russland und China grenzt, wurde als Stationie­rungsland für eine neue Militärbasis der USA und der NATO genannt, welche die Basis in Kirgisistan ergänzen oder ersetzen könnte. [21]

Der Krieg der USA und der NATO in Afghanistan dient auch dazu, das militärische Netzwerk des Pentagons und der Allianz auf mehrere Kontinente auszuweiten, von Luftwaffenstützpunkten in den europäischen Ländern Bulgarien, Ungarn und Rumä­nien über Flugplätze in den zentralasiatischen Staaten Kirgisistan und Tadschikis­tan bis zu Transitrouten und Stützpunkten in Georgien und Aserbaidschan im südli­chen Kaukasus und in den zentralasiatischen Ländern Kasachstan, Kirgisistan, Ta­dschikistan, Turkmenistan und Usbekistan.

Durch bilaterale militärische Verbindungen zwischen den USA und das Militärbünd­nis zwischen Pakistan, Afghanistan und der NATO hat der Westen auch das Militär dieses Schlüsselstaates eingebunden.

General McChrystal, der ISAF-Kommandeur der NATO, hat sich in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad mit dem Chef der pakistanischen Armee beraten und "über aktuelle Operationen der ISAF in Afghanistan informiert".

"Der Besuch des NATO-Kommandeurs fand in einer Zeit statt, in der US-Truppen eine Großoffensive auf die Taliban-Festung Kandahar vorbereiten und Pakistans Unterstützung bei der Sicherung der Grenze (zwischen Pakistan und Afghanistan) erwarten, um ein wei­teres Eindringen von Kämpfern zu stoppen.

Pakistan erklärte, es habe mehr als 100.000 Soldaten entlang der etwa 2.000 Kilometer langen Grenze mit Afghanistan eingesetzt." [22]

Vier Tage vorher hatten lokale Medien berichtet, die NATO habe von Afghanistan aus Mörser-Salven nach Pakistan abgefeuert und dabei fünf Zivilisten - zwei davon sogar schwer - verletzt und eine Moschee stark beschädigt. [23]

Am Tag vor McChrystals Besuch in Pakistan hatte die Presseagentur REUTERS berichtet: "Die CIA hat trotz des (in Pakistan) wachsenden Unmutes über die vielen zivilen Opfer die Genehmigung erhalten, mit ihren von Drohnen abgeschossenen ferngelenkten Raketen noch mehr Ziele in Pakistan anzugreifen." [24]

Zusätzlich zu der Ausweitung seines militärischen Einflusses auf ganz Eurasien und dar­über hinaus hat der Afghanistan-Krieg dem Pentagon noch weitere Möglichkeiten ver­schafft.

Glenn Walters, Brigadegeneral des U.S. Marine Corps, hielt auf einer Konferenz des Insti­tute for Defense and Government Advancement (s. http://www.idga.org/about.cfm ) eine Rede über unbemannte Luftfahrzeugen / UAVs, in der er berichtete: "Drohnen werden auch in Jemen und in Pakistan eingesetzt, aber der größte Teil wird im Rahmen der lau­fenden Truppenverstärkung in Afghanistan gebraucht."

Im Jahr 2001 - vor der Invasion Afghanistans - hatten die USA etwa 200 Drohnen in ihrem Arsenal. Jetzt sind es 6.000 und nach Aussage eines Generals der Marinein­fanterie werden es "in zwei Jahren 8.000 UAVs" sein." [25] Das sind vierzigmal so viele.

Im Jahrzehnt der Drohne [26] blieb ihr Einsatz nicht auf Pakistan und den Jemen be‑

schränkt, der tödliche Raketen tragende Flugkörper wurde auch in Somalia und im Irak eingesetzt; gegen Ende des Jahres 2009 hat das (in Stuttgart angesiedelte) U.S. AFRICOM (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP27209_071209.pdf ) die treffsicherste Drohne vom Typ Reaper mit einem Begleitkommando von über 100 Soldaten auf den Seychellen (einer nördlich von Madagaskar gelegenen Inselgrup­pe) stationiert und damit die zweite US-Militärbasis in Afrika errichtet.

Am 6. Mai "besuchten NATO-Vertreter aus der ganzen Welt" das Ausbildungszen­trum der US-Streitkräfte in Camp Atterbury im Bundesstaat Indiana, um Droh­nen-Flugtests zu beobachten. [27]

General McChrystal, der gegenwärtige US- und NATO-Oberkommandierende in Afghanis­tan und frühere Chef des Joint Special Operations Command (s. dazu auch http://ww­w.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP 09/LP1 1 409 2 1 0509.pdf ), hat den andauernden Krieg auch dazu genutzt, die aus der US-Militärdoktrin erwachsende weltweite Praxis unter Be­tonung der Aufstandsbekämpfung durch Special Forces qualitativ stärker zu verändern, als das in den letzten Jahrzehnten geschehen ist.

