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Wie die WASG die Wirtschaft wieder ankurbeln will
„Die Wirtschaft hat der Versorgung des Menschen zu dienen. Die Unterwerfung des Menschen unter die Interessen der Wirtschaft lehnen wir ab.“ heißt es im Gründungsprogramm der WASG.
Dieser Satz hält die Anhänger der Marktwirtschaft als auch die der Basisplanwirtschaft gleichermaßen zusammen. Wenn dieses Ziel mit der Marktwirtschaft nicht mehr zu erreichen ist, würden sich auch fasst alle reformistischen WASGler für einen solidarischen Basisplan früher oder später entscheiden. Wir sind überzeugt davon, dass der überwiegende Teil den Lohnkürzungen nicht solange zusehen werden, bis diese chinesisches Niveau von 70 Cent erreicht haben – jedenfalls werden sie so den obigen zentralen Satz des Gründungsprogramms nicht verstehen.
Damit wir auch nicht dann auf den St. Nimmerleinstag warten müssen,
sollten wir uns heute schon Gedanken machen, wie sicher das Argument
unserer Partei ist, das Ziel der Unterordnung der Wirtschaft unter die
Bedürfnisse des Menschen einzuschätzen ist.
Die Wahlalternative steht bei ihren Vorschlägen zur Lösung der
wirtschaftlichen Verwerfungen in der Tradition des linken
Keynesianismus mit ihren Hauptvertretern Starcheys und Joan Robinsons.
Entsprechend schlägt sie in ihrem Gründungsprogramm vor;
Werden Sozialleistungen und Löhne erhöht, wachsen Nachfrage, Absatz,
Produktion und Beschäftigung. .. Ohne vermehrte öffentliche
Investitionen und eine Stärkung der Massenkaufkraft kann aktive
Arbeitsmarktpolitik auch in Zukunft nur das Elend der
Massenarbeitslosigkeit verwalten.“
Klar bringt das Gründungsprogramm der geschäftsführende Vorstand Thomas Händel in der Homepage auf den Punkt:
„Deshalb braucht es zu einer wirklich anderen (Wirtschafts-)Politik
eben drei ganz wesentliche Faktoren: Die Stärkung der Masseneinkommen,
einer produktivitätsorientierten Lohnpolitik und einer offensiven
öffentlichen Investitionspolitik - dann klappts auch mit dem Wachstum.
In Zeiten wirtschaftlicher Krise kommt dem staatlichen Handeln große
Bedeutung als Impulsgeber für die Wirtschaft zu. Um die Konjunktur
anzuschieben bräuchte es Mehrausgaben - auch über Schulden finanzierte.
Sie ziehen weitere Investitionen u.a. aus der Privatwirtschaft nach
sich. In Zeiten der Hochkonjunktur können dann gemachte Schulden wieder
abgetragen werden.
Als Beispiel für große Länder werden oft Großbritannien oder die USA
angeführt. Nur, im „Vereinigten Königreich“ liegen die Löhne immer noch
20% unter den deutschen Durchschnittslöhnen und die „Vereinigten
Staaten“ können über ihre Verhältnisse leben, weil sie jeden Tag 2
Milliarden vom Ausland geliehen bekommen. Es haben sich schon 8,2
Billionen Dollar Auslandsschulden dort angesammelt. Der Dollar wird
noch vom Ausland als Stützungswährung für ihr eigenes Geld genommen
bzw. die US-Aktien oder Staatsanleihen als Anlagekapital. Noch. Die
Inflationsrate beträgt bereits 4,7%. Die Lohnsteigerungen sind in
Amerika seit 1970 immer wieder von der Inflation aufgefressen worden.
Gerade dieses Land kann uns nicht als Vorbild dienen.
Die traurige Realität
Sonst kennt man bei den großen Ländern nur negative Beispiele. Bei den
deutschen Beispielen unter Wirtschafsminister Schiller 1966 und
Bundeskanzler Helmut Schmidt 1974 gab es sowohl eine Nachfrage- als
auch mit Hilfe des DGB’s eine lohndrückende Angebotspolitik. Beide Male
konnte man nicht von einer reinen keynesianischen Politik sprechen,
sondern jedes Mal war auch eine Prise Angebotsorientierte Politik von
Milton Friedman mit dabei. Ob Keynes oder Friedman, der 2. Versuch
endete 1976 wegen des Anfangs der langen Talfahrt bei 1,5 Millionen
Arbeitslosen, 1971 gab es nur 26.000

In Großbritannien endete Anfang der 70er Jahre eine
nachfrageorientierte Verschuldungspolitik mit Abermilliarden
Sozialkürzungen und einer Arbeitslosigkeit von 6,1% in 1977. Das
Ergebnis war dann Maggie Thatcher, die schon Mitte der 80er Jahre mit
ihrer weiteren Lohndrückerei schon damals Millionen von Briten in die
Arbeitsemigration trieb und eine südkoreanische Autofabrik ins Land
locken konnte, da die britischen Lohnkosten bereits unter den
koreanischen lagen. Droht das Gleiche uns jetzt mit China? Am
tragischsten aber endete der „keynesianische“
Konjunkturbelebungsversuch von Francois Mitterand 1981 mit einem
beispiellosen Reformprogramm, das 95 Maßnahmen umfasste. Die Rente gab
es schon ab 60 und wurde um 20% erhöht, der Mindestlohn wurde erhöht, 5
Wochen Urlaub, 35 Stunden-Woche, Kindergeld +25%, Arbeitslosengeld +10%
und und und, alle wichtigen Arbeitnehmerrechte, die wir auch von der
WASG kennen.
Aber die zusätzliche Kaufkraft wurde leider zum Erwerb deutscher Waren
genutzt. Das führte zwar in Frankreich zu weniger Arbeitslosen, dort
aber zu keinem Wirtschaftswachstum und leider auch zu einer negativen
Handelsbilanz. Premierminister Mauroy drängte Mitterand, wieder
zurückzurudern Aber der wollte erst auf dem G7-Treffen am 4. Juni 1982
in Versailles alle großen der Welt dazu aufrufen, gemeinsam die
Weltwirtschaft wieder anzukurbeln. Mauroy erzählte süffisant dem
Fernsehreporter seinen kläglichen Versuch: „Der amerikanische Präsident
Reagan studierte seinen Spickzettel, der kanadische Premierminister
Trudeau spielte mit seiner Knopflochnelke, der japanische Suzuki schien
zu schlafen, die britische Premierministerin Thatcher schaute verlegen
auf ihre Schuhe und der deutsche Bundeskanzler Schmidt zuckte nicht
einmal mit der Wimper“. Das war das Ende des Keynesianismus und es
folgte eine harte Sparpolitik.
Die theoretische Erklärung, warum der Keynesianismus versagen muss
Das Ungleichgewicht in der Weltwirtschaft und die galoppierende
Globalisierung führen dazu, dass nur das Länd mit den niedrigsten
Lohnstückkosten von der konsumsteigenden Konjunkturbelebung profitiert,
und das ist China. Der Walmart kauft schon mehr im Reich des Drachens
ein als gesamt Deutschland. Und beim ALDI sieht es auch nicht mehr viel
anders aus. Es wird oft nur noch hier verpackt und das Etikett „Made in
Germany“ aufgeklebt.
Die Konzerne verlagern übrigens ihre
Produktion nicht nur deshalb nach China, weil sie hier keine Käufer
mehr finden, sondern in der Hauptsache deshalb, weil die Rendite
(Gewinn/Investitionen) hier zu mager ist. Hier arbeiten schon mehr die
Kollegin NC-Maschine oder Kollege Computer, aber da die menschliche
Arbeit die einzigste Quelle des Mehrwertes ist, sind auch die Renditen
oder relativen Gewinne im Keller. Autos kaufen eben keine Autos,
stellte schon Ford fest.