Letzte Woche hob General George Casey, der Chef des Generalstabs der US-Army, die besondere Rolle hervor, die das Heer bei der Aufstandsbekämpfung zu spielen habe; er sagte: "Die Bodentruppen müssen sich darauf einstellen, alle bei der Aufstandsbekämp­fung anfallenden Operationen zu trainieren." [28] Am 10. Mai empfing Casey mehr als ein­hundert führende Militärs aus mehr als 24 afrikanischen Staaten zu einer Konferenz der afrikanischen Landstreitkräfte im Pentagon.

Am 6. Mai wurde berichtet, dass Maj. Gen (Generalmajor) Frank Kisner von der US-Air Force, der Chef des Special Operations Command Europe und Einsatzleiter für Special Operations beim U.S. EUCOM (in Stuttgart, s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost­archiv/LP_09/LP27209_071209.pdf ), den Posten des Kommandeurs der internationalen Special Forces im NATO-Hauptquartier in Brüssel übernehmen wird.

Der französische Luftwaffengeneral Stephane Abrial (s. http://www.luftpost-kl.de/luft­post-archiv/LP_09/LP1 9709_1 50909.pdf ), der NATO-Oberkommandierender für Transfor­mation in Norfolk, Virginia, wurde, als sich Frankreich im vorigen Jahr wieder in die militäri­sche Kommandostruktur der NATO integrierte, sagte kürzlich zur gegenwärtigen Transfor­mation der NATO, sie werde vorgenommen, "um sicherzustellen, dass die NATO die not­wendigen Fähigkeiten erhält, um Truppen schnell verlegen und längere Zeit an ihrem Ein­satzort belassen zu können". [29] Der Afghanistan-Krieg ist der Prototyp der Missionen, von denen er gesprochen hat.

Vom 10. bis 13. Mai versammelten sich über "550 Verteidigungsminister, General- stabschefs und höhere Militärs aus 82 Staaten der ganzen Welt" in der jordanischen Hauptstadt Amman zur Konferenz der Kommandeure der Spezialkräfte des Mittleren Ostens; unter dem Titel SOFEX (Jordan) fanden ein Symposion und eine Ausstel­lung zu Aufgaben der Special Forces statt.

Mit der viertägigen Konferenz wurde die Absicht verfolgt, "die Fähigkeiten der Spe­cial Forces auf der ganzen Welt zu verbessern, um ein Netzwerk für globale Sicher­heit und zur Bekämpfung des Terrorismus zu schaffen.

Hochrangige Militärs aus Australien, Frankreich, Deutschland, Italien, Jordanien, dem Libanon, Pakistan und aus den USA hielten Vorträge über Themen wie Kriegs­operationen, Aufgaben des Heimatschutzes, Aufstandsbekämpfung, Kampfhandlun - gen in Städten und Nahkampf.

Generalmajor Charles Cleveland, der Chef der U.S. Special Forces des CENTCOM, der für Afghanistan, Pakistan, den Irak und den Jemen verantwortlich ist, hob die Rolle der Special Forces in modernen Kriegen hervor". [30]

Der Informationsminister Jordaniens offenbarte am 12. Mai, sein Land habe 2.500 Solda­ten der afghanischen Spezialkräfte trainiert, und NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen habe kürzlich bei einem Besuch in Jordanien sein Land darum gebeten, auch afghanische Polizisten auszubilden.

Der Kommandeur der jordanischen Spezialkräfte, Brigadegeneral Ali Jaradat, bestätigte, dass "1.500 Soldaten im 200 Millionen Dollar teuren King Abdullah II Special Operations Training Centre ausgebildet wurden, das im Mai letzten Jahres eingeweiht wurde".

Er fügte hinzu: "Auch Amerikaner und Europäer haben teilgenommen. ... Die meisten Truppen, die in Afghanistan dienen, sind in dem Zentrum ausgebildet worden, bevor sie dorthin gingen." [31]

Das Pentagon hat kürzlich verschiedenen Ländern, aus denen Truppen unter NATO-Kom­mando in Afghanistan dienen, 581 Mine Resistant Ambush Protected / MRAPS (gegen Mi­nen und Hinterhalte gesicherte gepanzerte Fahrzeuge) zur Verfügung gestellt; dazu gehö­ren Jordanien, Georgien, die Tschechische Republik, Polen und Rumänien. Das US-Ver­teidigungsministerium teilte außerdem mit, dass für die in Afghanistan eingesetzten Trup­pen anderer Länder noch einige Hundert weitere Fahrzeuge gebraucht würden. [32]

Im letzten Jahr verlegten die USA eine Einheit mit Schützenpanzern des Typs Stryker (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Stryker Armored Vehicle ) nach Afghanistan; der Panzer, der 2003 bereits im Irak eingesetzt worden war, ist der erste neu entwickelte Panzer der US-Army, seit der Bradley-Schützenpanzer 1981 in Dienst gestellt wurde.