1850 lag die Durchschnittsprofitrate
(annähernd wie die Rendite) bei 50%. Bis zu den 30ern fiel sie auf 18%
um bis 1982 in Deutschland auf 5% zu fallen. Kohl brachte sie dann
durch einen harten Lohn- und Sozialraub wieder auf 12%. Inzwischen ist
sie im verarbeitenden Gewerbe wieder bis 1998 auf 3,5% gefallen. Marx
nannte das den „tendenziellen Fall der Profitrate“. Heute können die
Konzerne nur noch profitable Renditen machen mit Aktien- und
Hedgefondshandel (Deshalb spricht man in Insiderkreisen über Mercedes
auch von einer Bank mit angeschlossener Autowerkstatt) sowie natürlich
mit den sich überschlagenden Lohnkürzungen und Entlassungen.
Durchschnittliche geglättete Profitrate in Deutschland
Siemens
zum Beispiel erwirtschaftete bei der Handyproduktion in Kamp-Linifort
nur noch 1% Gewinn, obwohl sie am 1.7.04 den Kollegen den Lohn um 26%
mit 2-jähriger „Beschäftigungsgarantie“ kürzten. Und wenn die Arbeiter
ohne Lohn gearbeitet hätten, wäre nur 4% erwirtschaftet worden. Also
vertickerten sie das Werk an einen taiwanesischen Konzern. Dem ging es
nur um die Markenrechte für Europa und er wird sich 2006 zurückziehen.
Der Gesamtbetriebsrat von Siemens rechnet übrigens noch mit weiteren
70.000 Entlassungen. Bei ihrem Monopily-Spiel sind doch den Vorständen
die tausende Existenzen schnurzegal. In China hat Siemens schon 56
Betriebe und da laufen dank Gewerkschaftsverbot Handys, ICC, Transrapid
und Generatoren wie geschmiert, nur mit der Bedingung, in China zu
produzieren und Know-how und die Pläne mitzubringen. Da locken
profitable Renditen von 25%. Statt einer Verpackungsmaschine verpacken
dort 10 Kulis für ein Bett und eine Mahlzeit, dann können die Herren
sich noch genug abzweigen. Gerade legt mir Holger das
Wirtschaftswoche-China-Sonderheft auf den Schreibtisch: „Partner oder
Rivale?“ Halb in chinesisch geschrieben, damit man die neue
Herrschaftssprache schon mal üben kann. Dann heißt es nicht mehr
McDonalds, sondern McMiau. Amerika betrachtet China schon mehr als
Rivale, formuliert seine neue aggressive Atombombenpolitik und in Paris
tobt die Intifada.
Trotz höherer Unterstützung der
Nachfrageseite wird es in Europa bei den mageren 5 oder auch 10%
Renditen zu immer mehr Massenarbeitslosigkeit kommen. Den
Qualitätsrückstand wird China wie Japan in den 70ern in 2-3 Jahren
eingeholt haben. Der Chef von Haier hat 50 seiner Waschmaschinen in den
Hof stellen lassen, ließ seine Ingenieure und Facharbeiter antanzen,
drückte ihnen einen Vorschlaghammer in die Hand und sie mussten den
ganzen Schrott zusammen trümmern. Das ist chinesische
Qualitätskontrolle, obwohl schon jede 3. Waschmaschine in den USA aus
dem Reich der Mitte kommt. In kürzester Zeit werden sie europäischen
Standard erreicht haben. Dann werden die Marken Lenovo, Schanghai
Automotive oder Haier sich durchsetzen und die Meldungen über
Betriebsschließungen gehören hier zum morgendlichen Ritual wie die
Wettermeldungen. Eine negative Handelsbilanz hat Deutschland bereits
und mit China im besonderen auch.
Bliebe der Vorschlag der
Wirtschaftsankurbelung durch öffentliche Investitionen (40 Mrd. im
Eckprogramm), also einer antizyklischen Wirtschaftspolitik. Wenn der
Staat aber verschuldet ist, dann hatte auch Keynes vor weiteren
Verschuldungen gewarnt. Er empfahl nur dann eine antizyklische
Wirtschaftspolitik, wenn der Staat dieses Geld auch angespart hätte. So
führt das nur zur Anheizung der Inflation, einem Verdrängungseffekt
durch die dann höheren Zinsen sowie der Benachteiligung der nicht
geförderten Betriebe. Das Ergebnis wäre nur eine Erhöhung der Gefahr
einer Stagflation.
Wir müssen aber all diese Forderungen
durchsetzen, weil sonst von der Würde der Kolleginnen und Kollegen und
ihrem Geld bald nicht mehr viel übrig bleiben wird. Aber das
Wirtschaftswachstum bleibt leider in China. Paris mit seiner „Intifada“
ist nicht weit von Frankfurt oder Köln. 50% Arbeitslose gibt es in den
Vorstädten von Paris unter den Emigrantenjugendlichen. Sie haben keine
Vergangenheit und werden nie eine Zukunft haben. „Wir werden nur wie
Dreck behandelt und werden nie eine Familie gründen können. Da machen
wir es genau so wie im Gazahstreifen“, erklärt ein verzweifelter
Jugendlicher in die Kamera. Und wer kann ihm das verdenken? Kann man da
von dem Bub noch geduldiges gewerkschaftliches Handeln erwarten?
Das
müssen wir Erfahrenen schon vorangehen Es wird endlich Zeit, dass
DGB-Sommer und ähnliche Dauerschläfer aus ihrem Tiefschlaf aufwachen,
oder wollen sie noch weiter schlafen, bis die Familienväter, um ihre
Kinder satt zu kriegen, vandalierend und plündernd durch die Städte
ziehen? Brrrrrrrrh. Aufstehen. 5 vor 12. Die Parole heißt: Schule ohne
Diskriminisierung, Ausbildungsplätze für alle, qualifizierte
Arbeitsplätze für alle, Stoppt Rassismus bei der Polizei und überall,
der Jugend eine Zukunft. Pisa hat doch gezeigt, dass Paris nicht mehr
weit weg ist.
Die demokratische Alternative
Bevor
wir uns der Alternative zuwenden, wollen wir noch einmal kurz die
Ursachen für die Arbeitslosigkeit und die Lohnkürzungen aufzeigen. Der
Einzelkapitalist steht in Konkurrenz zu den anderen Kapitalisten. Die
wollen ein Stück von seinem Absatzmarkt. Also kauft er sich eine
Maschine, um zu rationalisieren und die anderen zu unterbieten und
Teile ihrer und auch neue Absatzmärkte zu erobern, um die Maschine
zahlen zu können. Dafür muss er natürlich auch Leute entlassen und
seine Gewinne steigen absolut und relativ.
Aber, ach du Schreck,
im nächsten Jahr haben sich alle Konkurrenten auch sogar eine noch
schnellere Maschine gekauft und erobern sich mit weiteren
Preissenkungen ihre alten Märkte zurück, und auch neue. Also müssen
die Löhne gesenkt werden und alles beginnt von Neuem. Der Preis fällt
erst, der Warenwert fällt, die Profitrate fällt (Die relativen
Gewinne), die Arbeitsplätze fallen, der Lohn fällt, alles fällt, nur
die absoluten Gewinne nicht und das Auto unseres Privatkapitalisten
oder Aktienhalters und Couponschneiders wird immer größer.
In
Deutschland wird jedes Jahr im Durchschnitt um 3% rationalisiert. Um 1%
fällt die durchschnittliche Profitrate und man erwartet eine Expansion
um 2%. Für jedes Prozent, das man weniger expandiert, rechnet man mit
300.000 weiteren Arbeitslosen. Momentan haben wir ein Plus des BSP von
0,7%, das wären 300.000 mal 1,3 = 400.000 weitere Arbeitslose = ca.
5.000.000. Das schätzt auch das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) der Arbeitgeber bis Ende 2005. Aber wenn
der Ölpreis so weiter steigt, kommt da bis April für die
Preissteigerung (momentan bei 2,5%) noch ein Batzen dazu.
Das Credo der Marktwirtschaft heißt heute:
Rationalisieren, Entlassen, Löhne senken, Expandieren.