Das (in Vilseck) in Deutschland stationierte 2nd Stryker Cavalry Regiment / SCR absolvier­te im letzten Jahr ein Training in Bulgarien und Rumänien, "als Teil seiner Vorbereitung für seine bevorstehende Verlegung nach Afghanistan".

"Auf dem Flugplatz Mihail Kogalniceanu im östlichen Rumänien entluden Anfang August US-Soldaten 30 Stryker-Schützenpanzer; seither haben sie mit Partnern der Gastge­ber-Nation ein gemeinsames Training durchgeführt. Die Soldaten der 4th Squadron des 2nd SCR nehmen am dritten jährlichen Training der Joint Task Force East in Rumänien teil, während die Soldaten der 2nd Squadron des 2nd SCR ein ähnliches Training in Bulgarien durchführen." [33]

Die Joint Task Force East geht auf eine Initiative des EUCOM (in Stuttgart) zurück (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP 09/LP27209 07 1209. pdf ) und verfolgt das Ziel, die Streitkräfte osteuropäischer Länder in die der USA und der NATO zu integrieren. Sie ist auf dem Luftwaffenstützpunkt Mihail Kogalniceanu angesiedelt und führt seit fünf Jahren gemeinsame Übungen eingeflogener US-Einheiten mit einheimischen Truppen auf rumänischen und bulgarischen Militärbasen durch. Das Wort East (Osten) hat eine doppel­te Bedeutung, weil auf den Basen der neuen östlichen NATO-Länder Truppen für ihre Ein­sätze im noch weiter östlich gelegenen Afghanistan üben.

Afghanistan wurde mit Absicht oder weil es sich so ergeben hat - oder durch eine Kombination beider Möglichkeiten - in einen riesigen Truppenübungsplatz für eine aus fünfzig Staaten zusammengesetzten Militärmacht verwandelt, die bereits in Zen­tralasien, im Kaukasus, in Osteuropa, am Horn von Afrika, im Indischen Ozean und im Mittleren Ostens agiert.

Es ist auch ein Experimentierfeld für die neuen Waffen und Operationsformen des 21. Jahrhunderts, die dort für künftige Einsätze überall auf der Welt getestet werden.

Selbst wenn sich die Streitkräfte der USA und der NATO schon morgen aus Afgha­nistan zurückziehen müssten, wären die dort gewonnenen Erkenntnisse für die Kriegsplaner in Washington und Brüssel nicht verloren.

Anmerkungen (im englischen Originaltext)

1)   Reuters, May 12, 2010

2)   North Atlantic Treaty Organization, May 7, 2010

3)   Radio Netherlands, May 8, 2010

4)   North Atlantic Treaty Organization, May 4, 2010

5)   The Times, May 3, 2010

6)Associated Press, March 13, 2006

7)   Ibid

8)   Reuters, July 21, 2006

9)Associated Press, July 30, 2006

10) Toronto Star, August 26, 2006

11) Associated Press, July 30, 2006

12) Trend News Agency, May 4, 2010

13) Associated Press, May 4, 2010

14)   Deutsche Presse-Agentur, April 23, 2010

15)   Makfax, May 10, 2010

16)   United States European Command, May 1, 2010

17)   North Atlantic Treaty Organization

International Security Assistance Force

May 5, 2010

18) Australia Network News, May 1, 2010

19)   North Atlantic Treaty Organization, May 11, 2010

20)   Mongolia: Pentagon Trojan Horse Wedged Between China And Russia

Stop NATO, March 31, 2010 http://rickrozoff.wordpress.com/2010/03/31/mongolia-pentagon-trojan-horse-wedged­between-china-and-russia

21)   Kazakhstan: U.S., NATO Seek Military Outpost Between Russia And China

Stop NATO, April 14, 2010 http://rickrozoff.wordpress.com/2010/04/15/kazakhstan-u-s-nato-seek-military-outpost­between-russia-and-china

22) Xinhua News Agency, May 7, 2010

23)   Pakistan Daily Mail, May 3, 2010

24)   Reuters, May 6, 2010

25) Army Times, May 1, 2010

26)   Decade Of The Drone: America's Aerial Assassins Stop NATO, March 9, 2010 http://rickrozoff.wordpress.com/2010/03/09/decade-of-the-drone-americas-aerial-assassins

27)   Camp Atterbury Public Affairs, May 8, 2010

28)   U.S. Department of Defense, May 7, 2010

29)   Defense News, May 4, 2010

30) Xinhua News Agency, May 11, 2010

31)   USA TODAY, May 10, 2010

32)   USA TODAY, May 10, 2010

33) Joint Task Force-East, October 22, 2009

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(Wir haben den wieder sehr informativen Rick-Rozoff-Artikel komplett übersetzt und mit Hervorhebungen und einigen zusätzlichen Links in Klammern versehen.)


http://rickrozoff.wordpress.com/2010/05/1 4/nato-in-afghanistan-world-war-in-one-country

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP13110_180510.pdf
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