Und das ganze wieder von vorne.
Die
Vorschläge für einen „Dritten Weg“ zwischen Kapitalismus und einer
Kommandowirtschaft (bzw. Sozialismus, wie die „Dritte Weg“-Theoretiker
die Ein-Parteiendiktatur der DDR irrigerweise nennen) helfen uns da
auch nicht wirklich weiter, denn dann hätten wir die Nachteile des
Kapitalismus, die Arbeitslosigkeit, und die der Kommandowirtschaft, die
Billigstlöhne. Wir bekommen ja diesen Weg gerade mit China vorgeführt,
Millionenheere zerlumpter Arbeitsloser auf dem Lande und die feinen
Herrschaften von Partei und Kapital leben in Saus und Braus – nein danke
Die
alternative Produktionsweise drängt sich bei den voranschreitenden
Lohnkürzungen und Entlassungen fasst von selber auf, ob man das will
oder nicht. Es ist die nach den objektiven Interessen der Arbeiter
ausgerichtete, dem Internationalismus. Was hat der Kollege von Siemens
davon, wenn sein Kollege bei Haier in Schaghai nur 1 €uro Lohn
bekommt? Nichts, denn dann wird sein Lohn gedrückt und letztlich wird
er gefeuert. Also ist sein objektives Interesse, dass alle Arbeiter in
der Welt das gleiche wie er selbst verdient, nämlich 4.000 €uro im
Monat. Wenn er selber entscheiden könnte, würde er den Vorschlag sofort
annehmen und die Konkurrenzlogik sein lassen, und schon wäre alles
gelöst. So einfach ist das.
Macht mal auf der nächsten
Betriebsversammlung den Vorschlag, wenn die Vorstände euch was vom
Gürtel enger schnallen erzählen, weil ja die Osteuropäer oder die
Asiaten so billig seien. Wir Arbeiter aber haben einen besseren
Vorschlag: Nicht, dass wir so wenig verdienen wie die Asiaten, sondern
umgekehrt, die Asiaten und die ganze Wellt sollen so viel verdienen wie
wir. Ihr werdet sehen, dass alle selbstbewussten Kolleginnen und
Kollegen begeistert sein werden. Ich selber habe diesen Vorschlag als
Vertrauensmann bei einem Autozulieferer (Ate-Scheibenbremsen) 1974 vor
mehreren tausend Kollegen gemacht, als ein Vorstand uns was von den
billigren Japanern verklickern wollte. Da war ein riesen Hallo,
besonders natürlich bei den ausländischen Kollegen, und der Vorstand
getraute sich nicht, mich wegen einer politischen Stellungnahme
abzumahnen, später darf er das nicht mehr, außerdem hat er ja selber
mit den politischen Stellungnahmen angefangen, die Kollegen hätten ihn
gevierteilt. Na ja, 70er Jahre, da war das noch einfacher. Danach
sprach mich ein Kollege an: „Kollege“ sagte er, „du bist ein guter
Philosoph, aber du wirst es nie schaffen, alle Kollegen unter einen Hut
zu bringen“.
Und genau das ist das Problem. Schlaues Gerede das,
aber wie sollen wir dann dahin kommen? Und genau diese Frage werden
sich jetzt alle Leser dieser Zeilen stellen.
Genossen, die sich
in der Arbeitergeschichte auskennen, wissen, dass sich in allen
revolutionären Zeiten demokratische Arbeiterräte spontan von selber
entstanden sind, zum Schluss in Portugal 1974. Am Anfang entwickeln
sich spontan an der Basis „wilde“ Streiks (nicht offizielle, nicht
angemeldete, ohne Bahnsteigkarte) und bilden Streikkomitees. Dieser
erste automatische Schritt ist bereits in den Anfängen erfolgt, z. B in
London bei 35.000 Postarbeitern (Die gaben sogar eine Zeitung raus) und
bei den Feuerwehrleuten oder in Rom bei den Busfahrern. Die
Opel-Kollegen hatten schon daran gedacht, aber dann wurde der Streik
mit der suggestiven Frage „Wollt ihr weiterstreiken oder verhandeln
leider abgebrochen. Diese Bewegung wird sich mit den weiteren
Lohnkürzungen und Entlassungen immer weiter entwickeln, früher oder
später auch in Deutschland, ob man das will oder nicht. Die Streikrätte
werden nach 3 Prinzipien gewählt. 1. Jederzeitige Abwählbarkeit, 2. Sie
unterliegen den Beschlüssen der regelmäßig tagenden Basis und sind
ihnen rechenschaftspflichtig. 3. Sie erhalten kein Extralohn.
Mit der Zeit werden die Streikräte auch andere Aufgaben übernehmen
wie Preis- oder Mietkontrolle, soziale oder administrative Aufgaben und
am Ende werden die Streikräte sich national vernetzen und in
demokratische Arbeiterräte umbenennen mit den oberen 3 Prinzipien, der
3. Punkt heißt dann: Facharbeiterlohn. Soweit wird die Entwicklung
nicht von unserem Willen abhängen, das wird kommen wie das Amen in der
Kirche. Da sind wir uns auch sicher, dass die WASG in den höchst
demokratischen Arbeiterräten, so sie kommen, mitarbeiten werden würden.
Sonst hätte sie ja bei den Arbeitermassen nichts mehr zu melden.
Die
Entwicklung mit dem Sozialklau wird in der Konkurrenzwirtschaft
natürlich weiter gehen wie bisher. Seit 1971 leben wir in einem großen
Abschwung mit kleinen Aufschwüngen zwischendurch. Die Marktwirtschaft
hat die großen Abschwünge bisher nur mit Weltkriegen beenden können.
Heute aber würde ein Weltkrieg ein Atomkrieg bedeuten und das hieße
Untergang der Menschheit. Nein nein, soweit wird es nicht kommen, noch
nicht mal dazu, dass die Pariser Intifada auf die Arbeiterbewegung
übergreift. Schon lange vorher wird der Ruf nach einer solidarischen
demokratischen Planwirtschaft immer lauter.
Leider bringt es
keinen Sinn, dass die Kapitalisten eine Planwirtschaft durchführen,
denn da bliebe kein Gewinn übrig oder sie gewönnen die Kollegen für
eine kapitalistische Sklavenhaltegesellschaft, wo die über 30jährigen
zu Büchsenfleisch verarbeitet werden, weil, die wären dann für die
Wirtschaft echt überflüssig und die totalen Parasiten
Also
werden die Kolleginnen und Kollegen die Sache selber in die Hand nehmen
müssen, und eine solidarische Welt bauen, in der nach den Bedürfnissen
der Basis produziert wird und nicht mehr für einen unbekannten Markt.
Ab hier greift der bewusste Wille ein. 1917 gab es zwar spontan
Arbeiter- und Soldatenräte, die aber dann ihre Macht dem bürgerlichen
Parlament überließen. Die KPD um Rosa Luxemburg waren erst 3.000
Genossen. Niemand hatte aber Erfahrung mit dem Kapitalismus, man stand
noch am Anfang. Heute stehen wir an seinem Ende und vor seiner
langsamen Auflösung. Alle Staaten sind pleite wie 1989 die DDR und
haben heute schon nichts mehr anzubieten außer Arbeitslosigkeit und
Lohnkürzungen, nichts mehr. Und es wird nie mehr besser, nur noch
schlimmer. Ende – Aus – Vorbei.
Da langt in ganz Deutschland der
Vorschlag von ein paar hundert überzeugten Anhänger der solidarischen
Planwirtschaft, die von den demokratisch gewählten Arbeiterräten
durchgeführt werden sollte, und die Millionenmassen der Arbeiterinnen
und Arbeiter werden gemeinsam durch Deutschlands Straßen spazieren Die
Pariser Intifada ist nur ein Vorbote davon. Wie in Leipzig 1989 wird
kein Schuss fallen, wofür auch, Soldaten und Polizisten werden auch
mitflanieren, und die Konkurrenzlogik, die so tief in unsere Hirne
traumatisierend eingebrannt wurde, wird an einem Tag verflogen sein
Alle
Fenster werden geöffnet und die Betriebe werden in eine Agora
verwandelt, auf der alle Menschen nach schöpferischer Arbeit gemeinsam
über den Sinn der nächsten Maschine in der Galvanik, über den Bau eines
Museums im Städtchen nachdenken oder die Dialektik bei den alten
Griechen beleuchten. Das hat doch was, oder?
Du denkst, dass
dann ein finsterer Bürokrat kommt, der nicht mitflaniert ist und
deshalb nicht durchgelüftet wurde, und die harmonische Welt zerstören
wird. Dabei muss man wissen, dass es 1917 in Russland nur 4%
Arbeiterklasse gegeben hat und Stalin deshalb leicht mit seinen
Schlägertruppen und Hinrichtungen seine Konterrevolution durchführen
konnte.
Heute sind wir aber in Europa 85% Arbeiterklasse, da
wird ein Möchtegern-Stalin ganz schnell wieder abgewählt. Wir können es
uns auch leisten, die kleinen Ladenbesitzer und alle Kleinbürger im
Arbeiterrat mitentscheiden zu lassen und wenn Herr Pierer ganz brav die
Debitoren bucht, dann darf er auch mitwählen.

Das ist doch ein
viel demokratischeres System als die bürgerliche Demokratie, wo du nur
alle 4 Jahre wählen darfst und dann für den Rest über dich entschieden
wird. Hier werden regelmäßig Abteilungs-, Werks-, Stadtversammlungen
usw., Räte und Delegierte gewählt, Beschlüsse gefällt und unsere
Häuptlinge sind noch daran gebunden und machen das Ganze nur für den
Spaß. Mit der Zeit kann niemand mehr wie die frühen Germanen zwischen
Arbeit und Hobby unterscheiden. Also, du hast nicht nur die höchste
Demokratie, sondern auch die Befreiung von der ermüdenden Lohnarbeit.

Und
wie funktioniert eine solidarischer Basisplan? Da brauchst Du noch
nicht mal Volkswirtschaft studieren. Du gibst einfach im Internet ein,
was du die nächste Zeit alles brauchst und die Summe wird dann weltweit
entsprechend der Arbeitsplätze auf alle Werke umgelegt. Und wenn ein
Werk eine Supermaschine hat, dann kriegen die anderen die auch,
lizenzfrei, und alles freuet sich, weil man jetzt wieder mehr Zeit
gewonnen hat, eine Friedenswasserpfeife zusammen zu rauchen und über
die Anwendung der Relativitätstheorie in ihren Werken für Autorooter zu
diskutieren oder den Einfluss von Picasso auf die surrealistische
Malerei. Thats it.
Wer jetzt immer noch meint, dass der Mensch
für so was einfaches viel zu egoistisch sei und er wolle lieber die
Marktwirtschaft zurück, dem möchte ich empfehlen, an den nächsten zehn
Generalstreiks in Paris mit zu demonstrieren, dann können wir
weiterreden.
Noch aber ist es so, dass hier alle Menschen zu
bedrückt und niedergeschlagen sind. Noch hält man eine so schönen Traum
für ein Märchen aus 1001er Nacht. Also begeben wir uns dahin, wo sie
auch am nahesten am Arbeiter stehen. Und das ist die WASG. Mit dem
linken Keynesianismus werden die Kollegen im 1. Schritt wenigstens
nicht geschröpft. Und oft, nicht immer, macht die Arbeit hier auch
Spaß. Es wird eine gerechte Politik versucht. Sollte in einem großen
Land trotz Lohnerhöhung und antizyklischer Investitionspolitik auf
Schuldenbasis doch kein Wirtschaftsaufschwung zustande kommen oder aus
den Streiks würde immer lauter der Ruf nach demokratischen
Arbeiterräten ertönen, werden wir die obigen Vorschläge, wie die
Wirtschaft zum Wohle der Menschen wieder in Gang kommt, dann
diskutieren.
von Norbert Nelte
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